Oswald Metzger und die Sozialhilfe-Biografien

SpOn: Metzger pöbelt gegen Sozialhilfeempfänger 

Metzger selbst zeigte Verständnis für die Kritik. Er könne “nicht nur austeilen, sondern auch einstecken”. Er sagte der Nachrichtenagentur ddp, Pauschalurteile seien ihm fremd. Seine kritischen Worte hätten sich vor allem auf die “zweite und dritte Generation von Sozialhilfe-Biografien” bezogen. Damit meine er vor allem Eltern, die nicht in der Lage seien, ihre Kinder zu motivieren, sondern diese “vor der Glotze verdummen” lassen. “Diese Form von Stilllegung brandmarke ich”, fügte Metzger hinzu. 

Und womit hat er angeblich die Stilllegung gebrandmarkt? SpOn behauptet:

stern.de hatte Metzger, der Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg ist, mit den Worten zitiert, Sozialhilfe-Empfänger sähen “ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen”.

Verlinkt ist das Zitat natürlich nicht, wir sind ja auf spiegel.de, nicht wahr. Bei stern.de liest sich das im Zusammenhang mit der Diskussion um ein Grundeinkommen und mit der Relativierung etwas anders:

(…) Und ausgeblendet wird, dass jene, die arbeiten, genau dieses Grundeinkommen erwirtschaften müssen. Das ist doch einfach Unsinn. Das ist Selbstbetrug hoch drei.

Weshalb?

Wir können doch heute schon bei Sozialhilfe-Biografien über Generationen beobachten, dass Menschen, die von Transfereinkommen leben, nicht aktiviert werden. Sozialhilfeempfänger werden keineswegs schöpferisch aktiv. Viele sehen ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen. Die wachsen dann verdickt und verdummt auf. Wenn das die schöpferische Wirkung des bedingungslosen Grundeinkommens sein soll, das die Menschen davon entbindet, sich um das Existenzminimum zu bemühen und nicht mehr arbeiten zu müssen, dann geht doch die Rechnung nicht auf.

Das Grundeinkommen, wie bedingt oder unbedingt auch immer, ist Sozialismus 2.0. Und Raysons Artikel dazu von annodunnemals ist immer noch unwiderlegt. Was nichts daran ändert, dass Oswald Metzger ein eitler Selbstdarsteller ist und diese ganze gekünstelte Empörung um sein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat wieder einmal ein Tiefpunkt der Unpolitik.
 

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29 Kommentare zu “Oswald Metzger und die Sozialhilfe-Biografien”

  1. 21.11.2007 | 16:18

    Also ich stimme Metzger zu, dass wir bei einem bedingungslosen Grundeinkommen keine Kreativitätsexplosion sehen werden. Aber diese abgedroschene 3-Generationen-in-Sozialhilfe-Rhetorik langweilt zutiefst. Wenn man nicht bereit ist den IQ als Ursache der Problematik anzuerkennen, dann braucht man sich weder über Metzger noch über seine Kritiker aufregen.

  2. R.A.
    21.11.2007 | 17:20

    Der entscheidende Satz ist doch:
    “stern.de hatte Metzger, der Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg ist, mit den Worten zitiert, Sozialhilfe-Empfänger sähen “ihren Lebenssinn darin, …”

    Also: “Sozialhilfeempfänger sähen …”

    Soll das nun heißen “alle Sozilhilfeempfänger sähen” oder “manche Sozialhilfeempfänger sähen”.

    Das macht den Unterschied zwischen einem in der Tat unsäglichen Pauschalurteil (wie das Metzgers “Parteifreunde” sagen) oder einer völlig legitimen Feststellung aus.

    Und genau dieser Unterschied wird im Stern-Zitat völlig offen gelassen.

  3. 21.11.2007 | 18:38

    @Klaus: Ich fände es extrem anmaßend, den Kindern von Sozialhilfe-Empfängern die Lernfähigkeit abzusprechen. Der IQ ist kein statischer Wert. Die Startbedingungen sind zwar sehr schwierig, aber erstaunlicherweise sind die Unterschiede im Kindergartenalter sehr gering (ich habe viele Jahre durch ehrenamtliche Arbeit in einen Kindergarten Einblick gehabt).

    Das Wort »manche« gehört natürlich dazu und ich bemühe mich immer um eine differenzierte Betrachtungsweise. Warum sollte man aber nicht über das Problem von Familien schreiben oder reden, in denen mehrere Generationen vollständig von Sozialhilfe abhängig sind? Wenn das Problem nicht benannt wird, kann man es nicht lösen. Neben den »Tafeln« für das Essen müssten eigentlich »Lerntafeln« organisiert werden.

