Beruhigend

Ich möchte die Privatsender auf keinen Fall von der Verpflichtung entbinden, ein Vollprogramm anzubieten. Sonst würde nur noch Schwachsinn produziert.

(Der Direktor der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz bei SPON)

Es ist doch immer wieder gut zu wissen, dass wir in Deutschland Eliten haben, die darauf achten, dass sich der gemeine Pöbel nicht zu sehr unziemlichen Beschäftigungen hingibt. Und die dann natürlich auch noch auf eine “bundeseinheitliche Linie” drängen.

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33 Kommentare zu “Beruhigend”

  1. 17.07.2007 | 22:20

    Das wird schon der Markt regeln - und zwar so: wenn SAT.1/PRO7 nur noch billigen Schrott senden, dann wird kurzfristig die Rendite steigen. Langfristig werden aber der absehbare Zuschauerschwund dazu führen, dass auch die Werbetreiber sich nach einer anderen Umgebung für ihre Spots umsehen - was wieder eine schrumpfende Rendite zufolge hat.
    Vergleiche mit dem Fernsehmarkt der USA zeigen: Langfristig verkommen Sender ohne ansprechendes Vollprogramm zur wenig gesehenen Müllhalde (schrottige Sendungen mit schrottigen Spots für schrottige Produkte - die gibt es auch in Deutschland, trotz der Landesmedienanstalten!) oder gehen schlicht und einfach Pleite. Dass das Durchschnittsniveau des “freien” trotzdem suboptimal ist, trug dazu bei, dass es dort ein ganz hervorragendes “Bezahlfernsehen” gibt.

  2. 17.07.2007 | 22:50

    @Martin

    Du hast ein Vertrauen in den Einzelnen, das eines echten Liberalen würdig ist ;-) Aber die Entwicklung in den USA gibt dir wohl Recht. Ich würde das hier in Deutschland noch mehr so sehen. Zumal es hier ja die öffentlich-rechtlichen Sender gibt, die zumindest der Theorie nach und ansatzweise auch in der Praxis eine Alternative darstellen.

    schrottige Sendungen mit schrottigen Spots für schrottige Produkte - die gibt es auch in Deutschland, trotz der Landesmedienanstalten!

    Wohl wahr. Witzig auch, dass auch diejenigen, die über die SAT1-Nachrichten bisher hergezogen sind, jetzt deren Verschwinden beklagen. Wichtig ist doch, dass es entweder bereits Alternativen gibt oder sich welche bilden können, wenn genug Menschen daran interessiert sind. Warum man aber denjenigen, die gerne Schrott sehen wollen, das verweigern soll, müsste mir einer mal so erklären, dass ich keine Bevormundung darin erkenne…

  3. Parker8
    17.07.2007 | 23:39
  4. 17.07.2007 | 23:45

    Was dieses Blog betrifft, gibt es keine Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens. Allerdings einige seiner Finanzierung.

  5. 17.07.2007 | 23:57

    Viel Lärm um nichts. Ich denke es ging eher um die brutale, kaltschnäuzige Art und Weise die Mitarbeiter abzuservieren. Das schlagen bei den anderen Redaktionen in TV und Presse natürlich die Alarmglocken.
    Die Nachrichten auf Sat1 waren wirklich unterstes Niveau. Wenn die Landesanstalt jetzt anfängt Theater zu machen, kommt in mir die Frage hoch wo sie denn so lange geblieben ist. Derart schlechte Nachrichten zu machen kann ja auch nicht im Interesse der Öffentlichkeit gewesen sein.
    Außerdem kann Sat1 ja die Nachrichten von n24 ins Programm aufnehmen.

    Ob das mit einem Lizenzentzug überhaupt ginge wage ich mal zu bezweifeln. Vollprogram heisst nicht unbedingt Nachrichten in dieser Form. Sie könnten Nachrichten ja auch als Ticker innerhalb der Shows laufen lassen.

    Ich halte das alles für komplett überflüssig. Soll Sat1 doch machen was es will. Entweder es kommt am Markt an oder nicht.

