Markt und Microsoft – Urteil und Exkurs

Vor etwa 10 Jahren war ich noch fest davon überzeugt, daß im PC-Bereich ein auf Dauer ungesunder Mechanismus einer fast automatischen Monopolisierung des Marktes, maßgeblich auf der Basis von Kompatibilität/Inkompatibilität wirke. Den ungesunden Mechanismus gibt – oder gab – es tatsächlich, nur an seine Dauerhaftigkeit glaube ich heute nicht mehr.

Es sind einige Dinge, die da zusammenwirkten: Der weitverbreitete computertechnische Analphabetismus unter Verbrauchern ist eines davon; er dürfte – zusammen mit der wohl etwas verunglückten Marketingkampagne für IBMs OS/2 – maßgeblich daran beteiligt sein, daß Microsoft damit durchkam, sein spätestens seit 1986 veraltetes Dirty OS bis ins Jahr 1995, wo man zu zeigen begann, daß man von der Entwicklung des 32 Bit Prozessors inzwischen auch gehört hatte, als Markführer zu erhalten. Dazu kommt der bereits angesprochene maßgebliche Anteil der Kompatibilitätsfragen: Kompatibilität von Programmen, inklusive Hardwaretreibern, mit dem Betriebssystem, Verfügbarkeit von Programmen, inklusive Hardwaretreibern, ausschließlich für das Betriebssystem, Kompatibilität der Dokumentdateien von Anwendungen ausschließlich mit eben diesen Anwendungen, etc. Letztere Karte wußte Microsoft unter anderen lange Zeit auf ziemlich nervtötende Weise zu spielen: Die Dokumente neuerer Office-Versionen waren mit den ältern stets nicht zu öffnen – eine Einschränkung, die durch nichts gerechtfertigt erschien als durch den Wunsch, möglichst vielen Nutzern die neueste Version des Paketes aufzuzwingen. Aufgrund damit verbundener Probleme fiel bei uns mal eine Klausur aus. Das war nicht dramatisch, aber ich will gar nicht wissen, was sonst noch so passiert ist. Echte Wahlfreiheit bezüglich des Betriebssystems wie auch der Anwendungen bestand, wollte man seinen Rechner effizient nutzen können, zu dieser Zeit kaum. Man hätte sich als einsame Insel gefühlt.

Der größte Teil dieser Probleme gehört mehr und mehr der Vergangenheit an. GNU/Linux sowie andere freie Betriebssysteme bieten den größten Teil dessen, was ein Windows-System zu bieten hat inzwischen ebenfalls, nur meist komfortabler und (kosten)frei. Selbst die Installation ist bei Distributionen wie (k)ubuntu nicht komplizierter als bei den vergleichbaren Microsoft-Produkten (falls solche irgendwann auf den Markt kommen). OpenOffice kann meines Wissens mit sämtlichen MS-Office Dokumenten, ausgenommen Access, komplikationsfrei umgehen, und es bleibt zu hoffen, daß odt in nicht allzu ferner Zukunft auch noch das doc-Format als zweiten Standard neben pdf ablösen wird. Und wenn auch Microsoft derzeit noch die überwältigende Mehrheit der Betriebssysteminstallationen und verwendeten Offfice-Pakete für sich verbuchen kann, so ist doch davon auszugehen, daß mit zunehmender computertechnischer Allgemeinbildung dieser Anteil mehr und mehr abnehmen und Windows auf einen angemessenen Platz als bekannteste Spielkonsole der Welt verwiesen werden wird. Sicherheitslücken werden sich nicht dauerhaft als Feature vermarkten lassen. Und die Zukunft könnte auf längere Sicht ohnehin plattformunabhängigen, ausgelagerten Anwendungen gehören, für deren Nutzung das zugrundeliegende System gar nicht mehr relevant ist.

Außerdem: Wenn man die Felder – Betriebssytem und Office – auf denen Microsoft bisher erfolgreich war betrachtet, so kann auch ein Blick auf etliche dramatisch fehlgeschlagenen Versuche, Alleinherrschaft zu erlangen, sicher nicht schaden: Der Versuch, das Intenet mit dem MSN aufzurollen und vom Markt zu verdrängen war ein Witz; die Versuche, Suns Java mit betriebssystemspezifischen Zutaten jeglichen Sinns zu berauben waren auch nicht besonders erfolgreich und auf dem Browsermarkt ist es zwar gelungen, Netscape das Browsergeschäft zu verderben und den IE zum Marktführer zu machen, aber damit war keinerlei tatsächlich nennenswerter Erfolg in Form irgendeiner Gestaltungsmacht verbunden – nur Webdesign wurde aufgrund nicht einheitlicher Standards mühsamer. Aber welchen Browser die Mehrheit verwendet interessiert mich eigentlich nicht mehr als welche Schlüpfer sie trägt, solange nirgends eine bestimmte Sorte Unterwäsche Einlaßbedingung ist .

Ebensowenig interessiert mich, welchen Audio- und Videoplayer sie einsetzt. Mich interessiert auch das Schicksal von Microsofts Konkurrenten, die Konkurrenzprodukte dazu anbieten wollen und wegen des vorinstallierten Mediaplayers nicht loswerden, nichtmal am Rande. Wenn die Produkte nur deshalb nicht in der Lage sind, von sich zu überzeugen, weil der Mediaplayer vorinstalliert ist, dann können sie ohnehin nicht viel taugen. Und deswegen ist mir auch dieser Teil des so gefeierten EU-Gerichtsurteils ziemlich wumpe – Ich bin in diesem Punkt sogar eher geneigt, SteffenH zuzustimmen – Das Problem im Falle des Mediaplayer lag schlicht in Microsofts Größe und der Tatsache, daß er mit dem Betriebssystem verschenkt wurde – es ist nicht einsichtig, warum das untersagt sein sollte. Ein freiheitsraubendes Weltherrschaftsinstrument ist der Mediaplayer jedenfalls nicht, wenigsten solange es allen anderen freisteht, die verwendeten Codecs zu nutzen – was so leider nicht ganz der Fall ist, aber das ist ein anderes Faß.
Etwas anders liegt die Sache wiederum im Fall der Schnittstellenpreisgabe. Sinn eines Betriebssystems ist es, eine Basis für Anwendungssoftware zu liefern, und jenseits der Konkurrenz auf dem Betriebssystemmarkt sollte freie Konkurrenz auf dem systemspezifischen Anwendungsmarkt möglich sein. Die ist nicht gegeben wenn der Betriebssystemhersteller gleichzeitig Anwendungshersteller ist und einige Sahnestückchen an Schnittstellen für sich selbst aufhebt – zumal wenn die Dekompilierung und Analyse der Programmdateien aus Copyrightgründen verboten ist und somit für Konkurrenten möglicherweise gar keine legale Möglichkeit besteht, diese Schnittstellen kennenzulernen und zu nutzen. Das Microsoft auf diese Weise bisher überhaupt arbeiten konnte, ohne daß die Kunden massenweise davonliefen, zeigt, einfach, daß der Markt derzeit noch gewaltig stinkt. Aber früher oder später, davon bin ich recht überzeugt, wird dieser Gestank auch olfaktorisch weniger begabten Zeitgenossen auffallen. Von daher Betrachte ich diesen Teil des Urteils zwar tatsächlich als einen Schritt in Richtung freierer Wettbewerb. Aber nicht als einen besonders bedeutenden. Der Markt, so denke ich heute, wäre auch ohne ihn zurechtgekommen.

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90 Kommentare zu “Markt und Microsoft – Urteil und Exkurs”

  1. 18.09.2007 | 9:18

    s.a.http://fdog.org/2007/09/18/misbrauch/

  2. 18.09.2007 | 9:48

    @david:

    Wir wünschen uns alle bessere Produkte, also ist die Unzufriedenheit mit der technischen Vergangenheit von MS noch kein Beleg für ein Versagen des Marktes. Das die Konkurrenz hier nicht geschlafen hat und die Versuche, den Markt abzuschotten, in wirklich wichtigen Bereichen nicht gelungen sind ist daher auch als Erfolg zu sehen und hätte staatliche Intervention nicht nötig gemacht. Was diese nötig macht, ist der Trend, dass die Rechtsabteilungen von Softwareunternehmen bald größer als die Entwicklerabteilungen sind, weil ein Teil des Wettbewerbs auf politischer Ebene weitergeführt wird. Auch wird selten berücksichtigt, dass in der Softwarewelt das Monopol manchmal sogar zu dem verblüffenden Ergebnis führen kann, dass der Kunde das gewünschte Produkt billiger bekommt (siehe hier).

    Deshalb sind wir uns bei der Interpretation der Entwicklung gar nicht so fremd, nur sind meine Schlußfolgerungen etwas anders. Was den Copyrightschutz betrifft sollte sich der Staat m.E. genauso aus dem Markt halten wie bei seinen vermeintlichen Versuchen mehr Wettbewerb zu schaffen. Hier werden die Probleme erst erzeugt, die man dann später mit den falschen Mitteln wieder zu beseitigen versucht. Wie gesagt, ein gefundenes fressen für Anwälte, nicht aber für den Verbraucher (der im übrigen in den Neunziger sowohl mit Linux als auch mit IBM-OS2 noch verzweifelt wäre, der Bluscreen war gegen die Kommandozeile und den Mangel an Anwendersoftware schlicht das geringere Übel).

  3. R.A.
    18.09.2007 | 11:07

    Nun ja, wenn MS nicht mehr so dominant und bedrohlich ist wie vor 10 Jahren zu befürchten war, dann hat das aber vielleicht doch damit zu tun, daß US- und EU-Behörden immer wieder dagegen vorgegangen sind.
    Nicht immer effektiv, nicht immer wirklich abschreckend mit Strafen, die MS aus der Portokasse zahlen konnte – aber ein noch weiteres Ausnutzen des Monopols wurde wohl doch verhindert.

    Denn rein technisch hätte MS ja auch so weit gehen können, daß ungenehmigte Drittsoftware à la Netscape überhaupt nicht auf Windows läuft, also nicht nur die Bequemlichkeit des Nutzers den Ausschlag gibt.

  4. 18.09.2007 | 11:25

    @R.A.

    Was soll ich zu dieser “Aus-dem-Bauch-heraus”-Analyse sagen. Ich kann nur empfehlen sich mit der einschlägigen akademischen Literatur zur Netzwerkökonomik auseinanderzusetzen. Alles andere ist mir schlichtweg zu geschmäcklerisch…

  5. 18.09.2007 | 13:32

    “Was den Copyrightschutz betrifft sollte sich der Staat m.E. genauso aus dem Markt halten wie bei seinen vermeintlichen Versuchen mehr Wettbewerb zu schaffen.”

    Da bin ich eigentlich ganz Deiner Meinung, wollte hier aber vom Status Quo aus argumentieren – denn so wünschenswert eine Beseitigung oder wenigstens Lockerung des Copyrights auch wäre, so unerreichbar scheint sie derzeit auch noch zu sein.

  6. 18.09.2007 | 13:43

    @SteffenH:

    Dazu auch: “Ein freiheitsraubendes Weltherrschaftsinstrument ist der Mediaplayer jedenfalls nicht, wenigsten solange es allen anderen freisteht, die verwendeten Codecs zu nutzen – was so leider nicht ganz der Fall ist, aber das ist ein anderes Faß.”

    “zumal wenn die Dekompilierung und Analyse der Programmdateien aus Copyrightgründen verboten ist und somit für Konkurrenten möglicherweise gar keine legale Möglichkeit besteht, diese Schnittstellen kennenzulernen und zu nutzen.”

    Da dachte ich auch u.a. an dieses Problem.

  7. R.A.
    18.09.2007 | 14:23

    @Steffen:
    Du hast schon recht, ich urteile hier aus dem Bauch heraus.

    Ich bin halt generell eher Pragmatiker und traue meine realen Erfahrungen mehr als solchen Theorien – dies kann natürlich völlig falsch sein.

    Meine prägende Erfahrung in dieser Frage war nicht der komische Medieplayer, sondern die unfairen MS-Praktiken in den Anfangszeiten von DOS.
    “DOS isn’t done until Lotus won’t run” hieß das damals, MS hat sowohl die führende Tabellenkalkulation 1-2-3 wie die Textverarbeitung Amipro durch systematisches Produzieren von Inkompatibilitäten kaputt gemacht.

    Die Dominanz der MS-Office-Suite ist nicht auf dem Markt erkämpft worden, sondern durch fiese Tricks.

    Und mein Bauch sagte damals und sagt immer noch, daß diese MS-Schweinereien nicht legitim sind.

    Und wenn heute ein OpenOffice sich besser behaupten kann als damals Lotus, dann ist wohl nicht auszuschließen, daß das am zwischenzeitlichen Eingreifen der Behörden liegt – denn nur hier hat sich etwas geändert, das Geschäftsgebaren von MS oder die Gesetze der Netzwerkökonomie sind wohl noch die gleichen.

  8. 18.09.2007 | 14:58

    @R.A.

    Das sind jetzt Dinge, von denen ich noch gar nichts wußte, die mich bei MS allerdings auch nicht besonders wundern. Allerdings: StarOffice, die Basis für OO, gab es bereits vor dem ersten amerikanischen Kartellverfahren, und die lief meines Wissens damals schon ziemlich problemlos. Da war MS Office allerdings auch ohnehin schon fast unanfechtbarer Marktführer.
    In der Sache hat man letztlich die Spannung zwischen dem Recht Microsofts, seine Produkte so beschissen und eingeschränkt zu gestalten wie es wünscht und dem Interesse der Verbraucher an einem Betriebssystem das tatsächlich ein solches ist, nicht hauptsächlich ein Werkzeug im Kampf um Hegemonie. Und innerhalb dieser Spannung wirken dann eben auch noch die Kompatibilitätsprobleme, die dazu führen bzw. führten, nicht einfach freie Wahl zu haben, sondern die Betriebssystemwahl von Anwendungsfragen abhängig machten.