  4. 21.11.2007 | 18:52

    @R.A.: Der Spiegel kombiniert für mich etwas seltsam indirekte Rede mit einem Zitat.

    Beim Stern steht “Viele sehen ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen.”

    Viele. Also nicht alle oder die meisten. Sauber relativiert.

  5. 21.11.2007 | 19:23

    Klaus,

    dann braucht man sich weder über Metzger noch über seine Kritiker aufregen.

    Wer soll der Adressat dieser Botschaft sein? Ich fühle mich jedenfalls nicht angesprochen, weil ich mich a.) nicht aufrege und b.) nicht Metzger oder seine “Kritiker” mein Thema sind, sondern eine bekannte und leider immer noch viel zu oft zitierte Online-Quelle, die es nicht schafft, Zitate im Zusammenhang und vollständig zu zitieren. Und die “Parteifreunde” von OW (!= Kritiker), die diese verkürzte (und damit falsche) Darstellung dazu nutzen, sich künstlich (!= wirklich) über OW aufzuregen.

  6. Lina
    21.11.2007 | 19:51

    “Diese Form von Stilllegung brandmarke ich” - diese in in den öffentlichen Raum gestellte Aussage Metzgers würde ich jederzeit unterschreiben. Es kommt einer Stilllegung gleich, Menschen am Rand des Existenzminimums zwar zu erhalten, aber nicht zu beschäftigen. Es ist doppelte Unterernährung, die als chronische Krankheit erblich wird, geworden ist - behaupte ich. Und eitel gepöbelt war das nicht, sondern zu Recht gebrandmarkt, wie es sich gehört. Man kann diese enorm gesellschaftsrelevante Entwicklung nicht mehr unter dem Teppich halten. Was SpON daraus macht, ist eines seiner vielen Eigentore. Schon fast ein Treppenwitz seiner wieder weiter linksdrehenden Geschichte.

    @ stefanolix

    Das sehe ich auch so: “Der IQ ist kein statischer Wert” - weiss Gott nicht; er lässt sich aufpäppeln, aber nur mit Anspruch, nicht durch Abfüttern. “Lerntafeln” - ja, das wär’ was. Und wenn es denn sein muss, auch durch Zwangsernährung. (Ich bin sonst nicht so:-).

  7. 21.11.2007 | 20:10

    @ stefanolix
    Die Lernfähigkeit habe ich den Kindern gar nicht abgesprochen, auch ein Mensch mit einem IQ von 80 kann dazu lernen. Nur werden diese Leute in unsere Gesellschaft und unserer Marktwirtschaft zunehmend nicht mehr gebraucht, bzw. sie müssten zu Löhnen arbeiten die ihnen kein Auskommen garantieren. Der IQ ist ein sehr guter Indikator für beruflichen Erfolg und außerdem ist ein Arbeitnehmer mit höherer Intelligenz einem anderen mit niedriger Intelligenz vor zu ziehen, da er produktiver ist.

    Im Kindergarten wird nichts angeboten was genügend selektiv sein könnte Intelligente von weniger Intelligenten zu unterscheiden (das kann man gut finden oder auch nicht). Und wie ein Gymnasiallehrer meinte, den ich am Wochenende getroffen habe, wäre ein Problem heutiger Schüler (und ihre schlechten Leistungen), dass die Grundschullehrerinnen die Grundschule als Fortsetzung des Kindergartens sehen. Hut ab vor deinen Kindergartenerfahrungen, da bist du mir und wahrscheinlich Metzger im Vorteil, aber deine Sozialisation in der DDR lässt dich halt noch an der Utopie einer egalitären Gesellschaft glauben - wenn auch mittlerweile liberal/christlich gefärbt.

    Probleme benennen ist doch nur der erste Schritt. Warum soll es Sozialhilfeempfänger in der 3. Generation geben? Wegen der Kohlenhydrate? Dem Alkohol? Wegen dem Fernsehen? Wegen dem schlechten Vorbild der Eltern? Such dir was aus, aber die Auswahl ist entweder blöd oder anmaßend. Und ganz nebenbei aus dem Nähkästchen meiner Arbeiterfamilie erzählt: da wurden Kohlenhydrate reingestopft, da wurde fleißig Alkohol konsumiert und da wurde Fernsehen konsumiert was das damals dreiprogrammige TV hergab. Aber meine Mutter und mein Vater waren so gut wie nie arbeitslos. Und nun?

