Das Phantom “MSM”

Die Klagen über die bösen “Mainstream Media” sind in allen extremen politischen Lagern reichlich vertreten. Selbstverständlich sieht man als jemand, der im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit ist, in allen Publikationen, die diesem simplen Fakt nicht Rechnung tragen, Elemente einer feindlichen Verschwörung, sei es nun eine der Neoliberalen oder der Muslime und ihrer Dhimmis. Und wie sicher ist sich der Linke, dass es entweder der reiche Medienmogul ist oder die sich zur Unterjochung der Bevölkerung zusammenrottenden Anzeigenkunden, die den Inhalt dessen bestimmen, was in den Medien gedruckt oder gesendet wird.

All jenen, die sich hier wiedererkennen, empfehle ich, den folgenden Link zu ignorieren. Das, was dort steht, ist nicht ideologiekompatibel.

Aber es ist wirklich interessant, was Ökonomen über die “Objektivität von Medien” herausgefunden haben. Quintessenz: Medien bringen vor allem das, was ihre Leser/Zuschauer erwarten, beeinflussen aber andererseits auch deren Sichtweisen.

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20 Kommentare zu “Das Phantom “MSM””

  1. Ben
    29.10.2007 | 20:37

    Der vom Handelsblatt zitierte Artikel von DellaVigna und Kaplan (Ergebnis: Fox-News hat fuer Bush die Wahl gewonnen) passt schon sehr gut zur Hypothese, dass der reiche Medienmogul (Murdoch) bestimmt was gedruckt und gesendet wird und dadurch seine politischen Ziele durchsetzt. Ganz fern der Realitaet ist die dann wohl doch nicht…

  2. 29.10.2007 | 20:48

    @Ben

    Das scheint aber ein singulärer Fall zu sein. Vielleicht gibt es Unterschiede zwischen den Medien und bei konkreten Situationen.

  3. 29.10.2007 | 20:49

    Denn dass es in den USA eine konservative Klientel gibt, die genau das hören will, was FOX bringt, wird auch niemand bestreiten.

  4. 29.10.2007 | 21:07

    @ Ben: ja darüber habe ich mich auch schon gewundert, denn letztlich zeigen die Studien, dass die Vorwürfe nicht ganz unbegründet sind, sie taugen nur nicht für extremes scharz-weiß-Denken.

    @ Rayson: ich verstehe dein Anliegen nicht. Warum sollte es nicht legitim sein wenn politische Minderheiten (links/rechtsextrem, erzliberal, stockkatholisch etc.) auf den Mainstream schimpfen, weil Mainstream ist nun mal “Medien bringen vor allem das, was ihre Leser/Zuschauer erwarten”. Da müsste man die Nörgler schon fragen: “Wie definierst du MSM?” um sich Klarheit zu verschaffen was darunter verstanden wird. Erst wenn damit Gleichschaltung der Medien verstanden wird, würde deine Kritik treffen. Dass politische Randgruppen (darunter fallen auch konsequente Liberale hier im Land) gerne schwarz-weiß malen ist wirklich nichts neues.

    Wem es ein Dorn im Auge ist, dass Medien sich nach Anzeigenkunden und Lesern richten was ihre politische Einstellung betrifft, wird natürlich auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verweisen, die haben solche Probleme so gut wie nicht - im Idealfall ;-)

  5. 29.10.2007 | 21:14

    Erst wenn damit Gleichschaltung der Medien verstanden wird, würde deine Kritik treffen.

    War nicht klar, dass es gerade darum geht, wenn jemand von MSM redet?

    die haben solche Probleme so gut wie nicht - im Idealfall ;-)

    Solche Probleme wie, das zu bringen, was die Konsumenten wollen? Das ist dann wiederum ein eigenes Problem ;-)

  6. 30.10.2007 | 8:46

    Wenn ich mir unsere “Leitmedien” so ansehe, liegt das Problem weniger in einer “Gleichschaltung” und ganz bestimmt nicht darin, dass es Drahtzieher im Hintergrund gibt.

    Das Problem liegt in der Qualität der Berichterstattung - was man dank Internet inzwischen mühelos herausfinden kann. (Siehe auch:
    Stefan Niggemeier, PI und die Überlegenheit der Blogosphäre.) Mangelhafte Recherche, Gesinnungsjournalismus und leider auch Verleger, die genau da Sparen, wo die eigentliche Arbeit geleistet wird, an den Redaktionen.

