21. November 2007
Oswald Metzger und die Sozialhilfe-Biografien
SpOn: Metzger pöbelt gegen Sozialhilfeempfänger
Metzger selbst zeigte Verständnis für die Kritik. Er könne “nicht nur austeilen, sondern auch einstecken”. Er sagte der Nachrichtenagentur ddp, Pauschalurteile seien ihm fremd. Seine kritischen Worte hätten sich vor allem auf die “zweite und dritte Generation von Sozialhilfe-Biografien” bezogen. Damit meine er vor allem Eltern, die nicht in der Lage seien, ihre Kinder zu motivieren, sondern diese “vor der Glotze verdummen” lassen. “Diese Form von Stilllegung brandmarke ich”, fügte Metzger hinzu.
Und womit hat er angeblich die Stilllegung gebrandmarkt? SpOn behauptet:
stern.de hatte Metzger, der Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg ist, mit den Worten zitiert, Sozialhilfe-Empfänger sähen “ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen”.
Verlinkt ist das Zitat natürlich nicht, wir sind ja auf spiegel.de, nicht wahr. Bei stern.de liest sich das im Zusammenhang mit der Diskussion um ein Grundeinkommen und mit der Relativierung etwas anders:
(…) Und ausgeblendet wird, dass jene, die arbeiten, genau dieses Grundeinkommen erwirtschaften müssen. Das ist doch einfach Unsinn. Das ist Selbstbetrug hoch drei.
Weshalb?
Wir können doch heute schon bei Sozialhilfe-Biografien über Generationen beobachten, dass Menschen, die von Transfereinkommen leben, nicht aktiviert werden. Sozialhilfeempfänger werden keineswegs schöpferisch aktiv. Viele sehen ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen. Die wachsen dann verdickt und verdummt auf. Wenn das die schöpferische Wirkung des bedingungslosen Grundeinkommens sein soll, das die Menschen davon entbindet, sich um das Existenzminimum zu bemühen und nicht mehr arbeiten zu müssen, dann geht doch die Rechnung nicht auf.
Das Grundeinkommen, wie bedingt oder unbedingt auch immer, ist Sozialismus 2.0. Und Raysons Artikel dazu von annodunnemals ist immer noch unwiderlegt. Was nichts daran ändert, dass Oswald Metzger ein eitler Selbstdarsteller ist und diese ganze gekünstelte Empörung um sein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat wieder einmal ein Tiefpunkt der Unpolitik.
Verfasst von Marian Wirth um 15:30 Uhr in der Kategorie Presse / SPON- und taz-Blog, Sozialpolitik, Sprache (Trackback)