Gelb ohne Blau geht gar nicht

Eintrag in die Liste der Dinge, die ich besser hätte bleiben lassen: Meiner Liebsten versprechen, für sie einen Brief mit unbekanntem Porto noch am Dienstagnachmittag “zur Post” zu bringen. Von drei angefahrenen Filialen bzw. “Service-Filialen” bestachen drei durch interessante, aber wenig hilfreiche Öffnungszeiten (z.B. 11-14 Uhr). Und so tat ich das, was von einem braven Postkunden erwartet wird: Ich fuhr zum Postamt in der Stadt und reihte mich in die Endlosschlange ein, die ja sozusagen als USP dieses Wahnsinnsunternehmens angesehen werden muss.

Gut, es gab da mal eine Filiale in meiner Nähe, die um 17 Uhr noch zugänglich war und in der man nie lange warten musste. Wahrscheinlich aber war das mit dem World Class Service Level eines monopolistischen Global Players nicht vereinbar, und so wurde dieses Ausbund an Verschwendung geschlossen. Wenigstens hält der Gilb einen auf Trab: Zur Suche nach Briefkästen kommt jetzt noch die nach geöffneten Filialen.

Was ich über die Versuche denke, Herrn Zumwinkels Managementsimulation mit diversen Tricks (darunter z.B. die Mindestlöhne, die gerade für eine der beliebten Unpolitik-Inszenierungen herhalten dürfen) vor Konkurrenz zu schützen, kann sich der Leser oder die eine Leserin dieses Blogs vielleicht denken.

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8 Kommentare zu “Gelb ohne Blau geht gar nicht”

  1. Sascha Pölka
    13.11.2007 | 23:36

    Aber wenn dann das Paket nochmal 2€ mehr kostet nörgelt auch jeder. Einsparungen und niedrige Preise gehören halt doch irngedwie zusammen.

    Gruß Sascha
    ——————–
    spoelka@mac.com

  2. 14.11.2007 | 0:03

    Es gibt Einsparungen und Einsparungen. Im Wettbewerb wird man tunlichst vermeiden, am Nutzen zu sparen, den der Kunde aus dem Produkt oder der Dienstleistung zieht. Das kann sich nur ein Monopolist erlauben. Nur durch ein dezentrales, chaotisches Verfahren lässt sich aufdecken, wie Kundennutzen und geringstmögliche Produkt- bzw. Prozesskosten aufeinander am besten abgestimmt werden können. Das Verfahren hat einen Namen: Markt.

  3. Lina
    14.11.2007 | 8:55

    Die eine Leserin (woher willst Du wissen, dass es nicht doch mehrere gibt?) hält nichts von Monopolen wie dem der Post und verachtet deren Servicegebaren zutiefst.

    Die eine Leserin hält sich (weil sie sich auch so ungern in Schlange anstellt) demgemäss einen grösseren Vorrat an Briefmarken, hat eine Briefwaage und das Internet, um ihr Porto zu bestimmen. Mit Paketen muss allerdings auch sie (im Rahmen eines ausgedehnten Spaziergangs) zur nächsten Post - die immer noch ein “Postamt” ist und sich auch so benimmt.

    Der einen Leserin gefällt das aber auch nicht. Was der verordnete “Sparzwang” des Noch-Monopolisten (will er an die Börse oder ist er da schon?) zu Unrecht vom Kunden erzwingt, weil er seinen Zustellern einen Mindestlohn zahlen soll, ist Unpolitik. Hier sind wir uns einig. Aber ein anständiger Lohn muss drin sein:-), findet sie.

  4. goarilla
    14.11.2007 | 9:43

    Kurzer Erfahrungsbericht:
    Ich kann meine Postfiliale bis 19.00 aufsuchen und werde, egal ob Montag, Mittwoch oder Heilig Abend, auf das Zuvorkommenste bedient. Alle Mitarbeiter sind überaus freundlich, bemüht und schnell. Die Schlange ist meistens recht lang, doch der Personaleinsatz wird immer so gestaltet, dass man nicht lange warten muss - auch wenn das bedeutet das der 6. oder 7. Schalter geöffnet werden muss. Hier wird das “World Class Service Level” erreicht.

    Ich kenne allerdings auch diese schrecklichen 9-14-Filialen, die gern in Kaufhäuser reingebaut werden und nun wirklich nicht den Ruhm der Post mehren.

  5. 14.11.2007 | 10:15

    Bei uns wurde in einem Schreibwarenladen eine neue Filiale eröffnet. Die ist relativ gut zu erreichen. Im Hamburger Stadtteil, in dem ich arbeite und wo ich häufiger morgens noch Pakete abgeben musste, wurden die Öffnungszeiten aber verkürzt, so dass ich dort nicht mehr hingehen kann.

    Aber egal: Pakete transportiert Hermes schneller und günstiger. Und für Briefe findet sich hoffentlich auch bald eine bessere Lösung.

  6. 14.11.2007 | 14:58

    Irgendwie muss doch der hübsche Post-Tower (abends häufig in blau-gelb leuchtend) neben dem UN-Campus in Bonn bezahlt werden. Wettbewerb bedeutet hier, ob nun die Post oder die Telekom mehr und schönere Gebäude in der Bundesstadt besitzt. ;)

    Empfehle beim nächsten Mal die Filiale im Post-Tower, Charles-de-Gaulle-Str. 20, 53113 Bonn. Öffnungszeiten: Mo.-Fr. von 8:00-17:00 Uhr. Immerhin. Und samstags sogar auch von 10:00-12:00 Uhr.

    Ein kleiner Schritt für den Kunden. Ein großer Schritt für einen Logistik-Dienstleister.

  7. Die Stimme aus dem Off
    14.11.2007 | 15:21

    In einer deutschen Großstadt an einem Samstag vormittag, dortige Hauptpost:

    6 Schalterbedienstete, mind. 60 - eher 80 Kunden in der Schlange. Die Schlange ging durch die doch recht geräumig gehaltene Filiale bis hinaus auf die Straße.

    Zum Glück konnte das Einschreiben noch bis zum Montag warten.

  8. 14.11.2007 | 21:26

    Dann genieße ich den Komfort der Postfiliale bei mir “gleich um die Ecke” - solange es sie noch gibt, denn sie steht theoretisch schon seit Jahren zu Schließung an. Der Hauptgrund dafür, dass es sie noch gibt: die Post AG versucht seit Jahren vergeblich, einen Käufer oder wenigstens einen Pächter für das schnuckelige Gebäude zu finden (zu klein für einen Supermarkt, zu groß für einen Blumenladen/Frisör/Schreibwarenladen usw. ) - und der Betrieb der Filiale kommt wohl immer noch günstiger als ein Leerstand.

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