Moses, hilf!

Also, wenn das hier nicht nur eine Spinnerei bleiben, sondern tatsächlich verbreitete Realität werden sollte, dann wünscht man sich auch als weniger religiöser Mensch doch einen Moses, der vom Berg steigt und die Götzen zerschlägt…

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12 Kommentare zu “Moses, hilf!”

  1. R.A.
    14.12.2007 | 15:04

    Och je, ruhig bleiben.
    Ein gewisses Inventar an Hilfsmitteln zu diesem Thema hat es schon immer gegeben, besonders reichlich in der modernen Gesellschaft - weitere Varianten sind da weder überraschend noch problematisch.

  2. 14.12.2007 | 15:10

    Und wieso “Götzen”? Muss man Sexualpartner vergötzen? ;-)

  3. 14.12.2007 | 15:23

    Ich sehe das Problem an sich nicht. Fein Roboter werden also, möglicherweise, in Zukunft die Rolle übernehmen, die heute Gummipuppen, Real Dolls oder Vibratoren haben. Creepy, aber wohl kaum das Ende des Abendlandes.

    Bevor nicht eines der Biester den Turing-Test besteht, sehe ich keinen Grund zum Maschinenkreuzzug. By the way: Denen werden hoffentlich die drei Gesetze der Robotik sofort einprogrammiert, nicht dass bald Roboter aus Eifersucht morden.

    (Der ganze SpOn-Text liest sich wie ein Artikel aus einem Skiffy-Pulpmag der Fünfziger und Sechziger.)

  4. 14.12.2007 | 16:19

    Haben wir doch alle schon im Film “Cherry 2000″(1986)gesehen. Was machbar ist, wird auch gemacht, es wäre also keine große Überraschung.

  5. 14.12.2007 | 17:43

    OT: Grmpf, einmal kaufe ich den gedruckten Spiegel und wieder geht so vieles online. Warum kauft einer überhaupt noch das Heft?

  6. Lina
    14.12.2007 | 17:43

    Als Frau und stellvertretend für Frauen gefragt, sage ich: Prima! Wenn sie selbst keine Puppen mehr sind, würde kein echter Mann, aber der anspruchslose Roboter noch nach ihr greifen.

    Andererseits steht auch drin, dass man sich für die Männer das ganze Brimborium mit der künstlichen Intelligenz vermutlich sparen könne. Aha. Weil die sowieso nicht bei der Sache sind, die sie für Frauen ist?

    Sage mir bitte einer, dass das nicht stimmt ;-)!

  7. 14.12.2007 | 22:52

    egal wie ihr zu dem Thema steht, ich kann euch dieses kleine Futurama-Zitat dazu empfehlen:

    http://www.youtube.com/watch?v=1uHD3RnRmZE

    das müsst ihr sehen! es ist wahnsinnig komisch! :-D …mit Empfehlung vom Weltraumpapst. ;-)

  8. 14.12.2007 | 23:12

    @ Björn: wenn schon “Pulp Mag”, dann “SciFi” - “Skiffy” ist definitiv die falsche Aussprache ;)

    Für Nicht-Geeks: SciFi ist eine (bei Lesern “seriöser” SF eher unbeliebte) Abkürzung für “Science Fiction”, “Pulp Mags” waren auf billigem (holzhaltige) Papier gedruckte Magazine mit Kurzgeschichten und Fortsetzungsromanen. Dieses Medium ist schon seit den 50er Jahren praktisch ausgestorben, die wenigen verbliebene SF-Magazine stellten auf (”hochwertiges”) Zeitschriften-, Digest- oder Taschenbuchformat um.

    Nein, als Polemik taugt der Vorwurf, der “Spiegel”-Artikel lese sich wie schlechte und veraltete Science Fiction nicht. Das Thema der “künstlichen Geliebten” oder des “künstlichen Liebhabers” ist in der Literatur schon viel älter; wenn man es genau nimmt, reicht er bis in die altgriechische Mythologie zurück.

    Neu ist einzig, dass solche Androiden (bzw. Gynoiden) heute in technische Reichweite geraten. Was manche Robotiker ein wenig abheben lässt - jedenfalls habe ich diesen Eindruck bei Lesen des Spiegel-Artikels gewonnen.

    Das “Götzen”-Phänomen sähe ich eher dann gegeben, wenn Menschen sich der (vermeintlichen) Autorität einer Maschine unterwerfen würden, etwa ein Computersystem für “unfehlbar” halten. Was bei entwickelten KI (künstliche Intelligenz)-Systemen und einer entsprechenden “maschinenanbetenden” Ideologie durchaus möglich wäre.(Auch ein uraltes Science-Fiction-Thema.) Schon heute gibt es die mich beunruhigende Tendenz, etwa Hochrechnungen oder aus komplizierteren mathematischen Modellen abgeleitete Prognosen sozusagen als “allwissende Orakel” zu behandeln. Das beunruhigt mich bei Weitem mehr als ein “Sex-Roboter”.

