Die Strapazen der Entführung

In der SPD gibt es ja tatsächlich Leute, die meinen, Frank-Walter Steinmeier sei ein geeigneter Kanzler-Kandidat. Meiner Meinung nach ist er noch nichteinmal ein geeigneter Außenminister. Sei es, dass es um die CIA-Aktivitäten auf deutschem Boden geht oder um die Fälle al-Masri und Kurnaz oder seine Reisen nach Zentral-Asien - jedes Mal werde ich das Gefühl nicht los, dass ungefähr genau das Gegenteil dessen der Wahrheit entspricht, was unser Herr Außenminister in die Mikrofone verlautbart. In dem Fall der in Afghanistan ums Leben gebrachten deutschen Geisel steht seit heute fest, dass Steinmeier in der Tat genau das Gegenteil der Wahrheit verkündet hat:

“Wir müssen davon ausgehen, dass einer der entführten Deutschen in der Geiselhaft verstorben ist. Nichts deutet darauf hin, dass er ermordet wurde, alles weist darauf hin, dass er den Strapazen erlegen ist, die ihm seine Entführer auferlegt haben.”
Frank-Walter Steinmeier am 21. Juli 2007; (O-Ton immer noch im Tagesschau-Archiv verfügbar).

Auf diese Version des Tatablaufs gab es auch schon damals nicht den geringsten Hinweis; im Gegenteil gab es Berichte darüber, dass der Leichnam mindestens eine Schußwunde aufweise.  

Heute dann das: 

“Auf das noch lebende Opfer wurde nach dessen Zusammenbruch zwei Mal geschossen”, heißt es in der Erklärung. Danach seien noch vier weitere Schüsse auf den Körper des Opfers abgefeuert worden. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte mit Erschütterung auf das Ergebnis der Obduktion. “Die letzten Stunden des Verstorbenen waren ein Martyrium. Seine Entführer haben ihn grausam in den Tod getrieben, seinem Leben schließlich in verbrecherischer Weise ein Ende bereitet”, sagte Steinmeier am Donnerstag während seiner Westafrika-Reise in Accra (Ghana). “Dieses Verbrechen darf nicht ungesühnt bleiben.”

Na klar, die deutsche Öffentlichkeit darf schon mal hin und wieder ab und zu gelegentlich aus taktischen Erwägungen mit Erklärungen abgespeist werden, die nicht ganz oder nur zum Teil oder eigentlich überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen. Vor allem dann, wenn es um Menschenleben geht. Das Problem mit Steinmeier ist nur, dass er praktisch zu 100% aus Taktik besteht. Vielleicht müssen sogar heutzutage die Außenminister alle Taktiker sein, zumal es ja gar nicht mehr möglich ist, wie Genscher vor 20 Jahren fünfminütige O-Töne ohne jeden Aussagegehalt in der Tagesschau unterzubringen.

Aber schon wieder einen Taktiker als Kanzlerkandidat? Nein, danke. 

(Jaja, ich kenne den Broder-Kommentar zum Thema; meiner Meinung nach ein uninspirierter, langweiliger Kommentar von der Stange, der es dann mittels KZ-Vergleich noch zum Aufreger schafft. Gähn.) 

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9 Kommentare zu “Die Strapazen der Entführung”

  1. Buenavista
    3.08.2007 | 0:01

    Naja, gegen den angeblich “linken Menschenrechtler” Kouchner, neuer frz. Außenminister, ist der Mann doch ein Waisenknabe.

    Bulgarische Krankenschwestern “befreien” und Rüstungsdeal mit Libyen…
    So läuft das.

  2. 3.08.2007 | 0:45

    Buenavista,

    könnte es sein, dass im Vergleich mit französischen Politikern (und Politikerinnen) fast alle deutschen Politiker (und Politikerinnen) Waisenknaben sind? Abgesehen von Wehner, Schmidt, Strauß, Kohl, Schröder und Seehofer?

    Auch Kouchner wäre mir als SPD-Kanzlerkandidat nicht recht…

    Und außerdem dachte ich, dass die Geiseln von Cécilia befreit worden sind?! (Oder doch Steinmeier? Und was der dem Oberst versprochen hat… erfährt ja wieder mal keiner.)

  3. 3.08.2007 | 1:00

    Ein wenig wohl schon:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,497932,00.html

    Sieht so aus, als sei es Teamwork gewesen. Und wie wir das aus dem Arbeitsleben kennen, muss es immer einen geben, der das Ergebnis des Teams für sich reklamiert….

  4. Buenavista
    3.08.2007 | 1:01

    Steinmeier sehe ich nicht als KK. Der wird eher noch Bundespräsident als Kanzler. Und ich glaube, wir brauchen uns vorläufig über SPD-Kanzlerkandidaten nicht viel Gedanken zu machen.

    Naja, vielleicht Wowi mit seinen Rotrotgrünfantasien.

  5. 3.08.2007 | 17:14

    das ist vielleicht nicht ganz on-topic: aber ich habe mich gefragt, warum gilt der Ingenieur bei Politikern und Presse nicht als von den Taliban umgebracht, wenn er an den Strapazen der Entführung gestorben ist? wo ist der signifikante Unterschied zum Erschießen? ich meine, letztendlich haben sie ihn doch entführt und sind somit für seinen Tod verantwortlich, wenn er aufgrund der Entführung stirbt.

  6. 3.08.2007 | 18:27

    @marc

    Ich kenn mich da nicht aus, aber könnte es am juristischen Unterschied zwischen Mord und Totschlag(/Entführung mit Todesfolge?) liegen?

  7. Hardy
    3.08.2007 | 21:18

    Mord- Totschlag- Körperverletzung mit Todesfolge

  8. 4.08.2007 | 13:50

    Nun ist es so, dass es ja der oberste Diplomat ist. Bedeutet er ist halt diplomatisch. Ob dass dann in einem Wahlkampf aufrechtzuerhalten ist…

    Ich denke in seiner jetzigen Position ist es einfach Zustimmung zu bekommen, wenn es aber innenpolitisch zu Sache geht wird manches anders aussehen.

  9. 4.08.2007 | 17:30

    Nun ist es so, dass es ja der oberste Diplomat ist.

    Nein. Im Gegenteil.

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