6. Juli 2007
Der milchgläserne Abgeordnete
Mei, da rauscht der Blätterwald wieder. Diesmal wegen der Offenlegung der Nebeneinkünfte der Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Einen Teil dieses Rauschens habe ich gerade durch die Presseschau des Deutschlandfunks mitbekommen.
In der Rhein-Neckar-Zeitung steht, dass das keine Transparenz-Regelung sei, sondern “bestenfalls eine Milchglasscheibe”. Der Ausdruck gefällt mir. Die Thüringische Landeszeitung hält die Stufenregelung für verbesserungswürdig und schlägt stattdessen Zehntausenderschritte vor. Das finde ich ein bisschen heftig; zudem könnte man dann die Angaben von dem sauerländischen Ex-Rocker überhaupt nicht mehr auseinanderklamüsern.
Ansonsten geht es in der Diskussion erschreckend oft und erschreckend ausschließlich um Geld. Mir ist das relativ egal, wieviel ein Abgeordneter für einen nichts sagenden Vortrag aus Anlass einer Baumarkteröffnung des Jahresempfangs einer regionalen Sparkasse bekommt. Mich würde da eher der Zeitaufwand interessieren. Und über die genaue Tätigkeit hätte ich auch gerne mehr gewusst. Mir können jedenfalls weder Friedrich Merz noch Dr. Karl Lauterbach, SPD, Universitätsprofessor, erzählen, dass sie beides, Nebentätigkeiten und Mandat, von der Interessenlage und zeitlich unter einen Hut bekommen.
Die Argumentation einiger Abgeordneten, die nebenher noch ihr Unternehmen betreiben oder selbstständig sind, die Offenlegung ihrer aus diesen Tätigkeiten bezogenen Einkünfte gebe ihren Konkurrenten einen zu großen Einblick in die Situation ihres Unternehmens, halte ich für hanebüchen, vor allem angesichts dieser drei Stufen, mit der Obergrenze 7 TEURO.
Nach Angaben vom SpOn betrifft diese Regelung ohnedies nur 161 Abgeordnete, und zwar inklusive den bereits ausgeschiedenen Abgeordneten wie Mattes Berninger, der sich mitten in der Legislatur ganz mobil zu Mars verabschiedet hatte.
Ich finde es übrigens eher erschreckend, dass sich nur 161 Abgeordnete mit etwas anderem als ihrem Mandat beschäftigen; zudem verstehe ich nicht, warum diejenigen ohne vergütete Nebentätigkeit dann nicht wenigstens während der Sitzungswochen im Parlament dauerpräsent sind. Wenn sie sonst nix zu tun haben und nicht im Plenarsaal sind - wo stecken die 500 dann?
Link zur kompletten Liste aller MdB
Verfasst von Marian Wirth um 07:52 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Politik, Sozialpolitik (Trackback)