22. Dezember 2007
Vakanz: Deutschlands faulster Abgeordneter
Sogar die New York Times hat darüber berichtet, dass “lazy Bismarck” sein Bundestagsmandat zurückgegeben hat. Ich finde das voll ungerecht, dass alle auf ihm rumgehackt haben, denn eigentlich hat er ja nur gemacht, worum ihn Boche gebeten hat - und zwar noch lange bevor Boche sich überhaupt zu Wort gemeldet hatte: er hat sich möglichst selten blicken lassen; das kann man am Abgeordneten-Pranger sehen.
Im Mai 2005 war der Graf als Nachrücker für Peter Harry Carstensen in den Bundestag nachgerückt und hatte sich im Juni locker gegen vier Mitbewerber die Direktkandidatur für die Bundestagswahl gesichert, bei der er dann mit 42 Stimmen Vorsprung (2,1 % Stimmenzuwachs) direkt gewählt wurde.
Bereits im Wahlkampf hat er sich einen Bandscheibenvorfall zugezogen, weshalb Jörg Schönbohm alleine Wahlkampf in Kuddewörde machen musste; zum Pflaumenkuchenessen mit Peter Harry war er dann aber wieder zur Stelle.
Ende April 2006 ist er dann auch noch Vater geworden (der Bericht aus den Lübecker Nachrichten - ein Kronjuwel in der Sparte “Hofberichterstattung”: Bismarck-Spross kommt nach Friedrichsruh).
Also: ein junger Vater mit chronischen Rückenschmerzen, der aus familiären Gründen oft in die USA fliegt und weder der MwSt.-Erhöhung noch der Vorratsdatenspeicherung zugestimmt hat. Versteh’ ich echt nicht, warum alle so sauer auf ihn sind. Ich finde das vorbildlich.
Was ich auch nicht verstehe: Er ist direkt gewählt worden, und zwar denkbar knapp. Er und sein schärfster Konkurrent haben je etwa 83.000 Erststimmen bekommen. Und jetzt rückt einfach ein Kandidat von der CDU-Landesliste nach. Für mich ist unser Wahlrecht da ein bisschen unlogisch.
Wie auch immer: Die Stelle als Deutschlands faulster Abgeordneter ist jetzt vakant. Oder hat die PRAWDA BILD-Zeitung schon eine(n) Nachfolger(in) benannt?
Verfasst von Marian Wirth um 13:38 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)