Chavez und die Wahlcomputer

Befürworter der Wahlcomputer gehen stillschweigend davon aus, dass sie unter einwandfrei demokratischen Umständen eingesetzt werden. Nun gibt es aber auch Politiker, die eine “gelenkte Demokratie” bevorzugen. Für ihre Zwecke erweist sich der Wahlcomputer als großartiges Werkzeug, was Jan Schejbal anhand des Einsatzes von Wahlcomputern in Venezuela nachweist: Wahlstatistiken, nicht anonym - dank Wahlcomputer.

Vermutlich mithilfe von Wahlcomputern wurde das Wahlgeheimnis nicht nur völlig abgeschafft, sondern auch direkt eine Datenbank über die Wahlentscheidungen aller Wähler angelegt, sodass Chavez weiß, wer ihn abwählen wollte. Und damit der Spaß vollkommen ist, ist diese Datenbank inzwischen auch in diverse Filesharingnetze gelangt, ist also völlig öffentlich.

Jan weist darauf hin, dass dieses Vorgehen mit der Verfassung und den sonstigen Gesetzen Venezuelas völlig konform sein soll. Denn es ist nicht schwer, auch die besten und demokratischsten Gesetze durch “richtige”
” Auslegung weit genug zu dehnen, um fast jeden Unsinn zu legitimieren, undemokratische oder nicht undemokratischen Missbrauch gesicherte Gesetze machen es allerdings leichter und unauffälliger.

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16 Kommentare zu “Chavez und die Wahlcomputer”

  1. Die Stimme aus dem Off
    15.11.2007 | 20:57

    Ich spreche leider kein Spanisch (bzw. nur ein paar Brocken). Ist das jetzt eine Satire, entgeht mir da vielleicht irgendein Scherz? Mich hat die Entwicklung in Venezuela eigentlich nie interessiert, konnte sich da wirklich eine Diktatur einnisten? Das Chavez gegen die Verfassungs verstößt, ok. Eine Sache, aber eine handfeste Diktatur errichten?

    Ich hoffe das mit den Schlägertrupps ist eine Übertreibung. Bislang ging ich davon aus, dass Venezuela gerade so ein paar rechtsstaatliche Probleme hätte (so wie wir damals mit Adenauer und seiner Fernsehen-GmbH). Das SA ähnliche Schlägertrupps in Venezuela operieren wusste ich nicht.

    Das wird wohl ein Fall für Den Haag.

  2. Lina
    15.11.2007 | 21:15

    Ein Fundstück dazu: “Venezuela hat bessere Wahlcomputer” - so lautete eine Schlagzeile in SpiegelOnline anlässlich der US-Wahlen 04.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,326566,00.html

    Was damals von OSZE-Beobachtern gesagt wurde, will sich so gar nicht mit dem decken, was hier oben über deren totalitären Einsatz zu lesen ist. Venezuela gilt zwar als “Entwicklungsland” - aber mit sehr ausgereiften Möglichkeiten ;-), würde ich meinen.

    Ja, dieser Chavez scheint kein Mann für halbe Sachen zu sein.

  3. 16.11.2007 | 9:45

    Wie jetzt? Grad hat mich Bauer balou fast davon überzeugt, dass Chavez vielleicht doch ein Guter ist. Und nun das…?!?

  4. Lina
    16.11.2007 | 10:03

    @ Boche

    Ach, denk doch über ihn, wie Du willst! Du hast doch eine eigene Meinung - oder willst Du sie Dir erst von Bauern und Damen machen lassen?;-))

  5. 16.11.2007 | 10:08

    @Lina

    Mal wieder ein Smily-Problem: Ich bin gelegentlich zu sparsam damit. ;-)

  6. Lina
    16.11.2007 | 10:41

    @ Boche

    …ich doch genauso. Bei mir war aber diesmal extra einer dabei - vielleicht einer zu wenig?

    Ich bin besorgt.

  7. 16.11.2007 | 10:44

    Musst du nicht. Ich habe ihn wahrgenommen.

  8. 16.11.2007 | 19:15

    Warum wurde der Einsatz von Wahlcomputern in Venezuela gelobt? Weil eine Kontrollmöglichkeit bestand und der ausgedruckte Wahlzettel fiel auch nicht einfach in eine Urne sondern wurde vom Wähler kontrolliert und dann in der Urne platziert, damit können wir davon ausgehen, dass der Wahlzettel dem Wählerwillen entsprach.