  6. Parker8
    17.07.2007 | 23:57

    Die Finanzierung per “Zwangsabgabe” gehört zum ÖR nun mal dazu.

  7. 18.07.2007 | 0:06

    Wenn das stimmte, dann wäre ich auch ein Gegner des ÖR. Aber dieses Junktim wird doch nur von denen aufgestellt, die sich anmaßen, den gemeinen Pöbel belehren zu müssen.

  8. Parker8
    18.07.2007 | 0:24

    Nein, dieses Junktim wird von allen hergestellt, die Permira und KKR nicht allein das Sendefeld überlassen wollen (ebensowenig wie dem Pay-TV). Ich glaube, da kann sich in den nächsten Tagen eine interessante öffentliche Diskussion über den Status von Medien entwickeln.

  9. 18.07.2007 | 5:58

    Stefan Niggemeier zieht zu dem Thema ein paar Zähne, z.B. den, SAT1 sei ein Vollprogramm gewesen und werde es nach Einstellung seiner “Nachrichten” nicht mehr sein. Oder den, SAT1 werde seine Lizenz verlieren.

    Auszug:

    Wer die Formate „Sat.1 am Mittag” oder „Sat.1 am Abend” als „Nachrichten” oder „wichtige Informationssendungen” bezeichnet, wie u.a. die „Süddeutsche Zeitung”, Spiegel Online und die Agentur ddp, beweist damit, dass er die Programme nie gesehen hat. Es handelt sich um Sendungen, in denen Strapse, Push-Up-BHs und „sexy Badeanzüge” getestet, teils Jahre alte Doku-Soaps in Häppchen zerlegt wiederverwertet und idiotische Gewinnspiele veranstaltet wurden.

    (Die Quote ist tot, es lebe die Rendite)

    Im Eintrag darauf nochmal ein bisschen deutlicher, mit Belegen:

    Nachrichtenleute unter sich

    Im übrigen möchte ich erneut leise Zweifel anmelden, dass z.B. die ZDF-Nachrichten zu irgendwas nütze sind. Abgesehen davon, dass dort bei der Hauptsendung, die laut Programmschema angeblich 20 Minuten dauern soll, nach spätestens 8 Minuten der Show-Teil beginnt (wenn nicht schon der Aufmacher eine selbstreferentielle Lobhudelei war, wie z.B. bei der Einführung eines neuen Intendanten oder eines neuen ZDF-Formats im Internet), wird kein Thema so behandelt, dass es meinen Qualitätsstandards einer umfassenden, ausgewogenen Berichterstattung genügen würde.

  10. 18.07.2007 | 7:12

    “SAT.1 am Mittag” habe ich nie gesehen, aber ich glaube unbesehen, dass es ein Boulevardformat war. (Nichts gegen Boulevardmagazine, man braucht sie ja nicht ansehen.)
    Stefan Niggemeiers Kommentare bestätigen meinen Verdacht, dass der Direktor der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz endlich mal wieder medial bemerkt werden bzw. die vorgebliche Wichtigkeit seiner Behörde unterstreichen wollte.

    Das größere Problem gegenüber als Nachrichten ausgegebenen Boulevardmagazinen ist die deutliche boulevardisierung der “normalen” Nachrichten, interessanterweise auch bei den “Öffentlich-Rechtlichen”. Das einzige, was dagegen helfen könnte, ist die Abstimmung mit der Fernbedienung. Die allerdings bei einem Sender verpufft, dessen Geschäftsleitung bereit ist, für kurzfristige Renditeziele das Unternehmen mittelfristig gegen die Wand zu fahren.

  11. 18.07.2007 | 8:47

    Die Abstimmung versagt natürlich auch bei den Sendern, deren Finanzierung von der Meinung der Konsumenten praktisch unabhängig ist.

    Ach ja: Ich bin sehr wohl ein Gegner des ÖR. Zumindest dann, wenn dort wie bisher Grundversorgung als Vollprogramm interpretiert wird.