    Lerntafeln … das unbeschriebene Blatt lässt grüßen …

    @ Marian
    Was noch öder (1) ist als die 3-Generationen-in-Sozialhilfe-Rhetorik ist die Tretmühle, dass ein Politiker (oder sonst ein Promi) etwas sagt, das dann woanders absichtlich/unabsichlich/vermeintlich verkürzt wiedergegeben wird und die üblichen Verdächtigen dann das Verkürzte empört kommentieren. Warum sollten die Medien etwas anders machen, denen fehlt wie den Politikern jeglicher Anreiz.
    (1) Nach meiner unmaßgeblichen Meinung

  8. 21.11.2007 | 20:52

    Klaus, nachdem ich während der Lektüre Deines Kommentars mehrmals “Aua” ausrief, kann ich mir ein paar deutliche Anmerkungen nicht verkneifen:

    1. Der Kindergarten, um den es geht, ist ein Beispielprojekt, das seit Ende der 90er Jahre nach den aktuellen Erkenntnissen der Hirnforschung und nach einem ausgefeilten Konzept arbeitet. Die sind dort wesentlich weiter als so manche Grundschule, aber sie arbeiten am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Von ihnen wird erstklassige Bildung gefordert, dabei arbeiten sie unter Bedingungen, die im Westen keine Erzieherin akzeptieren würde.

    2. Hätte ich nicht mit eigenen Augen zwei Kinder einer alleinerziehenden Putzfrau erlebt, die nach diesem Kindergarten und einer ganz normalen Grundschule das Gymnasium mit sehr guten bzw. guten Noten besuchen, dann würde ich auch der vollkommen abstrusen Idee von einem vererbbaren “IQ 80″ hinterherhängen.

    3. Ich habe in der DDR-Zeit keinen Kindergarten besucht und ich habe aus der DDR-Zeit keine Utopien mitgenommen. Es gab in der DDR für mich nur die Utopie, dass sich die Gesellschaft eines Tages Sozialismus und Stasi befreien könnte. Bitte wende dieses Klischee auch nicht mehr ungeprüft auf andere Ostdeutsche an. Ich kenne noch mehr, die Dich sonst herzhaft auslachen würden.

    4. Ich trage in der Tat eine liberale Utopie in mir, die Lernfähigkeit und Eigenverantwortung für jeden Menschen einschließt — auch für die Menschen mit “IQ 80″. Ich sehe ein, dass es eine Utopie ist. Aber ich bekomme sie nicht los.

    5. Nein, es liegt natürlich nicht am Bier, es liegt nicht am Gammelfleisch und es liegt nicht an den Kohlehydraten. Es liegt an der Sozialbürokratie, die auch den letzten Rest von Eigenverantwortung und Selbstachtung aus den Menschen in diesen Familien herauspresst — unter anderem durch Regelungen der Zuverdienstmöglichkeiten, die ein Sozialhilfeempfänger entweder nicht verstehen kann oder für völlig absurd halten muss. Da ist es einfacher, die eigenen Rechte und Ansprüche zu kennen.

    6. Die Regelungen zu den Rechten und Ansprüchen der Sozialstaatsabhängigen sind nicht mehr durchschaubar und durch die nicht einheitliche Rechtssprechung entsteht eine immer größere Konfusion. Das schädigt uns alle. Ich kann deshalb verstehen, dass einigermaßen hellsichtige Politiker in einer schwachen Minute so eine Äußerung rauslassen. Bei aller notwendigen Differenzierung: einiges davon hätte auch von mir sein können.

  9. 21.11.2007 | 20:57

    @Lina: Natürlich nicht mit Abfüttern: sie sollen das Kochen lernen!
    Und nebenbei: SPON dreht nicht links, sondern (manchmal) einfach nur durch.

  10. 21.11.2007 | 21:20

    @ stefanolix: danke für die deutlichen und fundierten Worte an Klaus!

    Das SPON durchdreht, hat wohl seine Ursache darin, dass Metzger mit der INSM zusammenarbeitet - womit dann die “passende” Schublade gefunden wäre und weiteres Denken überflüssig ist. Trifft leider auch auf einige von mir ansonsten geschätzte Blogger zu.

