11. Oktober 2007
Wie lange, sagten Sie?
Als Mitglied des Internationalen Controller Vereins e.V. beziehe ich einen wöchentlichen “Njuhslätta”. Dessen für mich wichtigster Teil ist “Controller’s Witz”. Treffend ist der fast immer, nur manchmal lohnt es sich, auf die Treffpunkte genauer einzugehen. Die letzte Version lautet so:
Bewerbungsgespräch mit dem Controller-Kandidaten. Ausbildung und
berufliche Erfahrungen erfüllen offensichtlich perfekt die
Anforderungen. Alle Punkte sind abgehakt, da fragt der kaufmännische
Geschäftsführer: „Sind Sie verheiratet?“
„Nein“, pariert der Kandidat die vermeintliche Fangfrage. „Aber ich tue
trotzdem alles, was man mir sagt.“
Das Familienbild soll jetzt hier nicht das Thema sein. Fragen Sie im Zweifel Frau Herman.
Interessanter erscheint mir die, weil das Einverständnis des Lesers voraussetzende, Annahme zu sein, Menschen würden in einem Unternehmen eingestellt, im das zu tun, was “man” ihnen sage. Diese Annahme mag auf gering qualifizierte Jobs grob gesehen noch zutreffen. Aber spätestens, wenn man sich als Unternehmen gute Fach- und Führungskräfte ins Haus holt, tut man das doch eigentlich weniger, um diese dann doch nur Anweisungen von oben abarbeiten zu lassen. Und Toyota hat gezeigt, dass auch beim angeblich geringsten Arbeiter ein Know-How entsteht, das nicht zu nutzen ein enormer Management-Fehler wäre.
Der scheinbare Widerspruch ist natürlich aufzuklären: Auch Menschen in Führungspositionen haben nicht das Interesse desjenigen im Auge, der sie bezahlt, sondern vor allem ihr eigenes. Und wie das in Hierarchien nun einmal üblich ist, bevorzugt man dort als Mitarbeiter Gefolgsleute und keine unabhängigen Denker. Selbst wenn eine Idee eines “Subalternen” den Aktionären Fantastilliarden bringen würde, wäre sie für den Manager so lange uninteressant, wie er nicht exklusiv die Lorbeeren ernten könnte.
Als Liberaler freut man sich über diese eingebaute Ineffizienz großer Unternehmen.
Verfasst von Rayson um 20:05 Uhr in der Kategorie Wirtschaft (Trackback)