Schopenhauer goes Blogosphäre

Zwischendurch las ich das kleine Bändchen “Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten” von Arthur Schopenhauer (übrigens bei Jokers für 5 Euro plus Versand erhältlich und hier auch im
Web
einzusehen). Offensichtlich ist das Internet gar nicht so originell, wie sich die Leute fühlen, die sich in ihm tummeln, denn fast alle in Schopenhauers - von ihm übrigens selbst nie veröffentlichten - Bändchen aufgezählten “Kunstgriffe” muten nur allzu vertraut an. Einen davon, nämlich den letzten, habe ich verkürzt jetzt auch in unserer Zitatkiste untergebracht. Die Langversion:

Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob. Das Persönlichwerden besteht darin, daß man von dem Gegenstand des Streites (weil man da verlornes Spiel hat) abgeht auf den Streitenden und seine Person irgend wie angreift: man könnte es nennen argumentum ad personam, zum Unterschied vom argumentum ad hominem: dieses geht vom rein objektiven Gegenstand ab, um sich an das zu halten, was der Gegner darüber gesagt oder zugegeben hat. Beim Persönlichwerden aber verläßt man den Gegenstand ganz, und richtet seinen Angriff auf die Person des Gegners: man wird also kränkend, hämisch, beleidigend, grob. Es ist eine Appellation von den Kräften des Geistes an die des Leibes, oder an die Tierheit. Diese Regel ist sehr beliebt, weil jeder zur Ausführung tauglich ist, und wird daher häufig angewandt.

Es gibt ganze Blogs, die davon Zeugnis ablegen, dass ihr Autor sich für die anderen 37 Kunstgriffe nie mehr interessieren wird.

(Siehe auch unsere “Goldenen Diskussionsregeln“)

Ähnliche Beiträge


5 Kommentare zu “Schopenhauer goes Blogosphäre”

  1. 16.11.2007 | 1:11

    Hah, last Du Notker Wolf noch zwei Wochen vor mir, so bin ich Dir jetzt ein oder zwei Jahre voraus. (-: Aber mal ehrlich. Die Zusammenstellung ist doch langweilig oder?

  2. 16.11.2007 | 1:16

    Welche Zusammenstellung? Wie meinst du das?

  3. micha42
    16.11.2007 | 7:52

    Apropos, was ich zu den “Goldenen” schon lange mal anmerken wollte:

    Ich verstehe absolut nicht wieso die Speziell-für-Linke-Regel #4 keine allgemeine Regel ist (vielleicht mit ein paar Abstrichen hinsichtlich des “gekauft”, aber auch das nicht unbedingt).

    Ähnliches gilt für die Speziell-für-Liberale-Regel #6, da müsste nur der letzte Halbsatz (Links worauf?) angepasst werden.

  4. Lina
    16.11.2007 | 9:30

    Die Welt (der Blogs) als Wille und Vorstellung.

    Gewillt bin ich nicht, den zitierten “Kunstgriff” selbst anzuwenden, aber als Vorstellung amüsiert er mich ausserordentlich. Und Erfahrungen habe ich auch schon damit gemacht…

    (Ich liebe Schopenhauer!)

  5. 16.11.2007 | 10:03

    Die Zusammenstellung der Kunstgriffe durch Schopenhauer. Ich erinnere mich an ständige Wiederholungen und Polemik gegen Hegel. Auch bei “Kunst zu beleidigen” verspricht der Titel mehr als vom Inhalt gehalten wird.

Bad Behavior has blocked 1210 access attempts in the last 7 days.