Abgeschaltet

Der Kollege Marc Wickel von “Verwickeltes” hat seine Kommentarfunktion abgeschaltet. Warum, erläutert er hier. Eine Überreaktion? Oder sehr vernünftig und ein Beispiel für andere Blogger, die folgen werden? Nachdem Zettel bereits seine Kommentare in ein Forum verlegt hat, ist das nun schon der zweite Fall, wo die deutschen Anti-Meinungsfreiheitsgesetze ein mir sehr sympathisches und wichtiges Blog… nun, eigentlich zum “Nicht-Blog” gemacht hat. Sehr traurig.

Normalerweise würde ich für diesen Beitrag die Kommentare abschalten, weil man ja beim Ursprungsbeitrag kommentieren sollte. Unter diesen Umständen aber… lade ich Marc gern ein, hier mit denjenigen zu diskutieren, die dazu eine Meinung haben. Wir sind ja in Amerika… ;)

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23 Kommentare zu “Abgeschaltet”

  1. 2.08.2007 | 19:40

    Leicht OT: Zettel ist nicht so direkt vergleichbar. Wenn der eine Wordpress-Installation gehabt hätte, hätte er die Kommentare nicht auslagern müssen.

  2. 2.08.2007 | 19:43

    @Rayson:

    Ihn trieb aber eine ähnliche Sorge dazu, alles zu moderieren.

    Wobei man Marc auch fragen kann, warum er nicht einfach auf moderierte Kommentare umgeschaltet hat. Sooo viele hat er ja nun auch nicht, oder?

  3. 2.08.2007 | 19:45

    Aber zurück zum Thema:

    Vielleicht findet ja jetzt im Web eine Art Normalisierung auf bundesdeutschen Standard statt. Denn dass der Staat mit seinen vielen Auflagen gerade Kleinunternehmern enorme Probleme bereitet, ist doch längst Alltag. Warum soll er da bei den Medien eine Ausnahme machen?

    Aus dieser Sicht finde ich den Begriff “Wirtschaftsdiktatur”, den Marc verwendet hat, äußerst unzutreffend. Es ist der Staat, der mit seinen Gesetzen für eine Selektion zu Gunsten der “Großen” sorgt.

  4. R.A.
    2.08.2007 | 19:48

    Nun sicher hätte er umschalten können.
    Aber ein Hauptproblem bei der immer restriktiveren Rechtsprechung ist doch auch, daß man als Forenbetreiber nicht immer juristisch einwandfrei entscheiden kann, ob ein Kommentar nun riskant ist oder nicht.

    Man siehe doch das Münchner Beispiel:
    Die eigentlich inkriminierten Kommentare wurden ja gelöscht, aber dann haben die Teilnehmer eben den Sachverhalt umschrieben (statt “Fake-Anrufer” “verwirrte Anrufer”).

    Und plötzlich hat der Richter Beiträge verboten (bzw. den Forenbetreiber für verantwortlich erklärt), die für sich genommen völlig harmlos sind.

    Ich halte dieses Urteil für skandalösen Unsinn. Aber das war ja auch schon bei diversen Hamburger Urteilen der Fall.

    Solange die Gesetze solcher Müll sind, muß man halt mit dem Schlimmsten (Richter) rechnen.

    Irgendwo hier habe ich ja schon über die bei Marc und mir ansässige und am Mißstand schuldige Ministerin geschrieben …

  5. 2.08.2007 | 19:48

    @Karsten

    Es gibt aber keinen prinzipiellen Unterschied zwischen einer Registrierung im Blog, wie sie bei S&W erforderlich ist, und einer im Forum. Außer eben dem, dass es bei Blogspot nicht geht.

    Aber die Frage an Marc ist natürlich berechtigt. Vielleicht lebt er große Gesten?`Wir Blogger sind doch alle Selbstdarsteller ;-)

  6. 2.08.2007 | 19:49

    liebt, nicht lebt…

  7. R.A.
    2.08.2007 | 19:50

    @Rayson:
    > Denn dass der Staat mit seinen vielen Auflagen gerade
    > Kleinunternehmern enorme Probleme bereitet, ist doch
    > längst Alltag. Warum soll er da bei den Medien eine
    > Ausnahme machen?
    Das trifft es (leider) sehr gut.