    Die Abstimmung in Venezuela wurde überwacht und es wurde nachgezählt, nicht alle Zettel aber eine ausreichend große Stichprobe. Es war nicht bekannt wo ausgewählt wurde, die Auswahl der erfolgte kurz vor der Kontrolle per Zufallsprinzip. Nachgezählt wurde von Beobachtern der OAS, der EU und vor allem von Mitarbeitern des Jimmy Carter Centers einer Institution die weltweit als Wahlbeobachter anerkannt ist. Die Auswertung der von Hand ausgezählten Urnen und das landesweite Ergebnis über alle Wahllokal wichen nur marginal von einander ab. Soweit zum Referendum und dem immer wieder erhobenen Wahlbetrug, aber vielleicht ist ja auch Jimmy carter der große Betrüger ist auch nur ein Bauer wenn auch ein Großer. Kein Smilie.

    Der Knackpunkt ist doch hier der Vorwurf, dass der Wahlcomputer jedem Wähler eineindeutig (kein Verschreiber) eine Stimme zuordnen kann, kann mir das vielleicht mal jemand erklären und bitte nicht mit Wahrscheinlichkeiten durch Abgleich zwischen Abstimmung und Referendumslisten, da ist natürlich eine Zuordnung möglich, wie bei jedem Volksbegehren in venezuela, in Hamburg oder sonstwo. Mißbrauch oder möglicher Mißbrauch dieser Listen wie auch aller anderen Listen oder auch bei uns existierender Wahlverzeichnisse oder Listen über die Ausleihgewohnheiten von Kunden in öffentlichen Bibliotheken ist eine völlig andere Sache und hat weder was mit Chavez oder sonst jemanden zutun auch wenn man es dem einen eher und dem anderen weniger zutraut.

    Also liebe Kollegen, bitte eine Erklärung für das verfahren und zwar so, dass ein Bauer aus dem letzten Jahrhundert es auch versteht.

    @Boche Ich will weder Dich noch sonst jemanden davon überzeugen, dass Chavez einer von den Guten ist - gibt’s die, außer uns beiden natürlich, überhaupt? - ich will lediglich, dass man beide Seiten betrachtet oder zumindest respektiert, dass ich es versuche.

  9. 16.11.2007 | 19:24

    Wenn ich darf noch ein kleiner Nachtrag, der Autor des ur-ur-ursprünglichen Artikels ist nämlich auch noch ein begnadeter Dichter:

    I wish I was the Khan an order my hordes to capture them and pour melted silver into their eyes … I wish I could decapitate in public plazas Lina Ron and Diosdado Cabello [zwei venezolanische Politiker]. I wish I could torture for the rest of his remaining existence Vice President Jose Vicente Rangel … I wish I could fly over Caracas slums throwing the dead bodies of the criminals that have destroyed my country … Only barbaric practices will neutralize them, much the same way the Khan did. I wish I was him.”

    Hugo C. ist bestimmt kein Musterdemokrat, der Typ aber ist völlig durchgeknallt. Hat allerdings mit der Fragestellung nichts zutun.

  10. 16.11.2007 | 22:21

    balou: Ich räume eine ungenügende Recherche ein - der ursprüngliche Autor sieht nicht nach “zuverlässiger Quelle” aus.

    Allerdings stimmt es grundsätzlich schon: Wahlcomputer erleichtern Freunden der “gelenkten Demokratie” das “Lenken”.

  11. 16.11.2007 | 22:41

    Mich befremdet ein wenig die “Freund-Feind”-Denke. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Chavez von Linken hofiert wird. Und ich kann nicht nachvollziehen, wenn andere das vorherige Regime loben.

    Es nutzt Venezuala ganz sicher nichts, wenn es vom Regen in die Traufe kommt.

  12. 16.11.2007 | 22:53

    Martin, das war kein Vorwurf gegen Dich oder irgendeinen der Kommentatoren, im Schnitt wird in vielen weblogs, da beziehe ich Euch ausdrücklich mit ein, intensiver recherchiert als in manchen Medien, zumindest hab ich diesen Eindruck immer öfter. Was mich interessiert und zwar aus ganz eigennützigen Gründen und ganz weit weg von Chavez, wie kann sowas funktionieren. Dass Boyd, gelinde gesagt, ein Idiot ist, ist was völlig anderes aber wenn die Schlussfolgerungen aus Jans Artikel zutreffen, so geht uns das alle an, dabei lass ich mal den auch von Jan erhobenen Vorwurf des Wahlbetrugs, des eventuellen Mißbrauchs der Referendumslisten etc. weg.

