Werttheorien

Welchen Wert hat menschliche Arbeit? Den, den der Markt ihr anhand von Angebot und Nachfrage zuweist, sagen viele, die hier schreiben und kommentieren. Das kann ich bis zu einem gewissen Maße nachvollziehen, habe aber immer wieder die These verteidigt, dass man die Menschen davor schützen muss, durch Angebot und Nachfrage in die Armut geworfen zu werden.

Welchen Wert haben Butter und Milch? Den, den der Markt ihnen anhand von Angebot und Nachfrage zuweist, würde auch ich sagen. Kollege Zettel aber befürwortet hier eine andere Ermittlung des “wahren Werts” dieser Waren:

Wenn wir Glück haben, dann zahlen wir für ein Pfund Butter, für einen Liter Milch vielleicht bald das, was diese Produkte wert sind; dh die Produktionskosten plus einen angemessenen Gewinn für Produzenten und Händler.

Ganz schön marxistisch für einen Antikommunisten, mein lieber Zettel. Wobei ich nun von Boche (der immer für solche Fragen gut ist und mir damit schon oft schwer zu denken gegeben hat, ernstlich danke dafür!) die Frage erwarten würde, was denn in diesem Zusammenhang nun “angemessen” bedeutet.

Also zurück zu meiner Ausgangsfrage - nämlich der, was menschliche Arbeit wert ist. Ich könnte (quasi mit Zettel) sagen: “Die Lebenshaltungskosten plus einen angemessenen Aufschlag für weiteren Konsum und Rücklagen”. Tu’ ich aber nicht - weil ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass der Markt am Besten den Wert der menschlichen Arbeit festlegen kann.

Nur ein Mensch ist eben mehr wert als das, was die Arbeitskraft vieler Menschen augenblicklich wert zu sein scheint. Das gilt für Bauern, aber auch für Küchenhilfen, Reinigungskräfte und landwirtschaftliche Helfer. Und das ist das Problem.

Ähnliche Beiträge


38 Kommentare zu “Werttheorien”

  1. tigger
    31.07.2007 | 3:42

    Das Problem ist von einem anderen Standpunkt gesehen: Lebenshaltungskosten sind so hoch, dass sie sich manche Menschen nicht mehr erarbeiten können.

    Dann wird doch theoretisch irgendwo zu wenig angeboten, oder ?

  2. Libero
    31.07.2007 | 7:44

    @Karsten
    meine vorläufige Antwort findest du im Forum von Zettel.

  3. 31.07.2007 | 8:46

    Lieber Karsten,

    neinein, ich bin nicht von der liberalen Fahne gegangen. ;-)

    Natürlich bildet sich der Marktpreis aufgrund von Angebot und Nachfrage. Das sehen wir ja an dem jetzigen Beispiel - durch die gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt steigen die Preise.

    Marx? Der hatte allerdings eine ganz andere Theorie: Der Wert einer Ware hängt, sagte er (er hatte das von Ricardo), von dem Quantum der zu ihrer Herstellung erforderlichen gesellschaftlichen Arbeit ab. (”Gesellschaftlichen” deshalb, weil jemand, der in die Herstellung einer Ware mehr Arbeit steckt als nötig, deshalb nicht einen höheren Wert erzeugt).

    Das, was ich geschrieben habe, sollte nicht eine Alternative zur Preisbildung auf einem freien Markt sein (das geht natürlich über Angebot und Nachfrage), sondern ich wollte sagen, zu welchem Ergebnis das in der Regel führt.

    Unter Gestehungskosten kann niemand auf Dauer verkaufen (wenn nicht subventioniert wird). Das ist also das untere Limit. Das obere ergibt sich aus den Marktmechanismen: Am Ende wird sich derjenige Preis durchsetzen, den der billigste Anbieter dauerhaft anbieten kann. Die anderen haben gar keine Wahl - wenn der Markt wirklich frei ist, sagen wir, wie der Wochenmarkt in einer Stadt - , als mitzuziehen.

    Und dieses obere Limit bestimmt sich eben daraus, daß der billigste Anbieter sich überlegt, wie weit er nach unten gehen kann, wenn er immer noch einen anständigen Profit haben will.

