Schlamperei und Sprache

Gestern diese Meldung, die zweite deutsche Geisel sei “wohlauf” (woraus beim DLF spät am Abend ein “den Umständen entsprechend wohlauf” wurde - immer noch scheiße, aber wenigstens in die richtige Richtung leicht korrigiert) - und heute das:

Denn eigentlich war Ulrich Mühe ein Theatermann, der sein Handwerk in Leipzig und Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, gelernt hatte, wo er 1979 sein erstes Engagement erhielt und in einem Ibsen Stück debütierte.

Das heutige Chemnitz, soso. Ich frage mich, was jemand, der, sagen wir, 1992 geboren wurde, dabei denkt, wenn er diese Formulierung liest…

Ähnliche Beiträge


8 Kommentare zu “Schlamperei und Sprache”

  1. JC
    25.07.2007 | 20:13

    Hm, vielleicht verstehe ich Dich gerade nicht richtig, aber ist es nicht vollkommen üblich, den Ort historischer Ereignisse so zu bezeichnen, wie er - ob man das damals richtig fand oder nicht - zum Zeitpunkt des Ereignisses offiziell hieß?

  2. 25.07.2007 | 20:28

    JC,

    die m.E. richtige Formulierung wäre gewesen: … Karl-Marx-Stadt, das heute wieder Chemnitz heißt …

    Die in dem Artikel gewählte Formulierung legt den Schluß nahe, Karl-Marx-Stadt sei zu DDR-Zeiten gegründet und nach der Wende aus im Dunkeln bleibenden Gründen in Chemnitz umbenannt worden.

  3. 25.07.2007 | 21:12

    Ok, auf Trier hatte die SED keinen Zugriff, aber warum wurde gerade Chemnitz umbenannt? Marx war da doch höchstens - wenn überhaupt - auf der Durchreise?

  4. 25.07.2007 | 21:55

    Marc,

    gute Frage. Jena hätte noch einen Marx-Bezug gehabt, aber Chemnitz? Im DDR-Lexikon des MDR findet man ein paar Anhaltspunkte. Jedenfalls wird dort erläutert, warum Chemnitz nur dritte Wahl bei der Umbenennung war.

  5. Thomas Wolf
    26.07.2007 | 1:43

    die m.E. richtige Formulierung wäre gewesen: … Karl-Marx-Stadt, das heute wieder Chemnitz heißt

    Oder, besser noch: “Denn eigentlich war Ulrich Mühe ein Theatermann, der sein Handwerk in Leipzig und Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt, gelernt hatte” etc.

  6. stefanolix
    26.07.2007 | 8:46

    Die meisten Chemnitzer haben den Namen »Karl-Marx-Stadt« nie angenommen. Selbst beim Wehrdienst haben die Soldaten aus diesem Teil Sachsens »Chemnitz« oder in ihrem Dialekt »Chemtz« gesagt — und dort haben das die Vorgesetzten nicht so gern gehört. Es wäre meiner Meinung nach kein Verlust, wenn man den Namen »Karl-Marx-Stadt« langsam in Vergessenheit geraten ließe.

    Ich finde es richtig, dass auch heute noch Straßen und Plätze nach Karl Marx benannt sind. Aber diese Umbenennung wurde den Chemnitzern von der SED-Diktatur aufgezwungen und sie wurde bis zur Wende nie akzeptiert. Eine Großstadt kann man meiner Meinung nach nur mit (mindestens) einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Bürger umbenennen.

  7. stefanolix
    26.07.2007 | 8:56

    Aus dem verlinkten MDR-Artikel (ich staune gerade, wie ungeniert man dort am Anfang des Zitats DDR-Propaganda übernimmt; immerhin vergessen sie wenigstens den 17. Juni nicht):

    Ministerpräsident Otto Grotewohl feierte mit 180.000 Werktätigen auf dem Stalinplatz die Umbenennung. Der Festakt wurde einmal mehr zum Anlass genommen, die Verbundenheit von SED-Regierung und Bevölkerung zu demonstrieren. Einen Monat später, am 17. Juni des Karl-Marx-Jahres, kam es zu den schwersten Protesten in der Geschichte der DDR.

    Die SED-Propaganda hatte die Zahl von 180.000 Werktätigen in die Welt gesetzt. Zu solche Ereignissen karrte die SED ideologisch geschulte Freiwillige und Parteifunktionäre aus dem ganzen Land zusammen. Die Begeisterung der Werktätigen wurde eingeübt. Zur gleichen Zeit flohen tausende Menschen in den Westen.

  8. Buenavista
    26.07.2007 | 22:47

    Es hieß ja auch nie Karl Marx Stadt.

    Sondern Gorll Morggs Stodd

Bad Behavior has blocked 646 access attempts in the last 7 days.