Die Vorratsdatenspeicherung und das Selbstverständnis der Gesellschaft

Heise online berichtet über den Endspurt zu den Protestaktionen gegen die Vorratsdatenspeicherung:

Journalisten, Mediziner, Juristen und Datenschützer haben noch einmal eindringlich vor der geplanten Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten gewarnt und zu Protestkundgebungen in über 35 Städten am Dienstag aufgerufen.

Das hier scheint mir dann aber doch etwas übertrieben (Link ergänzt):

Werner Lohl vom Berufsverband Deutscher Psychologen erwartet gar schwere Auswirkungen auf das Selbstverständnis der Gesellschaft durch die (…) Vorratsdatenspeicherung (…). Mit dem schweren Eingriff in die Autonomie der Bürger drohe deren Entmündigung, sagte der Datenschutzbeauftragte der Vereinigung. “Das persönliche Erkennen der Speichertatsache wird Befangenheit in der Kommunikation und befremdliches Vermeidungsverhalten auslösen”, konstatierte Lohl. Das “beklemmend unklare Gefühl des Überwachtwerdens” dürfte konkret etwa eine Zurückhaltung bei der Meinungsäußerung in digitalen Medien oder schon bei der Internetsuche auslösen.

Das “beklemmend unklare Gefühl des Überwachtwerdens” schütteln die meisten Mensch doch sofort ab, sonst wäre die Videoüberwachung nicht so beliebt:

Die geringsten Einwände haben die Bundesbürger gegen die Videoüberwachung von Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen - nur 18 Prozent lehnen dies ab. (Quelle: STERN, via Netzpolitik; Kritik an diesen Ja/Nein-Umfragen hat Kai Raven schon vor zwei Jahren geübt. Eine differenziertere Umfrage findet sich hier: ULD-Umfrage zur Videoüberwachung)

Und “Befangenheit in der Kommunikation” wird mittlerweile schon von den Web2.0-Werkzeugen ausgelöst; dazu braucht es keine Vorratsdatenspeicherung.

Das haben andere bissige Liberale bisher zum Thema geschrieben:

It’s the EU, stupid! (Rayson, 25.04.2007)

Der Kreis schließt sich (Rayson, 26.04.2007)

Von kleinen Fingern und ganzen Händen (Rayson, 03.08.2007)

Mit wem hast Du gestern telefoniert (stefanolix, 29.10.2007)

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2 Kommentare zu “Die Vorratsdatenspeicherung und das Selbstverständnis der Gesellschaft”

  1. 3.11.2007 | 13:32

    Wenn staatliche Interventionen doch nur tatsächlich derartige Verhaltens- und psychologische Auswirkungen entfalten würden, dann wäre zumindest ein spürbarer Widerstand zu erwarten. Leider ist dies nur wünschenswert, aber nicht realistisch. Gerade in Deutschland herrscht meist das Prinzip “Akquieszenz”. Sozusagen der Preusse in uns…

  2. nstehlik
    4.11.2007 | 9:49

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