20. Dezember 2007
Panta rhei
Was Aaron Edlin hier beschreibt, ist nichts Neues. Interessant ist höchstens das Stückchen Ökonomie zum Schluss, dessen Vorteil auch gleichzeitig sein Nachteil ist: Es bestätigt im konkreten Fall nur eine intuitive Annahme, von der die meisten wohl auch ohne Herrn Coase ausgegangen wären.
Microsoft kann in seinem bisherigen Geschäftsmodell nur dann wirklich viel Geld verdienen, wenn es genug Gründe gibt, dass Kunden ihr altes Programm, ob Windows oder Office, zugunsten einer neuen Version aufgeben. Der schlechteste MS-Kunde ist einer, der zufrieden mit seiner Software ist. Vielleicht gar so zufrieden, dass er neue Computer ohne Betriebssystem erwirbt und einfach sein altes weiterverwendet. Aber das muss nicht nur an Zufriedenheit liegen: Einer der Gründe, mit denen MS den Wechsel zu einer neuen Version schmackhaft machen will, ist die Fortentwicklung des Produkts. Es soll mehr Möglichkeiten bieten, die alten Funktionen aufpoliert haben und insgesamt besser zu nutzen sein. Bei Office hat das zuletzt nicht mehr richtig funktioniert, weil die meisten Anwender die Komponenten dieses Pakets sowieso nur zu einem äußerst geringen Prozentsatz in all ihrer Funktionsvielfalt verwenden. Office 2007 unterscheidet sich deswegen drastisch von seinen Vorgängern: Nicht nur die Bedienoberfläche einschließlich der von Vielnutzern geliebten Tastenkombinationen wurde geändert, man hat auch auf den beliebten Trick mit dem neuen, nicht abwärtskompatiblen Dokumentformat zurückgegriffen.
Aber die Welt hat sich geändert: Heute kauft niemand mehr einfach die nächste Version. Gerade die Geschäftskunden schauen mittlerweile sehr genau hin, ob das Neue Teil der Lösung oder Teil des Problems ist. Auch die Konkurrenzsituation ist eine andere. Wenn schon MS selbst mit seinen neuen Produktversionen den bisherigen Anwendern erhebliche Umstellungen zumutet, entfällt ein wesentliches Argument gegen den Einsatz von Alternativen. Und davon gibt es inzwischen einige: Zum Beispiel OpenOffice in all seinen Varianten (StarOffice, Symphony) oder sogar Webanwendungen. Ich glaube, wir erleben gerade das Ende von Microsoft “as we know it” (tschulljung für den Anklang an eine Heise-Standardfloskel…).
Bei den Betriebssystemen lohnt sich natürlich immer wieder mal der Blick auf den Pinguin. War es eine Zeitlang üblich, dass Linuxer mehr oder weniger ernsthaft von überzeugten MS-Fans als langhaarige Kommunisten tituliert wurden, kann man bei EconLog jetzt ein Zitat von Linus Torvalds lesen, dass für das Geheimnis hinter Linux weniger ein bärtiger Trierer als ein bebrillter Wiener die passende Erklärung anbietet.
Verfasst von Rayson um 15:55 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Innenpolitik, Wirtschaft (Trackback)