Siehe da

Karsten hat es immer behauptet, und jetzt habe ich sogar einen Beweis: Es gibt offensichtlich sehr, sehr vernünftige Soziologen. Zum Beispiel Wolfgang Sofsky: Was er zur “Verteidigung des Privaten” gegen Wohlfahrts- und Überwachungsstaat zu sagen hat, kann man in der FAS nachlesen.

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40 Kommentare zu “Siehe da”

  1. 23.07.2007 | 9:05

    Schön, die Woche mit der Lektüre eines solch klarsichtigen Artikels zu beginnen!

  2. 23.07.2007 | 9:10

    Ja, ein wirklich schöner Artikel.

    So, das ist jetzt mein letzter Kommentar hier. Es hat Spaß gemacht mit Euch. Ob und wann ich Internet auf Kreta haben werde steht noch in den Sternen. Ich glaube aber eher an ein Ende meiner Internet-Aktivität und wünsche Euch für die Zukunft alles Gute! Meine Anschrift werde ich später aus einem Internet Cafe heraus auf meinem Blog posten, wenn mir die Verwaltung endlich einen Straßennamen zugeteilt hat.

    Markus Oliver

  3. 23.07.2007 | 11:07

    Frei nach dem Motto: Vernünftig ist, wer mir zustimmt …

  4. 23.07.2007 | 11:12

    Beginnen wir die Woche mit einer Prise Arroganz, Momo?

    Denn selbstverständlich ist nur deine Meinung vernünftig. Diese schlichte Wahrheit hatten wir wohl kurz aus den Augen verloren.

  5. 23.07.2007 | 11:21

    Nein, Vernunft ist eine formale, keine materiale Frage. Das hat auch nix mit Arroganz zu tun, sondern mit einer unsinnigen, prädikativen Verwendung des Vernunft-Begriffes … Hayek war ja nicht unvernünftiger als Marx.

  6. 23.07.2007 | 11:25

    Laut DWDS ist Vernunft “das geistige Vermögen, Zusammenhänge zu erkennen, zu beurteilen, zu überschauen und sich dementsprechend sinnvoll und zweckmäßig zu verhalten”.

    Lass uns nicht in Purismus verfallen und annehmen, dass man den einen in diesem Sinne für vermögender halten kann als den anderen.

  7. 23.07.2007 | 11:30

    Ja, eben. Deshalb sind aber nicht nur jene Soziologen vernünftig, die Raysons Position stützen, nur weil sie zufällig jene Zusammenhänge für besonders relevant erachten, die ihm auch - mit guten Gründen - auf der Seele brennen.

    So eine Theorie der Rationalität ist ja etwas außerordentlich spannendes … (eigentlich müßte ich jetzt für Dirk noch ein paar Philosophennamen nennen, das lasse ich mal).

  8. 23.07.2007 | 11:32

    Mein letzter Absatz war missverständlich. Ich meinte:

    Lass uns nicht in Purismus verfallen und lass uns stattdessen annehmen, dass man den einen in diesem Sinne für vermögender halten kann als den anderen.

  9. 23.07.2007 | 11:34

    Nö. Diese Annahme ist unvernünftig ;-) … es ist schlichtweg nicht der Fall, daß Hayek da unvermögender war als Marx.

  10. 23.07.2007 | 12:12

    @MR/Boche: Auch der vernünftigste kann zu falschen Ergebnissen kommen, wenn seine Informationen und Basisannahmen falsch sind; insofern sagt ein falsches Ergebnis allein noch lange nichts über die Vernunft eines Menschen aus.

    Aber Rayson hat den Begriff ja auch nur verwendet, um auszudrücken, dass er die Ansichten und Ergebnisse des Mannes teilt. In diesem Sinne wird “vernünftig” ja für gewöhnlich verwendet… ob das die richtige Verwendung ist, bleibt ein Nebenkriegsschauplatz (um nicht das böse Wort von der “Ablenkung” zu verwenden).

