Kanon

Sie [große Fabrikbäcker] sind eine Gefahr für das Gemeinwohl, weil sie kulinarische Artenvielfalt vernichten. Sie machen unseren Alltag arm und ärmer, weil an die Stelle von netten, kleinen Bäckereien formatierte Back-Stationen treten, und wer es handfester mag, darf auch sagen: Sie zerstören, unter dem Strich, Arbeitsplätze, indem sie die vielen kleinen Anbieter in einen ruinösen Preiskampf zwingen, der ihnen den Rest gibt

Also: Wer Bedürfnisse des Einzelnen erfüllt, ist eine Gefahr für das Allgemeinwohl. Und Effizienz ist gefährlich für Arbeitsplätze - es lebe die Verschwendung!

Das deutsche Wirtschaftswissen kurz gefasst. Perfekt.

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18 Kommentare zu “Kanon”

  1. 6.07.2007 | 15:31

    Ja, das waren noch Zeiten als man seine Einkäufe beim einzigen Tante-Emma-Laden im Dorf tätigte.

    Wohingegen man heute gezwungen ist, in solchen widerlichen Konsumtempeln wie Rewe, tegut, Tengelmann, etc.pp. einzukaufen.

    Die “kulinarische Artenvielfalt” war damals auch viel höher…

    *seufz*

  2. 6.07.2007 | 15:51

    Erinnert mich irgendwie an den Beitrag von Horst S., aber vielleicht bringe einfach nur etwas durcheinander.

  3. 6.07.2007 | 15:51

    In Bezug auf die Arbeitsplätze möchte ich nicht widersprechen. Es kam aber mal vor Jahren ein Artikel in der FAZ am Sonntag über die sinkende Qualität der Frühstücksbrötchen. Dieser Artikel hat mich tief berührt, weil mich dieser Schund den man beim Bäcker zu kaufen bekommt nur noch anekelt.

    Darin kam ein traditioneller Bäcker zu Wort, der eben noch mit Mehr backt, das nicht schnell getrocknet wurde. Das nicht mit Vitamin C länger haltbar gemacht wurde.
    Er behauptete, das die industriellen Bäcker schlechtere Mehlsorten mit weniger Inhaltsstoffen nehmen müssten, weil der Teig sonst nicht durch ihre Maschinen laufen würde.

    Und der Experte der FAZ gab ihm recht.

    Gesünder ist diese Form des Backens mit Sicherheit. Also könnte man doch überlegen ob man die gröbsten Verschlechterungen in der Bäckerkunst nicht durch Verbote bestimmter Backverfahren entgegenwirkt.

  4. R.A.
    6.07.2007 | 15:55

    Einen “Besseresser” nennt sich der Autor.
    Aber selbst vom Essen hat er offenbar keine Ahnung (von Wirtschaft natürlich auch nicht - aber er schreibt ja fürs Feuilleton).

    Fast alle der von ihm vergötterten Kleinbäcker arbeiten aber schon lange mit vorgefertigter Ware aus der Fabrik.

    Das muß man nicht wissen - aber WENN es denn angeblich einen Unterschied macht, müßte er es schmecken können.

    Echte “Artenvielfalt” findet man auf jeden Fall nur beim Großbäcker - nur der kann seinen Filialen eine größere Auswahl bereitstellen.

    Oder man bäckt sich sein Brot gleich selber, das schmeckt lecker - aber spart natürlich Geld, eine Todsünde für den Feuilletonisten.

  5. R.A.
    6.07.2007 | 16:23

    @Markus:
    > Es kam aber mal
    > vor Jahren ein
    > Artikel in der
    > FAZ am Sonntag
    > über die sinkende
    > Qualität der
    > Frühstücksbrötchen.
    Das aus Sicht der FAZ früher alles besser war überrascht mich nicht …

    Würde mich nur interessieren, wie da konkret der Vergleich gemacht wird.
    Welche Sorte Brötchen aus welcher Zeit verglichen mit welchen Produkten heute.

    > dieser Schund den
    > man beim Bäcker zu
    > kaufen bekommt nur
    > noch anekelt.
    Vielleicht solltest Du den Bäcker wechseln.
    Denn immerhin ist es NOCH nicht so, daß man staatlich dazu gezwungen wird ein Brot zu kaufen, daß einem nicht schmeckt.

    > Darin kam ein
    > traditioneller
    > Bäcker zu Wort, …
    Dessen Kunden aber offenbar nicht im selben Maß von der Qualität seiner Waren überzeugt sind wie er selber.
    Sonst würde er expandieren, anstatt in der FAZ rumzuheulen.

