15. November 2007
Schopenhauer goes Blogosphäre
Zwischendurch las ich das kleine Bändchen “Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten” von Arthur Schopenhauer (übrigens bei Jokers für 5 Euro plus Versand erhältlich und hier auch im
Web einzusehen). Offensichtlich ist das Internet gar nicht so originell, wie sich die Leute fühlen, die sich in ihm tummeln, denn fast alle in Schopenhauers - von ihm übrigens selbst nie veröffentlichten - Bändchen aufgezählten “Kunstgriffe” muten nur allzu vertraut an. Einen davon, nämlich den letzten, habe ich verkürzt jetzt auch in unserer Zitatkiste untergebracht. Die Langversion:
Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob. Das Persönlichwerden besteht darin, daß man von dem Gegenstand des Streites (weil man da verlornes Spiel hat) abgeht auf den Streitenden und seine Person irgend wie angreift: man könnte es nennen argumentum ad personam, zum Unterschied vom argumentum ad hominem: dieses geht vom rein objektiven Gegenstand ab, um sich an das zu halten, was der Gegner darüber gesagt oder zugegeben hat. Beim Persönlichwerden aber verläßt man den Gegenstand ganz, und richtet seinen Angriff auf die Person des Gegners: man wird also kränkend, hämisch, beleidigend, grob. Es ist eine Appellation von den Kräften des Geistes an die des Leibes, oder an die Tierheit. Diese Regel ist sehr beliebt, weil jeder zur Ausführung tauglich ist, und wird daher häufig angewandt.
Es gibt ganze Blogs, die davon Zeugnis ablegen, dass ihr Autor sich für die anderen 37 Kunstgriffe nie mehr interessieren wird.
(Siehe auch unsere “Goldenen Diskussionsregeln“)
Verfasst von Rayson um 22:24 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Kultur (Trackback)