3. November 2007
Religion und Liberalismus
Das Thema “Religion” meide ich in der Regel lieber; es ist mir unangenehm, meine religiösen Überzeugungen darzulegen und die Darlegung der religiösen Überzeugungen anderer Menschen aufzunehmen. In dieser Hinsicht bin ich mit meinem geschätzten Blog-Herbergsvater Rayson an den Falschen geraten - neulich habe ich mich sogar dazu hinreißen lassen, ihm quasi begütigend die Hand auf die Schulter zu legen.
Und was macht mein Leib-und-Magen-Blatt? Fällt mir in den Rücken! Mir, dem unter liberalen deutschen Bloggern Weltberühmten! Der Economist hat nicht nur den dieswöchigen Titel für das Thema Religion reserviert, sondern es sogar zum Schwerpunktthema der gesamten Ausgabe gemacht!
euro|topics, die von mir schon einmal gelobte Presseschau aus dem Hause Perlentaucher, präsentierte heute einen kurzen Auszug aus dem Leitartikel von John Micklethwait, aus welchem ich ein noch kürzeres Zitat bringen möchte, in dem sich Micklethwait mit zwei Gruppen auseinandersetzt, die sich seiner Meinung nach mit der veränderten Rolle der Religion in der Politik schwer tun:
Zum einen sind es Politiker, vor allem Außenpolitiker. Realpolitik kann mit dem Irrationalen nicht viel anfangen. (…) Die andere Gruppe (…) sind Liberale. Wenn die religiöse Überzeugung schlicht unvernünftig erscheint – zum Beispiel wenn Schulen Kreationismus lehren –, ist es leicht, Einwände zu erheben. Aber in vielen Fällen gibt es liberale Argumente auf beiden Seiten. (…) Ist es liberal, einen Angestellten der British Airways davon abzuhalten, ein Kruzifix zu tragen? Wessen Rechte werden beeinträchtigt, wenn die Mehrheit der Insassen in einem türkischen Bus den Fahrer darum bittet anzuhalten, weil sie beten möchten?
Verfasst von Marian Wirth um 00:00 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Politik (Trackback)