    > Er behauptete, das
    > die industriellen
    > Bäcker schlechtere
    > Mehlsorten mit
    > weniger
    > Inhaltsstoffen
    > nehmen müssten, …
    Das ist so überaus glaubhaft, wenn sich ein Produzent über die angeblich mangelhafte Qualität der Konkurrenz ausläßt.

    > Gesünder ist diese
    > Form des Backens
    > mit Sicherheit.
    Gibt es dazu gesicherte Erkenntnisse?
    Oder sind das nur gefühlte Gesundheitsaspekte?

    > durch Verbote
    > bestimmter
    > Backverfahren
    Jetzt sind wir beim Knackpunkt: Die Leute erdreisten sich einen anderen Geschmack zu haben als die staatlichen Bevormunder, und dann muß man sie mit Zwang davon abhalten, das zu kaufen was sie wollen.

    Du wirst nicht wirklich erwarten, daß das hier einer gut findet?

  6. 6.07.2007 | 16:26

    Der Grund, weshalb ich vor Jahren dem “lokalen Bäcker” lebewohl gesagt habe, lag darin, dass die (Geschmacks-)Qualität der Brote und Brötchen deutlich unter der Brote und Brötchen aus dem “Penny”-Markt lag. Zu einem deutlich höheren Preis. Eine nicht-representative Umfrage unter Freunden und Bekannten ergab, dass meine Erfahrung kein Einzelfall ist.
    Für die vom Autor des nostalgischen Spiegel-Artikels so beschworene “Sortenvielfalt” und Geschmacksqualität bin ich durchaus bereit, mehr zu zahlen, als für das (immerhin frische) Brot von Penny. Und es gibt ja durchaus Bäckereien, die in der “Marktnische” Qualitätsbäckerei gut gedeihen. Fazit: der “Besseresser” erweist sich als weiterer konsumentenscheltender “Besserwisser”.

  7. googlehupf
    6.07.2007 | 17:27

    Ich würde gerne auch mal einen Nachweis über die bessere Qualität des kleinen Bäckers gegenüber der herzlosen Großkapitalisten-Backfabrik sehen. Ich teile nämlich auch eher den Eindruck von Martin.

    Das Grundmotiv ist ja hinlänglich bekannt und wird gerne überall reproduziert: Hier der besonnene, nur auf Qualität achtende Kleinunternehmer dort das profitmaximierende den letzten Schund verscherbelnde Großunternehmen.

  8. 6.07.2007 | 18:20

    Meine Lieblingsbrötchen kommen von “K und U”, der Bäckereikette der Edeka-Märkte, einer unserer lokalen Bäcker im Ort, der noch nicht zu einer großen Kette gehört, hat uns schon vor Jahren durch Unfreundlichkeit und eher bescheidene Qualität verjagt (ich mag kein Brot das nach Seife schmeckt…). Jedem das Seine, selbsternannte “Besseresser” wie Herr Fichtner, die meinen den dummen Pöbel belehren zu müssen, wo er fürs “Gemeinwohl” einzukaufen hat, können mir jedenfalls gestohlen bleiben.

  9. 6.07.2007 | 19:23

    Der Typ in der FAZ am Sonntag hat nicht geheult, er war sogar ziemlich erfolgreich.
    Das dass Backen auf traditionelle Art gesünder ist, steht außer Frage. Keine Backtriebmittel, lange Gährungszeiten, höherwertigeres Mehl.
    Man kann diese Stoffe eben in großen Anlagen nicht verarbeiten.

  10. 6.07.2007 | 20:10

    Udo Pollmer und Monika Niehaus lassen sichin ihrem Buch “Food-Design: Panschen erlaubt” auf 22 Seiten über das Back”hand”werk aus.

    Da wird inzwischen alles reingerührt was erlaubt ist, damit die Teige maschinentauglich sind. Beispielsweise ist Sauerteig ist selten geworden, weil er (Bakterien und Hefepilze = Lebewesen) umständlich ist. Nur macht der Sauerteig einige Stoffe im Getreide (besonders im Vollkornbrot enthalten) erst für uns leicht verdaulich. Weiterhin werden Backmittel reingeworfen, damit es einfacher wird. Beispielsweise kommt Vitamin C in den Teig damit er besser knetbar wird, mehr Wasser aufnehmen kann und so das Backgut auch nicht so schnell austrocknet. Blöd nur, so Pollmer/Niehaus , dass das im Ofen zu Threonsäure wird. Die im Tierversuch Skorbut auslöst.