  11. Lina
    21.11.2007 | 21:34

    @ stefanolix

    Ach so, nur das Kochen? Ich hätte Dich - nach allem, was Du Klaus da oben sagst - für anspruchsvoller gehalten…

    Der linke Spiegel war - meine Behauptung! - für ein paar knappe Jährchen spürbar auf dem marktliberalen Freiheitstrip - bis der Wind wieder drehte. Da gleich ganz durchzudrehen - na sowas. Aber wenn Du es sagst?:-)

  12. 21.11.2007 | 22:48

    Zu 1. Ich kenne diesen Kindergarten nicht. Er ist sicher toll und vielleicht würde ich meine Kinder dort hinschicken, wenn ich welche hätte. Pilotprojekte haben oft den Vorteil, dass sich hochmotivierte Menschen hier engagieren. Hoffentlich sind die Ergebnisse auch dann noch gut, wenn dieses Konzept Schule macht und von anderen Kindergärten kopiert wird. Aber Zweifel seinen mir erlaubt. Wenn ich höre von aktuellen Erkenntnissen der Hirnforschung werde ich vorsichtig, insbesondere dann wissenschaftliche Erkenntnis selektiv wahrgenommen wird. Um es ganz klar zu sagen: es ist mittlerweile als Fakt anzusehen, dass Intelligenz in erheblichen Maße erblich ist. Da gibt es nichts zu deuteln. Jeder darf natürlich eine andere Meinung haben, aber dann sollte er/sie sich nicht überheben und von “aktueller Hirnforschung” reden. Hirnforschung ist viel mehr im Fluss als die Intelligenzforschung rund um den IQ.

    Zu 2. Das mit der Putzfrau ist schon verräterisch. Arbeitet die schwarz? Bezieht sie zu unrecht Sozialhilfe? Wir redeten von Sozialhilfeempfängern und meinen Vermutungen über deren IQ. Über den IQ einer Putzfrau habe ich überhaupt nichts gesagt! Im Übrigen - wenn ich mich nicht täusche - ist asexuelle Fortpflanzung beim Menschen selten. Es gibt also auch einen Vater. Desweiteren kann der Einzelfall immer abweichen. Auch Dumme können einen Einstein als Kind haben, es ist nur viel weniger wahrscheinlich als bei intelligenten Eltern.

    Zu 3. War natürlich eine Stichelei, entsprechende Meme sind ja auch im Westen verbreitet - allerdings auch Dank kommunistischer Propaganda.

    Zu 5. Wenn man sich um simple Fakten drücken will muss etwas weniger fassbares her. In diesem Falle die Sozialbürokratie. Blödsinn! Schweden war besser bei PISA als Deutschland. Haben die keine Sozialbürokratie? Baden-Württemberg hat annähernd die gleich Sozialbürokratie, warum habt ihr Sachsen so viel mehr Arbeitslose? Warum liegt ihr uns auf der Tasche? Soviel auch zu MartinM, der in Sachen dreigliedriges Schulsystem faktenresistent ist :-)

    Hochintelligente stimmen oft ein in den Chor “Wir-sind-alle-gleich-geschaffen” was Intelligenz betrifft und das ist vielleicht klug, denn die Hochintelligenten sind in der Minderheit. Gegen die Faust des IQ80ers hilft kein Universitätsdiplom. Ich halte es aber für eine List, wenn man statt die Dinge zu benennen, den Markt fordert, der dafür sorgt dass die IQ80er trotzdem ganz unten landen. Die dann zu hören bekommen: It’s the economy, stupid

  13. 21.11.2007 | 22:48

    @Lina: An der karitativen »Tafel« werden Menschen satt gemacht oder man gibt ihnen Lebensmittel mit. An meiner [noch fiktiven, aber ebenso ehrenamtlich betreuten] »Bildungstafel« könnte ich sie nicht abfüttern und ich könnte ihnen auch nichts mitgeben. Ich müsste ihnen schon das Kochen beibringen.

    Verzeihen Sie mir bitte das Beispiel aus der Küche, es lag heute so nahe ;-)

    In technischen Newsgroups, die ich auch heute noch sehr schätze, geht seit vielen Jahren das Gleichnis vom Hungernden und dem Fisch um. Dort bezieht man es meist darauf, dass es keine Bringschuld des Wissenden, sondern eine Holschuld des Fragenden gibt. In der Tat: bei mir müssten sie sich nicht nur hinsetzen und den Mund aufsperren.

    —-

    Der SPIEGEL und SPON haben nur ein Ziel: nämlich die Auflage zu steigern. Zu diesem Zweck nehmen sie auch Stimmungen ihrer Zielgruppe(n) auf. Sie haben die Wechselstimmung am trostlosen Ende der Ära Kohl verstärkt und sie haben auch die Stimmung am Ende der noch trostloseren Ära Schröder für ihr Blatt genutzt. Es ist ein Geschäft, das ich nicht gern betreiben würde …

  14. 21.11.2007 | 23:15

    Klaus, wenn Du irgendwann in der nächsten Zeit mal etwas Muße hast, dann recherchiere doch mal nach den aktuellen Bildungsleitfäden der Bundesländer für den Kindergarten. Der Kindergarten wird von der ideologisch geprägten Verwahrungsanstalt (DDR) über die reine Betreuungseinrichtung (lange Zeit in Ost und West) nun endlich zur Bildungseinrichtung. Die Erkenntnisse der Hirnforschung werden auf die Didaktik angewendet, es geht nicht um die Bewertung irgendwelcher IQ-Statistiken.

