Wieder vereinigt

Als west-ost-deutsche Mischmannschaft hätte uns BLOGies vielleicht etwas zum gestrigen Jahrestag einfallen können.

Mir ist nichts eingefallen. Vielleicht, weil der dritte Oktober in meiner persönlichen Erinnerung nicht der Tag war, der haften bleibt. Das war eher der Tag des Mauerfalls (den ich allerdings in der Kaserne eingesperrt verbrachte).
Und vielleicht der Tag, an dem ich schwerbewaffnet ins nächtliche Berlin geschickt wurde, weil am nächsten Tag der “Klassenfeind” den “antifaschistischen Schutzwall” zu stürmen gedachte. (Meinte unser Regimentskommandeur. In Wirklichkeit waren es die Künstler und – gibt es das Wort eigentlich noch? – Kulturschaffenden, die zur größten 89er-Wende-Demonstration aufgerufen hatten.) Zum Glück blieben wir mit unseren Waffen tatenlos sitzen und beschränkten unsere wenigen Kontrollgänge darauf, westdeutschen Neugierigen den Weg zur Demo zu weisen.

Wir vom BLOG haben also nichts geschrieben. Aber beim Spreeblick ist etwas Lesenswertes zum Thema erschienen. Aus westdeutscher und eher linker Sicht. Aber recht einfühlsam und ehrlich, wie ich finde.

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19 Kommentare zu “Wieder vereinigt”

  1. 4.10.2007 | 12:54
  2. 4.10.2007 | 13:04

    Bratwurst? Bäh.

  3. FG
    4.10.2007 | 15:06

    Mein Gott, da ist endlich mal einer – wenn auch aus meiner Sicht jetzt nur virtuell – , der zur gleichen Zeit wie ich in einer Kaserne saß und das auf der anderen Seite. Manche mögen es für emotionalen Pathosquatsch halten, aber ich finde es aus der damaligen Sicht beinahe unglaublich, dass wir hier uns jetzt einfach so über Gott und die Welt balgen können.
    Eigentlich eine Sache, die man einmal im Jahr etwas feiern könnte.

  4. 4.10.2007 | 16:01

    @FG

    Wo du Recht hast, hast du Recht. :-)

  5. 4.10.2007 | 16:17

    Wobei mir immer noch entgeht, was es an der Wiedervereinigung eigentlich zu feiern gibt. Von mir aus hätten wir drauf verzichten können.

  6. 4.10.2007 | 16:46

    Ja, die erlangte Freiheit ist das eigentlich zu Feiernde. Die Wiedervereinigung war wohl unvermeidlich, ist aber an sich auch nichts, was mich in Hochstimmung versetzt.

  7. scipio
    4.10.2007 | 19:01

    @Boche

    Mit der erlangten Freiheit können leider die meisten Deutschen wenig anfangen.60-70% der Leute würden ja nach den neuesten Umfragen lieber in einem Staat leben, im dem alle gleich und weitgehend von der Verantwortung für das eigene Leben befreit sind. Daß das wiederum auf einen autoritären Staat hinausliefe, ist ihnen egal. Schaurig.

  8. 4.10.2007 | 20:24

    @scipio

    Die Sehnsucht nach einem sozialistischen Schlaraffenland, die sich in diesen Umfragen ausdrückt, würde ich nicht überbewerten. Schließlich bleibt die Mehrheit der Demokratie ja trotz allem treu.

  9. 4.10.2007 | 22:22

    @scipio:

    Hat man die Leute auch gefragt, ob sie auch ihren alten Schwarzweißfernseher, den klapprigen Trabi und die Wahl zwischen Müritz oder Storkower See als Urlaubsdomizil zurück haben möchten? Oder versucht den ganzen schönen Schnickschnack gleich mitzunehmen? Ich brauche nur in mein Elternhaus zu schauen, wo ich meinen Vater sehe, der zwar dem Osten verstohlen hinterherheult, aber gleichzeitig seinen Swimmingpool, wenn es sein muss mit Waffengewalt verteidigen würde.