  12. NUB
    18.07.2007 | 11:03

    Dem abgabenfinanzierten, öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehören Grenzen gesetzt. Die - ohnehin nicht realisierte und nicht zu realisierende - Forderung, mit dem Programm die ganze Meinungs- und Interessenvielfalt abzudecken, lässt sich praktisch grenzenlos ausweiten … neue (Digital-)Sender hier, ein paar Mio. für einen Star rausgehauen dort… und nie reicht das Geld. Das wäre auf den Staat übertragen ein System, bei dem der Staat seinen Bürgern keinerlei Rechenschaft schuldig ist. Und der öffentlich-rechtliche Apparat attestiert sich selber, wie gelungen die Programmgestaltung doch ist und wie gut sie dem öffentlichen Auftrag gerecht wird.

    Es gibt darin gute Ansätze und auch gute Sender, PHOENIX z.B. Trotzdem befürchte ich, das GEZ-System ist nicht reformierbar. Man müsste es zerschlagen, um etwas zu verändern. Dass die Privatsender auch noch in die Mangel genommen werden, spricht für sich. Natürlich ist es wahr, dass dort viel Schrott läuft. Aber genau das spiegelt u.a. die Vielfalt wieder, das Meinungsspektrum. Oder leben wir doch in einem Staat, der sich seine Bürger passend erzieht?!

  13. 18.07.2007 | 11:06

    Für bescheuerte Konsumenten gibt es bescheuertes Fernsehen. Wie auch anders, ein Porno-Magazin ist ja auch nicht voller wissenschaftlicher Analysen. Wo ist das Problem?

    Erst wenn mir jemand eine schlüssige Erklärung für einen öffentlichen Bildungsauftrag und die Eignung eines Staatsfernsehens als gemeinwohlsteigernde Informationsquelle geben kann, fühle ich mich wirklich argumentativ herausgefordert. Bis dahin scheint diese Diskussion doch nicht viel mehr, als ein Gefecht zwischen Liberalen und Paternalisten zu sein.

    Auch die Öffentlich-Rechtlichen richten sich nach dem Geschmack ihrer Konsumenten, haben aber dank der Subventionen wie jeder Politiker als Meinungsmacher, mehr Spielraum die Konsumentenmeinung zu manipulieren. Insofern ist Staatsrundfunk das Spiegelbild der Politik, bei dem der Gang zur Wahlurne durch die Einschaltquote ersetzt wurde und die Parteienfinanzierung durch Verteilung der öffentlichen Rundfunkgebühren. Wer dem politischen System misstraut, kann in einen Staatsrundfunk nicht mehr Vertrauen haben. Zumal dieser nicht einmal Aufgaben hat, die nicht auch über den Marktmechanismus im Wettbewerb bereitgestellt werden könnten.

  14. NUB
    18.07.2007 | 11:10

    SteffenH

    Richtig, guter Hinweis. Auch die öffentlich-rechtlichen richten sich nach Geschmäckern. Sie haben sogar Talkshows und Spaßsendungen oder Promi-Magazine der Privaten kopiert oder Bestandteile übernommen, auch wenn sie es nicht zugeben würden. Beispielsweise ist das Morgenmagazin mittlerweile eine total auf locker gemachte Veranstaltung der Öffentlich-Rechtlichen. Früher war das viel steifer. Wie viele anderen Sendungen auch. Das haben sie - na klar - von den Privaten.

  15. R.A.
    18.07.2007 | 11:21

    @Rayson:
    > Was dieses Blog
    > betrifft, gibt es
    > keine Gegner des
    > öffentlich-rechtlichen
    > Rundfunks und
    > Fernsehens.
    Als schlichter Blog-Leser muß ich hier widersprechen.

    Ich bin ein klarer Gegner des ÖR-Systems. Und zwar nicht nur der Gebührenfinanzierung, oder der Ausweitung der Angebote über den angeblichen “Grundversorgungs”-Kern hinaus.

    Sondern ich halte es für grundsätzlich falsch, wenn der Staat sich in die Medienlandschaft einmischt und eine quasi-offizielle Meinungshoheit installiert.