    @Rayson: Vielleicht hätte Dir die Erkenntnis mit den vernünftigen Soziologen aber auch schon bei Karl Popper und Ralf Dahrendorf kommen können… Wobei mein Disput mit den beiden Dirks sich ja vor allem um die Frage drehte, ob die Soziologie eine Wissenschaft mit eigener, unabhängiger Methodik oder eine Laberveranstaltung für Quatschköpfe der Beliebigkeit ist.

  11. 23.07.2007 | 12:21

    Vor zwei Jaren kaufte ich Sofsky’s “Traktat über die Gewalt”. Die Beschreibung klang spannend, aber das Buch ist furchtbar langweilig. Mein Rekord liegt bei drei Seiten hintereinander ohne einzuschlafen. Angesichts des Schreibstils würde ich diese Leistung mal ganz bescheiden als Weltklasse einordnen.

    Ich dachte immer Vernunft sei immer auf universelle Zusammenhängte bezogen, so dass sie zum wesentlichen Teil aus Ethik besteht. Während der Verstand -als reine Rechenpower - die Fähigkeit ist, möglichst Zweckmäßig zu handeln.

  12. 23.07.2007 | 13:08

    @Dirk:

    “Ich dachte immer Vernunft sei immer auf universelle Zusammenhängte bezogen, so dass sie zum wesentlichen Teil aus Ethik besteht.Während der Verstand - als reine Rechenpower - die Fähigkeit ist, möglichst Zweckmäßig zu handeln.”

    Das ist selbst bei Kant, der die Unterscheidung wohl als erster systematisch durchgespielt hat, ein wenig anders, wenn ich mich recht entsinne, vielleicht kann Bodo da noch ergänzen: Verstand organisiert bei Kant die Sinnesdaten, wertet sie aus (indem er z.B. Ursache/Wirkungs-Relationen als solche identifiziert), und Vernunft lagert sich gewissermaßen drüber und zieht dann Schlüsse daraus.

    So kommt’s zu der Formulierung: “Vernunft ist das Vermögen zu schließen” - um dann bei allgemeinen Regeln zu landen.

    Das ist dann die Input-Relation, sozusagen.

    Seit Kant macht es zudem Sinn, zwischen theoretischer - Tasachenhauptungen -, praktischer - Handlungsregeln - und ästhetischer Vernunft zu unterscheiden, wobei letztere in der Kritik der Urteilskraft als “interesseloses Wohlgefallen” auftritt und Urteilskraft das Vermögen ist, Allgemeines und Besonderes zu vermitteln, zueinander in Beziehung zu setzen, was selbst micht regelhaft geschehen kann.

    Das ist nicht uninteressant hinsichtlich des Verlangens nach einer allgemeinen Methodik - wer diese jedem Gegenstand überbügelt, ohne diesen erst mal in Relation zu der Regel zu setzen, ist Kant zufolge schlicht dumm.

    Das Verfolgen von Zwecken: Das nennt man seit Max Weber tatsächlich “Zweckrationalität”, wie überhaupt der Rationalitätsbegriff der wohl mittlerweile geläufigere als jener der Vernunft ist.

    Bei Horkheimer/Adorno heißt das dann die “instrumentelle Vernunft”, bei Habermas “strategisches Handeln”.

    Das ist in etwa das, was der “homo oeconomicus” so treibt. Bei Luhmann ist das dann “Systemrationalität”, und das hat mit “Zweckrationalität” insofern was zu tun, da die per Kommunikation operierenden Systeme sich mühen, über ihre Umwelt zu verfügen (z.B. das gesellschaftliche Subsystem Bürokratie in Form des Finanzamtes über die Bürger).

    All das ist immer, explizit oder implizit, am Modell eines über Objekte verfügenden Subjektes gedacht, und bemerkenswert ist, daß von Kant bis Habermas immer versucht wurde, Rationalitätstypen zu beschreiben, die eben gerade nicht diesem Modell folgen.

    Weber war der Ansicht, daß zuende gedachte und ausschließliche Zweckrationalität irrational sei und setze dem Wertrationalität entgegen, Kant brachte den Menschen als “Zweck an sich selbst” gegen andere Formen des Imperativs, die der Zweck-Mittel-Relation folgen, in Stellung, Habermas entwickelte das Modell des verständigungsorientierten Handelns als Gegenmodell zum strategischen Handeln, nur Luhmann meint, daß das gar nicht denkmöglich ist.

