Darfur: Die Amis sind schuld!

Ich bin ja immer glücklich, wenn jemand mal einen Sachverhalt gegen den Strich bürstet, zum Beispiel so:

Sudan-Experte zweifelt Opferzahlen in Darfur an
Kröpelin: Konflikt wird von den USA instrumentalisiert

Im AUDIO ON DEMAND - Bereich trägt der Beitrag den Titel:

Warum Hilfsorganisationen und Medien den Darfur-Konflikt schüren statt bekämpen” (sic!)

Kurze Gegenprobe:

Suchbegriff: darfur
Datum: von 10. Juli 2006 bis 09. Juli 2007
Programm: Deutschlandradio Kultur

Für Ihre Suchanfrage wurden die folgenden 6 Beiträge gefunden.

Von diesen folgenden sechs Beiträgen ist einer vom April 2007, die anderen fünf vom März 2007, rund um den Darfur-Tag.

Da bin ich aber erleichtert, dass sich das Deutschlandradio nicht von den USA instrumentalisieren lässt und darauf verzichtet, den Darfur-Konflikt zu schüren!

Ähnliche Beiträge


6 Kommentare zu “Darfur: Die Amis sind schuld!”

  1. 10.07.2007 | 21:58

    Der Dafur-Konflikt mit den daraus resultierendem Flüchtlingselend gehört nachweislich (den Nachweis hast Du mit Deiner kleine Recherche erbracht) zu den am wenigsten von unseren Medien beachteten Konflikten der Gegenwart. Von daher vermute ich, dass der “Sudan Experte” den ganzen Konflikt ganz im Sinne der sudanesischen Regierung, völlig totgeschwiegen werden sollte, und es nur an den bösen, macht- und rohstoffgeilen Amis und den korrupten neokolonistischen Hilfsorganisationen liegt, dass es bei uns tatsächlich Menschen gibt, die “Dafur” nicht für eine Kaffeesorte und den “Sudan” nicht für das am besten regierte Land Afrikas halten.
    Nein, im Ernst: ich kenne einige, eher Linke Leute, die (völlig richtig) darauf hinweisen, dass es in Dafur letzten Endes um Erdöl gibt - und daraus (völlig falsch) den Schluss ziehen, dass “wir Europäer” uns “da raushalten” sollten. (Als ob das bisschen humanitäre Hilfe schon “Parteinahe” wäre.) “Raushalten?” - Etwa nach dem Vorbild Chinas, dass sich um so kleine Innenpolitische Probleme wie einen offenen Bürgerkrieg und ein paar hundertausend verhungernde Flüchtlinge nicht kümmert, solange sie nur ungestört nach Öl bohren können?

  2. 10.07.2007 | 22:22

    Dass Menschen, die ein Land bereisen, nicht mitbekommen, was sie nicht mitbekommen sollen, dürfte nichts Neues sein … Von daher überrascht mich die Darstellung des Geoarchäologen (als solcher bestimmt fähiger und qualifizierter “Sudan-Experte” - für Bodenfunde im Sudan) nicht.

    Ich versuche mich mal an einen Kommentar:
    Seiner Meinung nach ist der Konflikt von den USA im Kampf mit dem Global Player China instrumentalisiert worden. In der afrikanischen Kolonialgeschichte sei es immer um Rohstoffe gegangen. Inzwischen sei es sicher, dass es im Süddarfur erhebliche Erdölreserven gebe.
    Nun, dass der Kampf zwischen USA und China schon Züge eines “kalten Krieges” angenommen hätte, wo sogar humanitäre Katastophen gegen den “bösen Feind” instrumentalisiert werden, ist mir irgendwie entgangen. Sagen wir mal so: Die Chinesen bohren da nach Öl, wo vielleicht aus gerne amerikanische Firmen gebohrt hätten. Was für die USA mühelos möglich gewesen wäre, hätten sich die USA mit der sudanenischen Regierung gut gestellt - wie die Chinesen.
    Absicht der USA sei es wohl, dass eine autonome Republik Darfur entstehe, von der man eher Verträge bekomme und von der aus man das Öl schnell zum Atlantik und in die USA transportieren könne.
    Ja - wie damals in Panama, um den Panama-Kanal in US-Regie als exterritoriale Zone betreiben zu können. Es gibt also einen “historischen Präzendenzfall” -
    und die Amis ändern sich bekanntlich nie. ;) (Der Panama-Kanal muss inzwischen unheimlich unwichtig geworden sein, wenn die USA ihn freiwillig rausrückten. Es soll übrigen gerade ausgebaut werden, vor allem wegen, weil der Schiffsverkehr zwischen China und den USA so zugenommen hat.)
    Das Beispiel China zeigt: wozu kostspielig Separatisten fördern - wenn es freundliches Wegsehen über “innere Angelegenheiten” auch tut?
    “Ich fürchte, dass wirtschaftlich und militärisch-strategische Interessen im Kampf westlicher Länder und vor allem der USA gegen China im Vordergrund stehen und nicht das Schicksal der Darfur-Bewohner.”
    Solche Befürchtungen machen sich immer gut - das Dumme ist nur, dass “die westlichen Länder” nicht daran denken, China bis auf Messer zu bekämpfen.

  3. 10.07.2007 | 22:40

    Dieses China-Argument finde ich besonders seltsam. Wen soll denn das beeindrucken, wenn die Amis mit dem Finger auf die Chinesen zeigen? Für die amerikanische Bevölkerung reicht ein Einfuhrverbot für kontaminierte Lebensmittel aus China, da wäre ein aufgebauschter Konflikt irgendwo in Afrika verschwendete Zeit.

    Wenn die Amis den Chinesen wirklich Schwierigkeiten machen wollten, dann würden sie in Pakistan Flugblätter mit Berichten darüber verteilen lassen, was die Chinesen mit den Uiguren in Xinjiang machen.

  4. 10.07.2007 | 23:02

    Liegt das Öl denn in Darfur? Und warum muss China darauf erpicht sein, dass arabische Kämpfer Schwarzafrikaner dahinmetzeln?

    So direkt ist die Beziehung zum Öl also nicht, so gerne das mancher Linke sich vielleicht wünschen mag. Tatsache ist aber, dass China eben wegen seiner Rolle als Kunde nicht der Regierung des Sudan in die Parade fahren möchte. Das Erdöl ist also ein eher einseitiges Motiv.

    Mit einem Ende der Massaker würden die USA per se nichts gewinnen. Deswegen sind auch noch keine Marines da.

    Hier ist also Rhodos: Der Ernstfall des humanitären Einsatzes. Und es zeigt sich, dass Politik, auch wenn sie sich moralischer Begriffe bedient, immer noch Interessenpolitik ist. Das Interesse der USA, China nicht ans Bein zu pinkeln, beschränkt deren Einsatz auf einen verbalen bis finanziellen. Und die Europäer werden es nicht anders halten.

    Das Spiel hat einen Bösewicht, einen Helfershelfer und jede Menge Scheinheilige.

  5. 11.07.2007 | 9:59

    Ob Darfur nun “reich an Bodenschätzen” ist (Learn-Line, ein Angebot des NRW-Schulministeriums) oder ob Bodenschätze “kaum vorhanden” sind - nicht einmal darüber kann man sich ja wirklich einig werden…

  6. 11.07.2007 | 11:01

    [...] Follow any comments here with the RSS feed for this post. Post a comment or leave a trackback: Trackback URL. « An seiner Stelle würde ich mich nichtbeklagen [...]

Bad Behavior has blocked 1190 access attempts in the last 7 days.