    Ich denke, ein Schritt in die richtige Richtung könnte da tatsächlich die Abschaffung oder Lockerung von Patent- und Copyrightbestimmungen sein. Dann könnte Microsoft z.B. seine Schnittstellen so geheim halten wie es will – man beauftragt einfach ein Team mit gründlicher Analyse der Software, und einige Zeit später sind sie dann doch bekannt.

    Die Jungs schmieden ihre Macht zwischen Hammer und Amboss. Ist eins davon weg, hat sich’s mit dem Schmieden.

  9. 18.09.2007 | 15:04

    @R.A.:

    Nun, was im Wettbewerb Schweinerei ist, dass ist Ermessenssache. Kompatibilität im Softwarebereich kann sowohl gut, als auch schlecht für MS. Hier hat MS einige Fehler gemacht, die der Firma vor allem den Unmut der Kundschaft eingebracht haben. Aber Inkompatibilität hier als Schweinerei zu bezeichnen, ist das Gleiche, als würdest du BMW dafür verurteilen seine Fahrzeuge so zu bauen, dass keine Porsche-Türen eingebaut werden können. Ich persönlich halte das für legitim, ich würde meine Produkte auch nur dann kompatibel zu anderen Produkten herstellen, wenn ich mir daraus einen persönlichen Gewinn verspreche. Das Lotus 1-2-3 vom Markt verschwand, obwohl es zunächst einen größeren Marktanteil hatte, hat sicherlich nicht nur an den Inkompatibilitäten gelegen. So verliert man nicht seine Marktführerschaft, hier müssen wohl eher andere Gründe eine Rolle spielen.

  10. R.A.
    18.09.2007 | 16:14

    @David:
    > Recht Microsofts, seine
    > Produkte so beschissen
    > und eingeschränkt zu
    > gestalten wie es wünscht
    Das ist schon völlig richtig.
    Entscheidend war ja letztlich die freie Entscheidung von Millionen Kunden, sich bewußt und freiwillig für ein murksiges OS zu entscheiden.

    Copyright-Probleme spielten damals m. W. keine Rolle, die Kunden hätten wohl auch unabhängig von Rechtsfragen keinen DOS-Patch von Lotus installiert, der die gezielten Anti-Lotus Programmteile in DOS deaktiviert.

  11. R.A.
    18.09.2007 | 16:21

    @Steffen:
    > Nun, was im Wettbewerb
    > Schweinerei ist, dass
    > ist Ermessenssache.
    Schon etwas. Obwohl ich Fairneß trotz der Ermessensspielräume für eine sehr wichtige Sache halte.
    Mir ist aber schon klar, daß hier mein Bauchgefühl nicht für kompatibel zum Kantschen Imperativ ist.

    > Hier hat MS einige
    > Fehler gemacht, …
    Nix Fehler, das war schon fiese Absicht.

    > Aber Inkompatibilität
    > hier als Schweinerei
    > zu bezeichnen, ist
    > das Gleiche, als
    > würdest du BMW dafür
    > verurteilen seine
    > Fahrzeuge so zu bauen,
    > dass keine Porsche-
    > Türen eingebaut werden
    > können.
    Da sind wir halt wieder bei der Explorer-Thematik. Gehört der zum OS wie die Tür zum Auto – oder wäre die Analogie nicht eher, daß BMW-Autos auch nur mit BMW-Sprit laufen, nur BMW-Kassetten ins Autoradio passen und das Auto mit Panne liegen bleibt, wenn die Koffer im Kofferraum nicht von BMW sind.

    > Ich persönlich halte
    > das für legitim, …
    Es wäre vielleicht legitim, wenn es offen passiert, d.h. wenn MS klar gesagt hätte, daß Dritt-Software grundsätzlich nicht auf DOS laufen wird bzw. keine Zukunft dort hat.

    Denn es war damals nicht üblich, daß ein OS-Hersteller selber in die Konkurrenz mit Anwendungssoftware einstieg.
    Weder Lotos noch die Lotos-Kunden konnten ahnen, daß MS so vorgehen würde.

    > Das Lotus 1-2-3 vom
    > Markt verschwand, …
    > hat sicherlich nicht
    > nur an den
    > Inkompatibilitäten
    > gelegen.
    Das war schon der ausschlaggebende Faktor.

  12. 18.09.2007 | 16:40

    Copyright-Probleme spielten damals m. W. keine Rolle, die Kunden hätten wohl auch unabhängig von Rechtsfragen keinen DOS-Patch von Lotus installiert, der die gezielten Anti-Lotus Programmteile in DOS deaktiviert.

    Aber das ist dann ja wieder die Entscheidung der Kunden – wichtig wäre mir hier in erster Linie die Möglichkeit, einen solchen Patch zu erstellen, ohne in eine rechtliche Grauzone oder sogar schiere Illegalität zu geraten. Damit wären dann z.B. auch wesentlich bessere Möglichkeiten gegeben, kompatible Konkurrenzsysteme zu etablieren. Aber schon bloße Dekompilation, u.U. sogar Betrachtung mit einem Hex-Editor, kann illegal sein – ganz gleich, ob man mit der Firma einen Vertrag geschlossen hat oder nicht.

  13. 18.09.2007 | 16:59

    Lotus war Marktführer. Wie konnte ihm MS mit Kompatibilitätsfallen den Vorteil streitig machen. Das musst du mir mal erklären.

    Was zu einem Produkt gehört, entscheidet immer noch der Hersteller. Der Kunde kann dann entscheiden, ob er das mag. Warum sollte jemand einem Hersteller vorschreiben können, welche Features er implementiert? Produkte werden in der Regel immer so gestaltet, dass der Verbraucher kein Bedarf nach Konkurrenzprodukten hat. Wenn diese sich allerdings als komplementär herausstellen, dann ging die Strategie in die Hose. Also ist es in der Vergangenheit öfter vorgekommen, dass Kompatibilität im Nachhinein doch noch eingebaut wurde. So auch bei Office. Den von dir beschriebenen BMW würde niemand kaufen und die Produktion wäre zu teuer, weshalb BMW soetwas nicht macht. Den BMW in den nur BMW-Türen passen der ist sehr beliebt und lässt sich zu rentierlichen Kosten bauen, also sieht er so aus.

  14. R.A.
    18.09.2007 | 17:27

    @David:
    > Aber das ist dann ja
    > wieder die Entscheidung
    > der Kunden -
    Völlige Zustimmung.

    @Steffen:
    > Was zu einem Produkt
    > gehört, entscheidet
    > immer noch der
    > Hersteller. Der Kunde
    > kann dann entscheiden,
    > ob er das mag.
    Völlige Zustimmung.

    Der Markterfolg von MS beruht eindeutig auf legitimen Entscheidungen von vielen Kunden (und es spielt dabei keine Rolle, daß ich diese Leute für dumm halte).

    Aber es gibt halt noch einen Unterschied zwischen dem, was ein Hersteller darf – und fairem und kooperativen Verhalten.

    Daß MS immer mit allen Ellenbogen und Tricks gekämpft hat mag legitim sein, mir gefällt solches Geschäftsgebaren halt nicht.

    Auch weil eben dieses Verhalten – kombiniert mit dem blinden Herdentrieb der Anwendermasse – mich über die Jahre viel Ärger und Geld gekostet hat.

    Inzwischen ist es Gott sei Dank wieder möglich, auch mit anderen Systemen vernünftig zu arbeiten, obwohl MS weiterhin versucht, offene Standards zu sabotieren.

    Und wenn auch meine liberalen Grundsätze eher dazu neigen, Markteinmischungen wie die der EU-Kommission abzulehnen – ich riskiere lieber solche Abweichungen von der reinen Lehre als einen Rückfall in die MS-Dominanz.

  15. 18.09.2007 | 18:08

    Lotus war Marktführer. Wie konnte ihm MS mit Kompatibilitätsfallen den Vorteil streitig machen. Das musst du mir mal erklären.

    Ganz einfach. Lotus braucht(e) ein Betriebssystem, damit es läuft. Ein Betriebssystem bietet Programmierschnittstellen, damit man es benutzen kann. Die muss man kennen. Microsoft betrachtet die heute noch als sein “geistiges Eigentum”.

    Nun hat Microsoft z.B. für seine eigenen Konkurrenzprodukte zu Lotus ein paar Hintertürchen in der API aufgemacht, damit die Programme da ein bisschen schneller laufen und ein bisschen weniger abstürzen.

    Und Lotus war beileibe nicht der einzige Kandidat, dem es so erging…

  16. 18.09.2007 | 18:10

    Und zum Thema “geistiges Eigentum” – also Patente und Urheberrecht – mal ganz allgemein: Ohne Staat gäbe es die gar nicht.

  17. 18.09.2007 | 18:28

    Ich denke, das ist hier jedem klar.

  18. 19.09.2007 | 9:26

    @ Andreas Sprengler:

    Dann hätten wir ein Problem weniger. Against Intellectual Monopoly!

  19. R.A.
    19.09.2007 | 11:13

    Man kann das natürlich wieder als Aufhänger für die allgemeine Diskussion über geistiges Eigentum etc. benutzen – aber richtig passen tut das nicht.

    Nach allem was ich in Erinnerung habe hat das bei MS und seinen diversen Anti-Konkurrenz-Manövern kaum eine Rolle gespielt.

    Da hat es schlicht gereicht, daß es zu viel Zeit und Aufwand gekostet hat, um die MS-Schnittstellen und die internen Restriktionen zu analysieren und nachzuvollziehen – und wenn man es geschafft hatte, kam die nächste DOS-Version und man konnte von vorne anfangen.

  20. 19.09.2007 | 13:01

    @R.A.:

    Das eine Antwort auf die Bemerkung von Herrn Spengler und nicht auf unseren Disput. Was diesen betrifft, kann man viel von Fairness fabulieren, aber es sicher nicht einem Unternehmen vorwerfen, wenn es sich mit technischen Tricks gegen Konkurrenten verteidigt. Windows ist immer noch das Produkt von Microsoft und nicht in dem Moment, wo es einen hohen Marktanteil bekommt plötzlich Allgemeingut, auch wenn das manche so gern hätten. Es wäre m.E. sogar legitim gewesen, wenn sie gar keine Programmierschnittstelle zur Verfügung gestellt hätten, weil sie das gesamte System allein vermarkten wollten. Das taten sie deshalb nicht, weil sie die Software von anderen stets als Marketingtool für das eigene Betriebssystem gesehen haben. Bei einigen Softwareprogrammen waren sie aber der Meinung sie könnten es selbst besser, also haben sie ihre Wettbewerbsvorteile in der von dir beschriebenen Art genutzt. Jedes Unternehmen versucht ein Monopolist zu sein oder zu werden, weil dass das Beste ist was man am Markt als Einzelunternehmen erreichen kann. Aber langfristig gibt es dennoch Wettbewerb, weil dauerhaft Monopolist auf allen Gebieten zu sein auch verdammt teuer ist, manchmal so teuer, dass man sogar Verluste macht. Aber dieses Monopolistenmotiv ist genau der Grund warum Unternehmen überhaupt investieren, weil man mit einem nur kostendeckenden Preis eben keine Gewinne machen kann. Wer also glaubt durch Wettbewerbspolitik dort Wettbewerb schaffen zu müssen wo Unternehmen zur Gewinnerzielung erst einmal dicke Margen machen müssen, der wird langfristig mangelnde Investitions- und Innovationsbereitschaft bei den Anbieter beklagen müssen. Insofern halte ich weder eine Wettbewerbsförderung noch den Schutz von geistigen Eigentumsrechten für sinnvoll. Die eine Politik verhindert notwendige Gewinne, die andere Politik manifestiert Monopole.

  21. R.A.
    19.09.2007 | 14:24

    @Steffen:
    Natürlich wollen die Firmen gerne Monopolgewinne einstreichen (”brauchen” tun sie die aber nicht, erst recht nicht im EDV-Bereich, für Investitionen war immer genug da).

    Und natürlich war es legal, daß Microsoft seine Konkurrenten schikaniert hat (legitim war es für mich nicht, weil dieser Begriff für mich mit einer gewissen Form von Anständigkeit verknüpft ist).

    Aber meine persönliche Sicht ist eben auf meine Interessen bezogen.
    Und da habe ich nun die konkrete Erfahrung gemacht, daß mir die MS-Methoden über die Jahre konkrete Nachteile gebracht haben.

    Und daß diese Nachteile heute nicht mehr in diesem Ausmaße bestehen, liegt wahrscheinlich weniger an einem nach Theorie funktionierenden Markt, sondern am konkreten Eingreifen diverer Behörden.

    Es gibt m. E. ein sehr legitimes Interesse an einem funktionierenden Wettbewerb, nicht beim Monopolisten, aber bei allen anderen.

    Und dieses Interesse kann bei Abwägung durchaus groß genug sein, um meine grundsätzliche Abneigung gegen staatliche Eingriffe zu überwinden.