    Insofern kann man schon sagen, daß Vernunft/Rationalität ein weiteres Feld ist als nur der Bereich der Zweckrationalität, aber Verstand und Zweckrationalität würde ich nicht synonym gebrauchen.

    PS: Wollte jetzt nicht nur das Vorurteil bestätigen, mit Philosophen/Soziologen-Namen um mich zu schmeißen, um mich gleich anschließend beleidigt zurückzuziehen, das ist tatsächlich ein Feld, auf dem manche Debatten zwischen links/liberal und auch konservativ vielleicht deutlicher werden können, als dies normalerweise so der Fall ist.

    Weil die Kritik der Zweckrationalität eben kollidiert mit dem reinen Verfolgen von Eigeninteressen, wie es die zumindest mir bekannten Wirtschaftstheorien behandeln. Und Konservative in der Regel statt auf die alles sezierende Vernunft zu setzen die Tradition bzw. “Üblichkeiten” beschwören.

  13. NUB
    23.07.2007 | 14:16

    MomoRules

    Nein, Vernunft ist eine formale, keine materiale Frage.

    Was hälst Du eigentlich von Ayn Rand? Ich tippe mal: Nicht viel.

  14. 23.07.2007 | 14:54

    … kenne ich nur dem Namen nach, gebe ich zu …

  15. 23.07.2007 | 15:18

    @MR: Ich habe mich mal etwas näher mit der Dame beschäftigt, weil mehrere amerikanisch Science-Fiction-Autoren von ihr angeregt wurden (die fast alle besser schrieben; ihre “philosophischen Romane” “The Fountainhead” und “Atlas Shrugged” sind IMO weder als Romane noch als Philosophie sonderlich originell). Rands “Objektivismus” finde sogar ich reichlich dünn. (Antikantianisch, mit eigenwilliger Nitzsche-Interpretation.)
    Kann ja mal an anderer Stelle schreiben, was ich von ihr genau halte …

  16. NUB
    23.07.2007 | 15:20

    MomoRules

    Ist ganz interessant. Bin kein Anhänger, finde aber einige Beiträge u. Leistungen, die Ayn Rand geliefert hat, gut. Falls Du Dich mit diesen Lehren mal beschäftigen solltest, würde ich mich an Deiner Stelle nicht von der an den Tag gelegten Attitüde mancher Anhänger abschrecken lassen.

    Auf der Pro-Seite hat Ayn Rand bei mir das Vertrauen in den Menschen, die Aufforderung zu Selbstvertrauen und zur Suche nach dem eigenen Glück. Außerdem betont sie die qualitative Unterscheidung der Vernunft, also der begründeten logischen Schlüsse und realer Beobachtungen (objektive Realität) vom subjektiven Gefühl, das nachrangig oder sogar nachteilig ist. Dabei propagierte Ayn Rand einen rationalen Egoismus, der gewissermaßen “nachhaltig” die eigenen Ziele und Anliegen voranbringt, nicht nur kurzfristig Trieb befriedigt. Dabei darf nicht über Leichen gegangen werden, da Rand eine Ethik für unverzichtbar hält. Diese wiederum möchte sie von aller in der Geschichte praktizierten und dogmatisierten (religiösen) Ethik losgelöst sehen und allein auf dem objektiven Recht des Einzelnen gründen. Das Recht auf Leben und Freiheit und Eigentum. Die Aufgabe des Staates ist es in dieser Lehre, die Rechte des Einzelnen zu schützen. In die Wirtschaft solle der Staat nicht eingreifen. Der womöglich entscheidenste philosophische Beitrag besteht in der Identifikation des eigenen Lebens als höchstem Gut, höchster Wert ohne den kein anderer Wert möglich ist. Verbunden mit der Forderung, für das eigene Glück und die vernünftige Gestaltung des Lebens Verantwortung zu übernehmen. Für Ayn Rand war es, um einen Rand-fremden Begriff zu verwenden (sie war absolute Atheistin), eine Todsünde, das eigene Leben anderen Menschen anzuvertrauen oder sie verantwortlich zu machen oder altruistisch deren Interessen zu vertreten anstatt sich und die eigenen Interessen zu identifizieren. Für Ayn Rand war so etwas quasi sich selber auf eine Stufe mit Tieren stellen.