    Das war es, lieber Karsten, was ich sagen wollte. Also alles im grünen … äh … gelben Bereich. :)

    Sehr herzlich, Zettel

    (im “Kleinen Zimmer” habe ich gerade auf Liberos Beitrag zu diesem Thema geantwortet)

  4. R.A.
    31.07.2007 | 9:28

    Wir werden uns wohl hier einig werden können, daß auch der Agrarmarkt besser nach marktwirtschaftlichen Regeln funktionieren sollte.

    Wenn man die Hysterie der letzten Tage verfolgt, sind wir damit aber eine winzige Minderheit.

    Was da an völlig schwachsinnigen Kommentaren und Forderungen von Politikern und Lobby-Vertretern kam, das war schon arg.

    Vorweg natürlich die Grünen, deren “Experten” von den Medien besonders nachgefragt wurden.

    Die einzigen, die eigentlich Grund hätten tätig zu werden, sind doch eigentlich die Leute vom Bundeskartellamt: Wenn schon in Pressemeldungen angekündigt wird, daß eine Branche flächendeckend um einen Betrag X Preise erhöhen will - dann wäre das schon eine Untersuchung wert.

  5. 31.07.2007 | 9:46

    Lieber Zettel,

    zunächst einmal: Ich hätte natürlich in Deinem Forum antworten sollen. Aber irgendwie hatte ich gestern keine Lust, mich zu registrieren. Ich werde das aber bald mal nachholen, damit ich nicht so unhöflich sein muss wie gestern.

    Mein Beitrag oben ist natürlich eine kleine Stichelei; ich glaube ja nicht wirklich, dass Du jetzt an der Diskussion über den “wahren Wert” einer Sache teilnehmen willst. Ich habe Dich insofern auch ein wenig missbraucht. :)

    Grüße
    Karsten

  6. Libero
    31.07.2007 | 10:50

    Lieber Herr Zettel

    Nahrungsmittel erzeugen sie in einem lebendigen offenen System. Da wird es zur Frage, was ist preiswert und was ist billig. Sie erzeugen ja nicht nur ihr Produkt, Obst, Gemüse, Getreide, Nutzvieh, sondern sie verändern auch ihre Produktionsgrundlage, den Boden.

    Die europäische Wirtschaftsgeschichte zeigt sehr schön die Folgen eines falschen Umganges mit dem Boden. Nicht nur die frühindustrielle Revolution, sondern auch die europäischen Bauern des Mittelalters haben Schindluder mit dem Wald getrieben. Das Vieh wurde in den Wald getrieben. Das Laub wurde als Viehfutter geernt und das Herbstlaub zusammengefegt und in den Bauernhof verbraucht. Das der Waldboden solange durchhielt ist ein Wunder. Das war kein Wald, sondern eher ein Parklandschaft, in denen Bäume wie die z.B. die damals noch nicht tausendjährigen Eichen von Ivenack standen. Der Boden litt und damit der Wald, der auf ihm wachsen konnte. Sehen sie sich im Fläming an, wie mager der Waldboden ist, der zurückblieb.

    Beim Ackerboden ist es durch die selten mehrjährigen Pflanzen etwas anders, aber auch da können sie mit oberflächlichen Vorgehen ihren Boden so schädigen, daß nur noch Buchweizen darauf wächst. Sie können ihn zum Beispiel durch zu schwere Maschinen verdichten, so daß er schlechter Dünger und Wasser aufnimmt. Auf den Tagen der Umwelt zeigte Claas, was ein verringerter Reifendruck für die Arbeit auf dem Acker bedeuten kann. Signifikant geringere Bodenverdichtung.

    Der billigste Anbieter wird meistens so vorgehen, daß er seinen Boden nicht ge- sondern verbraucht, oft weil ihm einfach das Wissen fehlt.

  7. 31.07.2007 | 10:57

    Ähm… Boooche! Hilfe! Hier gehts jetzt um Landwirtschaft! ;)

  8. Libero
    31.07.2007 | 11:02

    @Karsten
    tief durchatmen. Es geht nur darum, ob der Markt bei seiner Preisbildung Faktoren, die die langfristige Preisentwicklung negativ beeinflußen, berücksichtigt. Er tut es nicht.

  9. 31.07.2007 | 11:04

    @Libero:

    Das ist sowas wie die Externalisierung von durch Produktionsprozesse verursachten Schäden, ja? Ich denke da in Richtung Abgase/Abwasser…

  10. Libero
    31.07.2007 | 11:22

    @Karsten
    wobei das beim Boden nicht extern ist, denn es ist ja dein Boden, der sich verändert. Aber eben über längere Zeiträume.