    Bruch des Wahlgeheimnisses mit Hilfe von Wahlcomputern ist kein Pappenstiel und bedeutend mehr als mögliche Manipulation von Ergebnissen die wir uns ja alle irgendwie vorstellen können.

    Also nochmals meine Frage: Hat jemand ne Vorstellung wie das laufen kann und löst Euch einfach mal von der Figur Hugo Chavez.

  13. 16.11.2007 | 23:06

    Rayson, es geht hier nicht um Chavez. Es geht zum einen um eine Diskreditierung des Wahlmonitorings durch das Jimmy Carter Center. Erstmal erledigt.

    Zum anderen geht es um die Manipulationsmöglichen via Wahlcomputer und nochmals das interessiert mich völlig losgelöst von Chavez. Warum erkennst Du eigentlich in jeder Anmerkung zu Chavez eine Anbiederung der Linken? ich habe während meiner vergangenen Recherchen genügend Anhaltspunkte gefunden um, wäre ich wahlberechtigt, im kommenden Referendum mit “Nein” zu stimmen aber keinen Anhaltspunkt um bei der nächsten Wahl für eine Opposition zu stimmen so wie sie sich jetzt, hier und heute präsentiert. Gott nee, wenn der Mann so schlimm ist, worüber man sicherlich diskutieren kann, dann wird man das doch wohl belegen können ohne Irgendetwas zu konstruieren. Oder?

  14. 16.11.2007 | 23:16

    @balou

    Zum anderen geht es um die Manipulationsmöglichen via Wahlcomputer

    Mais oui.

    Warum erkennst Du eigentlich in jeder Anmerkung zu Chavez eine Anbiederung der Linken?

    Ich fürchte, dir wird die Datenbasis fehlen, um diese Behauptung zu stützen. Allerdings wundert es mich, dass Linke sich bemüßigt sehen, die antidemokratischen Aktionen von Chavez zu verteidigen.

    Eine Argumentation zu Gunsten des kleineren Übels mag sich leisten, wer will. Dagegen ist per se nichts zu sagen - aber in Abhängigkeit vom Ist und vom Ziel des angeblich kleineren Übels kommt man da offensichtlich nicht zu ideologieneutralen Bewertungen. Was für sich gesehen auch wieder interessant ist.

  15. 16.11.2007 | 23:44

    ist ja so ne Sache mit der Datenbasis. Lassen wir das war nicht wirklich böse gemeint.

    Frage: Ist eine Verteidigung oder besser das Recht auf Verteidigung abhängig von der Person? oder ist Dir mein Problem einfach nicht klar geworden?

    Vermutlich mithilfe von Wahlcomputern wurde das Wahlgeheimnis nicht nur völlig abgeschafft, sondern auch direkt eine Datenbank über die Wahlentscheidungen aller Wähler angelegt, sodass [XYZ]weiß, wer ihn abwählen wollte.

    Glaubst Du nicht, dass bei einem derartigen Vorwurf etwas mehr als Vermutungen existieren sollten bzw. ist es so schwer nachzuvollziehen, dass ich als IT Laie einfach nachfrage wie sowas funktionieren kann?

    Über Deine Anmerkungen im letzten Absatz können wir gerne ein anderes mal diskutieren, das ist im Moment einfach nicht mein Problem allerdings hät ich es dann auch weglassen sollen - sorry, mein Fehler.

  16. 17.11.2007 | 6:21

    Zu dem hier verlinkten Beitrag “Gläserne Wähler in Venezuela” möchte ich anmerken, dass ich inzwischen gemerkt habe, dass ich keine wirklich verlässlichen Quellen gefunden habe, die den Missbrauch von Wahlcomputern zum Anlegen von Listen politischer Gegner belegen. (Ändert nichts daran, dass es anhand von Petitionen erstellte Listen politischer Gegner gab, Wahlcomputer so missbraucht werden können und die Bevölkerung das befürchtet und so eventuell eingeschüchtert ist).

    Wenn ich noch was finde, melde ich mich.

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