8. August 2007
Auslaufmodell Großgewerkschaft?
Die derzeitige Tarif-Auseinandersetzung zwischen der GDL und der Deutschen Bahn AG zeigen wieder einmal, dass “Kleingewerkschaften” eine Schlagkraft mobilisieren können, von der deutsche Großgewerkschaften nicht einmal zu träumen wagen.
Siehe z. B. tagesschau.de: Klein und mächtig?.
(Bevor jetzt die Fragen nach meiner Haltung in diesem Fall einsetzen: Ja, ich halte die Forderungen der Lokführer und des “fahrenden” Bahnpersonals für berechtigt. Ich bin sogar der Ansicht, dass der GDL-Verhandlungsführer Schell gegenüber dem Bahnchef Mehdorn der bessere Marktwirtschaftler ist. Gegenüber dem Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der gleich nach dem Staat winselt allemal.)
Einer der Gründe für die relative Schwäche der Großgewerkschaften liegt daran, dass die Interessen ihrer Mitglieder bei Tarifverhandlungen nicht mehr unter einen Hut zu bekommen sind. Allenfalls “Tradionsgewerkschaften” wie die IG Metall, bekommen es (noch) hin. dass im Arbeitskampf die starken, weil unentbehrlichen, Gruppen den “Eisbrecher” machen, um einheitliche Tarifverträge zufriedenstellend für alle auszuhandeln. ver.di oder Transnet sind für diese Art Solidarität, vermute ich, schlicht zu heterogen zusammengesetzt. Fast wie auf der “anderen Seite” die schnell “zusammenfusionierten” “Welt-AGs” (Stichwort: Daimler-Crysler … )
Aber über die innergewerkschaftlichen Probleme mit der eigene Größe hinaus stellt sich die Frage: Sind die traditionellen Gewerkschaften Auslaufmodelle?. Ein Forschungsprojekt an der Uni Bremen untersucht neue Formen sozialer Bewegung vor dem Hintergrund neuer, zunehmend flexibilisierter Arbeitsformen.
Aber die alten Organisationen werden im Zuge der Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen in ihrer alten Rolle schleichend in zweierlei Weise “überflüssig”: Zum einen entwerten neue Formen der Unternehmensorganisation und der Organisation des Arbeitsprozesses tendenziell die Gewerkschaften als Verhandlungspartner. Zum anderen werden sich die Arbeitnehmer der Entmündigung durch die bürokratischen Organisationen bewusst. Und gleichzeitig drängen ihnen die neuen Formen der Arbeitsorganisation die Möglichkeit auf, sich an ihren individuellen Bedürfnissen statt an zunehmend abstrakt erscheinenden “Gesamtinteressen” zu orientieren. Dies bedeutet jedoch nicht das Ende sozialer Organisation.
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Genau das passiert im Moment mit der keineswegs neuen, sondern im Gegenteil besonders traditionsreichen Lokführergewerkschaft. Sie sieht nicht mehr ein, warum sie wegen eines (angeblichen) “Gesamtinteresses” weiter “Zurückhaltung” üben sollen.
Verfasst von MartinM um 21:12 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)