Broder und der Börne-Preis

Mit Henryk M. Broder bin ich weiß Gott oft nicht einer Meinung. Wenn ich seine Polemiken lese, dann sehe ich zwar meistens einiges Wahres und manch angebrachte Kritik, aber daneben auch viel Paranoides, manchmal geradezu Hetzerisches und Gefährliches. Vermutlich bin ich in diesem Blog der Quoten-Dhimmi, denn ich vermag den Islam nicht als etwas überwiegend Schlechtes sehen und halte die Aufregung über den “Islamofaschismus”, wie sie auch Broder fördert und vorantreibt, für völlig überzogen und eine Beleidigung für die vielen friedliebenden Muslime, die auch in unserem Land leben.

Trotzdem aber ist Broder eine wichtige Figur, auch in meinen Augen. Es ist wichtig, dass jemand die Ängste und das Gefühl der Bedrohung, das viele unserer Mitbürger gegenüber dem Islam empfinden, offen und auch durchaus scharf anspricht, ohne dabei aber für ein alternatives System zu stehen, das hierzulande schon einmal katastrophale Folgen hatte. Ich denke, diese Mitmenschen haben Unrecht, und auch Broder hat Unrecht - aber wäre er nicht, wer würde dann die Diskussion in dieser Art führen und beleben? Es ist ja nicht nur so, dass die “einfachen Leute”, denen Broder mit der Kritik an Islam und Kapitulation aus dem Herzen spricht, sich in ihm wiederfinden und von seinen Worten vertreten fühlen. Sondern durch Broder gibt es auch für die, die anderer Meinung sind, eine Möglichkeit, zu antworten und sich mit dieser Meinung auseinanderzusetzen. Im wohlgefälligen Einheitsbrei, den die übrige “große” Publizistik sonst bei diesen Themen darstellt, würden viele Menschen sich weder vertreten noch verstanden, aber eben auch nicht beantwortet sehen.

Allein das macht einen Hendryk Henryk (danke, Rayson) Broder wertvoll auf dem Markt der Meinungen in dieser Republik. Im Gegensatz zu gewissen Bloggern, die in der Blogosphäre oft mit ihm zusammen genannt werden, die aber weder seine Differenzierungsfähigkeit noch seine Begabung zum Disput haben - und vor allem eine noch wesentlich extremere Meinung vertreten, die dann wohl wieder nur wenige unserer Mitbürger direkt teilen würden.

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8 Kommentare zu “Broder und der Börne-Preis”

  1. 25.06.2007 | 17:15

    Keine Sorge, Du bist nicht der “Quoten-Dhimmi” - 1. dazu müsstest Du erst mal “Dhimmi” sein und 2. bin ich (grundsätzlich) der selben Ansicht wie Du - wenn ich von “Islamofaschisten” schreibe, dann meine ich Fanatiker, auf die diese Bezeichnung auch voll und ganz zutrifft - will sagen: längst nicht jeder Moslem ist ein Islamist, nicht jeder Islamist ein Islamofaschist. Was Broder leider ab und an vergisst.

    Broder ist jemand, der dort in Ecken leuchtet, wo andere nicht einmal Ecken sehen - z. B. den linken Antisemitismus. Außerdem ist er ein großartiger Reisereporter (was auch nicht vergessen werden darf.) Ich denke: Für sein “Lebenswerk” hat er den Börne-Preis allemal verdient, für sein Werk der letzten vier, fünf Jahre nicht unbedingt, weil er manchmal das Kind mit dem Bade ausschüttet. Auch wenn ich seinen Zorn meistens nachvollziehen kann.

  2. R.A.
    25.06.2007 | 17:29

    > Ich denke, diese
    > Mitmenschen haben
    > Unrecht, und auch
    > Broder hat Unrecht
    > …
    Womit denn konkret?
    M. W. hat Broder nie gefordert, alle Muslime rauszuschmeißen oder sonstwie pauschal den ganzen Islam in die Pfanne gehauen - er kritisiert eigentlich immer nur die Fanatiker.

  3. 25.06.2007 | 17:45

    Wo kommt denn plötzlich das “d” im letzten Absatz her? Ist der Mann jetzt Norweijer? ;-)

    Alle, die sich an Broder reiben, vergessen meist eins: Der Mann ist nicht nur Partei, er will es auch sein. Ihn zum Mahner oder Gewissen der Nation auszurufen, wäre ebenso grottenfalsch wie von ihm ganz sicher nicht erwünscht.

