Über die “Friedensindustrie” in den Palästinensergebieten

Frieden als Geschäft. Von Elisabeth Weydt, Zeit online

Schätzungsweise 1700 Hilfsorganisationen und Friedensgruppen drängen sich in den Palästinensergebieten und verteilen Geld und guten Willen. Die Friedensindustrie ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden und sorgt für zusätzliches Konfliktpotenzial.

“Ohne Frage: wenn der Nahost-Konflikt von heute auf morgen beigelegt wird, wären hier sehr viele Menschen arbeitslos.” Natasha Arouri lacht über das Paradoxon, das im Westjordanland und Gazastreifen so viele Friedensaktivisten am Abbau ihres eigenen Arbeitsplatzes wirken.

Mir kommt es eher so vor, als wirkten sie am Aufbau und der Erhaltung ihres eigenen Arbeitsplatzes. Ich finde das nicht zum Lachen.

In dem Artikel wird übrigens zumindest angedeutet, dass die EU-Gelder, die aufgrund des “Boykotts” nicht mehr an die Autonomiebehörden direkt ausgezahlt werden, über andere Kanäle doch in den Autonomiegebieten landen.

Diesen Zirkus als “Industrie” zu bezeichnen, finde auch irgendwie sehr neben der Sache.

Lieber nochmal den Wikipedia-Check gemacht, und siehe da:

Die Industrie (lat. industria: Betriebsamkeit, Fleiß) bezeichnet den Teil der Wirtschaft, der gekennzeichnet ist durch die Produktion von Ökonomischen Gütern in Fabriken und Anlagen, verbunden mit einem hohen Grad an Mechanisierung und Automatisierung

Betriebsamkeit und Fleiß will ich den Friedensaktivisten nicht absprechen, und ein hoher Grad an Mechanisierung und Automatisierung ist auch gegeben; was halt fehlt, ist die Produktion von Gütern.

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6 Kommentare zu “Über die “Friedensindustrie” in den Palästinensergebieten”

  1. R.A.
    16.07.2007 | 11:00

    Das ist ja nicht unüblich, daß sich Helfer in erster Linie selber helfen.
    Siehe die vielen tausend “Selbsthilfe”-Organisationen, in denen arbeitslose deutsche Sozialpädagogen Mißstände in deutschen Städten ausfindig machen und dafür städtische Gelder abzapfen.

  2. R.A.
    16.07.2007 | 11:01

    Es empfiehlt sich hier übrigens, das englische “industry” nicht mit “Industrie” zu übersetzen (damit sind im Deutschen eher technische Anlagen gemeint), sondern mit “Branche”.

    Die Friedensbranche ist halt ein florierender Wirtschaftssektor, der wie viele andere eben ausschließlich parasitär von Subventionen lebt.

  3. Llarian
    16.07.2007 | 11:45

    Da wird schon jede Menge produziert: Tonnenweise heisse Luft und ersatzweise ein paar Kilo Antisemitismus dazu. Übrigens glaube ich nicht, dass wenn der Konflikt beigelegt würde (wenn wir für einen wahnwitzigen Moment mal annehmen, dass wäre möglich) sich daran viel ändern würde.
    Die Palis sind nicht aufgrund ihres Konfliktes in ihrer Lage. Wer sich über Jahrzehnte daran gewöhnt hat, egal wie dämlich er sich verhält, Hilfe aus dem Ausland zu bekommen, bei dem wird das auch so bleiben. Hilfsindustrie ist wie die Sozialhilfe in der x.ten Generation, sie ist irgendwann ganz prima selbsterhaltend.

  4. 16.07.2007 | 13:53

    Es ist leider das Grunddilemma jeder Hilfsorganisation, dass sie, um erfolgreich zu sein, auf die eigene Überflüssigkeit hinarbeiten muss/müsste.

    Das passt aber leider gar nicht mit der menschlichen Vorstellung von Erfolg zusammen, weshalb ehrenhafte Vorsätze bald zum Zwecke der Selbsterhaltung nur noch vorgeschoben erscheinen.

    Trotzdem sollte man auch nicht aus den Augen verlieren, dass die Helfer (pc: HelferInnen) auch Gutes und Sinnvolles leisten.

  5. Llarian
    16.07.2007 | 14:36

    Trotzdem sollte man auch nicht aus den Augen verlieren, dass die Helfer (pc: HelferInnen) auch Gutes und Sinnvolles leisten.

    Den Satz möchte ich doch mal in Frage stellen. Denn ich bin davon nicht so überzeugt. Ist es wirklich sinnvoll jemandem ständig zu helfen, so dass er verlernt seine Probleme selbst zu lösen ? Ist es fair jemanden in die Abhängigkeit der Hilfe zu treiben und ihm damit jede Chance zu nehmen sich selbst zu verbessern ? Was wird denn Gutes damit geleistet, wenn ich einige Jahre später mit den fatalen Folgen konfrontiert bin ?
    Palästina ist in den letzten 40 Jahren massiv gewachsen ohne das die geringste wirtschaftliche oder technologische Grundlage dazu besteht. Damit wird die Not von morgen systematisch vorbereitet. Gut gemeint mag das sein, aber gut gemacht ist das nicht.

  6. R.A.
    16.07.2007 | 17:22

    Die Arbeit der NGOs ist wohl wirklich sehr mit Vorsicht zu genießen.

    Aus dem Artikel:
    “Im Dezember 2006 veröffentlichte die Weltbank eine Studie über die Rolle und Leistung der palästinensischen NGOs. … Die wirklich Bedürftigen unterhalb der Armutsgrenze werden kaum erreicht, die Personal- und Entscheidungsstrukturen sind wenig demokratisch, die Transparenz bei der Verteilung der Gelder lässt zu wünschen übrig und die Ergebnisse der eigenen Arbeit werden nicht ausreichend untersucht und dokumentiert.”

    Wie das halt überall so ist, wenn unkontrolliert öffentliche Gelder ausgestreut werden.

    Aber es ist dafür gesorgt, daß die Gelder weiter fließen”
    “Für diesen Sommer plant die palästinensische Friedensaktivistin ihre zweite Reise nach Deutschland, um dort an Schulen über die „palästinensische Sache“ zu sprechen.”

    Von unseren Steuergeldern fährt die also nach Deutschland, darf unwidersprochen vor den Schülern Pali-Propaganda verbreiten um damit auch weiterhin eine einseitige Indoktrinierung und Akzeptanz für mehr Subventionen zu sichern.

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