Subkulturen

Rayson und Che geben ja schöne Einblicke in ihre jugendliche Entwicklung, die man psychologisch sicher hochinteressant betrachten und mit ihrem heutigen Verhalten in Verbindung bringen kann. Das zu analysieren, überlasse ich aber lieber mal dem Boche. Schön, wenn man solche Jugendgeschichten zu bieten hat; bei mir würde sich das wesentlich langweiliger lesen. Also verfasse ich keinen eigenen Text, sondern zitiere nur einen Song aus der einzigen Subkultur, die ich nicht nur von Außen betrachtet, sondern in der ich mich bewegt habe, ohne ihr allerdings wirklich anzugehören, und das auch in einem Alter, in dem man schon nicht mehr von “jugendlich” spricht. Was die Jungs da getextet haben, das berührte mich, weil auch ich lange so empfunden habe:

Wir hörn die falschen Songs und haben auch die falschen Freunde
wir gehen in die falschen Clubs uns mögen nur die falschen Leute
die falsche Meinung
die falsche Kleidung
falsche Entscheidung
da scheissen wir drauf scheissen wir drauf scheissen wir drauf

(…)

auf Parties hörte ich immer Walkman
weil die Leute um mich rum meinen Musikgeschmack nicht mochten
ich war nie auf Raves, auf Jams oder im Wellnessclub
fall überall komisch auf mit meinem Elvis-Look
alles was ich wollte waren nackte Frauen
eine feste Freundin um ihr T-Shirt hochzuheben
alles was ich fand war das nackte Grauen
eine feste Klammer vom Kieferorthopäden
ich war jedesmal der Mega Star
in meinen neuen Sachen von C&A
ich hatte keine Gang und keine Crew
kein Amusement und kein Rendezvous

(…)

früher war ich uncool weil ich Hip Hopper war
später war ich dann ein uncooler Hip Hopper
jaja wär das Leben nicht schön wenn ich son geiler Typ wär
mit allem drum und dran in Designer Streetwear
da geht leider nix, kann nicht so tun als ob
es ist wie es ist, gewinn keinen Blumenpott

zitiert von hier.

Schön ist aus meiner Sicht, dass Erwachsenwerden vermutlich der Moment ist, wo die Bedeutung dieser Subkulturen und Zugehörigkeiten schrumpft und man lernt, die Welt komplexer und individueller wahrzunehmen. Auch, wenn Che das vielleicht anders sieht…

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15 Kommentare zu “Subkulturen”

  1. 22.08.2007 | 16:23

    Noch langweiliger als meine Story? Kann ich mir kaum vorstellen…

  2. 22.08.2007 | 17:04

    Der Punkt bei mir ist, dass ich meine Subkultur erst mit Ende 30 verlassen habe, und auch das nicht freiwillig. Das hat dann nichts mehr mit Jugendtrip zu tun, sondern eine ganz andere Qualität. Ist auch nicht verallgemeinerbar, sondern zunächst einfach nur meine eigene Story.

  3. 22.08.2007 | 17:06

    [...] Schön ist aus meiner Sicht, dass Erwachsenwerden vermutlich der Moment ist, wo die Bedeutung dieser Subkulturen und Zugehörigkeiten schrumpft und man lernt, die Welt komplexer und individueller wahrzunehmen. … lese ich bei den bissigen Liberalen. Und verneine. Komplexer, ja, vielleicht, weil ich inzwischen hinter so manche Kulisse geschaut habe. Einige Drähte zu ihren Puppenspielern verfolgt, aber allzu viele Fäden gesehen habe, denen ich nicht so tief hinab folgen konnte. Individueller? Kommt sie mir vor die Welt, ja. Bin mehr allein. Hängt vielleicht mit dem Alter zusammen, oder mit einer Welt, die solange schon sich selbst bedroht, dass keiner mehr hinhört. Mit “Erwachsen werden” hat das wenig zu tun. [...]