    Ein externer Schaden kann nicht nur durch das Ab-, sondern auch das Zu- entstehen. Du kannst z.B. fossiler Grundwasserspeicher so nutzen, daß die Entnahme signifikant über der Erneuerung liegt. Das ist in Indien, in China, in Mexiko und im mittleren Westen der USA der Fall. Dann kommen halt stärkere Pumpen und irgendwann pumpst du Brack- oder Meerwasser, wie es in Saudi-Arabien schon passierte. Hinzu kommt die Versalzung durch Überwässerung.

    Das kann der Markt gegenwärtig gar nicht vermeiden. Er kann es bestrafen, wenn du nicht mehr produzieren kannst, aber vorausschauend Schäden vermeiden könnte er erst dann, wenn die Erneuerungs- oder Substitutionskosten in der Preisbildung eine Rolle spielten. Der Run auf den billigsten Anbieter führt mittelfristig durch den Verbrauch sich nur langsam regenerierender Resourcen zu einem drastischen Preisanstieg.

  11. 31.07.2007 | 11:33

    Dazu fallen mir spontan ein paar Fragen ein:

    Ist Waldboden nicht immer mager?
    Ist magerer Boden per se schlecht?
    Kann Wald “leiden”?
    Ist die Existenz von Wald besser als eine Park- oder Heidelandschaft? Wenn ja, für wen?

    Grundsätzlich meine ich aber auch, dass der Staat die Aufgabe hat, die natürlichen Ressourcen in des Menschen und möglichst auch der Restnatur Sinne zu schützen.

  12. 31.07.2007 | 11:37

    @Boche:

    Ich verstehe Libero ja so, dass die von ihm beschriebenen Vorgehensweisen und ihre Folgen auf lange Sicht die Produktivität der Böden schädigen bzw. zerstören. Aber dafür verstehe ich leider nicht genug von Agrarischem…

  13. 31.07.2007 | 11:40

    @Karsten

    Ja, sicher. Aber er schrieb auch vom leidenden Wald. Darauf bezogen sich meine Fragen.
    Grundsätzlich scheine ich ja seiner Meinung zu sein, dass Umwelt durch den Markt allein nicht optimal genutzt und verwaltet werden können.

  14. Libero
    31.07.2007 | 11:40

    @boche
    das könnte ich dir sehr ausführlich beantworten, aber nicht hier. Ich behalte das mal als Anregung für das benachbarte Forum.

  15. 31.07.2007 | 11:46

    @Libero

    Du meinst bei Zettel? Ich warte gern auf deine Ausführungen, denn sie interessieren mich.
    Solltest du Zeit haben, empfehle ich aber auch schon mal dieses Buch hier zur Lektüre:
    “Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends” von Josef H. Reichholf
    Da geht es nämlich genau um die Frage, wie der Mensch in den letzten Jahrhunderten mit der Natur gelebt hat, wie er sie verändert hat und was das bedeuten könnte.

  16. R.A.
    31.07.2007 | 11:48

    @Libero:
    > Es geht nur
    > darum, ob der
    > Markt bei seiner
    > Preisbildung
    > Faktoren, die die
    > langfristige
    > Preisentwicklung
    > negativ
    > beeinflußen,
    > berücksichtigt.
    > Er tut es nicht.
    Das ist richtig.

    Nur: Hat ja auch keiner behauptet, daß er das tun soll oder kann.

    Markt ist generell nur der Mechanismus, bei dem verschiedene Leute ohne Zwang ihre Interessen ausgleichen können.

    Markt hat aber kein übergeordnetes Wissen mit dem er Leute dazu veranlassen könnte, ihre Interessen anders oder besser wahrzunehmen.

    Mal als Beispiel: Ob ich nun in meinem Garten Gemüse anbaue, oder ob ich ihn betoniere und lila anstreiche - das ist alleine meine Sache und ich muß die Konsequenzen tragen.

    Der Markt kann mir nur helfen, im ersteren Fall vielleicht Erlöse zu erzielen, wenn mein Gemüse jemanden interessiert.