  9. 14.12.2007 | 23:19

    Danke, Martin. Deine Bandbreite kommt bei uns meist eh nur unzureichend zum Ausdruck. Aber bei diesen Themen lausche ich dir immer mit offenem Mund… Ganz ehrlich.

  10. 15.12.2007 | 0:32

    @Martin:

    Skiffy wähle ich, weil ich die Debatte SciFi versus SF als Albernheit boykottiere. Das was der SpOn-Text bietet ist für mich aber, nicht inhaltlich sondern stilistisch, auf einem Niveau das die schlechteste SF der Fünfziger und Sechziger zu bieten hatte und mit einer grenzdebilen “Sex, Sex, Sex”-Verkäufermentalität durchsetzt, dass es - in gekürzter Form und ohne Nebensätze - auch in der ZEITUNG erscheinen könnte.

    Das Thema selbst halte ich für nicht unmöglich, aber Futurismus - was ja wieder etwas anderes ist als SF/SciFi/Skiffy, weil man da versucht tatsächlich mögliche Entwicklungen zu prognostizieren - ist ein schweres Feld. In 9 von 10 Fällen (sage ich, ohne das statistisch belegen zu können) tritt deine Prognose nicht ein, oder die Technik überrumpelt dich. Vergleich mal den Futurismus der 1950er mit der Gegenwart: In fast allen Belangen sind wir weiter als angenommen (Miniaturisierung, Computerleistung) oder nicht einmal in der Nähe eines Durchbruchs (fliegende Autos, Mondstädte). Bruce Sterling in Tomorrow Now hat beispielsweise die Robotik ganz rausgenommen, für ihn ist die Gentechnik viel wichtiger als Technologie der Zukunft…

    Das Thema der “künstlichen Geliebten” oder des “künstlichen Liebhabers” ist in der Literatur schon viel älter; wenn man es genau nimmt, reicht er bis in die altgriechische Mythologie zurück.

    Galatea. Sicher. Wird ja auch im SPIEGEL-Text erwähnt. Aber im Kern geht es da geht es nicht um die Idee der künstlichen Geliebten, um den entwicklungshistorischen Verlauf dieses Themas, da geht es schlicht um “Sex + Roboter = $$$” und um die Bedienung bestimmter Klischees:

    Was werden die Nerds erst sagen, wenn sie mit Computern spielen können, die sich bewegen, sprechen, womöglich fühlen können und wie Menschen aussehen?

    “Jede von ihnen lockt mit drei “Vergnügungsportalen”. Auch “Charlie” ist im Angebot, erhältlich mit “montierbarem Penis” in variabler Größe sowie optionalem “Analeingang”.”

    Und der Sex! Immer willig, nie enttäuscht, Migräne ade - und mit den krudesten Phantasien zum Runterladen: “Sextechniken aus der ganzen Welt” könnten dem Roboter einprogrammiert werden - bis hin zum “Lernmodus” für den “sexuellen Novizen”, sagt Levy. Vaginadimensionen und Penisgrößen, Körperduft und Bartwuchs - alles nach Wunsch wählbar.

    Was werden Ehemänner sagen, wenn ihnen ihre Frau zuraunt: “Heute nicht, Liebling, ich will es mit dem Roboter tun”?

    Das ist mir stilistisch alles zu reißerisch um es als ernsthafte Diskursgrundlage zu nehmen. Übrigens auch ein Grund, warum mir die Thesen Levys arg fragwürdig erscheinen: Der Mann wird wissen, dass sich Sex an die Magazine dieser Welt verkauft und bietet ihnen eben das, was sie hören wollen. Und was ja, wie du schon anmerktest, ein kultureller Topos ist. (Vorsicht, nicht wirklich jugendfreies Musikvideo.)

    Neu ist einzig, dass solche Androiden (bzw. Gynoiden) heute in technische Reichweite geraten. Was manche Robotiker ein wenig abheben lässt - jedenfalls habe ich diesen Eindruck bei Lesen des Spiegel-Artikels gewonnen.

    Naja, “technische Reichweite” ist ein weites Feld. Es gibt das alte Programmierercredo, dass die ersten 90% der Entwicklung die ersten 90% der Entwicklungszeit in Anspruch nehmen und die übrigen 10% die nächsten 90% der Entwicklungszeit. Das sehe ich hier ähnlich. Gut, vierzig Jahre sind eine lange Zeit, ausschließen kann ich da nichts. Aber bis zum akzeptierten, menschenähnlichen Modell ist es noch ein weiter weg. Stichwort: Uncanny Valley.