  22. 19.09.2007 | 18:29

    @R.A.:

    Die Abwägung sollte aber auf einer etwas fundierteren Analyse des Sachstands erfolgen und auf Basis einer subjektiven Wahrscheinlichleit, die wiederum vor allem durch die persönliche Betroffenheit beeinflusst wurde. Mich überzeugt das nicht und zwar aus den Gründen, die die Autoren der von mir erwähnten Literatur genannt haben. Würdest du dich herablassen die Sachen zu lesen, könnten wir das Diskussionsniveau erheblich erhöhen. Vielleicht währe dann auch dein Gefühl für die Kausalitäten zwischen Wettbewerbspolitik und deren Wirkung etwas mehr gefestigt.

  23. 19.09.2007 | 19:04

    @SteffenH

    Ich glaube, das hatten wir schon mal, diese Differenz in der Frage, wie Diskussionen sinnvoll geführt werden.

    Ich jedenfalls bin der Meinung, dass der Hinweis, der andere sei nicht informiert genug und müsse erst einmal auf den eigenen Wissensstand gehoben werden, wozu dann vielleicht noch großzügigerweise viele Megabytes an Textstellen genannt werden, die der andere gefälligst erst einmal durchzuackern habe, nicht anders zu bewerten ist als ein simples “Ich habe recht und du nicht!”.

    Und ich finde, dass Wissen, welches einen Eingeweihten nicht in die Lage versetzt, es wenigstens ansatzweise in Diskussionen einzubringen, von irrelevantem kaum zu unterscheiden ist. Selbst die Aussagen der Quantenphysik kann man, zwar notgedrungen etwas grob und ohne Beweisführung, aber doch im Wesentlichen treffend einem Normalsterblichen in normaler Sprache komprimiert mitteilen.

    Wenn ich also zum Beispiel im Rahmen einer Diskussion von jemandem, der offensichtlich nicht meiner Meinung ist, gerne wissen möchte, warum er es für eine prima Sache hält, dass ein Anbieter auf dem Markt der Betriebssysteme seine monopolartige Stellung dazu nutzt, eine vergleichbare Position auch bei Anwendungssoftware zu erlangen, um einen Wettbewerb der Ideen zu verhindern (bzw. warum der Staat diese Strategie nicht verhindern soll), dann fände ich es nicht unangemessen, von diesem jemand zu erwarten, mir Unwissendem das in einer Handvoll Sätze kurz zu skizzieren, statt meinen Mangel an Wissen zu beklagen und mir stattdessen Ausbildungsmaßnahmen vorzuschlagen.

    Für Näheres und die genaue Herleitung werden Literaturhinweise selbstverständlich gerne genommen, als Argumentationsersatz eignen sie sich allerdings nicht.

    Meiner bescheidenen und natürlich völlig unmaßgeblichen Meinung nach jedenfalls.

  24. stefanolix
    19.09.2007 | 20:27

    Ich komme ja eher aus der Unix-Welt und habe auch in den DOS-Zeiten schon lieber LaTeX verwendet. Mich interessiert aber, welche Methoden Microsoft denn konkret gegen Lotus angewendet hat. Es muss doch damals auch Großkunden gegeben haben, die sehr viel Geld in Lotus- und in DOS-Lizenzen gesteckt haben. Die müssen doch ein Interesse gehabt haben, dass das zueinander einigermaßen kompatibel ist(?) Warum konnten sie sich nicht durchsetzen?

  25. 19.09.2007 | 20:35

    Weil, lieber Rayson, das Problem nicht in ein paar handvoll Sätzen zu klären ist. Es macht wenig Sinn entsprechende Aufsätze hier noch einmal abzuschreiben. Ich arbeite nebenbei.

    Allerdings kann mich dieses etwas platte “monopolartige Stellung ausnutzen, um Wettbewerb um Ideen zu verhindern” Gerede argumentativ beeindrucken. Ich sage nicht, dass wir in einer idealen Welt leben, nicht dass es MS Konkurrenten einfacher haben könnten, aber das alles ist für mich kein Grund für staatliche Interventionen. Auch habe ich hier immer gegen einen Monopolschutz argumentiert. Aber ich bin auch dagegen, Wettbewerb mit der politischen Brechstange herzustellen. Etwa weil einige Ökonomen überzeugend argumentieren können, dass Softwarebündel von einem Anbieter am Ende billiger sind als jedes Produkt von jemanden anderen, dass ein Quasi-Monopolist mit zu hohen Preisen seinem zukünftigem Selbst Konkurrenz macht, weil er die Kunden in die Hände der Konkurrenz spielt. All das und noch mehr kann man sehr schön in den von mir zitierten Analysen nachlesen.

    Und schließlich geht es mir um ein wichtiges Prinzip, eben den Schutz von Unternehmen vor dem Zugriff des Staates, der gerade in diesem Bereich vor allem durch die Gewinnmotive der Wettbewerber motiviert ist. Unternehmen sollen gefälligst auf dem Markt miteinander konkurrieren und nicht in Brüssel. Das ich Literatur nur als Argumentationsersatz benutze halte ich wohl für etwas weit hergeholt. Eher wundere ich mich, warum du dich nicht dazu herablässt, diese auch mal kritisch zu prüfen.

  26. 19.09.2007 | 20:37

    Ich vermute, von Microsofts Seite: Tschulljung, wollten wir nicht, tut uns leid. Aber jetz isses halt wie’s iss’, wir hamm hier was, das funktioniert. Vielleicht mit Rabatt. Absicht kaum nachweisbar, Betriebssystem-Umstiegshürden werden zu hoch eingeschätzt. Was soll’s…

  27. 19.09.2007 | 20:40

    Letzter @Stefanolix

  28. 19.09.2007 | 20:45

    @stefanolix:

    Endlich mal jemand der die richtigen Fragen stellt. Was hatten Liebowitz und Margolis schon 1999 geschrieben:

    “The first spreadsheet program was VisiCalc in the early 1980s. Despite being there first, VisiCalc didn”t last long. It was quickly displaced by Lotus 1-2-3. Why? Lotus was better, Liebowitz and Margolis found.

    Lotus dominated the spreadsheet market for almost a decade, but its dominance didn”t last.

    It was eventually displaced by Microsoft’’s Excel.
    Again, Margolis and Liebowitz found that Microsoft, eventually, had the better product.

    Over a 10-year period starting in 1984, Excel won 28 reviews or user polls as best spreadsheet. Lotus 1-2-3 had a single win. And in that time Excel’’s share of the market surged 80 percentage points.

    The same thing happened with word process.

    WorldPerfect was on the market earlier, and it gained a dominant position because of its quality. But it failed to keep that edge.

    In a seven-year period, Microsoft’’s Word for Windows won 16 product reviews to WordPerfect’’s 2. And in that time, Word for Windows” share of the market jumped 65 points.”

    Aber sicherlich war das alles nur ein Problem der Softwareschnittstellen, die MS nicht ordentlich offengelegt hatte.

  29. 19.09.2007 | 21:16

    @SteffenH: Das sind interessante Informationen. Interessant ist dabei auch der zu beobachtende Highlander-Effekt (es kann nur einen geben), der wohl maßgeblich auf Probleme der Kompatibilität der Dokumentformate zurückzuführen ist. Derzeit habe ich mit sowas (ausgenommen, wie bereits erwähnt, bei Access) als OO-Nutzer keinerlei Probleme, aber es ist klar, das Microsoft wohl stets sämtliche Möglichkeiten des Patentrechtes ausnutzen wird, um solche Kompatibilitäten zu sabotieren. Darin sehe ich die größte Gefahr – auch bei Microsofts derzeitigen versuchen, sich ein proprietäres Dokumentformat mit dem ISO-Stempel veredeln zu lassen. Da sind wir uns also in einem entscheidenden Punkt einig: Das Patentrecht ist stellt hier, als wunderbares Werkzeug für Microsofts Kampf um Dominanz eigentlich die größte Gefahr für Innovation und Wettbewerb dar. Ein umso faszinierenderes Beispiel für EUnpolitik ist es demnach, sich gleichzeitig auf die Schultern zu klopfen, weil man’s MS gezeigt hat, und ernsthaft über die Einführung von Softwarepatenten nachzudenken, deren groteske Auswüchse ja kein Geheimnis sind.

  30. R.A.
    19.09.2007 | 21:17

    @Steffen:
    > Die Abwägung sollte aber auf einer etwas
    > fundierteren Analyse des Sachstands erfolgen …
    Langsam.
    Das mit dem Bauchgefühl betrifft nur die Frage, ob wirklich die Behörden mit ihrem Eingreifen dazu beigetragen haben, daß MS nicht mehr die ätzende Dominanz hat wie vor 10 Jahren.

    DASS aber diese Dominanz schädlich für ziemlich alle außer MS war, das möchte ich schon als fundiert analysiert in Anspruch nehmen.

    Ob nun die Abwehr solcher Schäden Eingriffe in die Eigentumsrechte von MS rechtfertigt, da sind wir dann wieder auf einer Bauchebene, weil letztlich bei solchen Fragen auch alle großen Autoritäten nur abwägen und nicht mit Logik eine Lösung absolut herleiten können.

    > Würdest du dich herablassen die Sachen zu lesen,
    Nun denn, habe ich mal mit Deinem ersten Link zu “Monopoly shopping” angefangen.
    Und den finde ich schon wenig überzeugend.

    Die zentrale Frage dort: “Wollt Ihr lieber ein MS-Monopol oder ein Netscape-Monopol” halte ich für schlichten Dummfug. Da baut der Autor (der wenigstens ehrlich zugibt, von MS bezahlt zu werden) einen Pappkameraden auf – ich habe noch nie von jemand gehört, der ernsthaft gefordert hat, ein Netscape-Monopol einzurichten.

    Die entscheidende Frage ist doch Monopol vs. Wettbewerb. Und da sind sich doch die liberalen Theoretiker ansonsten recht einig, daß Wettbewerb vorzuziehen und die Seele der Marktwirtschaft ist.

    Diese Wettbewerbsidee tut der Autor folgendermaßen ab:
    “There are several scenarios you might envision. One is an eternal competition between Microsoft and Netscape, each striving to capture market share through innovation. The upside of that scenario is that browsers would get better; the downside is that innovation uses a lot of resources that might be better employed elsewhere. It’s not clear whether the benefits of that competition would outweigh the costs, or vice-versa.”

    Findest Du das wirklich überzeugend?
    Das ist doch Dummfug auf DDR-Niveau. Nach dieser Logik würden wir immer noch Trabbi fahren und DOS mit Lynx (textbasierter Schlicht-Browser) benutzen.

    Nein, ich halte Wettbewerb immer noch für fundamental wichtig.
    Und deswegen ist – jetzt wieder Bauchgefühl – ein staatliches Eingreifen zugunsten von Wettbewerb nach bisheriger Erfahrung besser als die desaströsen Folgen eines Monopols, wie wir es bei MS viele Jahre hatten.

  31. R.A.
    19.09.2007 | 21:56

    @Steffen:
    > Was hatten Liebowitz und Margolis schon 1999
    > geschrieben:
    Schrott haben sie geschrieben.

    Wobei ich gleich einräumen muß: Du gibst immerhin solide zitierbare Quellen an, und ich kann wieder nur mit persönlicher Expertise kontern.
    Aber ich kann Dir versichern – die Beiden schreiben Unsinn.

    Fängt schon ein bißchen damit an:
    “The authors are economists Stan J. Liebowitz and Stephen E. Margolis.”
    Ich hätte mehr Vertrauen in diese Autoritäten, wenn sie darüber geschrieben hätten, mit welchen Business- oder Marketing-Konzepten sich MS durchgesetzt hat.
    Aber zu behaupten, daß die MS-Produkte qualitativ besser waren – das ist mit diesem Hintergrund mutig.
    Und da hilft auch der Hinweis wenig, daß MS bei diesem Buch finanziell die Finger im Spiel hatte …

    In jeder Informatikerrunde dagegen gibt es für solche Behauptungen nur höhnisches Gelächter, selbst MS-Anwender dort sind sich im klaren darüber, daß diese Produkte in der Regel etwas bis deutlich schlechter sind als die der Konkurrenz.

    Wobei ich hier nicht die Kritik der Technik-Freaks meine – mein Hintergrund sind Software-Ergonomie, Geschäftsprozesse, also der echte Kundennutzen aus EDV-Einsatz.

    Die “Beweisführung” der Herren Liebowitz/Margolis läuft deswegen auch nicht über wirkliche Fakten, sondern sie referieren Tests Dritter. Was nicht falsch sein muß, wenn man sich auf diese verlassen kann.

    “Over a 10-year period starting in 1984, Excel won 28 reviews or user polls as best spreadsheet. Lotus 1-2-3 had a single win.”

    In dieser 10-Jahres-Periode muß es HUNDERTE solcher Tests oder User Polls gegeben haben. Wie jetzt diese 29 zusammenkommen mögen?

    Inhaltlich kann ich über Tabellenkalkulationen nichts sagen, ich benutze diese sehr selten.

    Aber wenn dann die “Überlegenheit” ausgerechnet von Word mit ebensolcher Methodik “bewiesen” wird, dann ist das lächerlich.
    Word war über viele Jahre hinweg DEUTLICH schlechter als die Konkurrenz, umständlich, fehleranfällig, für den ernsthaften Einsatz im Geschäftsleben nur mit hohem Zusatzaufwand zu gebrauchen (ich sage da nur normal.dot).

    “What about the product that made Microsoft, the DOS operating system? Wasn”t it inferior to the Macintosh system?”
    Klares Ja, sagen eigentlich alle Experten, die jemals beide OS verglichen haben.

