1. Juli 2007
Gründe für einen Verzicht auf ein Studium
Auf die Sozialerhebung des Studentenwerkes hat stefanolix schon vergangende Woche hingewiesen.
Ein Schwerpunkt des Berichtes bildet die “Studierquote”. Diese gibt, nach dem sozialen Status des Vaters differenziert, an wieviel Prozent der Kinder einer sozialen Gruppe studieren gehen. Nach den Zahlen dort kann man annehmen, dass die Kinder, bei denen die Väter einen akademischen Abschluss haben, mit höherer Wahrscheinlichkeit studieren.
Bezüglich der Gründe für diesen Unterschied verweist die Sozialerhebung nur auf die Publikation “Studienberechtigte 2004 - Übergang in Studium, Ausbildung, Beruf” des HIS. Aber die von stefanolix zitierte Zusammenfassung suggeriert zum Beispiel durch die Verwendung des Begriffes “Bildungschancen” schon, dass das Hochschulsystem diskriminiert wäre. Die Stellungnahme des Präsidenten des Deutschen Studentenwerkes Dobischat ist da doch deutlicher:
Ob ein Kind ein Hochschulstudium aufnimmt, ist nicht alleine eine Frage der indiviudllen Begabung. Es ist zuallererst eine Frage des Bildungstatus der Eltern. Ganz entscheidend ist der Hochschulabschluss der Eltern.
(Hervorhebung von mir)
In den Kommentaren zu dem Artikel wurde schon sehr aktiv diskutiert, ob die Ursachen für die “soziale Auslese” nicht auch andere Gründe hat. Gründe, die nicht in dem Hochschulsystem und verminderten Bildungschancen begründet sind, z.B. andere Ziele und Werte, die im Elternhaus vermittelt werden.
Es ist also Zeit für ein paar Statistiken über die Gründe für einen Verzicht auf ein Studium. Die Daten sind dem HIS-Bericht entnommen.
Unter anderem heisst es in dem Bericht auf Seite 43:
Die Studienberechtigten 2004, die auf ein Hochschulstudium verzichten, verweisen vergleichweise wenig auf (restriktive) Bedingungen, die sie an der Aufnahme eines (möglicherweise gewünschten) Studiums hindern. Vielmehr begründen sie diese Entscheidung vornehmlich mit Motiven, die in ihrer Wahrnehmung offensichtlich für eine nicht-akademische Ausbildung oder für eine Berufstätigkeit (ohne vorhergehendes Studium) sprechen bzw. sich subjektiv weniger mit einem Studium vereinbaren lassen. Der mit nahezu zwei Dritteln (63%) mit Abstand am häufigsten genannte Grund für einen Studienverzicht ist das Streben, “möglichst bald selbst Geld zu verdienen”. Außerdem hat gut die Hälfte der Studienberechtigten ohne Studienabsicht (52%) den nicht-akademischen Weg gewählt, weil “eine praktische Tätigkeit mehr interessiert als ein theoretisches Studium”. Und knapp ein Drittel (29%) dieser Studienberechtigten hatten bereits “ein festes Berufsziel vor Augen, das ein derartiges Studium nicht vorausssetzt”.
35% dauert ein Studium zu lange.
Auf den “Plätzen” 5 und 6 sind dann finanzielle und soziale Aspekte zu finden. 23% der Befragten geben an, dass ein Studium ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen würde, wenn Studiengebühren eingeführt würden. 22% würden die finanziellen Voraussetzungen für ein Studium fehlen.
14% der Befragten sind “nicht bereit wegen des Darlehensanteil des BAföG Schulden zu machen”.
Alle Informationen stammen aus expliziten Angaben der Studierenden bzw. Nichtstudierenden. Der Vollständigkeit halber muß gesagt werden, dass der Bericht eine zweite Zahlenreihe über die Einflussfaktoren der Studienentscheidung präsentiert, in der Faktoren einfließen, die die Befragten selbst nicht mit ihrer Studiumsentscheidung in Verbindung bringen. Diese zweite Zahlenreihe nennt aber keine konkreten Gründe für den Studiumsverzicht.
Verfasst von dirkmeister um 18:54 Uhr in der Kategorie Bildungspolitik, Politik (Trackback)