    Was hilft? Die “Abstimmung mit den Füssen”, sowohl der Abonnenten / Käufer wie der Anzeigenkunden ist ja längst im Gange. Allmählich müssten die Verlage die wirklichen Ursachen dafür erkennen …

  7. 30.10.2007 | 9:19

    @MartinM

    Die Abstimmung mit den Füßen funktioniert aber nur, wenn man irgendwo hin gehen kann. Ich aber habe arge Probleme, eine deutsche Tageszeitung zu bekommen, die meinen Vorstellungen von Qualität entspricht.

  8. R.A.
    30.10.2007 | 10:40

    In der Tat, das Hauptproblem ist die fehlende Qualität.
    Kann man es Marktversagen nennen, wenn niemand eine Zeitung rausbringen will, die gewisse journalistische Mindeststandards erfüllt?

    Und das zweite Problem sind m. E. die Staatsmedien.
    Es ist weniger problematisch, daß sie genauso schlecht sind wie die privaten.
    Aber das Problem ist, daß sie weithin als qualitätvoll und neutral gelten und eine Aura der “offiziell bestätigten Wahrheit” verbreiten.
    Dann werden die Fehler wirklich ärgerlich.

  9. Markus Oliver
    30.10.2007 | 12:09

    “Die Abstimmung mit den Füßen funktioniert aber nur, wenn man irgendwo hin gehen kann. Ich aber habe arge Probleme, eine deutsche Tageszeitung zu bekommen, die meinen Vorstellungen von Qualität entspricht.”

    Genau meine Meinung. Warum gibt es in Deutschland keine Zeitung mit einem Op-Ed? Angebllich sind die ja alle so neutral.

    Dann das Propagandafernsehen aus ARD und ZDF.

    Schließlich wäre da noch Ziffer 12 des Pressekodex, der eine Diskussion über eine vernünftige Zuwanderung schon am Anfang die Luft wegnimmt.

  10. agga agga
    30.10.2007 | 12:11

    @Rayson
    Auch wenn es uns manchmal anders vorkommen mag (und in Deutschlad in den Medien meist etwas anderes behauptet wird), FOX und Konsorten lehnen sehr in Richtung Democrats, von Unterstützung für die Konservativen kann da kaum die Rede sein.

  11. 30.10.2007 | 13:04

    @R.A.

    Kann man es Marktversagen nennen, wenn niemand eine Zeitung rausbringen will, die gewisse journalistische Mindeststandards erfüllt?

    Nein. Wollen wir erstens mal nicht zu schwarz sehen - eine Reihe von Zeitungen erfüllen die “journalistischen Mindeststandards” schon noch. Und zweitens ist es immer bitter, wenn man feststellt, dass aufgrund eigener Entscheidungen und der anderer die offensichtlich dringenden Verwendungen der Ressourcen andere sind.

    @agga agga

    Das widerspricht aber der im Handelsblatt-Text beschriebenen Untersuchung.

  12. agga agga
    30.10.2007 | 14:04

    @Rayson

    Ja tut es. Das Handelsblatt ist aber nicht das Maß aller Dinge. Es widerspricht auch dem Spiegel, und auch der ist ja leider nicht mehr das, was er mal war. Genau das ist ja das Problem mit MSM, eigentlich hat jedes Medium seine Agenda die es bewusst oder unbewusst an den Konsumenten heranträgt.

  13. 30.10.2007 | 14:28

    Der Fisch liest eine Zeitung nur, wenn sie ihm schmeckt…

    … das ist die nicht ganz neue, aber nu auch wissenschaftlich fundierte Sicht auf die Befangenheit der Medien.
    In einem zweiten Schritt verglichen die Forscher ihr Ergebnis zur Ausrichtung der Zeitung mit den politischen Einstellungen ihrer Leser …

  14. 30.10.2007 | 14:48

    @agga agga

    Das Handelsblatt habe ich nicht als Autorität zitiert, sondern als Quelle, wo mehr über die wissenschaftliche Untersuchung zu finden ist, die Grundlage der Behauptung ist.

  15. R.A.
    30.10.2007 | 14:52

    @Rayson:
    > Nein.
    Schade.
    Dann muß ich weiter warten, um mal endlich ein Beispiel für das sogenannte “Marktversagen” zu finden.