    Aber im Paralleluniversum von Libowtz/Margolis wars anders:
    “Mac users could see italics and boldface on screen, unlike DOS users. But they couldn”t print those things unless they bought printers that cost $1,000, or more than standard laser printers.”
    Wie ist es nur möglich, daß in meinem Keller ein Olivetti-Nadeldrucker (200-300 DM) steht, mit dem ich seinerzeit sowohl am PC wie am Mac gedruckt habe – kursiv und fett inclusive?

    Daß Apple sich damals mit Hochpreispolitik seine Kundenbasis dezimierte ist bekannt. Aber graphische Benutzeroberflächen gab es performant und preiswert auch bei diversen anderen Herstellern.
    DOS war ein mieses Betriebssystem, deutlich schlechter als die Konkurrenz – und nur im Schlepptau des damaligen Marktführers IBM gelang ihm der Durchbruch.

  32. 19.09.2007 | 22:28

    Quick and Dirty eben.

  33. 19.09.2007 | 22:29
  34. 19.09.2007 | 22:37

    @R.A.:

    Ich stelle mir dennoch immer wieder die Frage, warum bei all diesen Katastrophen noch immer alle Leute Windows-Computer kaufen und nicht in Scharen beim Apple-Händler anrücken? MS hat kein Monopol. MS profitiert von Netzwerkeffekten, keine Frage und MS torpediert die Konkurrenz. Würde ich auch machen, es sei den die Konkurrenz kann es besser als ich und gibt den Kunden ein Argument mein Betriebssystem zu kaufen. Wäre es nicht so, gäbe es gar keine Softwäre von Fremdanbietern für MS-Betriebssysteme. Insofern halte ich einen sachlichen Umgang wie ihn David hier vorschlägt für wesentlich zielführender: Keine Softwarepatente, dafür aber auch kein Zwang zur Offenlegung der Programmierschnittstellen. Windows ist das Produkt von MS, also deren Angelegenheit. Wenn sie andere daran teilhaben lassen wollen und den Gewinn teilen wollen, bitte. Wenn nicht dann eben nicht. Dann kaufe ich mir nächste mal einen Mac oder installiere Linux, so wie ich jetzt schon OpenOffice benutze. Das wärs dann…

  35. 19.09.2007 | 22:41

    @Steffen:

    Mal halbwegs OT: Ich kann mir vorstellen, daß Du als Ökonom auch gelegentlich mathematische Formeln setzen mußt – machst Du das alles mit einer Office-Textverarbeitung?

  36. 19.09.2007 | 22:55

    Ja, weil sich das mengenmäßig in Grenzen hält und rational handelnde Ökonomen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. ;-)

  37. 19.09.2007 | 23:04

    OK. Aber ich für meinen Teil kann mit keinem Office-Formeleditor umgehen. Für sowas ziehe ich dann doch LaTeX vor.

  38. 19.09.2007 | 23:09

    Das wär für mich heute die Kanone. Hab aber mal mit Scientific Workplace und LaTeX gearbeitet. Brauchs aber nicht mehr. :-(

  39. 19.09.2007 | 23:09

    @SteffenH

    Danke, dass du in deiner Antwort auf meine Beschwerde das nachgeholt hast, was ich vorher vermisst habe. Geht doch. Auch ohne Artikel abzuschreiben ;-)

    Etwa weil einige Ökonomen überzeugend argumentieren können, dass Softwarebündel von einem Anbieter am Ende billiger sind als jedes Produkt von jemanden anderen

    Was nur beweist, dass die Anmaßung von Wissen auch unter Ökonomen populär ist. Wie wollen die denn Produkte beurteilen, die es noch gar nicht gibt (”jedes Produkt von jemanden anderen”)? Schließlich wird ja das beste Instrument, all das Wissen da draußen verfügbar zu machen, nämlich der Wettbewerb, gerade von MS ausgehebelt.

    dass ein Quasi-Monopolist mit zu hohen Preisen seinem zukünftigem Selbst Konkurrenz macht, weil er die Kunden in die Hände der Konkurrenz spielt.

    Das ist klar. So erging es Apple, als sie noch die Einzigen mit “grafischer Benutzeroberfläche” waren. Uns geht es hier ja auch weniger um “zu hohe” Preise als um die Ausschaltung des Wettbewerbs als Entdeckungsverfahren.

    All das und noch mehr kann man sehr schön in den von mir zitierten Analysen nachlesen.

    Wo eigentlic zitiert? Die von dir bei den FdoG genannten kannst du doch nicht meinen.

  40. 19.09.2007 | 23:14

    @LaTeX

    Und andere müssten dat Zeuchs erst mal lernen. Alles eine Frage von Kosten und Nutzen. Wer nur alle Nase lang grafisch und textlich anspruchsvollere Formeln anders als per Hand zu schreiben hat (man kann vieles übrigens auch als ganz normalen Text abbilden, ohne griechische Symbole mit Beschriftung drüber und drunter…), müsste noch andere Gründe haben, sich die Mühe zu machen.

  41. 19.09.2007 | 23:24

    Naja, alles in allem ist es einfach viel komfortabler als Office-Programme, wenn die Anfangshürden überwunden sind. Ist jedenfalls mein Eindruck.

  42. 19.09.2007 | 23:41

    Ich kannte Lotus 1-2-3 als DOS-Programm. Auf Windows habe ich es nie gesehen – da ging es in unserem Unternehmen gleich mit Excel los. Aber wenn R.A. sagt, dass die MS-Produkte eher schlechter als die der Konkurrenz seien, dann trifft es auf eins ganz sicher nicht zu: Excel unter Windows. Charles Simogyi, einer breiteren Öffentlichkeit jüngst als Weltraumtourist bekannt geworden, ist der Vater dieses Programms und brachte es, natürlich noch in einem früheren Stadium, zu MS mit. Wie MS ja eigentlich fast immer weniger Innovator als Veredler und Verkäufer war (ähnlich den heutigen Pharmariesen): QDOS, Excel, die Datenbank-Engine, die Access erst richtig benutzbar machte – alles praktisch zugekauft. Echt MS ist Basic und Word – und zumindest letzteres hat eine Menge zu dem miesen Ruf beigetragen, den MS-Produkte haben. Word aber hat sich u.a. durchgesetzt, weil es mit Excel gekoppelt als “Office” verkauft wurde, was schon damals eine Integration versprach, die aber erst in späteren Versionen tatsächlich auch eingeführt wurde. Als Verkaufsargument hat es aber gereicht, und MS gab sich Mühe, durch proprietäre Dateiformate alle anderen nichts Ähnliches auf die Beine stellen zu lassen. So profitierte Word letztlich von einer Zahlungsbereitschaft, die eigentlich der Tabellenkalkulation galt.

    Es ist aber verblüffend, dass zu DOS-Zeiten die beste Tabellenkalkulation und die beste Textverarbeitung (Wordperfect) von Konkurrenten kamen und sich ausgerechnet mit dem Erfolg von Windows 3.1 das Bild bei den Installationen drehte. Hier nicht das Ausnutzen von Wissen über das Betriebssystem (bzw. damals: den Grafikaufsatz…) anzunehmen, bedeutete ein Vertrauen in die Untadeligkeit respektive Dummheit von MS, die heute aufzubringen nur noch als besondere Leistung bezeichnet werden kann.

    Und tatsächlich hat MS die herkömmliche Konkurrenz praktisch vernichtet. Das letzte Opfer war Netscape. Wettbewerb konnte nur noch durch etwas ermöglicht werden, mit dem keiner gerechnet hatte: Dass Software quasi unentgeltlich verteilt wurde, war vorher nur in Form des MS-”Bundlings” denkbar. Jetzt kamen aber von links Open Source, von rechts das Internet, und die alten Logiken wurden in Frage gestellt, die Standards mehr und mehr woanders gesetzt. Heute braucht die Schnittstellen von Windows kein Mensch mehr. Wir wissen aber leider nicht, was uns in der Ägide des Riesen aus Redmond alles an schöner Software entgangen ist, weil sie keine Chance hatte, sich gegen die von MS perfekt ausgenutzten “Netzwerkeffekte” durchzusetzen.

  43. 19.09.2007 | 23:42

    @David

    Das trifft auch auf Klavierspielen zu.

  44. 19.09.2007 | 23:56

    Danke Rayson für diesen informativen Ausflug in die Softwaregeschichte. Leider hab ich beruflich nie mehr Erfahrungen als mit Office-Anwendungen gemacht. Die Insidergeschichten blieben mir daher verborgen, also kann ich nur grundsätzliche Überlegungen anstellen. Aber eine Frage: Wenn wir nicht wissen, was uns entgangen ist, reicht das wirklich als Grund für Antitrust-Verfahren. Und warum haben trotz all der Dummheiten von MS, nicht die anderen Schlauen die “Netzwerkeffekte” ausgenutzt. Auf dieses Phänomen hat MS ja weder das Monopol noch ein Copyright. Und warum gibt es Fremdanbieter von Software, die sich gegen MS-Software durchsetzen konnte bzw. Bereiche in denen sich MS gar nicht erst versucht hat? Das sind so einige Ungereimtheiten, die mich in dieser Angelegenheit nicht zum Verschwörungstheoretiker werden lassen. Übrigens, sollte ich hier manchmal etwas patzig werden, dann ist das nicht persönlich gemeint, sondern ein Temperamentproblem… ;-)

  45. 20.09.2007 | 0:11

    “Das trifft auch auf Klavierspielen zu.”

    Im Prinzip schon, aber die Anfangsschwierigkeiten sind dann doch etwas kleiner.

    Vor ca. 10 Jahren, als ich das erstemal ein GNU/Linux-System, damals noch S.u.S.E., zu verwenden begann, begann ich mangels richtig toller Textverarbeitungssoftware meine Texte mit TeX und später LaTeX zu schreiben, was bei einfach Texten und Briefen nicht mehr Können voraussetzte, als einen Texteditor zu bedienen und eine Handvoll Befehle zu kennen. Dann war eine zeitlang Ruhe, warum weiß ich nicht mehr, aber im Winter 2005/2006 mußte ich dann zwei Referate verfassen, bei dem es einiges an Formeln (wenn auch nicht übermäßig komplex) bzw., in einem der beiden, auch Ableitungsbäume für einen logischen Kalkül zu setzen galt. Dafür habe ich mich dann in LaTeX eingearbeitet, weil meine Angst davor, die Texte mit Office schreiben zu müssen größer war als die vor LaTeX. Die benötigten Befehle suchte ich immer dann, wenn ich sie brauchte, und bermäßig lang hat es dann auch nicht gedauert – ich glaube, mit X-Office wäre es wesentlich länger gewesen.

  46. 20.09.2007 | 0:21

    Wenn wir nicht wissen, was uns entgangen ist, reicht das wirklich als Grund für Antitrust-Verfahren.

    Nein. Aber wenn wir nicht wissen, was uns entgehen wird. Wenn solche Verfahren zu spät kommen, sind sie eher nutzlos.

    Und warum haben trotz all der Dummheiten von MS, nicht die anderen Schlauen die “Netzwerkeffekte” ausgenutzt.

    Behaupte ich irgendwo Dummheiten von MS? MS war nie dumm, nur setzte es seine Fähigkeiten weniger dazu ein, durch Innovationen Kunden zu überzeugen als durch geschicktes Marketing und unfaire Praktiken Konkurrenten auszuschalten.

    Aber selbstverständlich verdankt MS seine Größe IBM. Als IBM seinen ersten PC herausbrachte, war der technisch und preislich auch keine Offenbarung. Er wurde aber von Unternehmen gekauft, weil für den Einkauf von Hardware derselbe Mensch zuständig war, der schon diesen dicken Mainframe angeschafft hatte und beste Kontakte zum IBM-Vertrieb hatte. Hinzu kam sicher auch, dass der Name IBM Seriösität und Sicherheit vermittelte. Und IBM machte eben den Fehler, MS zu erlauben, das Betriebssystem, das es eingekauft hatte, auch auf PCs anderer Hersteller zu installieren. Den Rest kennen wir. Anhand der Entwicklung der “IBM-Kompatiblen” können wir uns übrigens einen Eindruck von der Dynamik verschaffen, die MS woanders erstickt hat: Die wichtigen Komponenten und die Betriebssoftware waren frei erhältlich und Interaktion war garantiert. Folge: Der PC wurde verbessert und verbilligt, allerdings nicht von IBM… Man stelle sich vor, IBM hätte damals ähnliches Geheimwissen gehabt wie MS. Besser nicht.

    Und warum gibt es Fremdanbieter von Software, die sich gegen MS-Software durchsetzen konnte bzw. Bereiche in denen sich MS gar nicht erst versucht hat?

    MS hat sich eben auf bestimmte Bereiche konzentriert, wahrscheinlich die seiner Ansicht nach strategisch wichtigsten und die potenziell margenstärksten. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen: Auf das, was es einzukaufen gab… Und irgendwann wird man als Riese auch träge und verpasst diverse Züge.

    Das sind so einige Ungereimtheiten, die mich in dieser Angelegenheit nicht zum Verschwörungstheoretiker werden lassen.

    Na ja, es geht ja auch nicht um das Aufdecken einer Verschwörung, sondern um die Frage, ob die Ausschaltung von Wettbewerb durch die Praktiken von MS allgemein eher schädlich war. Und um die, ob, wenn man die Frage bejaht, der Staat dann eingreifen soll und kann. Und wenn man wiederum diese Frage bejaht: wie und wann.