    Das ist wie beim Arbeitsrecht oder vielen anderen Bereichen: Im Prinzip ist das Gesetz so gestaltet, daß man mit viel Mühe damit umgehen könnte.
    Und ein Großunternehmen mit Rechtsabteilung kriegt das in der Regel hin.

    Aber der “Kleine” wird gnadenlos gebeutelt, weil er keine Chance mehr hat, im Paragraphendschungel durchzufinden.

    Und da die GroKo noch stärker zu Formelkompromissen und gesichtswahrenden Sonderlocken neigt als schon vorher üblich, wird das immer schlimmer werden.

  8. 2.08.2007 | 19:52

    @R.A.:

    Naja, was soll man auch von Leuten erwarten, die aus Darm-Stadt kommen? Öh, Tschulligung. ;)
    Inhaltlich: Stimmt, das habe ich gar nicht bedacht.

    @Rayson:

    Es ist der Staat, der mit seinen Gesetzen für eine Selektion zu Gunsten der “Großen” sorgt.

    In schönem Einklang mit diesen “Großen”. Die eben eher als “Wirtschaft” wahrgenommen werden als als “Staat”, weil sie… nun ja, in der Wirtschaft agieren und nicht in der Politik.
    Das trifft mal wieder einen Zustand, den ich neulich in einer Diskussion so beschrieben habe: “Unser Problem ist eigentlich weder Sozialismus noch Neoliberalismus, sondern eine modernisierte Form des Feudalismus, in der wenige Personen sich alle Macht in einer verwobenen Kaste teilen”. Wohlgemerkt, keine Verschwörung sehr weniger, sondern eine “Kaste”.

  9. 2.08.2007 | 19:58

    Bin ja mal gespannt, ob Marc den Artikel hier überhaupt bemerkt. Trackbacks hat er nämlich auch abgeschaltet. :)

  10. 2.08.2007 | 20:16

    @Karsten

    Ach, ich glaube eigentlich gar nicht, dass der Staat da böswillig handelt, also bewusst die “Großen” gegenüber den “Kleinen” bevorzugen will. Dass er es faktisch aber tut, ist aufgrund der Rolle, die wir ihm in unserem Alltag allzu bereitwillig eingeräumt haben, eher unvermeidlich.

    Wer die “Großen” aber als “Wirtschaft” wahrnimmt, begeht ja genau den Fehler, den die Politiker auch allzu gerne machen, nämlich sich nur aufs Sicht- und Greifbare zu beschränken. Bastiats Aufsatz über das, was man sieht und nicht sieht, sollte an Deutschlands Schulen Pflichtlektüre werden!! (einen so schneidigen Aufruf wollte ich schon immer mal formulieren ;-))

  11. R.A.
    2.08.2007 | 20:21

    Die Bevorzugung der Großen ist ganz bestimmt nicht bewußt - im Gegenteil.
    Sehr viele dieser Sonderregeln sind ja zum “Schutz” der Kleinen geschaffen worden - nur daß die von ihrem Glück meist nichts mitbekommen.

    Auch sind die Großen gar nicht scharf auf diese “Bevorzugung”. Es ist ja nicht so, daß es ihnen wirklich nützt, sie können sich nur besser schützen - Aufwand macht es ihnen trotzdem.
    Ihre “Feinde” sind ja auch nicht die Kleinen, sondern die Großen anderer Länder, deswegen stören sich die Großen sehr wohl auch an der Überreglementierung bzw. der aus vielen Lücken und Widersprüchen entstehenden Rechtsunsicherheit.

    Das Ganze ist schlicht “gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht”.

    Der Staat soll sich nach Meinung der Mehrheit um jede Kleinigkeit kümmern, mit deutscher Gründlichkeit sollen sämtliche Sonderfälle extra geregelt werden, jedes als berechtigt eingestufte Anliegen bekommt eine Ausnahmeregelung - und am Ende kommt dann nur noch Murks heraus.

  12. Parker8
    2.08.2007 | 22:02

    Komisch, ich verstehe dieses Münchner Urteil als - wie sagt man - wirtschaftsliberal.