    Nun zu den Contra-Punkten. Der unbeirrte Fortschrittsglaube und das Vertrauen in die menschliche Vernunft in allen Ehren. Die meisten Menschen sind so wie sie nun mal sind und wie sie sein wollen einfach nicht mit dem passenden “Mindset” ausgerüstet, um Ayn Rands System zu leben. Da manche Sagen, der Mensch werde sich ohne Not nicht ändern, zumindest nicht komplett, was ich für plausibel halte, hatte Ayn Rand nie die passenden Menschen zu ihren Forderungen und wahrscheinlich wird es sie auch nicht geben. Man muss aber philosophische Ideen auch nicht wie Bedienungsanleitungen zum Leben lesen oder starr befolgen ohne sich selber einzubringen. Die meisten Menschen sind jedenfalls auch emotional und neuere Hirnforschungen legen nahe, dass eine emotionale Vorbefangenheit des Unterbewussten Einfluss auf unser Denken und Handeln nimmt, noch bevor ein Funken Vernunft realisiert wurde. Dennoch halte ich die Forderung, Vernunft zu versuchen, sie über beliebige Triebe und Emotionen zu stellen, für richtig und wichtig. Der Mensch darf nicht zur Manövriermasse seiner und fremder Gefühle werden. Nur glaubte Rand und glauben ihre Anhänger, das lasse sich echt realisieren, während es bei mir nur ein Ideal bleibt, das relativ, ein bisschen realisierbar ist, aber nicht vollkommen.

    Persönlich hat Ayn Rand auch ein paar unschöne Aussagen zu verantworten. Beispielsweise hob sie bei einer Diskussion mit dem Publikum heraus, wie primitiv und grausam doch die Indianer gewesen seien und dass alle froh sein sollten, dass ihre primitive und minderwertige Kultur beseitigt wurde. Dieser grenzenlose Fortschrittsglaube wird an manchen Stellen gefährlich, wenn er Genozid-Rechtfertigungen produziert. Auf der anderen Seite war Ayn Rand keineswegs eine Kriegstreiberin. Und generell lehnte sie jeden Zwang bei der Durchsetzung der eigenen Philosophie ab. Was aber wiederum nicht in Einklang zu bringen ist mit ihrer Aussage, das arab. Öl gehöre denen, die es fördern. Da westliche Ölfördertechnologie zum Einsatz kam, die (in den 70ern und 80ern) von den arab. Diktaturen importiert werden musste, bezeichnete Ayn Rand Verstaatlichung als Diebstahl. In der Praxis ist die Versuchung doch zu groß, die Rechte des Einzelnen oder anderer Völker (so etwas wie ein Recht eines Volkes bestritt sie vehement) zu verletzen, um dem Fortschritt und der Durchsetzung der richtigen Philosophie der Freiheit zu dienen. Daher muss man sich diesbezüglich eine kritische Distanz bewahren.

  17. NUB
    23.07.2007 | 15:27

    PS: Genauso halte ich es theoretisch zwar für denkbar oder unter Umständen sogar wünschenswert, eine ganz neue Ethik zu entwickeln, die nicht mehr von der jeweiligen Religion abhängig ist und dabei andere “Kröten” schlucken muss, die wiederum menschenverachtend sein könnten. Praktikabel und realistisch halte ich Ayn Rands Idee einer komplett neuen Ethik aber nicht. So etwas braucht Jahrhunderte oder Jahrtausende. Es macht keine Romanautorin schnipp und die Menschen krämpeln ihre Ethik um.