    Bitte informiere Dich auch gleich noch, welcher Anteil der Bevölkerung einen IQ von gleich oder kleiner 80 hat. Laut Wikipedia liegen 8.9 Prozent im Bereich bis 85. Natürlich wird man denen eine Perspektive geben müssen, aber sie sind nicht unser Hauptproblem.

    Das Beispiel mit der Putzfrau habe ich deshalb gebracht, weil diese Frau aus so einer Familie kam. Sie hatte mit 14 die Schule verlassen (in der DDR gab es zu diesem Zeitpunkt einen Teilabschluss). Sie hat sich aber nicht in die soziale Hängematte fallen lassen, sondern durchgängig von der Wiedervereinigung bis heute immer in Putz- und Hilfsjobs gearbeitet. Es wäre ein Leichtes gewesen, auf die andere Seite zu wechseln …

    Um welche simplen Fakten will ich mich denn drücken?

    Bestreitest Du ernsthaft, dass wir uns in diesem Land eine Sozialbürokratie leisten, die ihre Regelungen bis ins Absurde ausbaut und fast alle Eigeninitiative erstickt?

    Warum es bei gleich ausgebauter Sozialbürokratie unterschiedlich viele Arbeitslose gibt, kannst Du auch am Beispiel von Stuttgart und Duisburg vergleichen, dazu kannst Du den Osten ganz aus dem Spiel lassen …

    Ich dachte bisher, dass Du ein überzeugter Atheist bist. Aber aus Deinen Kommentaren schaut so viel Glaube an Kismet heraus, dass ich langsam ins Zweifeln komme.

    Tut mir leid, aber das musste jetzt raus ;-)

    Ich bin zwar eigentlich noch nicht fertig mit der Antwort, aber für heute abend wünsche ich erst mal allerseits eine gute Nacht.

  15. R.A.
    22.11.2007 | 10:06

    @stefanolix:
    Durchgehend Zustimmung.

  16. 22.11.2007 | 10:11

    Oje, Korpsgeist kicks in ;-)

  17. 22.11.2007 | 13:36

    @ stefanolix
    Ist dir nicht aufgefallen, dass ich gar keine konkreten Forderungen hatte was in Kindergärten und Schulen gemacht werden soll? Meine einzige Forderung wäre vielleicht nicht so viele Säue durch das Dorf der Bildung zu treiben. Was heute Mode in der Hirnforschung ist wird sich in den nächsten 20 Jahren, die die Kids brauchen das System zu durchlaufen, bestimmt dreimal ändern.

    Laut Wikipedia liegen 8.9 Prozent im Bereich bis 85. Natürlich wird man denen eine Perspektive geben müssen, aber sie sind nicht unser Hauptproblem.

    Du beliebst zu scherzen, oder wie hoch ist der prozentuale Anteil der Sozialhilfeempfänger in der 3. Generation an der Gesamtbevölkerung? Diese 8.9% sind alles Akademiker und haben Arbeit?

    Duisburg ist das richtige Stichwort. Dieses Sozi-verseuchte NRW. Man kann über die DDR viel sagen, aber ihr Bildungssystem war nicht so leistungsfeindlich wie jenes Bildungssystem, das die GEW-Sozialisten gerne bundesweit einführen möchten.

  18. stefanolix
    22.11.2007 | 14:23

    Das ist doch jetzt billige Polemik. Wir haben beide keine Zahlen über den Zusammenhang zwischen Sozialhilfe-Bedürftigkeit und Intelligenzquotient. Es beziehen auch recht gebildete Leute ALG-II, manche bloggen sogar darüber.

    Ich wollte doch mit der Zahl nur zeigen, dass die Anzahl der Betroffenen mit IQ<80 recht gering ist.

    Ich möchte Dir die Antworten nicht hinterhertragen. Aber wenn Du schon fragst, warum bei gleicher Sozialbürokratie im Osten eine höhere Arbeitslosenquote als im Westen vorliegt, solltest Du den Hinweis auf Duisburg bitte nicht mit Absicht missverstehen.