    Ich teile weiß Gott nicht alle seine Ansichten, aber ich kann ungefähr verstehen, aus welchem Herzen sie kommen. Auch Broder war nicht frei vom Irrtum, dass der Feind seines Feindes sein Freund sein sollte, aber er hat wenigstens die Größe besessen, diesen Irrtum immer wieder mal zu korrigieren. Sowas muss allen, die ohne Schubladendenken jeglichen diskursiven Halt verlören, natürlich sehr irritierend vorkommen. Ein Linker, der das Linkssein ad acta legte, als er linken Antisemitismus bemerkte. Ein Streiter gegen den sich antisemitisch gebärdenden Islamismus, der sich nach und nach von falschen Freunden in der Blogosphäre trennt - manchmal mit, manchmal ohne Knall. Broder ist, für mich von außen betrachtet (ich habe den Mann nie getroffen), viel nachdenklicher und komplexer, als es seine unkritischen Fans und seine pawlowschen Feinde wahrhaben wollen. Sie lassen sich von einer Polemik täuschen, die doch nur nach adäquatem Widerspruch giert. Weil sie nichts Vergleichbares dagegensetzen können, bleibt seinen Feinden nur noch, vor Wut zu schäumen.

    Und, ganz persönlich angemerkt: Seine Pointen sind, wenn sie treffen, so frappierend, dass er aus meiner Sicht ohne Einbußen an seiner Bedeutung auf jeden Treffer mindestens vier Versuche frei hat, die total daneben landen dürfen. Aber da ist wohl noch jede Menge Luft…

    Es ist großartig, dass es ihn hier und heute gibt. Auch und gerade, wenn man ihm widersprechen muss,

  4. 25.06.2007 | 18:34

    @R.A.:

    Boh, da müsste ich jetzt suchen. Macht es Dir was aus, wenn ich diese Diskussion jetzt nicht aufmachen möchte, weil mein Beitrag Broder ja auch vor allem loben soll? Um es nur ein wenig konkreter zu machen: Die “Kapitulation” unseres Landes, die er zu sehen glaubt, kann ich so noch nicht erkennen.

    @Rayson:

    Entdecke ich da Antinorgeanismus in Deiner ersten Zeile? ;)
    Zum Rest Deines Kommentars: Danke für die schöne Ergänzung zu meinem Beitrag - ich denke, dass wir da auf einer Linie liegen.

  5. 25.06.2007 | 18:39

    @Karsten

    I wo - ich liebe Blackhütten und Murrrrmeltiere (und wer die Hape-Anspielungen nicht versteht, ist selber schuld)!

    Ja, ich denke auch, dass wir den guten Henryk ähnlich sehen ;-)

  6. R.A.
    26.06.2007 | 10:34

    @Karsten:
    Danke, die Andeutung reicht mir schon um zu verstehen, wie Du das gemeint hast.

  7. Llarian
    26.06.2007 | 11:25

    Sondern durch Broder gibt es auch für die, die anderer Meinung sind, eine Möglichkeit, zu antworten und sich mit dieser Meinung auseinanderzusetzen.

    Vielleicht bin ich zu blind oder zu pessimistisch oder ich betrachte eine Buchbesprechung in der FAZ noch nicht als echte Auseinandersetzung, aber genau das sehe ich so nun gar nicht. Broder hat ein Buch geschrieben. Nicht das erste. Und die Auseinandersetzung beschränkt sich auf eine Buchbesprechung hier und da.
    Der Grund warum Blogs wie PI oder LGF (denn um die und ähnliche geht es ja, auch wenn Karsten es nicht beim Namen nennen will) zunehmend Zulauf finden, liegt gerade darin, dass kaum jemand Broder (und Hirsi Ali oder Kelek) wirklich diskutiert. In der ganzen dahinterstehenden Problematik findet 90% auf der Ebene “Ausländer raus” gegen “Du Nazi” statt. Wenn jemand eine ernsthafte Diskussion darüber führen will, herscht recht beredetes Schweigen.

    Broder ist sicher in seiner Funktion als Rufer in der Wüste eine wichtige Figur, man sollte ihn aber nicht überschätzen, denn selbst der mächtigste Polemiker kann einer Gesellschaft nicht die Diskussion über ihren inneren Zustand ersparen. Und gerade in Bezug ob so wenige Mitbürger eine extreme Meinung vertreten, sei ein simples Marktwirtschaftsprinzip erwähnt: Wenn man sich weigert ein bestimmtes Produkt (Diskussion über ein bestimmtes Problem) anzubieten, muss man damit leben, dass die Leute, die einen Bedarf dafür haben, zu anderen Anbietern gehen. Und dann werden solche Mindermeinungen schneller zu breiteren Meinungen als man denkt.

  8. R.A.
    26.06.2007 | 12:14

    @Llarian:
    Ich befürchte, Du hast recht.
    Das ist wohl auch das was Broder in seiner Rede meinte, als er sich selber als Pausenclown bezeichnete.
    Seine Provokationen werden zwar gedruckt, aber eben nur als solche rezipiert.

    Die öffentliche Diskussion dagegen bleibt angestrengt in den engen Grenzen der PC, keiner traut sich, diese Thesen mal mit Pro und Contra zu diskutieren.

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