Danke, Dani

Der ist zu gut, als dass ich an ihm vorbeigehen könnte:

Government interventions in areas such as education, health, social insurance, and macroeconomic stabilization are targeted on a loosely-defined set of market imperfections that are rarely observed directly, implemented by bureaucrats who have little capacity to identify where the imperfections are or how large they may be, and overseen by politicians who are prone to corruption and rent-seeking by powerful groups and lobbies.

Mein Problem (und das von Alex Tabarrok) ist nur noch, warum der Autor dieses schönen Schlusses, der in linken Kreisen letzterdings gern zitierte Dani Rodrik, meint, Industriepolitik wäre eine gute Idee. Siehe auch die Debatte bei “Marginal Revolution“, wo ich das her habe.

Ähnliche Beiträge


17 Kommentare zu “Danke, Dani”

  1. Libero
    8.08.2007 | 21:29

    Nehmen wir ein großes vielverzweigtes Unternehmen, dessen Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen die Menschen an der Spitze ebenfalls nicht vollständig übersehen können, geschweige denn verstehen können? Das könnte zum Beispiel Siemens oder GE sein. Was unterscheidet die Bürokraten an der Spitze dieser Unternehmen von den staatlichen Bürokraten? Die Interessengruppen wären auch vorhanden.

    den in der Diskussion erwähnten Artikel finde ich für dieses Thema interessanter

    A Bridge Too Far Gone von Thomas Sowell
    http://www.realclearpolitics.com/articles/2007/08/a_bridge_too_far_gone.html

  2. 8.08.2007 | 21:42

    @Libero

    Nicht das einzelne Unternehmen ist der Markt. Wieder mal kristallin, aber eben nicht kristall-klar argumentiert, mein Gutster.

  3. Ben
    8.08.2007 | 21:48

    @ Rayson

    Heisst dass du bist der Meinung man sollte Entwicklungslaendern nach Moeglichkeit verbieten eine eigene Bildungs-, Gesundheits-und Sozialpolitik zu haben?

    Hmmmm…

  4. 8.08.2007 | 21:53

    @Ben

    Hä? Verbieten? Wer denn und wie?

  5. 8.08.2007 | 22:00

    Wie der Kommentator drüben so schön meinte:
    “It’s as if Tullock and Buchanan never existed.”

    Genau das ist das Problem. Elementarste Erkenntnisse über Kontroll- und Durchsetzungsprobleme bei staatlichem Handeln scheinen langsam wieder in Vergessenheit zu geraten. Dabei stand eigentlich schon in Tullock’s klassischem Rent-Seeking-Artikel vor über vierzig Jahren alles drin.

  6. 8.08.2007 | 22:26

    OT:

    Irgendwann muss ich dazu mal was bloggen: Ich bin ein meinungsfreudiger Mensch und packe meinen Senf gerne auch auf Portionen, deren Besitzer ihn nicht goutieren. Aber in allzu vielen Fällen kommt dann als Antwort: “Aha, du meinst das und das, also bist du der Meinung, dies und dies sollte verboten werden”. Ich weiß nicht: Liegt das an der üblichen Dosis Unpolitik, die wir gewohnt sind? Dass also jede Meinungsäußerung irgendwie eine gesetzgeberische Absicht haben muss?

  7. 8.08.2007 | 22:27

    @statler

    Was ich nur nicht kapiere: Wenn man das im einen Fall erkennt, warum ignoriert man es im anderen?

  8. 8.08.2007 | 23:00

    Gute Frage, da kann man nur spekulieren. Rodrik ist ja für Industriepolitik in Verbindung mit Handelspolitik ein echter Experte. Vielleicht neigen manche Leute dazu, Dinge, die sie sehr gut kennen, für eher politisch steuerbar zu halten. Es erscheint einem selbst ganz klar, was hier optimal wäre, also müßte das doch auch den Repräsentanten beizubringen sein. Denkt man.

