7. Oktober 2007
Fiat iustitia et pereat mundus
“Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde”
Was taugt ein Rechtssystem, das von denen, die es zu beachten haben, genau so wenig verstanden wird wie von denen, die den eigentlichen Souverän ausmachen? Einen befreundeten, wenn auch politisch nicht mit uns übereinstimmenden Blogger hat es wieder mal getroffen. Nach zwei Abmahnungen kam die erste einstweilige Verfügung. Alles rechtens, wie sich ein anscheinend unvermeidlicher Wahladliger mit nicht wirklich unumstrittenen Arten des Gelderwerbs in der Kommentarsektion bemüht zu versichern. Unsereins nimmt zur Kenntnis, dass gewisse Dinge dem Urheberrecht unterliegen, und kann damit trotz aller Skepsis gegenüber dem Konstrukt “geistiges Eigentum” noch einigermaßen umgehen, aber wenn es allein nur noch der Rechtsunkundige ist, der erkennt, dass der Kaiser nackt bzw. ein fotografiertes Brötchen alles andere als ein hochwertiges künstlerisches Werk ist, dann scheint sich da etwas von seiner eigentlichen Aufgabe in einer Art zu emanzipieren, deren gesellschaftlicher Nutzen erst noch zu entdecken wäre.
Was ist eigentlich von einem Künstler/Urheber zu halten, der vom Missbrauch seiner Kunst/seines Werks mehr profitiert als von einer legalen Verwertung? Welche Anreize setzt ein System, in dem so etwas möglich ist? Ich glaube, beide Fragen kann man als rhetorische betrachten. Sie bilden aber leider deutsche Rechtswirklichkeit ab.
Halten wir uns doch an einen Radikalen, was die Durchsetzung höheren, gar göttlichen Willens angeht. An einen, der sinngemäß gesagt hat, dass es nicht ausreiche, sorgsam ausformulierte Gesetze einzuhalten, sondern dass es viel mehr darum gehe, ihren Sinn zu verinnerlichen. Von diesem Fundi stammt nämlich auch folgende schöne Mahnung: “Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat” (Mk 2, 27)
Verfasst von Rayson um 16:46 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Innenpolitik, Politik (Trackback)