    Ich vertraue da lieber, dem was ich täglich sehe, praktizierte Präferenzäußerungen, nicht Sozialkonformismus im Angesicht eines Interviewers, der in Halle-Süd oder Dresden Prohlis eine repräsentative Stichprobe für Ostdeutschland erhebt. Die Schlangen vor jedem neueröffneten Mediamarkt sind definitiv länger als die beim Arbeitsamt…

  10. scipio
    4.10.2007 | 23:26

    @SteffenH

    Na ja, die haben ja nicht gesagt, daß sie die alte DDR zurückhaben wollen. Sie kommen eben mit der- in ihren Augen- freiheitsbedingten Ungleichheit nicht zurecht. Die stellen sich eher eine modernisierte DDR bei vollem westlichen Lohnausgleich vor.

  11. 5.10.2007 | 9:18

    Hab da lustigerweise gestern auf BILD.de so ein lustiges Video – passend zum Thema – gesehen… kanns aber leider net mehr finden… Mist…

  12. 5.10.2007 | 12:47

    @Rayson
    > Von mir aus hätten wir drauf verzichten können.

    Worauf, auf’s Feiern oder die “nationale Einheit”, die das Ende der Tätätärä bedeutete?

    “Wir” wurden ohnehin nicht gefragt – aber abgesehen davon: ICH bin froh, dass die rote Verbrecherbande und ihr “Experiment” weg ist, jedenfalls die gröbsten Errungenschaften des Sozialismus.

    Indes arbeiten andere an der Wiedererrichtung. Auf kräft’gen Samtpfoten natürlich, so klug sind die allemal.

  13. 5.10.2007 | 13:01

    @Bodo Wünsch

    Worauf, auf’s Feiern oder die “nationale Einheit”, die das Ende der Tätätärä bedeutete?

    Aufs einig Vaterland. Der Rest Mitteleuropas erlangte schließlich auch seine Freiheit wieder. ohne der Bundesrepublik Deutschland beizutreten. Sozial und wirtschaftlich hat die Wiedervereinigung wahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Aber da sehe ich es wie Boche: Vermeiden ließ sich das wohl nicht.

  14. 5.10.2007 | 14:33

    @Rayson,
    Aufs einig Vaterland.
    Das hatte ich nämlich befürchtet.

    Sozial und wirtschaftlich hat die Wiedervereinigung wahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen angerichtet

    Verstehe das, wer wolle. Vor allem wirtschaftlich, ne wohr? Doof aber auch, dass es in der BRD (noch) keinen Fünfjahresplan gibt. Langweilig auch, dass man sich beim Schlange stehen mangels Schlange nicht so gut mit der Nachbarin unterhalten kann. Ein echter Rayson, ein echter B.L.O.G. eben…

    Ich bin nun wirklich alles andere als ein ‘Etatist’, geschweige denn Patriot, gar Nationalist: Es war doch die kulturelle Nähe, die zur (von mir durchaus neutral bewerteten staatlichen) Einheit geführt hat. Wenn die BRD der DDR beigetreten wäre, und die Mauer halt heute am Rhein stünde, wäre Rayson nur dann Blogger, wenn er “rübergemacht” hätte.
    Guckstu Nordkorea, guckstu Myanmar. Danke für die Aufmerksamkeit.

  15. 5.10.2007 | 14:38

    Nö, so krass kann man doch nicht falsch verstehen. Oder doch?

  16. 5.10.2007 | 14:40

    “Es war doch die kulturelle Nähe, die zur (von mir durchaus neutral bewerteten staatlichen) Einheit geführt hat.”

    Was genau meinst Du mit “kulturelle Nähe”?

  17. 5.10.2007 | 14:48

    @Bodo Wünsch

    Ich gönne dir ja gern dein Bild von einem “echten” Rayson und einem “echten” B.L.O.G., aber wenn das zu einem drastischen Abfall deines Textverständnisses führt, solltest du das vielleicht überdenken.

    Oder aber – dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil – mir ist entgangen, dass in Ungarn, Tschechien und Polen Fünfjahrespläne erstellt werden und die Menschen vor den Geschäften Schlange stehen. Und dass dort die politische Freiheit mit der Nordkoreas vergleichbar ist. Dann wäre der Beweis natürlich erbracht, dass Freiheit für ehemals realsozialistische Staaten ohne Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland nicht zu erlangen ist.

  18. 5.10.2007 | 23:20

    “Kulturschaffende” habe ich letztens erst in einer Vorlesung gehöhrt. Naja aber der Prof war schon ein älterer Jahrgang.

  19. 5.10.2007 | 23:47

    Stammt er aus dem Osten?

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