18. Dezember 2007
Unterricht ist gelegentlich möglich
35 Jahre lang war Wolfgang Schenk Hauptschullehrer in Berlin: Ein Idealist packt aus. Protokolliert von Ulrich Schulte , die tageszeitung.
Alles nicht neu, aber solche Artikel können gar nicht oft genug erscheinen. Meinetwegen täglich.
Erschüttert hat mich nur, dass Politik und Verwaltung erst durch Pisa gemerkt haben, was an deutschen Schulen eigentlich los ist. Die Lösungen, mit denen die Bürokratie inzwischen reagiert hat, erinnern mich an die DDR-Planwirtschaft: Zentralabitur und Prüfungen wie der mittlere Schulabschluss sollen Schüler vergleichbar machen und zugleich das Niveau aller heben. Welch absurde Vorstellung!
Die Verwaltung bürdet den Kollegien damit Lasten auf, die wenig pädagogischen Nutzen haben. Für den mittleren Schulabschluss bereiten wir die Kinder vor, stellen Prüfungskommissionen zusammen und bewerten tagelang. Diese Zeit fehlt dann für pädagogische Arbeit. Oder: Wir legen detaillierte Förderpläne für die Eltern auffälliger Schüler an, obwohl wir genau wissen, dass der Alkoholikervater den Zettel ungelesen in die Tonne wirft. Alles nur, damit Politik und Verwaltung sagen können: Seht her, wir handeln! Ein trauriges und verantwortungsloses Spiel.
Am Ende steht eine gute Frage:
Warum vertraut die Schulbürokratie eher Bildungsforschern und Statistikern als den Lehrern, die ihre jahrzehntelangen Erfahrungen zur Verfügung stellen können?
Und bevor jetzt wieder dieser auch in diesem Blog beliebte Reflex einsetzt, der zur Grundlage hat, dass sich Liberalismus vor allem in SPD-Bashing erschöpfen sollte: Die Bildungsforscher tummeln sich genau so bei der CDU. Und wer meint, man könne verhaltensgestörten Schülern mit der Einführung von sechs (!) Kopfnoten begegnen, wie sie jetzt von FDP und CDU in Nordrhein-Westfalen wieder eingeführt worden sind, der steht für mich auf einer Stufe mit dünnbrettbohrenden Scholzomaten.
Verfasst von Marian Wirth um 07:31 Uhr in der Kategorie Bildungspolitik (Trackback)