Vakanz: Deutschlands faulster Abgeordneter

Sogar die New York Times hat darüber berichtet, dass “lazy Bismarck” sein Bundestagsmandat zurückgegeben hat. Ich finde das voll ungerecht, dass alle auf ihm rumgehackt haben, denn eigentlich hat er ja nur gemacht, worum ihn Boche gebeten hat - und zwar noch lange bevor Boche sich überhaupt zu Wort gemeldet hatte: er hat sich möglichst selten blicken lassen; das kann man am Abgeordneten-Pranger sehen.

Im Mai 2005 war der Graf als Nachrücker für Peter Harry Carstensen in den Bundestag nachgerückt und hatte sich im Juni locker gegen vier Mitbewerber die Direktkandidatur für die Bundestagswahl gesichert, bei der er dann mit 42 Stimmen Vorsprung (2,1 % Stimmenzuwachs) direkt gewählt wurde.

Bereits im Wahlkampf hat er sich einen Bandscheibenvorfall zugezogen, weshalb Jörg Schönbohm alleine Wahlkampf in Kuddewörde machen musste; zum Pflaumenkuchenessen mit Peter Harry war er dann aber wieder zur Stelle.

Ende April 2006 ist er dann auch noch Vater geworden (der Bericht aus den Lübecker Nachrichten - ein Kronjuwel in der Sparte “Hofberichterstattung”: Bismarck-Spross kommt nach Friedrichsruh).

Also: ein junger Vater mit chronischen Rückenschmerzen, der aus familiären Gründen oft in die USA fliegt und weder der MwSt.-Erhöhung noch der Vorratsdatenspeicherung zugestimmt hat. Versteh’ ich echt nicht, warum alle so sauer auf ihn sind. Ich finde das vorbildlich.

Was ich auch nicht verstehe: Er ist direkt gewählt worden, und zwar denkbar knapp. Er und sein schärfster Konkurrent haben je etwa 83.000 Erststimmen bekommen. Und jetzt rückt einfach ein Kandidat von der CDU-Landesliste nach. Für mich ist unser Wahlrecht da ein bisschen unlogisch.

Wie auch immer: Die Stelle als Deutschlands faulster Abgeordneter ist jetzt vakant. Oder hat die PRAWDA BILD-Zeitung schon eine(n) Nachfolger(in) benannt?

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11 Kommentare zu “Vakanz: Deutschlands faulster Abgeordneter”

  1. 22.12.2007 | 13:44

    Den Job mache ich gern!

  2. 22.12.2007 | 13:44

    Ach Mist; dafür muß man ja gewählt werden. Wählt mich!

  3. 22.12.2007 | 13:53

    Wieso, David? Macht es Dir keinen Spaß mehr, durch zu strenge Noten Jungakademikerexistenzen zu vernichten? ;-)

  4. 22.12.2007 | 14:27

    Das steht bisher außerhalb meiner Macht.

  5. dagny
    22.12.2007 | 18:02

    Schade, dass die bissigen Liberalen sich an einem Abgeordneten festbeissen, der nicht durch Geltungssucht und Machthunger auffällt.

    Drohsel übernehmen Sie!

  6. 22.12.2007 | 18:10

    @dagny

    Du solltest den Beitrag von Marian vielleicht noch mal lesen.

  7. 22.12.2007 | 18:11

    @Marian

    Thema Wahlrecht: Wäre es logischer, wenn der Sozi nachrückte und damit einen aus der aktuellen Fraktion rauskickte?

  8. 22.12.2007 | 18:21

    Rayson,

    Wäre es logischer, wenn der Sozi nachrückte und damit einen aus der aktuellen Fraktion rauskickte?

    Ha, auf die Frage habe ich gewartet! Schön, dass Sie so schnell kommt - und dann noch von Dir!

    Ich denke nicht, dass das logischer wäre, denn

    a.) hat ein CDU-Kandidat den Wahlkreis gewonnen - ihn dann einer anderen Partei zu überlassen, leuchtet mir nicht ein und

    b.) wird es wohl einen Grund gehabt haben, dass der SPD-Kandidat den Wahlkreis, den er ja wohl vorher direkt geholt hat, verloren hat

    Eine Nachwahl wäre wahrscheinlich systemwidrig (wir sind ja nicht bei den Angelsachsen)und zudem auch noch extrem teuer, würde mir aber am besten gefallen.

    (Den Eintrag habe ich ungeschickt terminiert; eigentlich wollte ich mich nämlich an Boche festbeißen ;-))

  9. 22.12.2007 | 18:41

    Eine Nachwahl wäre wahrscheinlich systemwidrig

    Das ist der Punkt. Für die Zahl der Sitze pro Partei ist ja das Verhältniswahlrecht maßgeblich. Zwar gibt es die manchmal enorme Bedeutung erlangende Ausnahme der Überhangmandate, aber auch die ist im Grunde systemwidrig. Die “Erststimme” ist so ein komisches Ding zwischen Marketing, Abgeordnetenauswahl und Chance für kleinere Parteien, die 5%-Hürde zu knacken.

  10. Die Stimme aus dem Off
    23.12.2007 | 14:20

    Ich finde das auch gut und könnte mir diese Arbeitsbelastung sogar in der Gründungsphase vorstellen. Also bitte: Ich möchte mich hiermit für die Liste anbieten.

  11. 3.01.2008 | 21:39

    Ich fürchte mich mehr vor den fleißigen Abgeordneten!

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