Nobelpreise

Unsere Universitäten sind entsetzlich schlecht. Das ganze System stimmt nicht. Wir müssen dringend etwas tun. Seht nur, die anderen sind es, die ständig die Nobelpreise abräumen…

Das wurde uns in den letzten Jahren ständig gepredigt. Und ich habe es wahrgenommen, manchmal sogar weitergetragen, auf jeden Fall geglaubt. Und an unserem System herumgemäkelt, mit wirklichen, zahlenmäßigen Belegen. Das war ein Fehler, wie ich heute verstehe. Denn natürlich sagen die Nobelpreise der letzten zehn Jahre nichts über unser Bildungs- und Universitätssystem der letzten 30 Jahre aus.

Auch die beiden Nobelpreise, die in den letzten Tagen zwei Deutsche erhalten haben, sagen natürlich nichts über unser jetziges System aus. Sondern nur über das, das vor 15-20 Jahren hier geherrscht hat. Aber ich bin jetzt skeptischer, wenn jemand Nobelpreise als Argument anführen will, wenn er über unser aktuelles universitäres System spricht. Versprochen.

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9 Kommentare zu “Nobelpreise”

  1. 12.10.2007 | 7:35

    Dazu ein Artikel in der Zeit: http://www.zeit.de/online/2007/41/nobelpreis-chemie-kommentar?page=1

    Beide Nobelpeisträger forschten nicht an einer Uni.

  2. 12.10.2007 | 8:39

    Diejenigen, die das ständig gepredigt haben, sind meiner Erfahrung nach Dünnbrettbohrer, die auf das schnelle Paper aus sind. Es ist die Ausrede dafür, dass sie nichts zustande bringen. Es ist die akademische “die Gesellschaft ist schuld”-Variante.

    Dabei waren sie meistens selbst als Post Doc in den USA und wissen, was man anders und besser machen kann. In Deutschland aber klappt es nicht mehr so wie es in ihrer Anfangstagen. (Die damals neue Theorie bei der es immer was zu entdecken gab, ist nämlich ausgelutscht).

    Und dann ist natürlich das System schuld. Und damit lenken die Professoren geschickt davon ab, das gerade sie es in der Hand haben was zu ändern. Wer, wenn nicht die? Die Politiker etwa? Auf jeden Fall könnten sie in ihrer Arbeitsgruppe etwas tun. Da aber zeigt sich, dass sie nur gute - das bedeutet in Wahrheit fleißige - Laborratten waren aber keine Chefs sind, die Personal nur knechten aber nicht führen können.

  3. Libero
    12.10.2007 | 10:42

    Beide Nobelpeisträger forschten nicht an einer Uni.
    1. Das ist bei den deutschen Nobelpreisträgern fast die Regel und nicht die Ausnahme.
    2. Diese Institutionen abseits der Universitäten sind von Friedrich Althoff und von Friedrich Schmitt-Ott für die Forschung geplant wurden
    3. Sind viele Forscher dieser Institutionen in Personalunion an Universitäten tätig. Beispiel MPI Mühlheim

  4. Libero
    12.10.2007 | 10:44

    @Marc

    Siegfried Bär
    Forschen auf Deutsch
    ISBN 3817114143

  5. 12.10.2007 | 11:45

    Kenn’ ich. Das bittere: Das Buch wurde vor 14 Jahren zum ersten Mal aufgelegt und ist noch aktuell.

  6. Libero
    12.10.2007 | 12:59

    @Marc

    Kenn’ ich.
    das habe ich schon vermutet und ich vermute, dir kommt das in diesem Buch Beschriebene ebenso vertraut vor wie mir.

    Das bittere: Das Buch wurde vor 14 Jahren zum ersten Mal aufgelegt und ist noch aktuell.

    aber immer noch nicht von allen gelesen, die es lesen sollten

  7. 12.10.2007 | 20:31

    Eben, Libero hat den wichtigsten Punkt angesprochen: Der letzte deutsche Nobelpreisträger, bei dem ich mir sicher bin, daß er tatsächlich an einer Universität gearbeitet hat, war Selten. Alle anderen sind doch eigentlich an Forschungsinstituten und haben mit der Lehre nichts mehr zu tun.

    Um mal ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern: Man hätte es bei Berufungsverfahren wesentlich leichter, wenn man guten Bewerbern eine dauerhafte Reduzierung ihres Lehr- und Verwaltungsdeputats anbieten könnte. Geht dienstrechtlich aber nicht. Große amerikanische Unis locken gute Forscher mit der Aussicht auf eine geringe Lehrverpflichtung, manchmal nur ein Seminar im Jahr. Trotzdem haben die Unis viel von diesen Leuten, da sie Doktoranden und Post-Docs auf extrem hohem Niveau betreuen.

    Aber versucht mal, in Deutschland durchzusetzen, daß ein Spitzenforscher von seinen 8-9 Semesterwochenstunden Pflichtdeputat runterkommt. So gut wie unmöglich.

  8. 13.10.2007 | 0:26

    Gebt die Bildung frei und nicht nur das scheiß Hanf!

  9. 13.10.2007 | 9:08

    @statler: Der angebliche Spitzenforscher. den ich erlebt hatte, hatte sein Lehrdeputat ganz simpel auf die Habilitanden und PDs abgewälzt. Als Direktor eines medizinischen Instituts hatte er die Macht dazu (und das Argument, dass die ja Erfahrung in der Lehre bräuchten). Letztendlich hat er in drei Jahren drei einzelne Vorlesungen gehalten: Die Antrittsvorlesung, eine Fachvorlesung und seine Abschiedsvorlesung.

    Da frage ich mich wirklich, warum man nicht Lehrbeauftragte einstellt, die gerne Lehre machen und ihre Weisungen vom Prof bekommen oder irgendeiner Qualitätsprüfung unterliegen. Ohne Knute und Kontrolle geht es nicht, sonst lesen die 20 Jahre lang aus dem Ordner vor, den sie vor dem Mauerfall mal erstellt haben.

    Ich vermute auch, dass es eine Selbstegulation geben würde. Ein Prof, der sie nie in einer Vorlesung blicken lässt, wird wohl auch weniger Frischfleisch bekommen, dass sich willig durch den Wolf drehen lässt. Weil ihn keiner kennt. Naja, und dann wäre natülich auch mal Transparenz angesagt, damit offen ist, wer seine Mitarbeiter wie behandelt. Aber bei sowas ist man ja immer noch auf den Flurfunk angewiesen.

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