    Die Konsistenz der Haut, die Abwesenheit von Schweiß, das nicht situationsbedingte, randomisierte Blinzeln, das Fehlen eines Pupillenreflexes, et cetera. Das sind Kleinigkeiten, aber die hinzubekommen wird vermutlich ähnlich schwer sein, wie die “großen Dinge” zu kreiieren. Und ehe die Details nicht stimmen, wird ein durschnittlicher Mensch diese Aktroiden nicht als Menschen wahrnehmen. In gewisser Hinsicht, psychologisch, sind diese fast-aber-nicht-ganz Sexobjekte für die Mehrheit der Bevölkerung unheimlicher als klar stilisierter Figuren. Soll heißen: Little Annie Fanny oder Jessica Rabbit eignen sich als Sexobjekt eher, als Aki Ross .

    Das “Götzen”-Phänomen sähe ich eher dann gegeben, wenn Menschen sich der (vermeintlichen) Autorität einer Maschine unterwerfen würden, etwa ein Computersystem für “unfehlbar” halten. Was bei entwickelten KI (künstliche Intelligenz)-Systemen und einer entsprechenden “maschinenanbetenden” Ideologie durchaus möglich wäre.(Auch ein uraltes Science-Fiction-Thema.)

    Womit du das nächste Thema anschneidest: KI. Schau doch mal, wie wenig Fortschritt in den letzten zwanzig Jahren im Bereich echter KI gemacht wurde. Lernfähigkeit, die Reaktion auf Dinge die nicht vorprogrammiert sind, eine “psychologische” Entwicklung, eine “Persönlichkeit”, trallalala… all das müsste gegeben sein, ehe so ein Roboter zu mehr wird als zu einem teuren, mechanischen Sexspielzeug (und dann wird es ethisch komplex, von wegen Prostitution, et cetera… aber das ist gerade natürlich SF). Und gerade diesen Quantensprung sehe ich in den nächsten 40 Jahren nicht.

    Womit auch die nächste Schrittfolge käme: Künstliche Intelligenz ist nicht künstliche Emotion. Was auch noch so ein Faktor ist. Natürlich kann man sich in eine Maschine verlieben. Aber ob es die Welt revolutionieren wird, dass es Sexmaschinen gibt die keinerlei Emotion haben. Oder Emotionen nur abspulen (womit sie natürlich wieder einigen Menschen sehr ähnlich sind)? Dann müssten sie auch in der Lage sein, Stimmungen zu erkennen und darauf zu reagieren. Da ist ein komplexes Situationsanalyseprogramm gefordert, dass alles in den Schatten stellt, das es bisher oder in naher Zukunft geben wird.

    Die Robosex-Kiste fällt für mich in den Bereich “Sommerloch im Winter”. Gut, Levey ist von seinen Thesen überzeugt. Aber ich würde gerne ein paar Entwicklungen sehen, die seine Thesen untermauern. Bisher sehe ich die nicht.

    Die im SPIEGEL wiederholt erwähnten Realdolls sehe ich nicht als Beleg für die Roborevolution an. Die verkaufen sich primär an schlecht sozialverträgliche Außenseiter (siehe diese Doku) und sind hochgerüstete Aufblaspuppen. Aber nichts, dass das menschliche Sex- und Beziehungsleben grundlegend verändert hätte…

  11. googlehupf
    15.12.2007 | 14:41

    Vielleicht hätte sich Levy mal fragen sollen warum trotz der großen Verbreitung von Hilfsmitteln (mit besserer “Leistungsfähigkeit”!) sich die meisten lieber noch einen echten Liebhaber/Partner suchen.

    Nennt mich altmodisch aber so ein Roboter sollte doch etwas mehr bieten als optimale Mechanik.

    Und dann brauchts eben wieder eine vernünftige KI. Die ist wie immer nur 40 Jahre entfernt. In 10 Jahren vermutlich auch noch.

  12. 16.12.2007 | 10:02

    Götzen, lieber Karsten? Dann wären die Menschen aus Fleisch und Blut also Gott?

    Ach nein, sie sind ja oft auch nur - Freud hat diesen Ausdruck gern benutzt - Liebesobjekte, an die sich die “Libido heftet”.

    Im Verliebtsein ist man ja nicht frei, jedenfalls meist nicht, jedenfalls nicht am Anfang. Bestimmte Merkmale, bestimmte Signale, bestimmte Ähnlichkeiten des “Objekts” lösen bestimmte emotionale, hormonale, affektive Reaktionen aus, ob wir wollen oder nicht. Malgré nous, das trifft es.

    ETA Hoffmann hat das im “Sandmann” sehr schön beschrieben. Nathanael verliebt sich in die wunderschöäe Olimpia. Aber ach, sie ist nur ein Automat. Was der Leser bald ahnt, der Held allerdings erst arg spät.

    Sie sieht wunderschön aus, die Olimpia, kann sich graziös bewegen. Allerdings hapert es an der Konversation. Mehr als “ach, ach” ist nicht aus ihr herauszukriegen.

    Aber wen stört das schon, wenn er verliebt ist?

    Herzlich, Zettel

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