  18. NUB
    23.07.2007 | 15:33

    PPS: Für Ayn Rand konnten diejenigen, die anderen Menschen (z.B. mit ihrer Herrschaft) Rechte verweigern, nicht selber Rechte für sich in Anspruch nehmen. Während ich das für Diktatoren bzw. Regime und v.a. deren Führung unterschreiben würde, würde ich aber im Leben nicht auf die Idee kommen, etwa einem Indianer seine Menschenrechte abzusprechen, weil ich seine Kultur ablehne. So etwas führt wie gesagt zu ganz gefährlichen Schlussfolgerungen, die noch nicht mal der Philosoph selber ziehen muss. Das erledigen dann andere.

  19. 23.07.2007 | 15:40

    Über Ayn Rand würde ich auch gern mal wieder diskutieren (wobei ich dazu Atlas Shrugged erst wieder lesen müsste). Aber führt das hier nicht arg weit vom Thema weg?

  20. 23.07.2007 | 16:00

    @NUB:

    Jetzt weiß ich auch, wo mir der Name über den Weg lief, das war eine Diskussion beim Che, wo sie im Konetxt der Neuen Rechten in den USA diskutiert wurde. Nein, ich will das von Dir Geschriebene damit nicht diskreditieren, wirklich nicht! Ist vielleicht nur interessant für Dich, in welchen Kontexten sowas “gegenüber” diskutiert wird, deshalb der Hinweis.

    Insgesamt liest sich da ja wie diese “Widerstreits”-Theorien zwischen Gefühl/Trieb auf der einen, Vernunft auf der anderen Seite -bei Kant taucht das dann als “Neigung” versus “Pflicht” auf, wobei Pflicht eben heißt, begründet zu handeln, und der Kategorische Imperativ ist ein Begrünungsmodus.

    Ich bin mir immer nicht so sicher, ob diese Entgegensetzung Sinn macht, mir kommt das immer eher vor wie säkularisiertes Christentum, Seele versus fleisch.

    Ich halte es da eher mit der “Urteilslehre” in der Affektentheorie: Daß jedem Gefühl ein rationalisierbares Urteil sozusagen inhärent ist.

    Ob man dann dem handelnd nachgibt oder nicht, ist eher ein rationales Sich-zu-Sich-Verhalten (das war u.a. mein Magisterarbeitsthema) hinsichtlich seines “Zu Seins”, daß man eben lebt und selbst gestalten will, wie man lebt, und das nicht nur situativ, sondern perspektivisch. Kann das sein, daß Frau Rand da Bezüge zu Heidegger hat? Das liest sich so existentialistisch, das mit dem Leben als höchstes gut … als wolle sie dem Düsteren der Existenzphilosphie eine positive Wendung geben.

    Diese ganzen Fragen wie “Eigenverantwortung”, “totale Autonomie” etc., das sind ja klassischerweise Tugendlehren, Fragen “des guten Lebens”. Na, Autonomie auch darüber hinaus, aber so, wie Du’s schreibst, schon.

    Für mich ist dann immer eher die Frage, wieso man befugt sein sollen darf, da generell Anderen reinzuquatschen. Rechtfertigen muß ich mich doch niemandem gegenüber, insofern es Fragen meines Verhältnisses mir selbst gegenüber betrifft, sondern soweit es mein Verhalten Anderen gegenüber betrifft. Jetzt alles im philosphisch-begrifflichen Bereich gedacht - natürlich kann man, wenn man will, z.B. Hartz IV-Bezug bei voll Arbeitsfähigen als Verhlaten Anderen gegenüber begreifen, wenn man will.

    Wie man Eigentumschutz oder Nicht-Eingriffe in’s staatliche Wirtschaften jetzt im engeren Sinne philosophisch, also begrifflich, begründen will, das ist mir ja auch ein Rätsel. Kant versucht das auch in der “Metaphysik der Sitten”, fand ich aber nie plausibel. Mir kommt das immer vor wie reine Setzungen, für die es empirisch gute Gründe gibt, aber das ist eigentlich keine Philosohie mehr, so wie ich sie verstehe.

