13. Oktober 2007
Vorschlag
Wer etwas nicht anders ausdrücken kann als mit Hilfe eines Nazi-Vergleichs, sollte besser schweigen.
Ich habe bislang nicht einen einzigen Fall erlebt, in dem ein solcher Vergleich eine Diskussion bereichert hätte - im Gegenteil, das Erwähnen der modernen Chiffre für das absolute Böse führt immer dazu, dass sich die Reihen schließen, die Visiere heruntergeklappt werden und das Rückenmark die Herrschaft übernimmt.
Man sagt auch, allzu groteske Nazi-Vergleiche seien geeignet, die Verbrechen des Dritten Reiches zu verharmlosen. Das trifft es wohl nicht ganz. Aber sie erreichen eins: Sie stumpfen ab, sie lassen das Gefühl für die Monstrosität dieser Taten verblassen. Wer Nazi sagt, meint natürlich vor allem immer auch den Holocaust. Es gibt aber zwischen dem und einem Leben in Frieden und Freiheit schon genug Dinge, die mit aller Macht zu bekämpfen sind. Wo liegt der Sinn darin, alles mit einer Tat zu vergleichen, die doch gleichzeitig als singulär, als unvergleichlich angesehen wird? Wenn schon der Vergleich mit den Verbrechen des Kommunismus eben aus diesem Grund unangebracht ist, um wieviel mehr muss das dann für all das gelten, was in typischen Internet-Diskussionen dafür herangezogen wird.
Der Verzicht auf diese Sprachschablone würde dazu führen, dass in Diskussionen wieder mehr argumentiert statt etikettiert werden müsste. Man müsste sich inhaltlich auseinandersetzen und verdeutlichen, was konkret an der Position des anderen zu kritisieren ist, statt vorher abzubrechen, indem man als erster den überall herumliegenden Joker zu spielt. Das wiederum brächte manchen fast gänzlich zum Verstummen, aber so ist das eben mit dem Unterschied zwischen Lärm und Musik…
Verfasst von Rayson um 11:09 Uhr in der Kategorie Allgemein, Blogosphäre (Trackback)