  13. tigger
    3.08.2007 | 0:21

    “Komisch, ich verstehe dieses Münchner Urteil als - wie sagt man - wirtschaftsliberal.”

    Stimmt. Das ist wirklich komisch.

  14. 3.08.2007 | 0:42

    Er wollte ja eigentlich “neoliberal” sagen, hat sich das im letzten Moment aber verkniffen.

  15. 3.08.2007 | 8:28

    Eigentlich ist das ganze Bloggen recht riskant. Das geht mit der Impressumspflicht schon los. Sobald man bloggt, dass man im Urlaub ist, wissen findige Kerlchen welche Wohnung gerade leer ist. Oder wenn man sehr unliebsame Dinge schreibt, haben hart gesottenere Typen schonmal die Adresse und schauen mal ganz freundschaftlich vorbei. Es gibt da so Gerüchte, dass bestimmte Internetabzocker Leute so von Klagen abhalten. (Und auf die unrechtmäßige Geldforderung großzügig verzichten, weswegen die Opfer dann auch von der Sache ablassen.)

    Selbst wenn man etwas abschreibt wie diese Meldung, die über Preisvergleiche zwischen Elektronikmärkten berichtet. Und obwohl man dann die Wahrheit schreibt, könnte einer kommen und einen deswegen abmahnen. Will man deswegen einen Prozess riskieren? Hat man die Möglichkeiten die Fakten zu recherchieren?

    Oder es läuft so wie es in einigen Beitägen zuvor diskutiert wurde. Dir will einer einen reindrücken, also lässt er entsprechend kommentieren und hat dann einen justiziablen Verstoß. Ist natürlich viel Verschwörung, aber so einfach, dass man es zum Mundtotmachen locker durchziehen kann.

    Oder man kommt durch die Brust ins Auge. Call-in-TV wurde ja auch nicht wegen seiner kritischen Berichte angegangen sondern wegen Nebensächlichkeiten wie Bezeichnungen für die Moderatorinnen und Moderatoren oder eines Wortes.

    Wenn ich die Kommentare morderieren würde, habe ich immer noch das Problem, dass ich bestimmte Dinge nicht erkennen würde, die aber nach Jahren hochkochen könnten. Denn das fiese am Internet ist ja, dass es sich nicht versendet, d.h. im Archiv einstaubt und vergessen geht. Weswegen auch Hamburger plötzlich an Leute rangehen, die ihren unliebsamen gewordenen Spitznamen rangehen. Oder wie es mir 2004 mal ging.

    Hat natürlich wenig mit den Kommentaren zu tun, aber die sind Teil des Risikos.

    Allerdings ist es richtig, dass ein Blog ohne Kommentare meiner Meinung nach keines ist. Und ohne Resonanz machen einige Beiträge auch keinen Sinn. Vielleicht sollte ich die Seite “Abgewickelt” ;-) nennen und mir was neues überlegen.

  16. 3.08.2007 | 9:08

    @Rayson: Wirtschaftsdiktaur ist ein ungeschickter Begriff, aber mir fällt kein besserer ein. Was ich meine ist das Problem, dass kritische Äußerungen gegenüber der Regierung meiner Meinung nach eher von der Meinungsfreiheit gedeckt sind als kritische Äußerungen gegenüber Unternehmen oder deren Produkten. Ich erinnere an Abmahnungen gegen die Website, die die Mediamarkt-Werbung auf Korn genommen hatte. Und mir gegenüber hatte mal ein Anwalt mit §824 BGB gedroht, wenn ich den Artikel über seinen Dachdecker-Mandanten nicht rausnehme.

  17. 3.08.2007 | 14:19

    @Marc

    Wir müssen ja ehrlicherweise auch eingestehen, dass diese “kritischen Äußerungen gegenüber Unternehmen oder deren Produkten” nicht so unschuldig sein müssen, wie die Formulierung daherkommt. Sowas kann, wenn es böswillig geschieht, den Lebenserwerb vieler Leute aufs Spiel setzen - wie wir wissen, spielen nachträgliche Dementis nicht dieselbe Rolle wie der vorher aufgebauschte Skandal.