    Und im Übrigen kennen wir uns ja wohl inzwischen ;-)

  47. 20.09.2007 | 0:27

    Worauf basiert die MS-Macht mehr: Auf staatlichem Eingreifen oder auf staatlicher Untätigkeit? Das ist ja eigentlich die interessanteste Frage dabei.

  48. 20.09.2007 | 0:27

    @David

    Eben. In einem Fall sind es eine Handvoll Befehle, im anderen eine Handvoll Noten ;-)

    Und die Bereitschaft zum Klavierspielen steigt sicher auch ebenso in einer Welt ohne Tonträger wie die zum LaTeX-Lernen, wenn man keine Textverarbeitung zur Hand hat…

    Da ich heute meine Formeln nur noch in Excel schreibe und nicht in irgendwelche Abhandlungen, wäre für mich das Lernen von LaTeX eher Zeitvertreib als sinnvolle Betätigung. Ich habe mal ein Buch dazu gelesen und fand es, wenn es keine besondere Motivation dafür gibt, schon als mit einigem Lern- und Umdenkaufwand verbunden. Und je älter du wirst, um so unwilliger reagierst du darauf ;-)

  49. 20.09.2007 | 0:28

    Warum auf staatlichem Eingreifen?

  50. 20.09.2007 | 0:30

    Patentrechte. Copyright.

  51. 20.09.2007 | 0:32

    Der Unterschied bleibt aber: Beim Klavierspielen bringt es wenig Fortschritt, sich einen einzelnen Akkord beizubringen, aber ein einziger Befehl in LaTeX kann einem schon ganze Welten öffnene.

  52. 20.09.2007 | 0:43

    Patentrechte. Copyright.

    Ich kann mich nicht erinnern, MS da irgendwo in der Angreiferrolle gesehen zu haben. Würde auch nicht zum Meister des Eklektizismus passen…

    ein einziger Befehl in LaTeX kann einem schon ganze Welten öffnene

    Kann er das, David? ;-)

    Aber im Ernst: Ich bezweifle doch, dass du mit einem einzigen LaTeX-Befehl auskommen wirst. Ebenso wenig wie mit einem Akkord – obwohl: Wie ging Punk nochmal?

  53. 20.09.2007 | 0:47

    Angreiferrolle? Verstehe gerade nicht was Du meinst.

    Ansonsten hast Du mich jetzt überzeugt. Ich bin Virtuose. Ausgezeichnet! ;-)

  54. 20.09.2007 | 0:49

    @rayson:

    Die Begründung für den Vorteil der Softwarebündelung ist eine andere. Damit entsteht sog. vertikale Produktintegration, die besser ist als zwei getrennte Monopole, eins für das Betriebssystem und eins für den Browser, weil beide Software komplementär sind und damit die jeweilige Preiserhöhung den Absatz des Komplements reduziert. Oder anders je besser die eine Software ist umso besser der Verkauf der anderen. Bei einer Trennung fiele dieser Anreiz weg (Cournots Doppel-Monopol-Problem). Über die Qualität der einzelnen Produkte sagt das allerdings nichts.

    Doch, ich meine die FDoG-Sachen, die ich für wichtig und stichhaltig halte, auch wenn etwa R.A. das nicht so sieht.

  55. 20.09.2007 | 0:58

    @David

    Will sagen: Ich kann mich nicht erinnern, dass MS irgendwann besonders (um mal im Bild zu bleiben) auf der Copyright/Patent-Klaviatur gespielt hätte.

  56. 20.09.2007 | 1:04

    Ah, OK. Was die Patente betrifft stimme ich Dir zu, bis es zu den lächerlichen Drohungen gegen die Opensource-Gemeinde kam ist mir da auch nichts aufgefallen. Aber, und hier kommt dann das Copyright ins Spiel, erworbene Software dekompilieren und analysieren zu können, ohne sich dabei strafbar zu machen, das wäre eben schon ein großer Vorteil bei der Sicherstellung von Kompatibilität. Vor allem eben auch, das nicht heimlich zuhause tun zu müssen, hoffend, daß keiner es mitbekommt, sondern sich auch über das, was man gefunden hat, austauschen zu können.

  57. 20.09.2007 | 1:12

    @SteffenH

    Ich glaube nicht, dass dieses “Doppel-Monopol”-Thema auf Bundling wirklich anwendbar ist.

    The better the brower, for example, the more operating systems Microsoft will sell and vice versa.

    Das ist, so lange der Kauf des Betriebssystems den Browser mit einschließt, kein ökonomisches Phänomen, sondern eine Trivialität, weil es technisch gar nicht anders geht, dass immer so viele Betriebssysteme wie Browser “gekauft” werden. Es wäre tatsächlich nur anwendbar, wenn beide Produkte getrennt verkauft würden, MS bei beiden das Monopol hätte und tatsächlich eine Komplementarität bestünde, die über das Miteinpacken hinausgeht. Ich finde, Tabarrok liegt hier reichlich daneben.

    Auf “Office” trifft das Gleiche zu.

    Und die Texte hinter den Links bei FdoG scheinen mir, um es mal vorsichtig auszudrücken, sehr zielgerichtet geschrieben zu sein. Sie sind vor allem Verteidigungsschriften im Anti-Trust-Prozess wegen der Browser-Kopplung. Ich halte sie deswegen in dieser Diskussion nur für begrenzt brauchbar, denn erstens wird dort mit z.T. nachvollziehbaren, z.T. etwas fragwürdigen Argumenten vor allem juristisch motivierte Begriffsklauberei betrieben (trifft der Begriff “Monopol” zu oder nicht?), statt die Frage zu analysieren, welche Folgen durch das “Bundling” entstehen, und zweitens ist die Frage der Schnittstellenfreigabe m.E. ein anderes Thema.

    So, jetzt fallen mir die Augen zu. Vielleicht morgen im selben Theater. Gute Nacht!

  58. 20.09.2007 | 1:16

    @David

    Aber, und hier kommt dann das Copyright ins Spiel, erworbene Software dekompilieren und analysieren zu können, ohne sich dabei strafbar zu machen, das wäre eben schon ein großer Vorteil bei der Sicherstellung von Kompatibilität.

    Ok, aber in den Genuss, sowas verbieten zu können, kommt ja jeder Anbieter. Ich kann nicht erkennen, inwiefern das besonders MS begünstigt haben soll. Zumal es ja erstmal um die Sicherstellung der Interoperationalität geht und nicht um die Freigabe des gesamten Quelltextes.

    Auch dir gute Nacht!

  59. 20.09.2007 | 1:23

    “aber in den Genuss, sowas verbieten zu können, kommt ja jeder Anbieter.”

    Klar, das schon. Nur hat Microsoft eben als Ausgangsbasis seine IBM-geboostete Dominanz im Betriebssystemmarkt zusätzlich gehabt. Und ob ich diese Möglichkeit mit einem weitverbreiteten System nutzen kann oder mit einem, das keiner kennt, das ist ja nochmal ein großer Unterschied. Ich habe ja nie behauptet, daß darin der alleinige und singuläre Grund für den Aufstieg von MS liege, aber, Segelflugmetapher: IBM war die Zugwinde, das Copyright stellt die Tragflächen dar. Vielleicht irre ich mich da auch, aber wenn ich’s mir aussuchen dürfte, dann würde ich eher das Copyright abschießen als MS vorzuschreiben, was sie mit ihrer Spielkonsole verkaufen dürfen und was nicht, und welche Details sie offenlegen. Wenn jemand die Details wissen will, dann muß er halt etwas aufwand betreiben und nachgucken. Aber gerade mit dem Internet im Rücken wäre wohl inzwischen einiges bekannt.

  60. 20.09.2007 | 1:34

    Ich bin ja, im Übrigen, auch nicht von irgendwelchem Mitgefühl für MS-Konkurrenten getrieben, die mir genauso wumpe sind wie MS selbst. Wovor ich Angst habe, das ist die Verseuchung des Netzes mit proprietären Standards. Ui, ist das legal, mit dem mplayer (dem freien) wma-Dateien zu hören? Man muß ja jetzt schon gelegentlich Software selbst kompilieren, weil sie kompiliert nicht vertrieben werden darf. Kein Problem, aber wann wird das vielleicht auch nicht mehr sein dürfen? Wenn ich an sowas denke, dann ist mir das bißchen Wettbewerb, um daß es hier noch geht (daß das Urteil ohnehin zu spät kommt sagst Du ja auch selbst) ziemlich schnuppe – gegen FOSS kommt in der Regel ohnehin keiner an.

    Gut, bliebe die Frage, ob der Eingriff früher gerechtfertigt gewesen wäre. Aus heutiger Perspektive ging es aber eben auch ohne, die eigentlichen Probleme liegen woanders. Und die vergangenen Probleme wären vielleicht auch geringer gewesen, hätte es die heutigen da nicht auch schon gegeben. Weniger Eingriffe wären vielleicht besser gewesen als mehr. Wieder mal.
    Dir auch gute Nacht auch.

  61. stefanolix
    20.09.2007 | 8:50

    Das ist ja ein richtig langer Diskussionsfaden geworden. Zu einem Aspekt noch ein paar Argumente. LaTeX hat viel mehr Vorteile als den schönen Formelsatz und den ästhetischen Blocksatz.

    Ich setze LaTeX auf einigen Ebenen beruflich (bei mir und bei Kunden) ein. Ich finde, es ist richtig beobachtet, dass einem LaTeX-Befehle, Befehlsgruppen oder Prinzipien ganze Welten eröffnen können.

    Allein die logische Ordnung eines Dokumentes und die Verweise auf alle Arten von Abbildungen, Tabellen, Abschnitte und Quelltexte: man findet es anderswo kaum und wenn man es findet, dann ist es mit sehr hohen Kosten verbunden.

    LaTeX bietet geniale Möglichkeiten zum datenbankgestützten Publizieren. LaTeX-Quelltexte können maschinell aus anderen Formaten erzeugt werden (also auch aus XML oder den Ergebnissen von Datenbankabfragen).

    LaTeX kann man von »make« oder »ant« aus steuern, LaTeX-Dokumente kann man in ein CVS einstelllen — somit ist auch eine nahezu vollautomatische Versionskontrolle möglich.

    D. E. Knuth war mit TeX prinzipiell einer der Vordenker der heutigen OpenSource-Bewegung. Es lohnt sich auch aus anderen Gründen, sich mit dieser sehr interessanten Persönlichkeit zu beschäftigen.

  62. 20.09.2007 | 9:49

    @rayson:

    Wieso geht das nicht anders. Wenn man MS zwingen würde, was man versucht hat, den Browser nicht vorzuinstallieren, dann wäre es wohl möglich gewesen Windows ohne (direkt benutzbaren) Browser zu verkaufen. Auch ein Office-Paket kann man einzeln vertickern, was MS in der Vergangenheit auch gemacht hat bzw. heute noch macht, wenn es nur Word und Excel vorinstallieren lässt. Insofern verstehe ich deinen Einwand nicht.

    Zu den FDoG-Artikeln. Ich finde das eine sehr wichtige Debatte, ob überhaupt ein Monopol vorliegt. Für den Verbraucher liegt sicherlich kein Monopol vor, es sei denn wir befinden uns in einer “blackbord”-ökonomie welt, wo jede Art von Transaktionskosten schon als 100%ige Markteintrittsbarriere interpretiert werden, was ja auch hier gern so gesehen wird.

    Was mir hier eigentlich so aufstößt ist dieser arbiträre Umgang mit den Nutzungsrechten von Privatpersonen. Mal sind diese zu respektieren, ein anderes Mal wie bei MS haben sie ihren Quellcode und Programmierschnittstellen offen zu legen. Mir fehlt einfach eine schlüssige Begründung für diese Differenzierung.

    Insofern erscheint mir die hier durchscheinende Debatte auch etwas wenig neutral. Wenn einem irgendwas nicht passt, dann reklamiert man ein Marktversagensproblem und ruft die starke Hand des Staates herbei. Dafür denken wir uns dann noch in guter alter utilitaristischer Tradition ein “was könnten wir nicht alles haben, wenn…” und fertig ist das Politikmodell in dem jeder sagen kann, was ich nicht mit MS verhandelt bekomme, das setze ich politisch durch.

    Ich dagegen muss dagegen den ultimativen Beweis antreten, dass MS seinen Konkurrenten nicht die Suppe versalzen hat. Was ich nicht kann, weil sie tatsächlich versucht haben ihrer Konkurrenz das Leben schwer zu machen. Das jedoch dürfte wohl ein ganz normales Wettbewerbsproblem sein. Ich glaube niemand kann hier reklamieren er würde seine Produkte so gestalten, dass es die Konkurrenz möglichst einfach hat. Das kann man auch kaum erwarten. Ich denke auch nicht, dass dies plötzlich ab einem bestimmten Marktanteil zur Pflicht wird, obgleich sich MS in langer Sicht damit sicher einen Gefallen getan hat. Ich hab mich in den letzten Jahren lange, wenn auch meist theoretisch mit dem Schutz von Eigentums- und Verfügungsrechten und deren Vor- und Nachteilen auseinandergesetzt. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass Brüssels Politik im wesentlichen Konkurrenzkampf jenseits der Programmierstuben ist sehe ich die Sache eben etwas anders als ihr. Zumal mir auch diese Leidenschaft für das eine oder andere Softwareprodukt total abgeht…;-)

  63. R.A.
    20.09.2007 | 10:23

    @Steffen:
    > warum bei all
    > diesen Katastrophen
    > noch immer alle
    > Leute
    > Windows-Computer
    > kaufen …
    Weil alle anderen schon Windows haben …
    Und weil es bestimmte Programme nur auf Windows gibt.
    Schlimmstes Beispiel: Als Selbständiger muß ich meine Umsatzsteuererklärung mit dem Programm “Elster” ans Finanzamt übertragen.
    Und das gibt es nur für Windows.
    Im Prinzip zwingt hier der Staat die Steuerpflichtigen zu diesem Betriebssystem.

