Fragen für Niedersachsen

Als Niedersachse mit politischem Interesse schreibe ich hin und wieder mal meinem Ministerpräsidenten e-Mails.
Ich frage ihn, warum er mein Steuergeld zum Fenster hinauswirft, in dem er das Land an Großunternehmen beteiligt.
Ich frage ihn, warum er die Freiheit des kleinen Kneipenbesitzers einschänkt, in dem er ihm vorschreibt, dass er nur noch Nichtraucher als Kunden akzeptieren darf.

Ich frage dies und jenes. Meistens, nein eigentlich immer bekomme ich auch eine Antwort.
Hin und wieder natürlich von seinen Mitarbeitern, ab und zu kommt aber auch mal ein recht persönlich gehaltener Brief von Wulff selbst. Alles in allem finde ich die Art der Kommunikation sehr angenehm und aufmerksam. Anders als übrigens mit der niedersächsischen Landes-FDP. Die antwortet meist überhaupt nicht.

Nun gibt es eine neue Plattform, auf der Bürger Fragen an den Ministerpräsidenten stellen können.
Es ist einerseits natürlich ganz interessant, was gefragt wird. Interessant ist aber auch das Konzept der Plattform: Die Nutzer bewerten die Fragen der Anderen, in dem sie ihnen zustimmen oder die Frage ablehnen (Ex-DOLer werden sicher ein déjà vu erleben).
Das ist allerdings nicht ganz schlüssig. Einer Frage zuzustimmen oder sie abzulehnen kann man ja entweder, in dem man der hinter der Frage stehenden Kritik (meist handelt es sich ja darum) zustimmt oder nicht. Oder man hält die Frage für mehr oder weniger wichtig und drückt dies mit seiner Stimme aus.
Jedenfalls werden dem Konzept nach die Stimmen gezählt und die bestplatzierten Fragen werden an Wulff weitergeleitet, der sie dann beantwortet. Ich halte das von der Idee her für zweifelhaft, weil natürlich nur Fragen durchgehen, die von der Mehrheit der Benutzer inhaltlich geteilt werden. Das mag demokratisch sein, dürfte aber eben auch die Mängel der Demokratie aufzeigen: Minderheiten (und als böser Neoliberaler zähle ich mich dazu) haben keine Stimme mehr.

Schauts euch gelegentlich mal an. Ist halt eine neue Form der Kontaktaufnahme mit den Politikern, die von “Studenten und Wissenschaftlern verschiedener Hochschulen” (so heißt es offiziell, offensichtlich scheint aber die FU Berlin federführend zu sein) erfunden wurde.

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12 Kommentare zu “Fragen für Niedersachsen”

  1. 28.09.2007 | 10:44

    Bewerten ohne Bimbes? Kann das gehen?

    Aber etwas ernsthafter:Ich bewundere deine Hartnäckigkeit. Wird die denn wenigstens durch inhaltlich ergiebige Antworten belohnt?

  2. 28.09.2007 | 10:49

    Doch, doch. Die Antworten stellen mich natürlich nicht zufrieden, weil der gute Wulff noch nie von mir bekehrt wurde und von seiner, natürlich falschen, Meinung abgerückt ist. ;-)
    Aber eine gewisse aufgebrachte Anstrengung, seine Position zu begründen, ist durchaus festzustellen.

  3. R.A.
    28.09.2007 | 11:18

    Zwischen dem MP und der Landes-FDP gibt es einen wesentlichen Unterschied: Wulff hat einen Stab von Referenten, die Du als Steuerzahler bezahlst, und die solche Antworten schreiben können.

  4. 28.09.2007 | 11:29

    @R.A.

    Als Regierungspartei wird die niedersächsische FDP wohl auch ein paar Ressourcen für derlei Aufgaben haben, oder?

  5. FG
    28.09.2007 | 11:34

    @ Boche

    Wenn sie so korrupt sind wie im Geschäft beinahe üblich und die Verwaltung für die Parteiarbeit heranzuziehen, dann mit Sicherheit schon. Ansonsten bringt Regierungsbeteiligung nicht mehr Ressourcen für die Partei mit sich.

  6. 28.09.2007 | 11:41

    @FG

    Was sollte uns also zur Annahme veranlassen, dass die von dir genannte Bedingung nicht zutrifft?

  7. 28.09.2007 | 12:08

    Wulff hat einen Stab von Referenten, die Du als Steuerzahler bezahlst, und die solche Antworten schreiben können.

    Und wir als Baden-Württemberger müssen via Länderfinanzausgleich auch noch mitbezahlen. Böser Boche!

  8. 28.09.2007 | 12:49

    Danke Klaus!

  9. R.A.
    28.09.2007 | 12:55

    @Boche:
    Der Status “Regierungspartei” bringt dem Landesverband keinen Cent mehr!

    Die Regierungsbeteiligung bringt einen anderen Vorteil: Natürlich haben auch die beiden FDP-Minister steuerfinanzierte Referenten für die Öffentlichkeitsarbeit.

    Wenn Du einen dieser Leute anschreibst, wäre das mit dem MP vergleichbar.

    Wobei ich übrigens auch von einem Landesverband vernünftige Antworten erhoffen würde - aber ich kenne die Verhältnisse in Wiesbaden, die sind sehr dünn besetzt.

  10. 28.09.2007 | 18:33

    Frag doch mal bitte die niedersächsische FDP, wie sie es mit liberalen Grundsätzen vereinbaren kann, die Mindestlöhne bei der Post mitzutragen?!

  11. 28.09.2007 | 20:59

    Die niedersächsische FDP hat so einiges mitgetragen. Was soll ich die fragen? Erstens antworten die mir nicht. Und dann kenne ich die mögliche Antwort schon vorher: Sie sind der kleinere Koalitionspartner und müssen sich eben fügen. Ich soll nicht meckern sondern eintreten und mitgestalten. Etc. pp.

  12. 3.10.2007 | 0:49

    als Neoliberaler bei DOl kann ich gut nachvollziehen wie schwer es ist bestimmte umfragen zu platzieren ;-P

    Grundsätzlich sehe ich die Idee dahinter positiv über das Internet etwas Bürgernähe zu simulieren.

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