    Gerade “Heute” und “Tagesschau” halte ich für hochproblematisch.
    Hier wird unkritisch und seicht die Illusion von “Informiertsein” erzeugt, es wird eine amtliche Denke vorgegeben, die trübsten Untertanentraditionen entspricht.

    Von den ÖR wird fast eine Gleichschaltung der veröffentlichten Meinung vorgegeben, was dort hoheitlich verkündet wird, limitiert die demokratische Diskussion.

  16. NUB
    18.07.2007 | 11:24

    R.A.

    >oder der Ausweitung der Angebote über den angeblichen “Grundversorgungs”-Kern

    Der Punkt ist ja: Es gibt diese Grundversorgungsbehauptung heute gar nicht mehr. Vielmehr wird der Anspruch erhoben, das demokratische Meinungsspektrum abzudecken. Was m.E. unendlich dehnbar und unverbindlich ist. Entsprechende Dokumente od. Aussagen sind im Internet zu finden…

  17. R.A.
    18.07.2007 | 11:59

    @NUB:
    > Es gibt diese
    > Grundversorgungsbehauptung
    > heute gar nicht
    > mehr.
    Die gibt es schon noch - die wird immer dann aus der Kiste geholt, wenn man mit Verweis auf BVerfG-Fehlurteile der Vergangenheit die GEZ rechtfertigt.

    > Vielmehr wird der
    > Anspruch erhoben,
    > das demokratische
    > Meinungsspektrum
    > abzudecken.
    Was die ÖR natürlich nicht tun - aber das ist nicht das Hauptproblem.

    Es geht um die staatstragende Grundauffassung, die die Basis des ÖR bildet.
    Man versteht sich grundsätzlich als quasi-offizielle Komponente des Systems, als Verbreiter amtlicher Wahrheiten.
    Und die deutschen Untertanen sind halt leider daran gewöhnt, daß der Staat automatisch recht hat und über dem “Parteiengezänk” eine neutrale Wahrheit wäre.

    Ohne ÖR wäre klar, daß JEDE Medienmeinung subjektiv ist und man sie deswegen nur eingeschränkt bzw. in Kombination mit anderen Medien glauben darf.

  18. J.L.
    18.07.2007 | 12:36

    zumal einfach Formate wie “Polylux” einfach nur tendenziös sind…

  19. NUB
    18.07.2007 | 13:36

    >Ohne ÖR wäre klar, daß JEDE Medienmeinung subjektiv ist und man sie deswegen nur eingeschränkt bzw. in Kombination mit anderen Medien glauben darf.

    Vielleicht hat der Staat bzw. haben die Leute, die sein Gerüst installiert haben und aufrecht erhalten, ja Angst, selbständige und eigenständig denkende Menschen zuzulassen, schließlich könnte die unbetreuten Bürger wieder in die Fänge faschistischer Rattenfänger und anderer Staatsfeinde geraten. Das tragische ist nur, dass so ein “fürsorglicher” Staat alsbald selbst zum Monster werden könnte, mit dessen Abwehr er in den Gründerjahren beauftragt wurde.

    Und wieder zeigt sich der Unterschied zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort ist das Misstrauen eher gegen den Staat gerichtet und der Einzelne hat weitreichende Rechte und Freiheiten. Bei uns werden Rechte und Freiheiten quasi kontrolliert vergeben und der Bürger wird misstrauisch beäugt und ggf. auch ein bisschen erzogen.

    Man muss aber auch sagen, dass der Unterschied des Nachfolgestaates des Dritten Reichs zum von Grund auf freiheitlich entstandenen US-Staat kaum verwunderlich ist. Ob der fürsorglich, bisweilen bevormundende Staat auf Dauer die richtige Antwort auf die Nazizeit sein kann, wird sich noch herausstellen. Bisweilen sind Zweifel mehr als angebracht. Aber heißt es nicht, Meinungsumfragen belegten es? Die Deutschen wollen Sozialdemokratie und nicht zu viel Freiheit? Hier muss man aber auch die Dynamik erkennen: Staat, Volk, Medien spielen quasi Ping-Pong, beeinflussen einander, steuern auf einen gemeinsames Mittelwert, den “Konsens” zu. Aus dem kommen sie dann aber auch nur schwer wieder raus.