  21. 23.07.2007 | 16:04

    @Boche:

    Seid ihr da nicht so frei, daß man im Zuge der Diskussion hier auch Themen initiieren darf? So eine Rationalitätsdiskussion ist doch auch was Schönes …

  22. 23.07.2007 | 16:08

    Nun, das ist nicht mein Blogbeitrag. Vielleicht ist Rayson so frei.
    Ich weiß nur, dass ich mich selbst manchmal zurück zu nehmen versuche, wenn ich als Kommentator zu weit vom Thema wegkomme, weil ich das Gefühl habe, das könne als Unhöflichkeit angesehen werden.

  23. 23.07.2007 | 16:11

    Ich handel da eher im reinen Eigeninteresse, dann geht’s insgesamt allen gut :-)

  24. 23.07.2007 | 16:17

    Wollen wir jetzt mit dem Eigentumsbegriff die nächste themenferne Baustelle aufmachen?

  25. NUB
    23.07.2007 | 16:22

    MomoRules

    Der Che hat Ayn Rand mit Hoppe zusammengebracht bzw. einfach so zusammen aufgezählt, als sei das alles ein Brei. Ich lese auch mal “gegenüber”… Ihn hat v.a. gestört, dass die Anhänger dieser liberalen, libertären und artverwandten Ideologien im Netz so feindselig und plump gegenüber allem Linken, Islamischen u.a. Feindbildern aufträten, so dass er quasi mit dem philosophischen “Gebräu” illustrieren wollte, wie unsympathisch diese Blogger doch seien… Während man ja jeden Blogger sympathisch finden kann oder nicht und auch einen Philosophen z.B. total unsympathisch finden kann, sollte man doch die dahinterstehenden Lehren für sich analysieren und möglichst unbefangen auswerten können, also die dahinterstehenden Ideen für sich betrachten können. Ohne vermeintlich unsympathische Figuren.

    Es gibt ja auch Ideologien wie den Leninismus, den Stalinismus oder den Islamismus, die von vornherein Verbrechen gutheißen, wenn die Verbrechen die “Richtigen” treffen bzw. den “Guten” dienen. Da ist also etwas zutiefst Unsympathisches in den Ideen bereits integriert.

    Die Verfechter können daraufhin selber extrem sympathisch auftreten, den Mist in ihren Ideen können sie höchstens grob übertünchen, dass sie selber sympathisch daherkommen nutzt nix.

    Bei der Freiheit und freiheitlichen Ideen ist es genau umgekehrt. Sie fordern nicht dazu auf, den Menschen einzuengen, zu knechten, zu foltern, zu morden, zu unterdrücken, ihm den Mund zu verbieten, Bücher zu verbrennen u.s.w. Aber die freiheitlichen Ideen verhindern es auch nicht unbedingt!

    Wenn der Einzelne möglichst viele Rechte und Freiheiten genießen soll, gilt zunächst mal “Anything goes”.

    Und genau das empfinden alle, die sich an den fürsorglichen, achtsamen Staat gewöhnt haben, als bedrohlich. Zumal dann, wenn sie Verfechter freiheitlicher Ideologie finden, die sie als extrem abseits des sozialen Konsens oder vielleicht sogar, wie im Fall Hoppe, in der Nähe reaktionärer, sozialdarwinistischer Ideen verorten können. Aber trotzdem: Man soll nicht von Einzelnen auf deren Lehren schließen, die die Verfechter vielleicht auch falsch anwenden. Und man soll nicht Rand und Hoppe vermengen, Rand würde sich im Grab umdrehen.

    Im Grunde machte Che das, was er dem “Pack” vorwarf, um das es ihm ging. Alle Gegner in einen Topf und kräftig umrühren.

  26. NUB
    23.07.2007 | 16:24

    PS: Um die Nähe zum Thema zu verdeutlichen. Das hat auch Wolfgang Sofsky gemeint, dass mit der Freiheit noch nicht garantiert ist, dass auch das Richtige getan wird. Und da haben wir die Verbindung zur Ethik und Philosophie. Es soll keiner der Freiheit vorwerfen, dass es welche gibt, die sie missbrauchen.