  19. 22.11.2007 | 15:20

    Das war keine Polemik, sondern nur die Verwunderung darüber wie diese 8,9% in unserer Arbeitswelt deiner Meinung nach verteilt sind. Von einer gleichmäßigen Verteilung kann wohl kaum die Rede sein, ich wünsche dir jedenfalls keinen Herzchirurgen mit einem IQ von 85 wenn es darauf ankommt. Es fällt doch gleich ins Auge, dass die beiden Gruppen schon quantitativ ähnlich sind. Ich behaupte nicht, dass die beiden Gruppen deckungsgleich sind, aber die Dummen werden sich schon bei Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen konzentrieren. Die paar Akademiker die nach dem Studium - meistens nur für kurze Zeit - ALG2 beziehen, fallen kaum ins Gewicht. Mit langzeitarbeitslosen Geisteswissenschaftlern habe ich ohnehin kein Mitleid und die heben den IQ-Schnitt auch nicht wesentlich.

    Du solltest zur Kenntnis nehmen, dass deine Behauptung über den Zusammenhang von Sozialbürokratie und Arbeitslosenquote zusammengebrochen ist, nämlich am Beispiel Baden-Württemberg. Wir haben eine Quote von 4,4% und wenn wir nicht so viel Geld in andere Bundesländer transferieren müssten, dann könnten wir Steuern und Abgaben senken, und hätten noch weniger Arbeitslose bei ansonsten gleicher Sozialbürokratie [Lokalpatriotismus Ende]

  20. 22.11.2007 | 16:47

    @Klaus: Bei der Sozialbürokratie verwechselst Du meiner Meinung nach Ursachen und Wirkung. Die Sozialbürokratie ist nicht die Ursache dafür, dass strukturschwache Gebiete keine Jobs haben oder Unternehmen Arbeitsplätze schaffen oder nicht.

    Die Sozialbürokratie hemmt aber bestimmte Menschen einen Aushilfsjob anzunehmen, weil man immer noch der Willkür seines Sachbearbeiters unterworfen ist. Und das kann manchen es auch verleiden für 100 Euro (die man voll behalten darf) einen Job zu suchen. Von jedem Euro darüber bleiben übrigens nur 20 Cent übrig, auch kein Grund übermäßig ranzuklotzen, wenn die Aussichten auf einen normalen Job in dem Bereich eher mau eingeschätzt werden.

  21. 22.11.2007 | 16:48

    … oder der Arbeitgeber einem deutlich macht, dassman eh nur der Arsch ist, der auf dessen Gnade angewiesen ist.

  22. Willi
    23.11.2007 | 8:49

    Inhaltlich hat Metzger natürlich z.T. recht. Es gibt eine Gruppe von Arbeitslosen, die sich so verhalten, wie er es beschrieben hat. Es gibt eine andere Gruppe, die trotz Arbeitslosigkeit einigermaßen gesund lebt und sich auch um Arbeit bemüht.
    Diese einseitige Darstellung ärgert mich bei allen politischen Lagern.
    Ich habe aber Probleme, Metzger ernst zu nehmen in seiner Position als Vorbild und Volksvertreter. Schaut man in seinen Lebenslauf, stellt man fest, dass er keinen Berufsabschluss hat. In der Sprache der Arbeitsvermittler wäre er “schwer vermittelbar”. Auch inhaltlich habe ich von ihm noch NIE eigene Positionen vernommen. Er gibt Thesen anderer wieder, sein Buch strotzt vor Oberflächlichkeit. Ich glaube nicht, dass er ein tiefes Verständnis von der Materie hat. Auf alle Fälle ist er (auch, wenn die Medien immer wieder gegenteiliges behaupten) kein “Finanzexperte”. Sonst bin ich auch einer: auch ich habe weder VWL, noch BWL studiert und Metzgers Thesen beherrsche ich im Schlaf.

  23. 23.11.2007 | 9:35

    Naja, Oswald Metzger konnte den Bundeshaushalt quasi auswendig. Und frei reden kann er auch. Also, das sind schon Talente, die man gerne hätte.

    Ansonsten reicht aber der Abschluss “Abitur mit Führerschein” bei den Grünen vollkommen aus. Damit wird man bei denen Außenminister. ;-)

  24. R.A.
    23.11.2007 | 12:01

    @Marc:
    Führerschein?
    Bist Du wahnsinnig?
    Das ist doch gerade bei den Grünen eher ein Herman-Begriff.