    Und das alles in der Regel auch beim kleinen Bäcker um die Ecke. Denn auch der will sparen. Dafür sind die Brötchen immer gleichgroß, gleichfrisch - und gleichlangweilig, so dass man preiswerter zum Kamps oder Discounter gehen kann.

    Pollmer/Niehaus urteilen hart:

    “Die Axt an ihren Beruf haben die Bäcker selbst gelegt, als sie glaubten, sie seien nur noch für das Backe-backe-Kuchen-Image zuständig, aber nicht mehr für ihr eigentliches Handwerk [...] Warum lässt er sich das Backen [durch Backmitteln] abnehmen und nicht die Buchführung?”

    Pollemer/Niehaus: Food-Design: Panschen erlaubt
    ISBN 978-3-7776-1447-2

  11. googlehupf
    6.07.2007 | 22:09

    Bin zwar kein Lebensmittelchemiker wie Herr Pollmer aber durch ein kurzes googlen findet man raus:
    Threonsäure entsteht anscheinend auch beim normalen Abbau von Vitamin C im Körper und die Mengen im Mehl sind sehr gering. Weiterhin schätzt der nicht gerade für seine Industrienähe bekannte Ökotest die Risiken als gering ein.

    Will jetzt nicht behaupten, dass in der Lebensmittelindustrie super ist (ich finde z.B. die Glutamatmengen tlw. viel zu hoch aber mehr aus Gründen des Geschmacks) - aber ich bin vorsichtig geworden was Behauptungen angeht wir würden die ganze Zeit dieses und jenes Gift in uns reinstopfen.

  12. 6.07.2007 | 23:04

    Auf den 22 Seiten steht noch einiges mehr, nur schreibe ich hier kein Buch ab oder liefere wohlfeile Zusammenfassungen. :-)

  13. googlehupf
    6.07.2007 | 23:12

    Vielleicht sollt’s ich mir einfach mal angucken, was? ;)

  14. 7.07.2007 | 18:28

    Was die Threonsäure betrifft:

    Kaum etwas in der Biologie organischer Stoffe ist einfach. Erst recht nicht, wenn es um sogenannte “bioaktive Stoffe” geht.

    Die Wirkung von Threonsäure hängt von vielen weiteren Umständen ab. Vereinfacht gesagt erhäht Threonsäure die Bioverfügbarkeit von Vitamin C - außerdem mobilisiert sie die Vitamin-C-Reserven im Körper.

    Der resultierende Effekt ist unter den Bedingungen einer Vitaminmangel-Ernährung (wie im angesprochenen Tierversuch) negativ, deshalb, weil dann die letzten, knappen Vitamin-C-Reserven des Organismus mobilisiert werden. Danach kommt Skorbut.

    Unter durchschnittlichen mitteleuropäischen Bedingungen, also bei mehr als ausreichender Versorgung mit Vitamin C, sind durch Aufnahme von Threonsäure keine negativen Folgen - oder sogar Skorbut - zu befürchten.

    Kontraindikationen sind u.a.heftigere Diäten sowie Hochleistungssport. Da würde ich Fabrikbrot bzw. von der Aufnahme von größerer Mengen von Threonsäure abraten.

    Zurück zum Thema: Es ist schon möglich, dass zahlreiche uninformierte Kunden sich mangels Kenntnissen von Brötchen und Brot in Tankstellenqualität reinlegen lässen.

    Das muss man nicht bejubeln.

  15. stefanolix
    7.07.2007 | 21:30

    Ich lebe in der märchenhaften Situation, dass ich in der näheren Umgebung (einige Minuten mit dem Fahrrad) bei mehreren guten Bäckern einkaufen kann. Und ich gehe dann nicht zum nächsten, sondern zum besten Bäcker.

    Wozu der ganze Aufwand, wenn ich doch in 50 Metern Entfernung beste Industrie-Backlinge kaufen könnte? Weil das Frühstück oft die einzige Mahlzeit ist, die ich gemeinsam mit meiner Frau — und zwei Morgenzeitungen — in Ruhe genießen kann.

  16. 8.07.2007 | 11:31

    Das muss man nicht bejubeln.

    Immer noch besser, als sich in die Angelegenheiten anderer Leute einzumischen.

  17. 8.07.2007 | 14:07

    Wer jetzt? Fichtner?

  18. 8.07.2007 | 15:32

    Der. Und “DonBroder”.

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