  27. NUB
    23.07.2007 | 16:43

    MomoRules

    Ayn Rand wird manchmal in die Nähe von Nietzsche und Heidegger gerückt, quasi als vereinfachte Ausgabe … aber zu Lebzeiten legte sie Wert darauf, dass ihre Philosophie “Objektivismus” oder “A philosophy for living on earth” eingeständig sei und eine komplette Philosophie - sie hat ja diverse Artikel und Bücher geschrieben, in denen sie alles erklärt, auch Epistemologie und Ethik des Objektivismus… Das habe ich nicht alles gelesen, kann also nur begrenzt Auskunft geben…

  28. 23.07.2007 | 17:03

    @NUB:

    Nur soweit: Heidegger war zwar später definitiv Nazi, aber ein großer Philosoph war er trotzdem, “Sein Zeit” ist schon toll. Auch, weil da versucht, das “Subjekt-Objekt”-Schema durch die Figur des immer schon “In-der-Welt-Seins” aufzulösen, was einiges für sich hat und auch die Freiheitsthematik anders angeht.

    Jetzt lese ich aber auch noch mal das Interview und setze es in Beziehung zu Heidegger ;-)

  29. 23.07.2007 | 19:12

    @Karsten

    Ich hoffe doch, du hast den mangelnden Ernst erkannt, mit dem ich diesmal meinen Pauschal-Kommentar über die Soziologen abgegeben habe. Auch der Begriff “vernünftig”, der dann gleich hier zur OT-Diskussion geführt hat, dient mehr der Provokation als der eigentlich Wertung. Mir kam es nur darauf an, dass das Interview gelesen wird, weil ich die Verknüpfung von Wohlstands- und Überwachungsstaat nämlich genau so als Logik sehe wie der Sofsky.

    Und Ayn Rand, ach ja, das ist ein weites Feld…

  30. 23.07.2007 | 19:50

    “weil ich die Verknüpfung von Wohlstands- und Überwachungsstaat nämlich genau so als Logik sehe wie der Sofsky”
    Dies bedarf doch schon einer genaueren Erklärung, zwischen der Bekämpfung von Missbrauch von Sozialleistungen und der Bekämpfung von Terroristen sehe ich doch schon einen Unterschied, wie die Mehrheit der Deutschen.

  31. 23.07.2007 | 20:11

    @Klaus

    Unter anderem dazu habe ich das Interview verlinkt. Da ist das in einem Absatz erwähnt. Kleiner Tipp: Um die Bekämpfung von Missbrauch geht es da nicht.

  32. 23.07.2007 | 20:28

    Ich empfehle da Kapitel 6 aus “Sein und Zeit” von Martin Heidegger, “Die Sorge als Sein des Daseins”. Insbesondere §40, “Die Grundbefindlichkeit der Angst als eine ausgezeichnete Erschlossenheit des Dasein”.

    “Worum die Angst sich abängstet, ist nicht eine bestimmte Seinsart und Möglichkeit des Daseins. Die Bedrohung ist ja selbst unbestimmt und vermag daher nicht auf dieses oder jenes faktisch konkrete Seinkönnen bedrohend einzudringen. Worum sich die Angst ängstet, ist das In-der Welt-sein selbst. In der Angst versinkt das umweltlich Zuhandene, überhaupt das innerweltlich Seiende. (…) Die Angst bestimmt so dem Dasein die Möglichkeit, verfallend sich aus der “Welt” und der öffentlichen Angelegenheit zu verstehen. Sie wirft das Dasein auf das zurück, worum es sich ängstet, sein eigentliches in-der-Welt-sein-können. Die Angst vereinzelt das Dasein auf sein eigenstes In-der-Welt-sein, das als Verstehendes wesenhaft auf Möglichkeiten sich entwirft. Mit dem Worum des Sich-ängstens erschließt daher die Angst das Dasein als Möglichsein und zwar als das, das es einzig von ihm selbst her als vereinzeltes in der Vereinzelung sein kann.”

    Martin Heidegger, Sein und Zeit, Tübingen 1986, 16. Auflage, S. 187-188

    Das “Dasein” ist bei Heidegger das, was klassisch das Subjekt hieß.