  25. Willi
    23.11.2007 | 12:19

    @marc: hehe.
    Aber im Ernst: ich sehe hierin ein fundamentales Problem der Politik. Die meisten Spitzenpolitiker haben gerade keine tiefe Kenntnis ihres Ressorts. Dass sie von der breiten Masse dennoch als kompetent wahrgenommen werden und einem ebenso breiten Wahlvolk nahezu alles verkaufen können lässt sich meiner Meinung nach recht einfach begründen:
    Jedes sich mit Sprache auseinander setzende Modell unterscheidet (grob)mindestens zwei Sprachebenen. Auf der einen Ebene geht es um den Inhalt des Gesagten, auf der anderen Seite um das “Wie” des Gesagten.
    Die meisten Menschen kennen dies nicht und können schon deshalb nicht ihre dahingende Unterscheidungsfähigkeit üben (das ist eine Übungsfrage).
    Wenn Metzger also den Bundeshaushalt frei wiedergeben kann, befindet er sich auf der Inhaltsebene. Mangels Fachkenntnissen kann ich aber nicht beurteilen, ob seine Aussagen “wahr” sind, also den Kriterien entsprechen, die die ökonomischen Wissenschaften verlangen.
    Davon ist sein Auftreten zu trennen: er kann mit seiner Körpersprache und einer geschliffenen Wortwahl den SCHEIN eines Fachmannes erzeugen.
    Politiker sollten aber zunächst auf der SACHEBENE kompetent sein, wenn sie sich darüber hinaus gut verkaufen können, ist das nettes Beiwerk.
    Diese einseitige Hetze gegen “die faulen Arbeitslosen” oder “die Wirtschaft” oder “die Politiker” funktioniert so gut, weil die meisten Menschen nicht ausreichend im kritischen, selbstständigen Denken und Nachfragen geübt sind. Sie sind autoritätsgläubig und voller Vorurteile. Demokratie basiert aber gerade auf dem freien (geistig und körperlich freien) Menschen. JEGLICHE EINSEITIGKEIT ist da fehl am Platze. Und Metzgers Gesellschaftskonzept ist eben GROB EINSEITIG. Er müsste eher demaskiert als als “enfant terrible” der Grünen hofiert zu werden!

  26. 23.11.2007 | 12:26

    JEGLICHE EINSEITIGKEIT ist da fehl am Platze.

    Du möchtest doch nicht politische Parteien verbieten?

  27. LeftLibertarian
    23.11.2007 | 13:01

    Metzger macht den Lichtschlag.

  28. Willi
    23.11.2007 | 15:53

    @Rayson
    Da ich nicht weiß, ob Deine Bemerkung ironisch oder ernst gemeint ist, habe ich mich für eine kurze ernste (und erweiterte)Antwort entschieden:

    Natürlich möchte ich die demokratischen Parteien nicht abschaffen. Mir ist auch klar, dass sich jede Partei innerhalb einer “gewissen Glaubensrichtung” bewegt. Innerhalb der Parteien gibt es verschiedene Strömungen (Flügel). Sie ringen dann um die “besten” Konzepte, die z.T. in “Parteilinie” umgesetzt werden. Es ist klar, dass das Gesamtsystem Staat nur funktioniert, wenn in den einzelnen Politikbereichen Entscheidungen getroffen und durchgesetzt werden.

    Ich wollte aber Weg dieser Entscheidungsfindung kritisieren: der verläuft in der Tagespolitik nämlich meist nicht nach den Kriterien ab, die im Laufe der Geschichte von der Philosophie und Wissenschaftstheorie erarbeitet wurden. Es kommen vielmehr oft Menschen zusammen, die von der Sache wenig verstehen, aber aufgrund fragwürdiger Vorentscheidungen in diese Entscheidungsposition gekommen sind. Wenn sie sich dann aber noch ein Weltbild (das ihren Aussagen und Entscheidungen zugrundeliegt!!) zusammengebastelt haben, das einseitig und damit primitiv ist, wird es gefährlich.
    Auch Frau Thatcher hat in GB ihre radikale Politik immer als “TINA” (=There is no alternative) bezeichnet. Ca. zwanzig Jahre später zeigen sich die Schattenseiten für weite Teile der britischen Bevölkerung (die größten Probleme werden sogar schon in deutschen Medien berichtet).
    Ähnliche primitive Argumentationsmuster findest Du in der christlichen Kirchengeschichte, zum Glück hat hier der menschliche Geist für Verbesserungen gesorgt. Auf Einseitigkeit beruhen nicht zuletzt auch totalitäre politische Systeme.