  17. Libero
    31.07.2007 | 11:53

    @Boche
    im seinem gestrigen Beitrag hat Rayson auf

    Which Economists to Trust?
    http://econlog.econlib.org/archives/2007/07/which_economist.htmlArnold

    von Arnold Kling hingewiesen. In ihm zitiert Kling

    Should You Trust the Government?
    http://www.tcsdaily.com/article.aspx?id=070207A

    und nennt als einen Menschen, dem er vertraut
    John Baden. Das machte mich neugierig. Was ich bisher von ihm las, deutet daraufhin, daß er und andere daran arbeiten, die Umwelt in den free market zu integrieren

    FREE - Foundation for Research on Economics & the Environment
    http://www.free-eco.org/index.php

    > FREE is an organization devoted to social change that harmonizes environmental quality with responsible liberty and economic progress.

    The Commons Blog
    http://commonsblog.org/

    Ich habe den Eindruck, das John A Baden integer ist und kompetent urteilt. Aber vielleicht ist er auch ein Abweichler?

  18. 31.07.2007 | 11:55

    Lieber Karsten,

    du bist natürlich herzlich willkommen im “Kleinen Zimmer”!

    Aber wenn sich eine Diskussion mal hierher verlagert, finde ich das auch nicht schlimm.

    Das ergänzt sich, denke ich. Zumal es ja ein kleines Paradox gibt: Hier, im Blog, findet man oft eher kleinere, sozusagen ein wenig Chat-hafte Beiträge, schnelle Auseinandersetzungen. Und im Kleinen Zimmer, obwohl ein Forum, hat es sich eher eingebürgert, längere, sorgfältig überlegte, oft auch recherchierte Beiträge zu schreiben.

    Das eine ist so schön und so berechtigt wie das andere.

    Also, ich freue mich auf deine Anmeldung. :)

    Herzlich, Zettel

  19. 31.07.2007 | 11:59

    @Libero

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich des Englischen nicht allzu mächtig bin und längere Texte nur mit Mühe zu verstehen in der Lage bin. Deshalb vermag ich zu deinen Links nicht viel zu sagen.

  20. Libero
    31.07.2007 | 12:27

    Boche
    Zu erwähnen sind außer Reichholf die Bücher von HansJörg Küster Geschichte der Landschaft/des Waldes.

  21. 31.07.2007 | 12:44

    @Libero

    Danke für den Tipp! Da Hayek bald durch ist, bin ich für neue Anregungen besonders dankbar.

  22. R.A.
    31.07.2007 | 12:59

    Was Ihr alles für schlaue Bücher lest!
    Alleine schon immer die respekteinflößenden Angaben rechts oben “Was gerade gelesen wird”.

    Meine theoretische Grundbildung beschränkt sich weitgehend auf einmal Hayek vor vielen Jahren …

    Ansonsten würde es eher peinlich aussehen, wenn ich meine Lektüren dauernd offen ins Blog schriebe …

    Harry Potter 7, Krimis (zuletzt Lindsey Davis, Fred Vargas, Peter Tremayne …), die historischen Schmöker von Bernard Cornwell, immer wieder Reiseführer und alle möglichen sonstigen Romane.

    Irgendwie nichts, was in einer politischen Debatte zitiert werden kann.

  23. 31.07.2007 | 13:07

    @R.A.:

    Hat auch ganz schön lange gedauert, bis in meinen Händen mal wieder ein Buch lag, das ich hier zitieren kann. Sonst hätte ich wohl schon viel eher einen Eintrag unter der Kategorie “Was gelesen wird” gemacht… “Die Kompanie der Oger” eignete sich einfach nicht so als erstes hier ausgewiesenes Buch. ;)

  24. 31.07.2007 | 13:09

    @R.A.

    Sei beruhigt: Die Lektüre, der ich (meist überflüssige) Tipps zur Erziehung meiner Tochter entnehme, stelle ich hier auch nicht auf die Seite. ;-)

    Ansonsten sind wir doch einfühlsam genug, auch in der liberalen Theorie nicht so gestählte Mitkämpfer gegen die böse Linke zu akzeptieren. ;-)

  25. 31.07.2007 | 14:02

    Obwohl die Diskussion sich inzwischen weiterentwickelt hat, noch ein kurzer Zuruf zum Ursprungstext: Alle Kosten sind Opportunitätskosten.

    Und noch an Zettel gerichtet: Gewinne sind ein Zeichen für einen unvollkommenen Markt. In einem vollkommenen Markt werden sie bis auf den “Unternehmerlohn” wegkonkurriert.

