Memorial und die Opfer des Stalinismus

Arsenij Roginskij und seine Mitstreiter von der Moskauer Menschenrechtsorganisation Memorial, verankert in den Dissidententraditionen der Sowjetzeit, haben sich stets als die Anwälte sowjetischer Repressionsopfer empfunden. Jetzt, zum 70. Jahrestag der größten Verfolgungswelle unter dem Stalin-Regime, wollen sie den Opfern ihre Namen zurückgeben - in Zeiten, in denen in Russland wieder öfter die, wie es heißt, “positiven Seiten” der Stalin-Ära betont werden. Roginskij:

“Allein in Moskau sind in den Jahren 1937/38 über 33.000 Menschen erschossen worden. Nicht eine einzige Gedenktafel in dieser Stadt erinnert an sie! Nicht eine einzige! Wenn wir heute die Namen nennen, dann tun wir dies stellvertretend für diese fehlenden Gedenktafeln. Alle 30 Sekunden fällt das Wort: ‘Ras’strelen’ - ‘Erschossen!’- Das soll an die Rechtlosigkeit erinnern. Und nur wenn wir das tun, wird uns klar werden, wie dringend wir einen Rechtsstaat benötigen”.

(Ausschnitt aus: Den Opfern wieder einen Namen geben. Die schwierige Erinnerung an den Stalin-Terror in Russland. Von Robert Baag, Deutschlandradio. Links hinzugefügt, M.W.)

Die Enkelin Nikita Chruschtows hält Wladimir Putin langfristig für gefährlicher als Stalin, den vollkommenen Einzelgänger.

P.S.: Darf Stalin in Peking weinen? - Stalin darf nicht weinen

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2 Kommentare zu “Memorial und die Opfer des Stalinismus”

  1. 31.10.2007 | 0:17

    Ja, Putin könnte potenziell gefährlicher als Stalin sein. Putin ist hochintelligent, er hat gegenüber Stalin die besseren sozialen Kompetenzen und vor allem: er ist der bessere Rollenspieler, er kann sich gut verstellen, niemand kann sich sicher sein, was er *wirklich* vorhat. Stalin war im Vergleich durchschaubar. (Eine klassische Kompetenz eines gute Geheimagenten - und Putins KGB-Karriere deutet darauf hin, dass er ein sehr guter Geheimdienstler war.) Vor allem schein Stalin paranoid (im Sinne einer psychischen Auffälligkeit, nicht im umgangssprachlichen Sinn) gewesen zu sein. Am Ende seiner Lebens war Stalin krankhaft misstrauisch.
    Putins “russisches Misstrauen” ist dagegen wahrscheinlich genau so gespielt wie seine frühere demokratische Gesinnung.

  2. 31.10.2007 | 0:23

    “Nach Angaben der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik versuchte er im Jahre 1990, einen Spionagering aus ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit aufzubauen. Da aber die von Putin ausgewählte Zentralfigur schnell zum Verfassungsschutz überlief, flog der Ring auf.” Noch 1990 … sagt eigentlich alles.

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