    > eine Reihe von
    > Zeitungen erfüllen
    > die
    > “journalistischen
    > Mindeststandards”
    > schon noch.
    Das ist schon richtig.
    Die meisten Zeitungen sind schon halbwegs mittelmäßig, d.h. durchaus über “Mindeststandard”.

    Aber es gibt eben keine Zeitung einer Qualität, die mich zu einem Abo reizen könnte.

    Für eine wirklich qualitätvoll gemachte Zeitung, mit wirklich recherchierten Beiträgen (nicht nur aus dpa blind kopiert), mit kontroversen Kommentaren, mit fundierten Hintergründen - dafür wäre ich schon bereit, ein gutes Stück Geld monatlich hinzulegen.

    Und ich bin mir sicher, daß ich hier kein Einzelfall bin, daß es viele zehntausend Leute in Deutschland gibt, die ähnlich denken.

    Das wäre dann kein Massenmarkt à la BILD, aber müßte sehr wohl lukrativ sein.
    Warum gibt es nur keinen Verleger, der sich dieses Geld verdienen will?

  16. 30.10.2007 | 15:01

    Der Zeitungsmarkt ist nicht gerade einer mit besonderem Wachstum, im Gegenteil. “Lukrativ” ist da eher wenig, und der Trend geht eigentlich ja mehr in Richtung Anpassung an den Massengeschmack (siehe diverse “Relaunches” bekannter Blätter).

  17. agga agga
    30.10.2007 | 17:06

    @Rayson
    Ok, wir haben glaube ich etwas aneinander vorbei geredet. Hab gerade nochmal den Artikel aufgerufenn, und die reden von FOX News, nicht von FOX. Da sind sich glaube ich die mmeisten einig, dass FOX News eher konservativ berichtet, während FOX liberaler eingestuft wird.
    Wir hatten also beide recht ;)

    Ein weiterer interessanter Artikel zum Thema wie liberal/konservativ die Medien in den USA so sind (im Bezug auf die Wahl 2004 geschrieben) mit Statistiken findet sich hier:
    http://www.mediaresearch.org/SpecialReports/2004/report063004_p1.asp

  18. Mathias
    30.10.2007 | 18:20

    @agga agga

    …was dann eine weitere Metaebene eroeffnet: Auch “media research” Betreibende haben oftmals eine Agenda. Gluecklicherweise wird die bei deinem Link gleich mitgeliefert: “Media Research Center — The Leader in Documenting, Exposing, and Neutralizing Liberal Media Bias”. Als in den USA lebend kann ich ueber die Behauptung des “liberal media bias” echt nur lachen, auch wenn ich im Laufe dieses jahres einige Verschiebungen (subjektiv) habe feststellen koennen. Wenn CNN einen Gegenspieler zu Lou Dobbs (Rick Sanchez mit “Out in the open”) ins Programm hebt und selbst in den neuen Folgen von “Law and Order” der patriot act beschimpft wird, dann sind das Anzeichen, dass das amerikanisch-politische Pendel wieder mehr nach links schwingt.

  19. R.A.
    30.10.2007 | 18:25

    @Rayson:
    > Der Zeitungsmarkt
    > ist nicht gerade
    > einer mit
    > besonderem
    > Wachstum, …
    Und das sollte normalerweise Signal sein, etwas innovativer zu werden.

    Vor Internetzeiten ist mir ja gar nicht aufgefallen, daß viele Artikel so schlecht recherchiert sind und daß so oft blind dpa abgeschrieben wird.

    D.h. früher hätte ich gar keinen Bedarf (und damit Zahlungsbereitschaft) für besseren Journalismus gehabt.

    Es könnte schon sein, daß die Nachfrage nach einer echten Qualitätszeitung inzwischen ziemlich groß wäre, die Klagen über die Medien nehmen doch zu.

  20. agga agga
    30.10.2007 | 19:17

    Hallo Mathias,
    stimme dir da natürlich zu, irgendeine Agenda hat im Endeffekt wohl jeder. Beim Handlsblatt kam es mir zum Beispiel so vor, als dass sie nicht unbedingt nur “objektiv” feststellen wollten, wie sehr die Medien uns beeinflussen, sondern auch gleich noch einen Grund mitliefern wollten, warum denn nur dieser Bush gewählt wurde. Da schwingt schon fast wieder diese Idee mit, Bush hätte die Medien alle unter seiner Fuchtel.

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