    > MS hat kein
    > Monopol.
    Das ist richtig. Es hatte auch nie eins.
    Aber es war sehr nahe davor.
    Und je näher es dran war, desto schlimmer war die Situation (weil die Software-Entwicklung für andere Plattformen fast zum Erliegen kam).

    Daß es jetzt etwas besser geworden ist, ist schön – aber man sollte wirklich verhindern, daß sich so eine Gefahr wiederholt.

    > MS profitiert von
    > Netzwerkeffekten,
    > keine Frage und
    > MS torpediert
    > die Konkurrenz.
    Exakt.
    Und das kann man als legitime Geschäftsstrategie sehen.

    Aber wenn eine gewisse Schwelle (eben dicht am Monopol) überschritten ist, wird halt die Beeinträchtigung so groß, daß die Abwägung zu Gunsten einer Intervention ausfallen kann.

    > Keine
    > Softwarepatente,
    > dafür aber auch
    > kein Zwang zur
    > Offenlegung der
    > Programmierschnittstellen.
    Das sind zwei Fragen, die nichts miteinander zu tun haben und deswegen auch nicht miteinander verrechnet werden können.

    > Dann kaufe ich
    > mir nächste mal
    > einen Mac oder
    > installiere Linux,
    > so wie ich jetzt
    > schon OpenOffice
    > benutze. Das wärs
    > dann…
    Das wärs dann
    a) für Dich, weil Du offenbar mit recht wenig Programmen zufrieden bist. Das ist nicht die Norm.
    b) weil MS eben nicht mehr nach Belieben an den Schnittstellen und Formaten rumschrauben kann. OpenOffice lebt davon, mit MS-Programmen kompatibel sein zu können. Wenn das wieder wegfiele, ist OO tot.

    > ich meine die
    > FDoG-Sachen, die
    > ich für wichtig
    > und stichhaltig
    > halte, auch wenn
    > etwa R.A. das
    > nicht so sieht.
    Das ist natürlich etwas unglücklich gelaufen mit den beiden Diskussionssträngen.
    Die FDoG-Links behandeln die Monopol-Frage (da kann ich noch halbwegs zustimmen) und die Frage des geistigen Eigentums (gehört m. E. nicht hierher).

    Sie belegen m. E. nicht, daß weniger Wettbewerb besser wäre.

    > Was mir hier
    > eigentlich so
    > aufstößt ist
    > dieser arbiträre
    > Umgang mit den
    > Nutzungsrechten
    > von Privatpersonen.
    Da geht es halt um eine Güterabwägung.
    Solange freier Wettbewerb herrscht, stehen den Teilnehmern ihre Nutzungsrecht voll zu.

    Wenn dagegen ein Marktanteil so hoch wird, daß die Monopol-Nachteile eintreten (das ist kurz bevor es ein 100%-Monopol ist), dann sehe ich sehr wohl eine Begründung für ein Eingreifen.

    Wobei mir völlig klar ist, daß jedes Abwägen immer einen Anteil von Unsicherheit und Willkür hat. 100%-Sicherheit gibt es nur, wenn man einem Standpunkt absolute Priorität gibt und alle anderen Interessen unterordnet.

    Auf jeden Fall ist mir der praktische Nutzen wichtiger als die theoretische Lupenreinheit.

  64. 20.09.2007 | 10:37

    @rayson:

    Das könnte dich evtl. interessieren, inkl. dem Artikel auf der Homepage zum Fall MS vs. EU: http://www.intertic.org/

  65. 20.09.2007 | 11:09

    @SteffenH

    Wieso geht das nicht anders. Wenn man MS zwingen würde, was man versucht hat, den Browser nicht vorzuinstallieren, dann wäre es wohl möglich gewesen Windows ohne (direkt benutzbaren) Browser zu verkaufen.

    Dem war ja auch eine Zeitlang so. Also nicht, dass MS wirksam hätte gezwungen werden können, sondern dass Windows ohne Browser über den Ladentisch ging. Aber das ist nicht der Punkt. Sondern, dass MS eben nicht in den Wettbewerb mit konkurrierenden Browsern einsteigen wollte, indem es seinen praktisch gratis über das Betriebssystem verteilte. Es gab nicht zwei Monopole, sondern nur eins. Und das wurde ausgenutzt, um auch ein zweites zu schaffen, allerdings, wie einer der Experten aus deinen Links so süffisant bemerkte, mit einem Marktanteil von Null, weil das Produkt, um das es ging, ja für lau abgegeben wurde. Die Idee des Doppel-Monopols, dass die Absatzsteigerung des einen Produkts den Verkauf des anderen befördern würde, stimmt deswegen von beiden Seiten her nicht: Der Browser kurbelte das Geschäft des Betriebssystems so wenig an wie der Schwanz mit dem Hund wedelt, und das Betriebssystem konnte den Verkauf des Browsers nicht ankurbeln, weil der gar nicht verkauft wurde und auch schon ungefragt mitgeliefert wurde.

    Insofern ist es eine Ironie der Wirtschaftsgeschichte und jeder Menge Schadenfreude würdig, dass MS-Software sich jetzt einer Konkurrenz stellen muss, die ebenfalls vor allem davon lebt, dass sie zu minimalen Grenzkosten auf die Festplatte oder in den Arbeitsspeicher kommt. Dass aber nur diese Änderung der üblichen kommerziellen Spielregeln in der Lage war, an der MS-Dominanz zu kratzen, zeigt andererseits, wie tief verankert diese schon war.

    Auch ein Office-Paket kann man einzeln vertickern, was MS in der Vergangenheit auch gemacht hat bzw. heute noch macht, wenn es nur Word und Excel vorinstallieren lässt.

    Einzelverkäufe dürften gegen Null gegen, was auch mit der Preisgestaltung zu tun hat. Tabellenkalkulation und Textverarbeitung sind die Brot-und-Butter-Programme für “Stand-Alone”-Büro-PCs. Man braucht so gut wie immer beides, nimmt also einen etwas höheren Preis für Excel in Kauf und kriegt dafür Word, dessen Güte sich übrigens auch darin zeigt, dass es als Teil von “Works” mitverramscht wird, quasi umsonst.

    Ich hänge mich im Übrigen mal an R.A.s Argumentation dran.

    Es wäre m.E. ziemlich blind, wenn man nicht zur Kenntnis nähme, dass in bestimmten Situationen die Handlungen eines Anbieters nicht nur ihn und seine Kunden berühren, sondern aufgrund der Dominanz – ob man sie nun “Monopol” nennt oder nur “Fast-Monopol”, überlasse ich denen, denen das wichtig ist – auch erheblichen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft haben.

    Ich bin auch der Meinung, dass es mit dem Schutz von Eigentum allein nicht getan ist. Erst wenn dazu ein funktionierender Wettbewerb kommt, kann freiheitsbeschränkende Macht begrenzt werden. Es ist in meinen Augen Aufgabe des Staates, hier einen funktionierenden Rahmen zu schaffen. Auch den Vorwurf des Utilitarimus nehme ich gerne entgegen. Er ist unvermeidlich, wenn man das Wohl von Menschen gegenüber eisernen Prinzipien präferiert, es also nicht zulassen will, dass Mittel zu Letztzielen erhoben werden.

    Natürlich besteht immer die Gefahr, dass aus der Rahmengebung Interventionismus wird und aus Wettbewerbssicherung Willkür. Das ist dann eine Frage des Maßes. Die Dosis macht auch hier das Gift, aber das ist kein Grund, auf das Medikament zu verzichten.

  66. 20.09.2007 | 11:18

    Danke für den Link, aber wenn ich lese, dass die Maßnahmen der EU MS von Innovationen abhalten würden, kriege ich Lachkrämpfe. Ernsthaft.

    MS kann innovativ sein – ohne Frage. In der jüngsten Zeit war es das zweimal: Einmal bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche des neuen Office, einmal bei der Einführung von .NET. Beide Male sind nicht einer Monopolstellung zu verdanken, sondern im einen Fall deren konkreter Bedrohung, im anderen deren Abwesenheit. Die Behauptung, eine Monopolstellung veranlasse den Platzhirsch aus Angst vor Neueinsteigern zu ständigen Innovationen, halte ich für realitätsfern (wie man z.B. auch an Vista bewundern kann). Wahrscheinlich hat sie mit einer kompletten Überschätzung der Geschwindigkeit von Anpassungen zu tun.

  67. 20.09.2007 | 11:20

    Ach, eins noch:

    Zumal mir auch diese Leidenschaft für das eine oder andere Softwareprodukt total abgeht…;-)

    Das kann nichts mit unseren unterschiedlichen Positionen zu tun haben, denn auch bei mir gibt es für Software höchstens Präferenzen, aber keine Leidenschaft.

  68. R.A.
    20.09.2007 | 11:51

    Zuerst einmal volle Zustimmung zu allen drei Beiträgen von Rayson (das ist doch mal etwas Besonderes ;-)

    Und dann zum Intertic-Artikel:
    Sind diese Aussagen wirklich der aktuelle Stand der Wirtschafts-Wissenschaft?

    Das fände ich erschreckend.

    Die schreiben erst einmal richtigerweise:
    “The supply side of these markets are characterized by high overall costs of production with constant (and close to zero) costs to produce additional units of the product.”

    Und dann auch richtig:
    “As for the demand side, the market for operating systems is characterized by strong network effects; as more people use a particular operating system, its value increases for both consumers and software developers.”

    Und dann kommt der atemberaubende Schluß:
    “Since the entry into this market is free, the leader has to keep prices low to control for the entry of competitors and to keep upgrading the quality and functionality of its products.”
    Das ist schlichter Unsinn und entsprechend falsch sind die weiteren Folgerungen.

    Die Markteintrittskosten sind im Gegenteil sehr hoch, eben weil man einen Riesenbetrag für die Erstentwicklung hinlegen muß, aber keine Kosten spart, weil man anfangs nur wenige Exemplare produzieren muß.

    Und der Netzwerkeffekt sorgt dafür, daß der Marktführer sich vergleichsweise wenig Mühe geben muß, die Preise zu senken und die Qualität zu steigern.

    Das sah man auch beim MS-Beispiel: Erst wenn der Wettbewerb bei den Preisen oder der Qualität deutlich besser war als MS, mußte sich der Quasi-Monopolist ein bißchen bewegen.
    Ansonsten ernährt sich die Marktführerposition bestens selber, wenn man nicht große Fehler macht.

    Und dann geht es weiter:
    “The EC requested compulsory licensing of the Microsoft software code to its direct competitors.”
    Das geht am Kern vorbei.
    Es geht in erster Linie darum, Zugang zu Schnittstellen und Formaten zu bekommen. Die Software selber ist bedeutungslos.

    Und deswegen ist auch die Folgerung völlig neben der Sache:
    “The first and most obvious consequence of this will be a general disincentive to invest in innovation”
    Nichts bei den strittigen Punkten war in irgendeiner Weise innovativ.
    Niemand wollte Zugang zu irgendeiner von MS entwickelten Funktionalität haben – es ging alleine um Kompatibilität.

    Jetzt fragt sich nur: Haben die Autoren so wenig technisches Grundverständnis, um das Problem überhaupt zu begreifen?
    Oder werfen sie hier bewußt Nebelkerzen um von den Knackpunkten abzulenken.

  69. 20.09.2007 | 12:40

    @rayson:

    Der Internetexplorer ist nicht umsonst, denn schließlich müssen die Entwicklungskosten später wieder reinkommen. Also steigt der Preis etwas, aber die Kunden sind ja auch bereit für das Bündel mehr zu zahlen, weil sie kein Ärger mit zusätzlichen Installationen haben. Wenn der Browser keinen Einfluss auf den Absatz von Windows hätte, weshalb sollte sich MS dann die Entwicklungskosten aufbürden. Für mich macht die Argumentation daher Sinn.

    Am Beispiel Office erklärst du mir dann genau das, was ich vorher gesagt habe: Man zahlt für Excel etwas mehr, weil man damit Word fast geschenkt bekommt. Jemand der Word unbedingt haben will, lässt sich verführen etwas mehr zu zahlen um billig Excel einzustecken. Genau das ist die Strategie. Wenn jetzt eines der beiden Programme besser wird, steigert dass automatisch auch den Absatz des anderen im Bündel.

    Was die freiheitsbeschränkende Macht betrifft, scheint die unterschiedliche persönliche Betroffenheit von der Einschränkung der persönlichen Freiheit durch MS ausschlaggebend für die Differenzen zu sein. Weshalb ich mir hier besonders unsicher bin, ob die Dosis nicht schon zum Gift geworden ist.

    @R.A.:

    Die Markteintrittskosten sind in Relation zu anderen Märkten recht bescheiden. Niemand braucht für ein Softwareprogramm riesen Werkhallen und Maschinen anzuschaffen. Ein kluger Kopf und ein Notebook genügen, dass hat die Geschichte gezeigt (Stichwort Google).

