Rückschritt

Warum kann Nadal Federer gefährlich werden? Zum Zeitpunkt, an dem ich das hier blogge, fängt gerade der fünfte Satz des diesjährigen Wimbledon-Finales an.

Warum eigentlich? Ist Federer nicht der beste Spieler aller Zeiten, zudem auf Rasen? Beherrscht er nicht gerade auf diesem Untergrund das Spiel so wie kein zweiter? Elegant, instinktiv, mit grandiosem Aufschlag und solidem Volley-Spiel gesegnet, zudem noch mit einem Händchen sondergleichen und krachenden Vor- und Rückhandschlägen?

Das ist er. Oder besser: Er war es. Letztes Jahr. Dieses Jahr lässt ihn mal der Schlag im Stich, mal jener. Heute scheint es vor allem die Vorhand zu sein, die mehr Fehler als Gewinnschläge erzeugt.

Dieses Jahr aber ist auch sein Gegner besser. Nadal kombiniert Härte und Präzision wie vor ihm kein anderer. Er ist der legitime Nachfolger von Björn Borg, der als Grundlinienspieler auf jedem Belag erfolgreich war. Nadal spielt nicht so effizient wie Federer, aber er investiert mehr.

Es ist ein wenig wie Ali gegen Frazier. Witz und Eleganz gegen Kraft und Dynamik.

Allerdings muss man eins dazu sagen: Seit den Zeiten eines Sampras oder McEnroe hat sich einiges verändert. Man hat sich bemüht, das Spiel langsamer zu machen. Durch die Art der Bälle, durch den Rasen, der gesät wurde. Weil man meinte, dass das Publikum der Überlegenheit der Serve-and-Volley-Spezialisten überdrüssig sei. Aber die ganze Aktion hat nur dazu geführt, bestimmte Spieler-Typen aussterben zu lassen. Kein Serve-and-Volley-Spieler wird unter den gegebenen Bedingungen Wimbledon gewinnen können. Aber der Rest gewinnt auch woanders. Für das Tennis ist das ein Rückschritt.

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4 Kommentare zu “Rückschritt”

  1. 8.07.2007 | 19:54

    in der tat ist das serve-and-volley-spiel in den letzten jahren ausgestorben. dies mag man bedauern, dafür ist rasentennis in meinen augen dadurch deutlich attraktiver und ansehnlicher geworden. einige duelle der 90er mit sampras und ivanisevic waren doch eher was für puristen, da der ball pro ballwechsel häufig nur 2,3 mal übers netz flog.

  2. 8.07.2007 | 20:22

    Jetzt hat Federer also doch gewonnen. Aber nur knapp. Und wirklich: Warum sollte Nadal nicht gewinnen. Obwohl: Alle großen Tennistraditionen fangen so an… Borg hat nie die US Open gewonnen, McEnroe oder Sampras nie die French Open, Lendl nie Wimbledon.

    Freuen wir uns: Diesmal noch hat die Kunst über die Arbeit gesiegt. Aber das wird, das kann nicht von Dauer sein.

    @c.sydow

    Die Minimal-Ballwechsel abzukürzen ist ein hehres Ziel. Aber wie immer: Habt ihr auch wirklich alle Folgewirkungen im Blick?

  3. Chinaski
    8.07.2007 | 22:53

    Lieber Rayson,

    obwohl ich Deiner Analyse sonst zustimme, der Vergleich von Ali. vs Frazier und Federer vs. Nadal hinkt IMHO. Ali halte ich für einen der, wenn nicht den überschätztesten Sportler-Prominenten. Damit beziehe ich mich weniger auf seinen sportliches Können, sondern seine extrem ätzende Arroganz innerhalb und ausserhalb des Rings. Die “Kunst” Gegner (und Familienmitglieder) öffentlich zu beleidigen und herabzuwürdigen hat er auf ein traurig hohes Niveau gebracht. Boxen konnte er, aber Witz erkenne ich weniger, sondern eher Überheblichkeit und Geringschätzung des Gegenübers.

  4. 9.07.2007 | 17:14

    @Chinaski

    Es wae natürlich nicht die Persönlichkeit Alis gemeint, sondern sein Boxen.

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