2. Juli 2007
Künstliche Dummheit
Wenn man sich in den letzten Wochen so im deutschen Blätterwald (sowohl auf totem Baum wie im “Netz”) umsieht, dann kommt man unweigerlich zum Schluss, dass es offensichtlich, als Gegenstück zur künstlichen Intelligenz, auch künstliche Dummheit gibt. Anders ist es kaum zu erklären, dass ansonsten intelligente Journalisten, die im Gegensatz zu den weitgehend computerabstinenten Politikern sogar täglich mit Computern und Internet zu tun haben, so viel blanken Unsinn über das Internetdingens schreiben. Als Science Fiction Fan liegt für mich der Gedanken nahe, dass böse Weltverschwörer einen Intelligenz-Dimmer auf ahnungslosen Redakteure und nicht minder ahnungslosen Praktikanten gerichtet hätten. Oder das die aldebaranische Hirnpest ausgebrochen sei.
Nehmen wir mal die Konfettikanonen Spiegel Sonderausgabe “Wir sind das Netz”, die ich ohne die sachkundige Warnung von Jens Scholz glatt gekauft hätte. Im Gegensatz zum Sonderspiegel ist Jens’ Kommentar überaus lesenswert:
So mühselig es ist, diese sterbenslangweilig mit noch vielen weiteren solchen Binsenweisheiten im Warnerton und mit sinnfreien Emotionalisierungen aufgeblähten Texte zu lesen, so ungleich ärgerlicher ist es dann, Artikel nach Artikel festzustellen daß das gesamte Heft zu neunzig Prozent eigentlich nur aus genau dieser altbackenen, diffusen Internetangst besteht, die es schon in den Neunzigern gab: Im Internet gehen alle völlig enthemmt im Schutze der Anonymität aufeinander los, beschimpfen und diffamieren sich den ganzen Tag über. Einen Artikel weiter wird erklärt, wie der Internetnutzer wegen seiner Offenheit jegliche Privatsphäre verliert, weil jeder Schritt überwacht und aufgezeichnet wird von Geheimdiensten und Profilsammlern (ja, ich weiß, daß sich der erste und der zweite Satz völlig widersprechen).
Verfasst von MartinM um 15:10 Uhr in der Kategorie Humor und Satire, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)