  26. 31.07.2007 | 14:39

    @Rayson:

    Was soll mir Dein Zuruf denn nun sagen? Ich verstehe das wirklich nicht so recht. Klar, ich habe schon begriffen, was Opportunitätskosten sind, aber ich kann das nicht so recht mit unseren Texten in Beziehung setzen. Da verlasse ich mich aber auf Deine Hilfe.

  27. 31.07.2007 | 14:57

    @Karsten

    Damit meine ich, dass ökonomisch gesehen nichts einen Wert an sich hat. Wert ist immer eine abgeleitete und relative Größe, keine absolute.

    Und auf die Arbeitskraft bezogen würden dann zwei Wertbegriffe gelten: Der des Arbeit”nehmers”, der seine Arbeitszeit durch die Abwägung von Freizeitnutzen gegen den Nutzen eines höheren Konsumbudgets bewertet, und der des Arbeit”gebers”, der die Arbeitszeit seines Mitarbeiters am zusätzlichen dadurch erzielbaren Gewinn misst.

  28. 31.07.2007 | 15:20

    @Rayson:

    Ah, Danke. Aber müssten es dann nicht drei Wertbegriffe sein? Der des Arbeitnehmers, der des Arbeitgebers und der vom Markt etablierte “Tauschwert”? Wobei ein Tausch nur dann zustande kommt, wenn der Tauschwert über (oder bei) dem des Arbeitnehmers und unter (oder bei) dem des Arbeitgebers liegt?

  29. R.A.
    31.07.2007 | 15:53

    @Karsten:
    Ich würde das mal ähnlich sehen wie bei Börsenpreisen: Was sich die Teilnehmer so an Preisen wünschen (die Quotes), ist nur begrenzt relevant.

    Nur wenn sich wirklich zwei auf etwas geeinigt haben, ist das ein Preis bzw. hier ein Wert.

    Die von Rayson beschriebenen Vorstellungen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind ja eher theoretisch - meistens rechnet man nicht explizit aus, wo eigentlich die Grenze wäre, das modifiziert sich auch meist im Laufe der Verhandlungen.

    Real ist nur, was am Ende vereinbart und durchgeführt wird.

  30. R.A.
    31.07.2007 | 15:57

    @Rayson:
    > Gewinne sind ein
    > Zeichen für einen
    > unvollkommenen
    > Markt. In einem
    > vollkommenen
    > Markt werden sie
    > bis auf den
    > “Unternehmerlohn”
    > wegkonkurriert.
    Ich glaube zu verstehen, was damit gemeint sein soll.
    Aber ich sehe letztlich nicht den Unterschied zwischen “Gewinn” und “Unternehmerlohn”.

    Letztlich sind die Begriffe völlig austauschbar.

  31. 31.07.2007 | 21:08

    @Karsten

    Klar, der Marktwert ist der Kompromiss. Unter Wettbewerbsbedingungen in einem vollkommenen Markt nähern sich die beiden individuellen Kalküle der Parteien aber einander an, so dass man den Marktpreis dann auch als die Sichtbarmachung des Ergebnisses beider Wertermittlungen interpretieren kann. Er stellt aber keine eigene Wertgröße dar, sondern ist eher eine Form der Kommunikation.

    @R.A.

    Nein, Gewinn und Unternehmerlohn sind nicht identisch. Der Unternehmerlohn fällt konstant und immer an und ist praktisch eine Art kalkulatorisches Geschäftsführergehalt. Der Gewinn hingegen ist eine vergleichsweise unsichere Residualgröße, die auch negativ werden kann.

  32. R.A.
    1.08.2007 | 10:50

    @Rayson:
    Daß der Gewinn unsicher ist und auch negativ sein kann - das ist klar.
    Und trotzdem ist es m. E. die einzige Einnahme des Unternehmers, denn ich wüßte nicht, wie man einen “Unternehmerlohn” berechnen könnte und wozu er gut sein sollte.
    Denn im Gegensatz zu allen anderen real angefallenen Kosten wird dieser eben nicht ausbezahlt, wenn der Gewinn nicht reicht.

    Aber wahrscheinlich lohnt sich das nicht zu vertiefen, da fehlen mir einfach die theoretischen Grundlagen.

