Schmiergeld macht glücklich

Schmiergeld bei Pisa - Schüler bekamen 50 Dollar

(…) Die Wissenschaftler des Pisa-Konsortiums, das für den Ablauf der Tests in Deutschland verantwortlich ist, zeigten sich entsetzt. (…)

(…) “Denkbar ist, dass eine Verschiebung von der durchschnittlichen Leistung zur Bestleistung erfolgt”, heißt es in dem Papier mit dem Titel “Bewertende Stellungnahme zu den Maßnahmen zur Steigerung der Rücklaufquoten”. (…)

Im Duden ist Schmiergeld folgendermaßen definiert:

Schmier|geld, das (ugs. abwertend): Bestechungsgeld: -er [be]zahlen, nehmen.

Auch wenn ich mal nicht so beckmesserisch sein und die strafrechtliche Definition der Bestechung zugrundelegen will, so ist auch nach der umgangssprachlichen Verwendung des Wortes, wonach es irgendein Entscheidungsträger (und eben nicht ein Amtsträger oder Bundeswehrsoldat) sein kann, der durch eine Leistung dazu gebracht wird, die für die Entscheidung festgelegten Grundsätze nicht zu beachten, so ist das Setzen eines Anreizes im vorliegenden Fall vielleicht Wettbewerbsverzerrung, aber gewiß keine Bestechung.

Und die “Befürchtung” der Wissenschaftler ist auch interessant: Obwohl die Schüler ja das Geld (oder im Falle von Slowenien sogar (Schul-)Freiheit) für die Teilnahme und nicht für das Erreichen eines bestimmten Testergebnisses erhalten haben, wird “befürchtet”, dass sich dadurch auch ihre Leistungen verbesserten. Shocking, ist es nicht?.

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13 Kommentare zu “Schmiergeld macht glücklich”

  1. 1.12.2007 | 19:04

    Ich finde das cool.

  2. 1.12.2007 | 19:13

    Hoffentlich findet niemand raus, dass mir meine Mama immer 5 Mark Schmiergeld gegeben hat, wenn ich in einer Klassenarbeit ‘ne Eins geschrieben habe. Sonst wird mir noch rückwirkend das Abi aberkannt…

    Oh Gott! Und mein FC Bayern wird in der Bundesliga zwangsabsteigen! Der hat seine Spieler mit Siegprämien - ein billiger Euphemismus für “Schmiergeld” - dazu motiviert Meisterschaften zu gewinnen!

    O tempora, o mores!

  3. 1.12.2007 | 19:29

    Überhaupt, das ganze Gehalt- und Lohnwesen! Ein anständiger Arbeiter schafft auch ohne durch monatliche Überweisungen geschmiert zu sein!

  4. Ben
    1.12.2007 | 19:46

    Das Problem ist nicht die Tatsache, dass Geld fuer die Teilnahme gezahlt wurde an sich (das ist bei wissenschaftlichen Studien ja durchaus ueblich), sondern dass in einigen Laendern Geld gezahlt wurde und in anderen nicht und dadurch die Ergebnisse weniger gut vergleichbar sind.

    Ich glaube zwar nicht, dass das ein Riesenproblem ist (schlechte Schueler werden nicht durch 50 Dollar zu guten) aber bei so einer gross angelegten Studie sollte man auf solche Details eigentlich schon achten.

  5. FG
    1.12.2007 | 20:38

    Natürlich ist die Bezeichnung “Schmiergeld” Unfug. Aber eine Ergebnisverzerrung ist aufgrund der Zahlungen in einigen Ländern tatsächlich nicht auszuschließen. Allerdings würde ich vermuten, dass die Ergebnisse in den Ländern mit Zahlung eher nach unten verzerrt wurden. Und ich vermute in dem ganzen Unternehmen noch Unmengen an weiteren Verzerrungen. Wie dem auch sei: professionell ist das jedenfalls nicht.
    Im übrigen ist der aktuelle Pisa-Hype mit der absolut methodenunkritischen Zahlengläubigkeit und den völlig Absurden Debatten nur noch erschreckend.

  6. Lina
    1.12.2007 | 20:52

    @ Ben

    Unter diesen Umständen also nur eine Wettbewerbsverzerrung?

    Gefallen tut mir das Ganze trotzdem nicht. Ein wissenschaftlicher Vergleich hat ohne äussere Einflussnahme vonstatten zu gehen, sonst verdient er das Etikett nicht, einer zu sein.

    Doch, ich finde das shocking, Marian, aber es wirft mich nicht um, am wenigsten aber wundert es mich ;-).

  7. 1.12.2007 | 21:33

    Also ich kann mir gut vorstellen, das die Schüler mit einer »Teilnahmeprämie« motivierter an die Sache herangehen und ich finde es auch aus Sicht der Lehrer sehr geschickt, keine »Siegprämien« zu bezahlen. Denn wenn man Siegprämien ausschreibt, denken sich 50% der Schüler, dass Anstrengung ja doch keinen Sinn ergibt.

    Wer sagt da, der Schüler solle den Test als sportlichen Wettkampf sehen? Ja, die besseren Schüler sehen das vielleicht so, aber die arbeiten auch ohne Prämie ordentlich mit.

    Was ich viel bedenklicher finde: in einem F.A.Z.-Kommentar las ich in dieser Woche am Rande, dass in bestimmten Ländern bis zu 7% Prozent der Schüler gleich ganz vom Test ausgeschlossen wurden, in Deutschland aber nur 0.7%.

  8. 1.12.2007 | 21:34

    Man verzeihe mir bitte den Tippfehler “7% Prozent”, es war ein langer Arbeitstag.

  9. 1.12.2007 | 22:18

    Ich dachte die Schüler MÜSSEN mitmachen (wenn sie dazu ausgewählt würden). Anscheinend gibt es aber Spielräume für die Länder die getesteten Schüler selber auszuwählen. Das wäre “shocking”, würde man nicht an das Versagen staatliche Veranstaltungen gewohnt sein.

  10. 1.12.2007 | 22:25

    FG und Dirk,

    @Im übrigen ist der aktuelle Pisa-Hype mit der absolut methodenunkritischen Zahlengläubigkeit und den völlig Absurden Debatten nur noch erschreckend.

    @Anscheinend gibt es aber Spielräume für die Länder die getesteten Schüler selber auszuwählen. Das wäre “shocking”, würde man nicht an das Versagen staatliche Veranstaltungen gewohnt sein.

    Ich habe diesen Eintrag vor dem Hintergrund geschrieben, dass ich von den PISA-Tests nichts halte, aus den von Euch genannten Gründen.

    David und Björn,

    was meint Ihr, werden nach dieser unglaublichen Enthüllung deutsche Kinder überhaupt noch an PISA-Tests teilnehmen? Ich sehe schon die SpOn-Schlagzeile vor mir: DER PISA-STREIK.

    Ohne Einführung eines Mindestbestechungsgelds wird da gar nichts gehen, fürchte ich.

  11. 1.12.2007 | 22:37

    Die besten Schüler werden einen eigenen Tarifvertrag fordern ;-)

  12. 2.12.2007 | 3:51

    Das wäre jedenfalls ein Streik mit meiner vollen Unterstützung.

    Ich habe diesen Eintrag vor dem Hintergrund geschrieben, dass ich von den PISA-Tests nichts halte, aus den von Euch genannten Gründen.

    Vor demselben Hintergrund entstanden meine Kommentare.

  13. Robin
    3.12.2007 | 10:15

    Wäre es da nicht auf Dauer günstiger, die Schüler klug zu kaufen, statt ihnen kostspielige und langwierige Schuljahre aufzudrücken?

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