    Daher ärgert es mich ungemein, wenn Metzger als ein Politiker in höherer Position auf Stammtischniveau redet und nicht von der Gesamtheit der Medien ausgelacht wird. Mich ärgert übrigens genauso die “offizielle grüne Stellungnahme”, die ihn zur vollständigen Rücknahme seiner Aussage auffordert.
    Beide Positionen sind in ihrem Absolutheitsanspruch nämlich einseitig und damit allenfalls teilweise wahr.

    Ich unterstelle Metzger aber (ich habe schon angedeutet, dass ich seinen Weg mehr oder weniger regelmäßig seit einigen Jahren verfolge; komme aus B-W), dass er bewusst die Parolen einer Ansicht nachbetet, da er sich bei den Grünen selber ins Abseits manövriert hat und eine neue politische Heimat braucht (in der freien Wirtschaft bzw. der Wissenschaft wäre er vermutlich arbeitslos). Sollten seine Ansichten bzgl. Leistungsgedanken, usw. vor dem Hintergrund seiner Biographie (er studierte sechs Jahre; heute tritt er für Studiengebühren ein, schimpft auf Langzeitstudenten…) sogar seine Überzeugung sein, wäre dies ein Armutszeugnis (ähnliches hat auch Horst Mahler geschafft: von der RAF zum Rechtsradikalismus). Ich kann darin auf alle Fälle keine gefestigte Persönlichkeit entdecken, die über das Wohl und Wehe des Volkes zu entscheiden fähig ist.

    Die Würde “vieler Arbeitsloser” aber durch solche Aussagen zu schädigen, um seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen, das halte ich für höchst unmoralisch. Denn selbst wenn seine Aussage stimmt, haben die betroffenen Arbeitslosen nicht mehr oder weniger Menschenwürde als Oswald Metzger und wir alle. Dass die Menschenwürde als absolut gilt, wollte jeder Demokrat wissen, gerade aber jener, der selber Jura studiert hat, nämlich Metzger.

    Bei solch polarisierenden Aussagen bleibt- und das ist ein weiteres Problem- immer etwas hängen. Je öfter solche Aussagen wiederholt werden, umso eher neigen viele Menschen dazu, sie zu glauben. Es droht die Gefahr, dass aus der Formulierung “viele Arbeitslose” wird: “die Arbeitslosen”. Im nächsten Schritt “weiß man dann doch unzweifelhaft, dass die meisten, wenn nicht gar alle Arbeitslosen dumm und fett sind und saufen”.

    Das ist gefährlich! Daher werfe ich jedem ernsthaften Menschen, der auf einem etwas gehobenen Niveau über Politik sprechen will, solche Aussagen vor. Menschen, die solche Zusammenhänge aber nicht sehen, sollten besser schweigen.

  29. 23.11.2007 | 20:01

    Meine Bemerkung war nicht nur ironisch gemeint. Ich kann dein Wunschbild eines Politikers nicht so richtig nachvollziehen.

    Ob etwas eindeutig oder einseitig ist, scheint mir zu sehr subjektive Einschätzung zu sein. Mir wäre wichtig, dass man bei Politikern weiß, wofür sie stehen. Von “wandelnden Vermittlungsausschüssen” halte ich relativ wenig.

    Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass sich im gegenwärtigen System der Politiker als Beruf durchgesetzt hat, den man schon in frühem Alter ergreift. Die Fachkenntnisse, die da erworben werden, sind dann zunächst weniger thematische als systemische. Aber es ist immer wieder zu sehen, dass das nicht ausschließt, dass sich solche Politiker in Fachgebiete gut einzuarbeiten wissen, ohne dass sie dort vorher über eine besondere formale Qualifikation verfügt hätten.

    Politiker zu sein, ist in der Medienwelt von heute aber auch eine undankbare Sache. Wer gehört werden will, muss in knappen Sätzen zuspitzen können, der darf nicht hin- und herwägen, sondern muss verkünden. Im anderen Fall mögen zwar die kritischen Geister wohlwollend nicken, aber das tröstet einen Politiker auch nicht darüber hinweg, dass er gerade dabei ist, seine Existenzgrundlage zu verlieren.

    Was an Politik dann schließlich herauskommt, und das ist der wirkliche Unterschied zu toalitären Systemen, muss erst durch viele “checks and balances”, von denen wir in Deutschland wahrlich nicht zu wenige haben. Das ist in den seltensten Fällen einseitig. Meist ist es eher Wischi-Waschi.

    Ob bei Metzgers Aussage “slippery slope”-Argumente greifen, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich halte es aber keinesfalls für einen Verstoß gegen die Menschenwürde, real existierende Probleme anzusprechen, selbst wenn dadurch rosa Wolken zerstieben.

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