  9. Ben
    8.08.2007 | 23:15

    @ Rayson

    Ich glaube was Rodrik meint ist, dass man Entwicklungslaendern die Industriepolitik nicht durch WTO-Regulationen oder anderweitige Einflussnahme verbieten (oder erschweren) sollte, da man ihnen ja auch nicht verbietet auf anderen Gebieten Politik zu betreiben.

  10. 8.08.2007 | 23:33

    @Ben

    Zum Verbieten braucht es dafür geeignete Institutionen. Dass ich kein Freund solcher bin, sollte hoffentlich klar sein. Und die WTO bindet nur die, die ihr beitreten, da hat jedes Land die Wahl. Wobei ich sofort auf deiner Seite wäre, wenn du sagtest: Wo ist das Problem, wenn die anderen ihre Grenzen dicht machen? Lasst uns von unseren offenen profitieren!

    Aber kann man Rodrik so verstehen? Dass er sagt, Industriepolitik ist Bullshit, ich verteidige nur das Recht der Entwicklungsländer dazu? Und was sollte die Entwicklungsländer veranlassen, eine Politik zu betreiben, die sich dem Rodrikschen vernichtenden Urteil stellen müsste?

  11. Parker8
    8.08.2007 | 23:52

    Sie fehlinterpretieren Rodrik: Er meint ja gerade, dass Regierungsintervention bei Bildung etc eine gute Idee sei, und zwar undisputedly so.

  12. 8.08.2007 | 23:59

    @Parker8

    Und warum sagt er nicht, was er meint? Als non-native speaker würde ich ja meine Fehlsichtigkeit eingestehen, aber sollte sich Alex so sehr geirrt haben?

  13. Ben
    9.08.2007 | 0:01

    @ Rayson

    Er sagt sicher nicht, dass Industriepolitik Bullshit ist, sondern dass es trotz aller schwaechen des politischen Prozesses immer noch besser ist eine manchmal fehlerhafte Industriepolitik zu haben als gar keine; genau wie es besser ist eine manchmal fehlerhafte Bildungs-, Gesundheits-, und Sozialpoltik zu haben als gar keine.

    Das ist natuerlich letztendlich eine empirische Frage, aber die Tatsache, dass alle heutigen Industrielaender ueber einen langen Zeitraum eine sehr aktive Industriepolitik betrieben haben, sollte einem zumindest zu denken geben.

  14. 9.08.2007 | 0:03

    @Ben

    Was die Wirksamkeit der Interessen von Lobbyisten betrifft, klar.

  15. Parker8
    9.08.2007 | 0:15

    Das Argument geht so: Wenn Analyse und Korrektur von Marktunvollständigkeiten problembehaftet sind in Bereichen, wo Eingriffe allgemein als gerechtfertigt angesehen werden, dann dürfen diese Defizite der Industriepolitik nicht prinzipiell zum Vorwurf gemacht werden. Vielmehr muss man sehen, dass sie kleingehalten werden.

  16. 9.08.2007 | 8:53

    @Libero

    Das könnte zum Beispiel Siemens oder GE sein. Was unterscheidet die Bürokraten an der Spitze dieser Unternehmen von den staatlichen Bürokraten?

    Ich kann mir die Unterwerfung unter die staatliche Bürokratie nicht aussuchen.

    @Ben

    Das ist natuerlich letztendlich eine empirische Frage, aber die Tatsache, dass alle heutigen Industrielaender ueber einen langen Zeitraum eine sehr aktive Industriepolitik betrieben haben, sollte einem zumindest zu denken geben.

    Sollte es, wenn etwa das nächste Mal die große Empörung über pöse Großkonzerne einsetzt.

  17. Dirk
    9.08.2007 | 11:10

    Ich verstehe es auch so, wier Parker8. Es ist aber ein denkbar schlechtes Argument. Weil Regierungstätigkeit in einigen Berecihen als heilige Kuh angesehen wird, müsse man sie konsequenterweise auch in anderen, halbwegs analogen, Bereichen akzeptieren. So argumentiert ein Politiker aber kein Ökonom.

Bad Behavior has blocked 1583 access attempts in the last 7 days.