  33. 1.08.2007 | 11:07

    @rayson:

    Gewinne sind vor allem das Ergebnis einer temporären Monopolstellung, die ich nicht zwangsläufig mit dem Begriff “unvollkommener Wettbewerb” bezeichnen würde. Gewinne sind vor allem ein enormer Innovationsanreiz, denn der wäre hinüber, wenn jedes Unternehmen von Anfang an immer nur die marktübliche Rendite erzielen würde. Insofern sehe ich die unvollkommene Phase des Marktes auch nicht als Problem an. Ganz im Gegenteil. Historisch gibt es kaum Beispiele für nicht staatlich geschützte Monopole deren Markt nicht angreifbar ist.

    @karsten:

    Das die Produktivität der Arbeit mancher Menschen nicht ausreicht für einen “angemessenen” Lebensunterhalt zu sorgen ist aber kein Problem des Marktes. Keine andere Tauschform löst dieses Problem ohne Schwierigkeiten. Der Marktmechanismus sorgt zwar für effiziente Produktion und die den gesellschaftlichen Gesamtnutzen maximierende Verteilung von Gütern, kann aber gerade aus dem Grund keinen normativen Verteilungsregeln genügen, weil die Verteilung eben ein Ergebnis individueller und nicht kollektiver Entscheidungsprozesse ist. Fraglich ist immer noch, ob kollektive Entscheidungsprozesse tatsächlich zu einer individuell wahrgenommenen gerechten Verteilung führen können. Was uns zu der Frage führt: Was ist gerecht? Gesellschaftliche Umverteilung scheitert im Einzelnen letztlich an ihren Anreizdefiziten und bleibt daher ein schwacher Kompromiss.

  34. 1.08.2007 | 11:10

    @R.A.

    Nun, bei Kapitalgesellschaften (auch bei Einmann-GmbHs) hast du ihn meist (zwingend ist das nicht, bei Gesellschafter-Geschäftsführern ist das meist rein steuergetrieben) explizit als Geschäftsführergehalt ausgewiesen, und da muss er auch regelmäßig gezahlt werden.

    Bei Personengesellschaften ist die formale Abgrenzung unmöglich, aber auch in gewissem Sinn überflüssig, da dort schon Betrieb und Privatsphäre große Schnittstellen haben. Dennoch ist es sinnvoll, analytisch-kalkulatorisch zu unterscheiden, sowohl aus betriebswirtschaftlichen Gründen (Rechtsformunabhängigkeit wirtschaftlicher Fragestellungen) als auch aus volkswirtschaftlichen (Gewinn als solcher ist immer ein wichtiges Signal für den Kapitalfluss). Oder wir gehen rein pragmatisch vor: Selbst ein Ackermann-”Unternehmerlohn” steht in einem Witzverhältnis zum Gewinn des Unternehmens, das ihn zahlt…

  35. 1.08.2007 | 11:25

    @SteffenH

    Ich schrieb schon mal in einem Kommentar zu einem anderen Thema, dass ich in einer halbwegs dynamischen Wirtschaft nicht mit dauerhaften Gleichgewichtszuständen rechnen würde. Und auch nicht wollte.

  36. 1.08.2007 | 13:44

    Das ist meine Rede. Was wir in der Realität in der Regel beobachten ist monopolistische Konkurrenz, unter dessen Bedingungen sich der Markt in sich und durch Substitute permanent in einem bestreitbaren Zustand befindet.

  37. 1.08.2007 | 16:55

    [...] Bei den Bissigen Liberalen wird über Werttheorien diskutiert: “Nur ein Mensch ist eben mehr wert als das, was die Arbeitskraft vieler Menschen augenblicklich wert zu sein scheint. Das gilt für Bauern, aber auch für Küchenhilfen, Reinigungskräfte und landwirtschaftliche Helfer. Und das ist das Problem.” [...]

  38. 20.08.2007 | 12:30

    [...] Eine Frage hat mich während der vergangenen Wochen nicht wirklich losgelassen, die Frage nach dem Wert unserer Lebensmittel. Karsten geht noch einen Schritt weiter und fragt nach dem Wert eines Menschen, genauer gesagt nach dem Wert einer Arbeitskraft. Das möchte ich allerdings erst einmal ganz weit nach hinten schieben, mir bereitet allein die Frage nach dem Wert, dem gerechtfertigten Preis z.B. Milch genügend Kopfschmerzen und bin noch ziemlich weit von einer, zumindest mich selbst, befriedigenden Antwort entfernt. [...]

Bad Behavior has blocked 724 access attempts in the last 7 days.