  20. R.A.
    18.07.2007 | 13:58

    @NUB:
    > Vielleicht hat
    > der Staat bzw.
    > haben die Leute,
    > die sein Gerüst
    > installiert haben
    > und aufrecht
    > erhalten, ja
    > Angst,
    > selbständige und
    > eigenständig
    > denkende Menschen
    > zuzulassen, …
    Exakt.
    Das Mißtrauen gegenüber den Bürgern durchzieht das GG und unseren ganzen Staatsaufbau.

    Und hat natürlich historische Gründe.

    Nur gilt halt hier: “Quis custodit custodes?”

    Es waren doch gerade die “intellektuellen Eliten”, die bei den roten und braunen Diktaturen als erste dabei waren.

    > Und wieder zeigt
    > sich der
    > Unterschied zu
    > den Vereinigten
    > Staaten von
    > Amerika.
    Und obwohl ich in vielen Punkten dezidiert kein US-Fan bin: Hier gilt ganz klar, daß das in den USA deutlich besser läuft.

    > Hier muss man
    > aber auch die
    > Dynamik erkennen:
    > Staat, Volk,
    > Medien spielen
    > quasi Ping-Pong,
    > beeinflussen
    > einander, …
    Richtig.

    Der Obrigkeitsstaat funktioniert nur, weil die Beherrschten sich an ihre Unmündigkeit gewöhnt haben und Untertanen sein wollen.

    Und eben dies wird ihnen von den ÖR regelmäßig noch bestätigt.

  21. 18.07.2007 | 14:37

    [...] Jul 18th, 2007 by NUB Während die Öffentlich-Rechtlichen auf B.L.O.G. gerade auseinander genommen werden, kann TITANIC dem Bezahl-Pflicht-TV noch ganz andere Seiten abgewinnen: Die kühle, frostige, ja frigide Erotik Wills wird konsequent ersetzt: Süße, Charme, adrett gekämmtes wuschelweiches Kuschelhaar, gebändigt in einer kecken Kurzhaarfrisur auf dem puppenhaften Köpfchen - Schönheit und Aktualität sind in eine neue freche Harmonie eingetreten, auch bei den Tagesthemen. Mit großen glänzenden Kulleraugen sah sie in die Kamera, mit Augen, in denen besagter Schalk sich jetzt mit Erotik und Flirt, mit Weltläufigkeit und Naivität sich ein possierliches, immer seriöses, aber stets auch weibliches Stelldichein gaben. [...]

  22. NUB
    18.07.2007 | 14:51

    @R.A.

    Hmm, dann hätten wir das ja geklärt. Fragt sich nun, wie man am besten vorgehen könnte, um da ein paar Schritte in eine individuellere Richtung hinzubekommen. Könnte man z.B. das GEZ-System reformieren oder wäre für einen Neuanfang die komplette Beseitigung erforderlich? Für das Gesamt-System verbietet sich die Frage wohl schon, zumal sie ja ganz klar die - das Misstrauen gegenüber den Bürgern als richtig bestätigende - Möglichkeit zulässt, irgendwas Beliebiges an die Stelle des bestehenden Staates zu setzen.

    Wie können Liberale am besten kommunizieren, dass sie nicht den Menschen ihre Sicherheit und ihre Privilegien nehmen wollen und aus, sondern dass sie den Menschen wieder mehr Freiheit und Geld an die Hand geben wollen, damit sie selber darüber entscheiden, ihr Leben selber gestalten können?

    Mir scheint jedenfalls, dass die FDP als DIE liberale Partei in Deutschland zu wenig umfassende Opposition, z.B. auch gegen die GEZ-Strukturen, anfängt, sondern zu sehr Teil des Systems ist, auch Teil eines lobbyistischen Apparats. Also ergibt sich auch die Frage, ob man die FDP reformieren könnte und zu einer Partei machen könnte, die viele Menschen begeistert und auf dem Weg in eine freiheitlichere Gesellschaft mitnimmt…

  23. R.A.
    18.07.2007 | 15:26

    @NUB:
    > Könnte man z.B.
    > das GEZ-System
    > reformieren …
    M. E. nicht.

