22. November 2007
Frau Pauli tritt bei SPON zurück
Die vielfach (selbst)überschätzte Landrätin Gabriele Pauli ist heute aus der CSU ausgetreten. Kurz darauf ist in der Küche eines fränkischen Müllermeisters eine Tüte Mehl geplatzt. SPON hat sich am Mittwoch dafür entschieden, das erstere Ereignis als veritable Eilmeldung zu bringen. Dabei hätten mich eigentlich eher die Auswirkungen der geplatzten Tüte auf unsere Wirtschaftspolitik interessiert.
Inzwischen kann man bei SPON den ebenso dämlichen wie denkwürdigen Titel Die letzte Show der Latex-Landrätin lesen. An diesem Titel stimmt nun überhaupt nichts: erstens muss es nicht ihre letzte Show gewesen sein, zweitens hat sie heute überhaupt keine Show abgezogen und drittens hat sie nie in Latex als Landrätin amtiert.
SPON veröffentlicht Frau Paulis Austrittsbrief in Auszügen (und nicht im Wortlaut, wie es der Titel der Seite suggeriert). Nachdem ich mich damals hingebungsvoll mit Frau Paulis Programm befasst habe, möchte ich nun auch noch den Abschiedsbrief kommentieren. Beide Dokumente zeigen, warum aus ihrer Kandidatur nichts werden konnte. Frau Pauli schreibt:
Für mich bedeutet politisches Engagement, mich für Bürger so einzusetzen, dass sie sich ehrlich vertreten fühlen. Wer sich für andere einsetzt, sollte das unabhängig vom eigenen Ansehen und Status tun. Nur so ist Politik glaubhaft. Viele Politiker in unserer Partei haben dieses Ziel aus den Augen verloren, versuchen, ihre persönliche Stellung zu wahren, und ordnen die offene Diskussion dem eigenen Machtstreben unter.
Frau Pauli strebte den CSU-Vorsitz an. Parteivorsitzende sind in jedem Gremium von Leuten umgeben, die ihre persönliche Stellung wahren oder verbessern wollen. Ich verstehe bis heute nicht, ob Frau Pauli alle anderen Parteimitglieder für naiv hielt oder für dumm verkaufen wollte: eine Machtposition kann nur nach den Spielregeln der Partei erreicht werden und sie wird vom ersten Tag an mit allen Mitteln verteidigt.
Die CSU hätte es nicht nötig, ihre Parteitage zu inszenieren, wenn die Kraft der Argumente überzeugt. Dann ist Geschlossenheit die Folge der eigenen Überzeugungen.
Erwin Hubers Sekretärin könnte antworten: »Sie hätten es nicht nötig, Ihre Auftritte zu inszenieren, wenn die Kraft Ihrer Argumente überzeugte. Dann wäre Geschlossenheit die Folge Ihrer Überzeugungskraft.«
Ich möchte meine Ideen, die christlich und sozial sind, nicht daran orientieren, ob ich ein Amt erreiche oder nicht. Diese Haltung, die von vielen Bürgern verstanden wird und die eigentlich alle politisch Tätigen als Leitidee haben sollten, wollte ich durch meine Kandidatur deutlich machen. Die Politik muss wieder zurück zu den Wurzeln kommen.
Was lernen wir daraus? Wer Phrasen drischt, sollte es wenigstens im Takt der eigenen Partei tun …
Verfasst von stefanolix um 00:45 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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