    Das MS sich erst richtig bewegt, wenn die Konkurrenz besser wird ist klar. Für “besser” muss es ja erstmal eine Referenz geben.

    Für mich ist es durchaus plausibel, dass die Drohung der EU-Kommission immer dann zu regulieren, wenn es ans Absahnen geht die Bereitschaft zur Investition reduziert. Ich würde es genauso machen.

  70. 20.09.2007 | 13:19

    @SteffenH

    Der Mechanismus ist eine Einbahnstraße. Schon bei Office nicht, denn denjenigen, der “Word unbedingt haben will” und “sich verführen lässt, billig Excel einzustecken”, den gibt es in freier Wildbahn so gut wie gar nicht.

    Und wenn ich hier nicht die Existenz von Exoten gänzlich ausschließen will, so ist die Idee, der zusätzlich beigepackte Browser fördere den Absatz von Windows, in meinen Augen gänzlich absurd. Es gab ja bereits Browser für Windows, und dass die Aussicht, für so ein Teil nicht mehr ein paar Mark abdrücken zu müssen, die “Wahl” des Betriebssystems, die man als Privatmensch normalerweise eh kaum hatte, beeinflussen soll, kannst du der nächsten Parkuhr erzählen, aber nicht mir.

    Selbstverständlich hat MS einen Grund gehabt, seinen Browser zu verschenken. Es ging darum, das zu verhindern, was sich jetzt abzeichnet, nämlich dass das Betriebssystem auf dem Einzelplatz-System seine prägende Wirkung zugunsten des Netzes verliert. Das ist und war die typische MS-Reaktion auf Innovationen: Mit aller Kraft auf den fahrenden Zug aufspringen, die Lok kapern und das Ganze auf das im eigenen Besitz befindliche Gleisnetz leiten, wo man dann diverse Entgelte verlangen kann. Mal wurde es gut umgesetzt, mal weniger gut. MS versuchte zunächst immer, Wettbewerb und damit Wahlfreiheit auszuschalten, statt von der Leistungsfähigkeit der eigenen Produkte mühsam überzeugen zu müssen, und setzte dabei eben, so wie man das gelernt hatte, auf die Netzwerkeffekte. Im Internet kamen sie da wohl etwas zu spät, und die Konkurrenz hatte gelernt, dass es aussichtslos ist, gegen die Versuche von MS jeweils individuell eigene proprietäre Standards durchzusetzen zu wollen und schloss sich auf der Basis offener Standards zusammen. Die Firma Netscape abzuschießen, hat es zwar noch gereicht, aber noch im Fallen hat diese dem Riesen mit der Freigabe des Codes ein Ei ins Nest gelegt.

    Wenn man will, kann man rückblickend die rücksichtslose Monopolstellung von MS als Auslöser dieser industrieweiten Einsicht, von der jetzt alle profitieren, betrachten und somit gutheißen. Aber wenn man sich ansieht, wie hart der Weg dahin war und welche großen Umwälzungen von Geschäftsmodellen dazu erforderlich waren, dann hätte die Sache auch schief gehen können.

    Persönliche Betroffenheit spielt übrigens bei mir auch keine Rolle. Höchstens erlebe ich, seitdem ich privat fast ausschließlich Linux nutze, erstmals konkret, zu was einen das MS-Monopol vorher richtiggehend gezwungen hatte, wie man da vom Anbieter gegängelt wurde, der als Alleinherrscher überall Prokrustes-Betten aufstellte.

  71. R.A.
    20.09.2007 | 14:15

    @Steffen:
    > Die
    > Markteintrittskosten
    > sind in Relation
    > zu anderen Märkten
    > recht bescheiden.
    Aber dieser Vergleich ist doch völlig unwichtig!
    Die Markteintrittskosten müssen doch in Relation gesetzt werden zu den Kostenstrukturen der schon im Markt befindlichen Teilnehmer (insbesondere des Marktführers) und zu den Gewinnchancen.

    Wenn Du im Prinzip dieselben Einmalkosten hast wie der Marktführer, dieser fast keine Mehrkosten hat, wenn er sehr viele Exemplare herstellt – und Du deine Kosten mit viel weniger Verkäufen bestreiten mußt, dann ist ein Markteintritt extrem schwer.

    Es ist auch heute noch fast ausgeschlossen, daß wirklich ein kommerzieller Anbieter neu in den Markt der PC-Betriebs-Systeme einsteigt. Die Barrieren sind viel zu hoch.

    Wir reden hier also überhaupt nur über neu entstehende Teilmärkte für neue Anwendungen. Da ist der Markteintritt gut möglich – aber eben nur, wenn MS nicht den Joker des Betriebssystem-Monopols spielt.

    > die Drohung der
    > EU-Kommission
    > immer dann zu
    > regulieren, wenn
    > es ans Absahnen
    > geht
    Ich sehe keine solche Drohung.
    Absahnen ist in der EDV- oder anderen Branchen problemlos möglich, und die Kommission interventiert da nicht.

    Sie interveniert nur, wenn es um den Mißbrauch einer Monopolstellung geht, so häufig ist das nicht.

  72. 20.09.2007 | 15:34

    @R.A.:

    Ich glaube nicht, daß Quasi-Monopol und IP-Rechte völlig getrennt zu behandeln sind, sondern halte sie eher für zwei Seiten einer Medaille. Gut, kann man diskutieren.

    Was die Elster betrifft, so würde ich hier aber nicht MS die Schuld geben. Das halte ich eher für einen (wahrscheinlich typischen) Fall von Behördenignoranz, wie sie immer dann zustande kommen dürften, wenn Beamte ihren Horizont für das Ende der Welt halten. Das hielte ich z.B. auch noch für wesentlich wichtiger, als MS zu irgendwas zu zwingen: Öffentliche Stellen konsequent in die Pflicht nehmen, offene Standards, zumindest auch zu unterstützen. Wenn Behörden eine solche “Windows hat doch eh jeder, das ist doch mit PC identisch” Einstellung an den Tag legen, dann kotzt mich das nämlich mehr an, als alle miesen Tricks von MS zusammen.

  73. 20.09.2007 | 17:03

    Wir reden hier ja auch nicht um den Wettberb um Betriebssysteme, sondern um Anwendungssoftware. Darum geht es auch den Wettbewerbshütern der EU. Sicherlich erlaubt eine Netzökonomie nur wenige Anbieter. Im Markt für Anwendungen sieht das jedoch ganz anders aus. Hier herrscht m. E. ein erstaunlich hoher Wettbewerb, wenn die Netzwerkeffekte nicht so groß sind. Aber das sagst du ja selbst. Und hier kommt, wie David auch feststellt, die Frage der IPRs ins Spiel. Es gibt gute Gründe keine Patente für Software und Standards zu vergeben, aber ich halte es eben auch nicht für legitim den Versuch des privaten Schutzes von Eigentumsrechten (soweit der Quellcode geistiges Eigentum ist und per Compilation geschützt wird) staatlich zu torpedieren. Ebenso kann ich nicht nachvollziehen, warum das Bundling von Software zu einer unüberwindbaren Markteintrittsbarriere führen sollte. Hier wäre dann zu Fragen, wieso gleiches Verhalten von Google, mit seiner Vielzahl von Gratisprogrammen, anders zu bewerten wäre.

    Insofern stimme ich auch Rayson zu, dass der Patentschutz in der Summe innovationsfeindlich wirken kann. Aber das Unvermögen von Herstellern sich gegen den IE oder Mediaplayer und die Bequemlichkeit der Konsumenten durchzusetzen zu können, obwohl diese Programme vermeidlich schlechte Qualität haben kann ich nach wie vor nicht als Grund für das Eingreifen der Wettbewerbspolitik erkennen. Aber ich glaube ich wiederhole mich…

  74. 20.09.2007 | 17:23

    Und um mich auch noch zu wiederholen und es damit auf meinen Punkt zu bringen: Es ist sehr wohl ein Grund für Eingreifen der Wettbewerbspolitik, wenn sich alle Anbietern derart anstrengen müssen bis auf ausgerechnet den, der eine gegebene Monopolsituation auf andere Märkte versucht auszudehnen. Es geht nicht darum, den anderen Anbietern einen Gefallen zu tun, sondern einen Wettbewerb zu ermöglichen, der sich einstellen würde, wenn der Anbieter des Betriebssystems nicht auch der Anbieter von Anwendungssoftware wäre.

  75. R.A.
    20.09.2007 | 17:41

    @David:
    > Ich glaube nicht,
    > daß Quasi-Monopol
    > und IP-Rechte
    > völlig getrennt
    > zu behandeln sind,
    Sagen wir mal so: IP-Rechte können das Problem noch deutlich verschärfen – aber bei der hier diskutierten MS-Vergangenheit spielten sie kaum eine ROlle.

    > Was die Elster
    > betrifft, so
    > würde ich hier
    > aber nicht MS
    > die Schuld geben.
    Richtig.
    Das war nur ein Beispiel dafür, daß man eben dem Problem in der Praxis oft nicht so leicht entgehen kann mit “Linux und Open Office”.

  76. R.A.
    20.09.2007 | 17:49

    @Steffen:
    > Wir reden hier
    > ja auch nicht
    > um den Wettberb
    > um Betriebssysteme,
    Auch, weil die “Beweisführung” des Intertic-Artikels da ja erst recht gelten müßte – und das Gegenbeispiel OS zeigt, daß deren Argumentation völlig absurd ist.

    > Im Markt für
    > Anwendungen sieht
    > das jedoch ganz
    > anders aus. Hier
    > herrscht m. E.
    > ein erstaunlich
    > hoher Wettbewerb,
    Aber eben nur dort, wo MS eben nicht seine durch das OS errungene Stellung ausnutzt.

    Das ist doch der Knackpunkt: Solange im Anwendungsbereich fair gespielt wird, gibt es einen harten Wettbewerb mit erheblicher Innovationskraft und Kundennutzen.

    Und genau der wird abgewürgt, wenn man MS seine Manöver erlaubt hätte.

    > Es gibt gute
    > Gründe keine
    > Patente für
    > Software und
    > Standards zu
    > vergeben, …
    Das ist m. E. ein völlig getrenntes Thema.

    > wieso gleiches
    > Verhalten von
    > Google, mit seiner
    > Vielzahl von
    > Gratisprogrammen,
    > anders zu bewerten
    > wäre.
    Weil weder Google ein Monopol bei den Suchmaschinen hat, noch irgendeine feste Kopplung zu den übrigen Programmen besteht.

    Ich kann völlig problemlos mit Altavista suchen und trotzdem Google Maps verwenden.

  77. 20.09.2007 | 18:11

    Es ist übrigens nicht völlig uninteressant, dass dieses Urteil des europäischen Gerichts das US-Justiministerium zu einer öffentlichen Kritik verleitet.

    We are, however, concerned that the standard applied to unilateral conduct by the CFI, rather than helping consumers, may have the unfortunate consequence of harming consumers by chilling innovation and discouraging competition.

    Da wir wohl davon ausgehen können, dass der Nutzen der europäischen Verbraucher das US-Justizministerium auch nicht die Bohne interessiert, dürfen wir einen anderen, dafür aber um so eindeutigeren Anlass vermuten. Wirtschaftliche Macht ist schlecht, politische Macht ist übel, aber ihre personelle und ideologische Vermischung sind zum Kotzen.

  78. 20.09.2007 | 18:18

    @rayson:

    falls du mal zeit hast, lies doch mal den Artikel “Competition Policy for the New Economy” von Federico Etro. Der umreist in die Gründe ganz gut, warum ich die Lage anders einschätze als ihr.

    @R.A.:

    Deinen ersten Punkt verstehe ich nicht, ich sage nur auf diesem Markt ist schlichtweg mit keiner anderen Situation zu rechnen, weil jeder Anbieter unter den gegebenen Kosten- und Nachfragestrukturen wie MS agieren würde. Und ich behaupte eben, dass diese Situation auch nicht eindeutig so zu interpretieren ist wie ihr es hier seht. Das hab ich hier schon mehrmals gesagt und man kann diese Sichtweise im o.g. Paper noch elaborierter, wenn auch nicht ganz einfach, nochmal nachlesen.

    Damit muß ich leider aus der Debatte aussteigen…

  79. 21.09.2007 | 1:14

    @Stefanolix:

    Bei Knuth muß ich gerade wieder an den Artikel von Martin auf seinem Blog kürzlich denken, Über Musik, Philosopie, Wissenschaft und Poesie. Knuth war meines Wissens der erste, der eine mathematische Theorie (Conways surreale Zahlen) in Form einer Novelle veröffentlicht hat. Gelesen habe ich die aber leider noch nicht.

  80. R.A.
    21.09.2007 | 12:14

    @Steffen:
    > Deinen ersten
    > Punkt verstehe
    > ich nicht
    Wir reden hier über zwei verschiedene Szenarien.

    Einerseits den Eintritt in einen neuen Markt.
    Wer jetzt eine völlig frische Idee für EDV-Anwendung findet, hat relativ geringe Markteintrittskosten.

    Anders ist das bei einem Markt, bei dem sich ein Marktführer schon klar etabliert hat – wie eben MS bei Betriebssystemen oder Office.
    Da sind die Markteintrittskosten verdammt hoch, das kann man als Neuling de facto vergessen.

    Intertic bringt die Gründe dafür auf Angebots- und Nachfrageseite – und zieht dann den komplett verkehrten Schluß daraus.
    Und da sage ich: Wenn dieser Artikel den “state of the art” der aktuellen WiWi repräsentiert, dann wird es übel.