    Etwas Zurückschneiden von Auswüchsen würde ja das Grundproblem nicht lösen.

    Mein Konsensvorschlag ist üblicherweise, einige spezielle Angebote wie arte, KiKa oder Phoenix steuerfinanziert weiterlaufen zu lassen. Das ist zwar nicht reine liberale Lehre, aber es ist zu mühsam, wegen solcher finanziell nebensächlichen Besonderheiten Grundsatzdiskussionen zu führen.

    Meinet wegen können auch noch diverse regionale Hörfunk-Programme etc. bleiben.

    Hauptsache der Propaganda-Kern mit Heute und Tagesschau kommt weg.

    > die FDP als DIE
    > liberale Partei
    > in Deutschland
    > zu wenig
    > umfassende
    > Opposition, z.B.
    > auch gegen die
    > GEZ-Strukturen,
    > anfängt, sondern
    > zu sehr Teil des
    > Systems ist, …
    Leider wahr.
    Besonders ärgerlich ist hier mein alter Freund Otto, der statt GEZ eine zusätzliche neue Steuer einführen will!

    Ich habe für Anti-GEZ-Anträge zwar schon ordentliche Zustimmung auf dem Landesparteitag bekommen (30-40%), aber noch ist keine Mehrheit in Sicht.

  24. 18.07.2007 | 15:41

    @R.A.

    Was wäre an einem öffentlich-rechtlichen System, das sich durch Nutzerentgelte und Werbung finanziert, denn noch “Staat”?

  25. R.A.
    18.07.2007 | 15:53

    @Rayson:
    So ganz bringe ich Deine Frage nicht mit meinen Forderungen zusammen.

    Die Staatsdominanz beim ÖR hat ja wenig mit der Finanzierung zu tun.

    Und mir geht es weniger um die Abschaffung der GEZ (die fällt nebenbei mit ab) als um die konsequente Privatisierung der kompletten Medienlandschaft.

  26. 18.07.2007 | 15:56

    @R.A.

    Wen stört denn “Staatsdominanz”, wenn kein Zwang dabei im Spiel ist und keine unfairen Wettbewerbsbedingungen daraus resultieren?

  27. 18.07.2007 | 15:58

    Ist denn “Staatsdominanz” ohne Zwang und Drang zur Wettbewerbsverzerrung überhaupt wahrscheinlich oder realistisch vorstellbar?

  28. NUB
    18.07.2007 | 16:02

    R.A. hat es ja schon erklärt. Er möchte nicht, dass die ÖR die Leute in sog. Informationssendungen mit Propaganda füttern/desinformieren/erziehen… wie man es auch nennen mag … und dabei den Eindruck von Objektivität oder Neutralität erwecken, obwohl sie voreingenommen berichten u.s.w. R.A. geht von einer spezifischen Absicht aus, den Zuschauern etwas vorzugaukeln, damit sie beruhigt weiter an den Staat u. die Politik u. die ÖR glauben… Ich denke, dass Elemente aus der Kritik auf alle Mainstream-Medien zutreffen, die z.B. schon mal mit Absicht gewichten, was Berichtenswerter ist und warum und damit vorab filtern, aber die ÖR geben sich schon besonders stark als objektiv und richtungsweisend aus.

  29. R.A.
    18.07.2007 | 16:06

    @Rayson:
    > Wen stört denn
    > “Staatsdominanz”,
    > wenn kein Zwang
    > dabei im Spiel ist
    Staat ist Zwang.

    Wohlgemerkt: Ich bin kein Libertärer, ein notwendiges Maß an Staat muß sein.

    Aber eben so gering wie möglich, und verbunden mit einer kritischen Sicht auf diesen Staat.

    Das paßt überhaupt nicht zusammen mit einer staatstragenden Berichterstattung, die offizielle Autorität für sich beansprucht und so tut, als gäbe es beim ÖR neutrale und objektive Wahrheit.