  4. 22.08.2007 | 17:39

    @Che:

    Hm. Ich bringe den Begriff der “Subkultur” ja immer eher mit Jugendlichen in Verbindung, aber wenn Du das jetzt so sagst… Also “Subkultur” in dem Sinne, dass ein jeder in einer solchen lebt, in einem bestimmten Bereich der überliegenden “Gesamtkultur”?

    Wenn die Subkultur bei Erwachsenen das Ausmaß annimmt, in dem es bei Jugendlichen und Heranwachsenden vorliegt, kann man ja schon von Gegen- bzw. Parallelgesellschaften sprechen…

  5. 22.08.2007 | 18:34

    @Karsten:

    Solltest mal den Medienzirkus erleben! Das IST auch eine Subkultur, aber wasfüreine …. dagegen sind Friedensgruppen, TUC TUC-Besucher-Szenen oder selbst Liberale weltoffen, unstrukturiert und undogmatisch …

    Hatte, als das Leben noch schön war, mal ein Seminarnar im Laberfach “Ethnologie”, wo dann lauter Leute in Birkenstockschuhen und Erdbeertee trinkend auf Bastmatten saßen, und da haben wir systematisch (irgendwer höhnt gleich) anhand sprachanlystischer Methoden Subkulturen untersucht. Da boten vor allem Berufsgruppen sich an …

  6. 22.08.2007 | 19:06

    Also, die undogmatische radikale Linke ist mit Sicherheit eine Gesellschaft in der Gesellschaft. Und danach kam ich in eine völlig konträre Parallelgesellschaft: Die Welt der risikokapitalfinanzierten Software- und New-Media-Anbieter samt der daran hängenden Werbebranche, und das ist eine Subkultur mit fast komplett eigener Sprache (”Ich bin da bei Dir”, “Ich werde das forewarden”, “wer nicht performt, ist out”, “Damit erzielen wir den größten Impact”) und ausgeprägtem selbstironischen Zynismus (”Die Devise unserer gesamten Branche: Bring it up, sell it and run away!”). DER Kontrast war bewusstseinserweiternd wie ein guter Trip!

  7. 22.08.2007 | 19:11

    Ich bin da Laie - aber ist Kultur (auch mit Sub davor) nicht ein etwas zu großer Begriff für sich durch verschiedene Moden und Sprachmoden definierende Grüppchen?

  8. 22.08.2007 | 20:10

    @Boche:

    Kunst, Ausdrucksformen, Höflichkeitsregeln und Umgangsformen, Musik… es gibt schon noch etwas mehr, was zum Begriff der “Subkultur” dazugehört…

  9. 22.08.2007 | 20:44

    Kultur ist auch ein weit überschätzter Begriff.

  10. 23.08.2007 | 0:20

    Die Grüppchen, die immerhin aus jeweils Zehntausenden Menschen bestehen, definieren sich ja nicht über die genannten, ich sag mal, Accessoires, sondern über Inhalte und Haltungen, die an den Äußerlichkeiten festgemacht oder-geklopft werden, aber nicht DURCH sie leben.

  11. 23.08.2007 | 0:26

    @Boche

    Sind Subkulturen Kulturen?

    @Che

    Bist du dir da wirklich so sicher?

  12. 23.08.2007 | 9:43

    @Rayson: Wäre ich mir nicht sicher, schrübe ich das nicht. Einschränkend gesagt gibt es natürlich Zeitgeist-Moden, die sozusagen an die Subkulturen andocken, mit ihren eigentlichen Inhalten jedoch nichts zu tun haben. DAF drückte das ja wunderschön mit “Tanz den Mussolini” aus.

  13. 23.08.2007 | 9:44

    P.S.: ABSOLUT sicher ist sich nur der Wahnsinnige!

  14. 23.08.2007 | 13:53

    Bist Du Dir da absolut sicher?

  15. 23.08.2007 | 19:18

    ;-))))

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