    Außerdem vertrete ich ganz dezidiert die Gegenthese. Einer der Gründe für den Sicherheitswahn in Sachen “innerer Sicherheit” incl. Bundeswehreinsatz im Innern etc. liegt darin, daß Schäuble und so ganz genau woissen, daß ihnen der Laden aufgrund des Sozialabbaus ansonsten demnächst um die Ohren fliegt, da bauen die vor. Die Relation würde ich schon deutlich anders stricken als der Herr Soziologe mit seinen klischeehaften Versatzstücken. Das liest sich ja, als hätte der zu lange liberale Blogs gelesen …

  33. 23.07.2007 | 22:29

    Diese Verknüpfung existiert nur in den Hirnen von Liberalen mit einem konservativen Bauchgefühl. Klar wollen Konservative auf der einen Seite und Sozialdemokraten/Sozialisten auf der anderen einen starken Staat, aber aus unterschiedlichen Motiven. Die Vorschläge von Schäuble sind eben auch in einem autoritären Staat denkbar, dem die Wohlfahrt der Bürger völlig egal ist.

  34. 23.07.2007 | 23:09

    Liberale mit einem konservativen Bauchgefühl? Soll der Sofsky so jemand sein? Und warum sollten ausgerechnet die dann konservative Politik kritisieren? Klingt nicht besonders rund für mich…

    Die Vorschläge von Schäuble sind eben auch in einem autoritären Staat denkbar, dem die Wohlfahrt der Bürger völlig egal ist.

    Die Vorschläge sind überall denkbar. Aber eine Aussicht auf eine dauerhafte Umsetzung haben sie nur in einem Umfeld, das dem Staat seine unhaltbaren Sicherheitsversprechen abnimmt und diese nicht etwa als Problem zu erkennen in der Lage ist.

  35. 23.07.2007 | 23:22

    @ Rayson
    Wie z.B. die USA?

  36. 23.07.2007 | 23:28

    Schaun mer mal. In den USA scheint zumindest wieder die Abschottung populärer zu werden, interessanterweise auch wieder nicht nur sicherheitstechnisch.

    Ich möchte allerdings nicht wirklich wissen, worüber wir hier nach dem ersten erfolgreichen Attentat in Deutschland diskutieren werden. Dagegen werden sich Schäubles Vorschläge wie ein Liberalisierungskatalog lesen.

  37. 23.07.2007 | 23:29

    Holla die Waldfee, wird hier wieder mal schematisiert. Also eins steht fest: Von IKEA können die Schubladen, in die Herr Sofsky hier gezwängt wird, nicht sein. Die hielten das nicht aus.

    Aber um die Promotion für das neue Buch von Sofsky zu komplettieren:

    Fürsorgliche Beobachtung - Mit der Privatheit stirbt die persönliche Freiheit - und kaum jemand regt sich darüber auf. Von Wolfgang Sofsky, Die Welt

    Vor zehn Jahren hätte ich gedacht: Ganz nette Stanislaw-Lem-Paraphrase, das. Und heute? Hmmm…

  38. 23.07.2007 | 23:48

    @ Rayson

    Ja, blindwütiger Aktionismus wäre denkbar, aber ein bisschen Hoffnung habe ich schon, dass die Deutschen einigermaßen kühl und sachlich bleiben.

    @ Marian

    Danke für den Link, werde selber mal nach “INSM Wolfgang Sofsky” googeln *duckweg*

  39. 24.07.2007 | 0:39

    @Rayson:

    DEIN mangelnder Ernst war mir schon klar. Allein schon, weil ich Dich für einen klugen, vielleicht sogar weisen Menschen halte (auch, wenn mir von Marian gesagt wurde, dass ich Dein Alter völlig falsch einschätze). Aber den Kommentar wollte ich mir dann doch nicht verkneifen - weil ich mich immer noch ein wenig darüber ärgere, wenn jemand über Bereiche, mit denen er sich offensichtlich wenig beschäftigt hat, so despektierlich spricht.

  40. 24.07.2007 | 12:55

    Du hältst mich wohl für 80? Na gut, ärgern würde ich mich darüber nur, wenn du das nach unserer ersten Begegnung noch meinst ;-)

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