2. Dezember 2007
US-Waffengesetze, reloaded
Nachdem Zettel die Wochenendruhe dazu benutzt hat, in unseren Kommentarbereich einzudringen und einen Thread in Richtung Florida zu entführen, mache ich gleich mal einen auf “Stand your Ground” und versuche, die Diskussion hier hin zu lenken.
Zettel fragt:
An diejenigen, die dafür eintreten, gegen Nazis ihr Recht selbst in die Hand zu nehmen, hätte ich eine Frage: Sind Sie eigentlich auch damit einverstanden, daß in Florida jüngst das Recht jedes Bürgers eingeführt wurde, sein Haus notfalls mit der Waffe gegen Einbrecher usw. zu verteidigen? (Genau genommen: Das Gesetz beinhaltet die Ausgangsvermtung, daß es sich um Notwehr handelt; bestraft wird nur, wem nachzuweisen ist, daß er nicht in Selbstverteidigung gegen den Eindringling geschossen hat).
Die von Zettel angesprochene Gesetzesänderung in Florida liegt mittlerweile über zwei Jahre zurück und wurde damals auch in einigen Blogs thematisiert, z.B. beim Küchenkabinett.
Ein Jahr später wurde das Gesetz von vielen Zeitungen kritisch unter die Lupe genommen. Micha42 hat in den Kommentaren auf ein Surrogat des SpOn (“Lizenz zum Töten”) hingewiesen; dort wird aus der “St. Petersburg Times” und der “New York Times” zitiert, die sich u.a. mit dem Fall des Jason M. Rosenbloom beschäftigen.
Auch britische Zeitungen haben sich des Themas angenommen. Zum Jahrestag 2006 titelte die Sunday Times: “Victims with a licence to kill confuse US law” und der Telegraph bringt ein weiteres Jahr später die Schlagzeile: “Florida ’shoot first’ law helps gangsters”.
Ich hatte eigentlich darauf gebaut, dass Scott W. Stevenson zu dem Thema noch ein paar freundliche Erklärungen parat hat, aber:
Manchmal lohnt es sich, die Dinge vor sich herzuschieben. Zu den wichtigsten Themen, die noch ausstehen, gehören die amerikanischen Waffengesetze. Dieser Autor hat schon eine große Datei mit Links und Stichworten zusammengetragen, allein, er hat bislang die Mühe gescheut, sie in einen Eintrag zu verwandeln.
Zum Glück legt er danach doch noch los, und beschäftigt sich mit der aktuellen Diskussion in den USA um den zweiten Verfassungszusatz: “Von der Bedeutung der Kommata für das US-Waffenrecht”.
Dass sich Amerikaner immer noch schwer tun mit den Kommata, zeigen die Verisse des Buches “Eats, Shoots & Leaves: The Zero Tolerance Approach to Punctuation” im New Yorker und in der New York Times.
Zum Schluss noch der Witz, der für den Buchtitel Pate stand, zitiert in der wohlwollenderen Besprechung im Economist:
A panda walks into a café. He orders a sandwich, eats it, draws a gun and fires. As he is on his way out, the waiter asks him why. The panda hands him a badly punctuated wildlife manual. The waiter reads, “Panda: Large black-and-white bear-like mammal, native to China. Eats, shoots and leaves.”
Moral: Kommas sind wichtig. Vor allem, wenn es um Waffen geht.
Verfasst von Marian Wirth um 12:08 Uhr in der Kategorie International, Politik (Trackback)