    > weil jeder Anbieter
    > unter den gegebenen
    > Kosten- und
    > Nachfragestrukturen
    > wie MS agieren
    > würde.
    Aber doch nur bei neuen Produkten!

    Wenn MS oder Anbieter X ein Programm für die Schweinezucht auf den Markt bringen, agieren sie unter fairen Bedingungen.

    Wenn MS aber sein OS-Monopol ins Spiel bringt und der Konkurrenz damit die nötigen Grundlagen wegnimmt, ist die Sache für X gelaufen.

    Wer einen neuen Markt erschließt, muß immer damit rechnen, daß er von MS platt gemacht wird, sobald dieser neue Markt lukrativ genug erscheint.
    DAS ist eine echte Innovationsbremse.

  81. 21.09.2007 | 12:47

    Nein, die Netzwerkeffekte laden jeden Anbieter dazu ein sich wie ein dominanter Marktführer zu verhalten und die Rolle fielnunmal auf MS. Um diese dominante Rolle zu halten müssen sie aber eine aggresive Rolle fahren, die du ausschließlich als Verhinderungstaktik siehst, andere aber auch als Innovationsdruck. Die Warheitliegt sicherlich irgendwo dazwischen, sonst säßen wir heute noch an DOS-PCs. Der Punkt ist, dass Brüssel den Wettbewerbern hilft und MS schadet. Welche Innovationswirkung das hat kann keiner sagen, da zwar auf der einen Seite der Innovationsanreiz steigt, beim Leader aber der Anreiz zur Innovation sinkt. Was dominiert ist unklar, genauso wie die Frage, ob dem Konsumenten damit geholfen ist oder nicht. Eine aufmerksame Lektüre des Intertic-Papers macht das transparent. Im Übrigen, auch bei dir macht der Ton die Musik. ;-)

  82. 21.09.2007 | 12:54

    “Die Warheitliegt sicherlich irgendwo dazwischen, sonst säßen wir heute noch an DOS-PCs.”

    Ich nicht ;-)

  83. 21.09.2007 | 15:05

    [...] Auch wenn einige Blogger das etwas anders sehen, für mich ist die kritische Analyse der Wettbewerbspolitik im Microsoft-Fall von Frederico Etro in "Competition Policy for the New Economy" überzeugend. [...]

  84. R.A.
    21.09.2007 | 16:37

    @Steffen:
    > die Netzwerkeffekte
    > laden jeden
    > Anbieter dazu ein
    > sich wie ein
    > dominanter
    > Marktführer zu
    > verhalten …
    Richtig.
    Und das alleine ist noch völlig in Ordnung.

    Ein Marktführer kann mit weniger Innovation mehr Geld verdienen und hat strukturelle Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten.

    Und diese müssen sich sehr anstrengen und sehr innovativ sein, um dagegen anzukommen.

    Das ist alles ein schöner Wettbewerb und sehr förderlich, bis entweder der Marktführer seine Stellung so ausbaut, daß er fast ein Monopol hat – dann kann der Wettbewerb zusammenbrechen, weil keiner mehr gegen den Vorsprung ankommt.

    Das ist für die Kunden dann ziemlich schlecht – und das war die Situation mit dem Windows-Quasi-Monopol so ab Mitte der 90er.

    Aber es war immerhin ein Monopol, daß im Markt selber halbwegs ehrlich erkämpft worden ist – da darf m. E. ein Kartellamt nur eingreifen, wenn der Schaden für die Kunden wirklich zu heftig würde.

    Ganz anders dagegen ist die Lage, wenn in einem Markt (Office-Systeme) Wettbewerb herrscht – aber dann ein Konkurrent mit seinem extern erreichten OS-Monopol den Wettbewerb rauskickt.
    Das ist ziemlich innovationsfeindlich, und da ist m. E. durchaus ein Eingreifen zur Erzwingung fairer Bedingungen statthaft.

    > Um diese dominante
    > Rolle zu halten
    > müssen sie aber
    > eine aggresive
    > Rolle fahren, die
    > du ausschließlich
    > als
    > Verhinderungstaktik
    > siehst, …
    Wie schon gesagt, die normalen Vorteile eines Marktführers gestehe ich gerne zu – nicht aber den Rückgriff auf das OS-Monopol, wenn es um Anwendungsprogramme geht.

    > Der Punkt ist,
    > dass Brüssel den
    > Wettbewerbern
    > hilft und MS
    > schadet.
    Natürlich, das war der Sinn des Eingreifens.
    Wobei ich konkret die Sache beim Mediaplayer für recht doof halte – so ein Bundling halte ich noch für wenig problematisch.

    Die Schnittstellen waren der Knackpunkt.

    Wie schon oben gesagt: Die Prozesse in den USA und der EU waren für sich genommen nicht so wirksam. Aber ohne diese hätte MS noch ganz andere Schikanen verwenden können.

    > da zwar auf der
    > einen Seite der
    > Innovationsanreiz
    > steigt, …
    Der Investitionsanreiz bei den Wettbewerbern ist solange da, solange sie noch Aussicht haben, wenigstens einen Teil des Marktes zu behalten.
    Wenn sie dagegen platt gemacht werden, bringen sie auch keine Innovation mehr.

    > beim Leader aber
    > der Anreiz zur
    > Innovation sinkt.
    Der Leader hat deutlich weniger Anreiz zur Innovation. Ihm reicht es in der Regel, mitzuschwimmen und in halbwegs erträglicher Zeit nachzuziehen.
    MS hat m. W. auch nie selber eine Innovation gebracht, sondern immer nur kopiert.

    > Eine aufmerksame
    > Lektüre des
    > Intertic-Papers
    > macht das
    > transparent.
    Ich habe es sehr aufmerksam gelesen und die Fehler genannt, die ich da sehe. Da habe ich auch noch keine Widerlegung gesehen.

    > Im Übrigen, auch
    > bei dir macht der
    > Ton die Musik.
    Wenn das in Bezug auf Deine Person oder Deine Beiträge so angekommen wäre, würde mir das leid tun, das war bestimmt nicht meine Absicht.

    Wenn ich aber meine, in den verlinkten Texten Unfähigkeit oder Falschaussagen zu entdecken, dann möchte ich auch weiterhin deutlich formulieren.

  85. 21.09.2007 | 17:01

    Das mit den Innovationen sehe ich nicht so. Geht es um den Bereich der Betriebssysteme können sie sich nicht hängen lassen, weil sie sonst Marktanteile an die konkurrierenden System verlieren. Gerade in den vergangenen Jahren ist der Konkurrenzdruck durch Apple (Preise gesenkt) und Linux (Nutzerfreundlichkeit) erhöht enorm gestiegen. MS hat darauf reagiert und seine Betriebssysteme ebenfalls an den neuen Bedarf angepasst und das nicht nur bei den PCs. Auch bei mobilen Endgeräten haben sie zugelegt, wie etwa bei den PDAs, die bis vor kurzen noch eine Palm-OS-Domäne waren. Ob sie immer nur kopiert haben kann ich nicht beurteilen, aber ich kann ein derartig drastisches Urteil auch nicht glauben. Bei den Office-Systemen kann ich deine Kritik auch nicht nachvollziehen, weil mir immer noch nicht klar ist, weshalb vorherige Nicht-MS-Marktführer auf Windows durch ein Schnittstellenproblem die Marktführerschaft verloren haben. Auch wenn MS-Office-Programme Fremdstandards nicht unterstützen würde würde sich ein wirklich innovatives Programm dennoch durchsetzen, weil diese ja die Formate der Office-Produkte unterstützen könnten. Auch ist es nicht so, dass es keine alternativen Textverarbeitungsprogramme gibt (CorelWordPerfekt OfficeX3, TextMaker TM 2006, OpenOffice, StarOffice, PapyrusOffice). All diese Programme haben zwar keinen großen Marktanteil, sind aber innovativ und auch nicht platt. Ich sehe also nicht, weshalb das Hegemoniestreben von MS tatsächlich zu den von dir beschriebenen katastrophalen Folgen geführt haben soll. Weshalb ich ganz auf der Seite der Intertic-Leute bin…

  86. 21.09.2007 | 17:11

    Bei den Office-Systemen kann ich deine Kritik auch nicht nachvollziehen, weil mir immer noch nicht klar ist, weshalb vorherige Nicht-MS-Marktführer auf Windows durch ein Schnittstellenproblem die Marktführerschaft verloren haben.

    Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, da kenne ich mich nicht hinreichend aus; aber was gemeint ist, sind Betriebssystemschnittstellen deren Bekanntheit beim Schreiben von Software wesentliche Fortschritte verschafft; was R.A. sagte war ja auch, daß MS dafür gesorgt habe, das Konkurrenzprogramme nicht mehr sauber liefen. Und das ist dann schon eine Möglichkeit, einen Konkurrenten einigermaßen niederzumachen. Es ist auch genau das, was mit der Nutzung von Vorherrschaft im OS-Bereich zur Erlangung von Vorherrschaft im Anwendungsbereich gemeint ist. Und besonders perfide dabei ist natürlich auch, daß die durch das Betriebssystem verursachte Instabilität der Anwendung wohl eher dieser zugeschrieben wird – weil dem Nutzer schlicht eine solide Beurteilungsgrundlage fehlt.

  87. 21.09.2007 | 17:12

    Fortschritte -> Vorteile

  88. 21.09.2007 | 17:43

    @David:

    Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, dass die Verlierer im Office-Markt aufgrund ihrer Instabilität vom Markt verschwanden, zumal ja kaum eines von diesen wirklich verschwand. Wordperfect und Star-Office gibt es nach wie vor, wenn teilweise unter anderem Eigentümer. Andere sind dazugekommen. Wieder andere sind bereits vor langer Zeit vom Markt verschwunden. Die Ursache ist also nicht monokausal. Das musste ich wegen Kompatibilitätsproblemen ausrangieren. Was die Instabilität betrifft können sich ja MS-Office-Programme ja nicht grad sonnen, die benehmen sich nicht weniger bockig wie ihre Konkurrenten. Mein Lotus Ami Pro damals war wesentlich stabiler als das Word. Allerdings kann man Stabilitätsprobleme auch nicht immer nur dem Betriebssystem in die Schuhe schieben, ebenso wie umgekehrt.

  89. R.A.
    21.09.2007 | 17:44

    @Steffen:
    > Geht es um den
    > Bereich der
    > Betriebssysteme
    > können sie sich
    > nicht hängen
    > lassen, weil sie
    > sonst Marktanteile
    > an die
    > konkurrierenden
    > System verlieren.
    Solange es diese noch gibt!
    Das ist doch der Punkt.

    MS war schon dicht dran am Monopol, die meisten Konkurrenten waren schon platt, nur noch Apple lebte noch in einer Nische, aber ziemlich im Niedergang.
    Und das war nicht die Zeit, wo es im OS-Bereich besonders innovativ zuging, das war schon eher schleppend.

    Daß dann Linux kam war aus Sicht der Theorie eine Anomalie.
    Denn die ganze Frage von Markteintrittskosten stellt sich natürlich bei Open Source völlig anders dar.

    Ein normales Unternehmen wäre in diesen Markt nicht mehr reingekommen, siehe z. B. Next und Be.

    Auch Apple hat nur die Kurve gekriegt, weil es noch die Kraft hatte, auf den Unix-Zug aufzuspringen.
    Und es mußte extrem viel Innovation hinlegen, um Windows wieder wenige Prozent Anteil abzunehmen.

    > Ob sie immer nur
    > kopiert haben kann
    > ich nicht
    > beurteilen, aber
    > ich kann ein
    > derartig
    > drastisches Urteil
    > auch nicht glauben.
    “Immer” ist in der Tat ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt.
    Irgendwo wird MS vielleicht auch mal ein paar kleine Innovationen geschafft haben – aber das war marginal, mir fällt wirklich kein Beispiel ein.

    > weshalb vorherige
    > Nicht-MS-
    > Marktführer auf
    > Windows durch ein
    > Schnittstellenproblem
    > die
    > Marktführerschaft
    > verloren haben.
    Siehe dazu Davids Antwort und weiter oben Andreas Spengler.

    Wobei es unmöglich sein wird, hier einen wasserdichten Nachweis zu führen.

    Das ist auch für eine Grundsatzdiskussion nicht wirklich nötig.
    Fakt ist ja, daß die Anti-Trust-Gesetze in den USA so etwas verbieten.
    Offen konnte MS das also gar nicht machen.

    Der Punkt ist aber: Deiner Meinung nach wären genau diese Gesetze unnötig bzw. illegitim, weil sie MS in seinen Eigentumsrechten beschneiden.

    Ohne solche Gesetze aber hätte MS deutlich mehr machen können, als David und ich und andere unterstellen – es wäre ganz schlicht möglich gewesen, die Ausführung von nicht genehmigter Software technisch zu verhindern.

    > Weshalb ich ganz
    > auf der Seite der
    > Intertic-Leute bin…
    Dir ist aber klar, daß ich Intertiv wegen logischer Widersprüche kritisiere, nicht wegen unterschiedlicher Interpretation der Historie?

  90. 25.09.2007 | 18:37

    [...] Mit dem Kopf voran 25.09.2007 um 18:37 UhrEin Ausreißer?von: steffenh   Kategorie: Blogosphäre Ganz zufällig bin ich im Internet auf den Leserbrief eines Softwareentwicklers gestoßen, der eine etwas andere Perspektive der Microsoft-Debatte als bei den Leuten von B.L.O.G. repräsentiert: [...]

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