    Private müssen sich ihre Reputation erarbeiten - und bei ihnen ist automatisch jedem klar, daß sie nie neutral sein werden.

    JEDES Medium ist subjektiv, und das können die Bürger nur lernen, wenn alle Medien frei und ohne staatliche Beeinflussung konkurrieren.

  30. 18.07.2007 | 16:36

    @Boche

    Das sollte vielleicht der erklären, der von Staatsdominanz in einem System redet, das aus meiner Sicht ohne Zwang auskommt…

    @R.A.

    Staat ist Zwang.

    Korrekte Parole. Du darfst weiter kommentieren ;-)

    Aber ich hätte es jetzt doch gerne etwas konkreter: Was bleibt vom Staat im ÖR, wenn dieser nicht mehr aus Staatsknete finanziert wird? Ob etwas als “staatstragend” anerkannt wird, liegt doch immer im Auge des Betrachters.

    Die eine Bekehrung halte ich für genau so verfehlt wie die andere. Es ist falsch, wenn selbsternannte Volkserzieher einen ÖR als Spielwiese missbrauchen können, weil sie auf die Zuschauer zu werbefreien Zeiten nicht besonders viel Rücksicht nehmen müssen. Ich halte es aber auch falsch, den Leuten, die im Staat eine neutrale Instanz sehen und in dessen Verlautbarungen eine objektive Wahrheit, ihren ÖR wegzunehmen. Da deren Freiheit, sich solche Sender anzuschauen, bei geänderter Finanzierung nicht mehr in meine eingreift, hätten sie meinen Segen.

    das können die Bürger nur lernen, wenn alle Medien frei und ohne staatliche Beeinflussung konkurrieren.

    Hier spricht der liberale Volkserzieher ;-)

  31. R.A.
    18.07.2007 | 17:15

    @Rayson:
    > Was bleibt vom
    > Staat im ÖR,
    > wenn dieser
    > nicht mehr aus
    > Staatsknete
    > finanziert wird?
    Der wesentliche Einfluß läuft ja gar nicht über die Knete (die kriegt ein Intendant auch dann, wenn er seinen Ministerpräsidenten verärgert), sondern über den Rundfunkrat und ähnliche Gremien.
    Da sitzen die Parteienvertreter und die Abgesandten staatsnaher Organisationen in einer Sortierung, die der jeweiligen Landesregierung eine Mehrheit sichert.

    > Ich halte es
    > aber auch falsch,
    > den Leuten, die
    > im Staat eine
    > neutrale Instanz
    > sehen und in
    > dessen
    > Verlautbarungen
    > eine objektive
    > Wahrheit, ihren
    > ÖR wegzunehmen.
    Ich gebe Dir recht, daß Pro-Staat-Positionen genauso legitim sind und ihre Darstellungsmöglichkeiten
    haben sollen wie staatskritische.

    Aber sie sollten keine Privilegien bekommen.

    > Hier spricht
    > der liberale
    > Volkserzieher ;-)
    Das darf ich!
    Man darf versuchen, das Volk zu erziehen. Z. B. in Richtung kritischer, selbst-denkender Staatsbürger (durchaus im US-Sinn).
    Ich will dabei ja keinen Zwang anwenden.

  32. 18.07.2007 | 17:38

    @R.A.

    Aber sie sollten keine Privilegien bekommen.

    Was für Privilegien wären das denn noch, wenn man die Zwangsfinanzierung ausschaltet? Alles, was du dann noch am ÖR kritisierst, ist Einseitigkeit und ineffiziente Verwaltung. Das soll ja auch woanders vorkommen, und wenn die Leute die Einseitigkeit mögen und die Ineffizienz vergüten, dann ist das doch ok.

    Ich will dabei ja keinen Zwang anwenden.

    Doch, du wolltest den ÖR als den einzigen Platz abschaffen, wo die Staatsjünger sich unter dem gemeinsamen Banner noch versammeln können… Oder nicht?

  33. 19.07.2007 | 9:31

    Vielleicht kommt ja doch langsam eine Diskussion in Gang, an deren Ende das Zurückstutzen des öffentlich-rechtlichen Molochs steht?

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