    Das Problem ist wirklich, dass Schwarz-Weiß uns da nicht weiterhilft, sondern der Einzelfall zu betrachten ist. Genau das scheinen die Gerichte allerdings immer weniger zu tun. Sie entscheiden im Zweifel gegen die Kritik und für die Unantastbarkeit des Unternehmens. Genau das Gegenteil sollte der Fall sein: Wenn kein offensichtlich böswilliger Versuch der Schädigung des Unternehmens nachzuweisen ist, sollte die Kritik erlaubt sein. Notfalls wäre das ins Gesetz zu schreiben.

    Es ist auch absurd, wie der Staat versucht, Blogger zu Gewerbetreibenden oder Journalisten zu machen. Ganz so, als ob es ein Unding sei, wenn stinknormale Bürger ihre Meinungen einem größeren potenziellen Publikum bekannt machten. Journalist ist kein Zulassungsberuf wie z.B. Arzt - der Beruf ist entstanden, um die Bürger zu unterstützen, nicht, um sie auszuschließen. Es zeigt sich wieder, wie skeptisch dieser Staat gegenüber spontanen Entwicklungen ist, die nicht in sein starres Raster passen. Entweder wird das dann passend gemacht oder schlicht verboten.

    Übrigens sollten wir uns sehr genau den Ausgang des Verfahrens “Kirch gegen Breuer” anschauen. Im Vergleich zu dem, was der Ex-Chef der Deutschen Bank da angerichtet hat, sind alle angeblichen oder realen Verfehlungen der Blogger “Peanuts”.

  18. 3.08.2007 | 17:20

    um die Meinungsfreiheit in Deutschland war es nie gut bestellt, aber diese Entwicklung ist sehr traurig. die deutsche Justiz verseucht das eigentlich internationale und freie Internet.

    …gibt es denn keine Möglichkeit das deutsche (Un)Recht zu umgehen? Frage an die Experten hier.

  19. 3.08.2007 | 17:29

    Außer Auswandern?

    Anonymes Bloggen. Das ist in verschiedenen Graden möglich, angefangen mit einem Blogspot-Account bis hin zu irgendwelchen Offshore-Anbietern, die du dann vielleicht auch noch mit Tor bedienst. Gut, die NSA wird dich immer finden, wenn sie genau dich sucht, aber dazu musst du dann schon ganz besondere Sachen bloggen…

  20. 3.08.2007 | 18:14

    Übrigens sollte man vielleicht von den Unternehmen als angeblich exklusiv geschütztes Objekt lieber abkehren und generell sagen, dass sich Leute mit juristischen Ressourcen gut gegen Kritik immunisieren können, selbst wenn sie sich selbst immer wieder PR-gierig in die Öffentlichkeit drängeln.

    Siehe dazu hier: http://www.heise.de/newsticker/meldung/93828

    Die Münchner Richter scheinen den Hamburger Fehdehandschuh aufgegriffen zu haben und wollen anscheinend selbst Deutschlands Nr.1 bei den absurdesten und meinungsfreiheitsfeindlichen Urteilen werden.

  21. 4.08.2007 | 8:57

    [...] via die bissigen Libralen [...]

  22. 4.08.2007 | 9:00

    @Rayson: Das bestätigt mal wieder alles für mich. Auch, dass man einen finanzkräftigen Verlag braucht, um das auszufechten. Jeder von uns hätte doch schon nach der ersten Instanz aufgesteckt, aufstecken müssen.

  23. 11.08.2007 | 0:49

    [...] Was ist Bloggen ohne Kommentare? Eben erst habe ich gelesen, dass Marc angesichts der einzigartigen deutschen Rechtslage, in seinem Blog die Kommentarfunktion abgeschaltet hat. Das ist höchst bedauerlich. Ich bin in dieser Beziehung Karstens Meinung, der in seinen Anmerkungen zu diesem konkreten Fall auch das Beispiel von Zettels Raum bringt, der schon vor einiger Zeit die Beitragsdiskussion in sein Forum lenkt. Vermutlich deshalb, weil er die Kommentare dort besser “verwalten”, sprich beaufsichtigen kann. Ist das nicht traurig? [...]

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