Der Eintrag zu Pakistan

Außenpolitik interessiert mich zwar, aber ich habe meistens wenig Lust, mich dazu zu äußern. Was hauptsächlich daran liegt, dass ich das Gefühl habe, auf diesem Gebiet seien sowieso schon zu viele Amateure unterwegs. Da muss ich dann nicht noch einen weiteren abgeben. Schon deswegen vermisse ich Ulrich Specks Kosmoblog…

Andererseits stimmt es heute mehr denn je: Kein Land kann sich mehr von dem isolieren, was im Rest der Welt passiert. Ereignisse in den hintersten Winkeln dieser Erde wirken sich immer auch irgendwann in unserem Alltag aus. Das gilt schon für den in einem Urwald gefällten Baum, was als Bild dem aus der Chaostheorie berühmten Flügelschlag des Schmetterlings sehr nahe kommt.

Um so aufmerksamer sollten wir also das beobachten, was gerade vor dem Hintergrund des islamistischen Terrors in Pakistan passiert. Das ist nicht nur ein Staat, der dem Islam seine Gründung zu verdanken hat, er steht auch im Mittelpunkt bedeutender internationaler Konflikte. Der Zauberlehrling USA brauchte dieses Land als Gegengewicht zum früher unter Indira Gandhi eher der Sowjetunion zugeneigten Indien, und er brauchte es als Basis für seine Aktionen in Afghanistan. Wie üblich in diesen Fällen, weigern sich die Besen jetzt aber, in ihre Kammer zurückzukehren. Anscheinend haben die USA zum Schluss erkannt, dass eine Quasi-Militärdiktatur auf Dauer eben nicht für Stabilität sorgt, sondern im Gegenteil dafür, dass sich sich immer mehr Widerstand aufstaut, von dem dann - ebenfalls wie üblich - die radikalsten Kräfte zu profitieren pflegen. Dabei hält die Geschichte mit Iran doch eine gründliche Lektion bereit. Der Versuch, mit alten, nicht gerade idealistischen Politikern wie Benazir Bhutto oder Nawas Sharif das System zu erneuern, kann nicht nur von vornherein als fragwürdig betrachtet werden, er kam aber auf jeden Fall viel zu spät. Diejenigen, die an allem anderen, nur eben nicht an einem freien und demokratischen System interessiert sind, haben die Mittel, jeden Versuch auf dem Weg dahin zu torpedieren. Einen Frieden zu stören, ist immer einfacher, als ihn herbeizuführen - jedenfalls so lange, bis selbst der größte Fanatiker droht, von den Trümmern seines Wahns erschlagen zu werden.

Von außen betrachtet, finden wir hier ein Gemengelage vor, das nur schwer einzuschätzen ist. Man weiß, es gibt die islamistischen Kräfte auf der einen, die der gegenwärtigen Machthaber auf der anderen Seite und diejenigen, die gerne Kalif werden möchten anstelle des Kalifen, mittendrin. Aber zwischen all diesen Elementen gibt es vermutlich dubiose Querverbindungen.

Wenn Pakistan im Chaos versinkt, wie gestern die FTD etwas voreilig titelte, werden wir das auch bei uns zu spüren bekommen. Im Gegensatz übrigens zu allem, wozu ein Saddam je in der Lage gewesen wäre…

Eine interessante Zusammenfassung der Situation Pakistans findet sich in einer Beilage der Zeitschrift “Das Parlament”: Pakistan zwischen Demokratisierung und Talibanisierung.

Ähnliche Beiträge


1 Kommentar zu “Der Eintrag zu Pakistan”

  1. Die Stimme aus dem Off
    29.12.2007 | 11:09

    Ich glaube nicht, dass die pakistanischen Atomwaffen ein Problem sind. Wenn es heikel wird werden die Dinger in einer überraschenden Aktion zerstört. Die Pakistaner haben gar nicht die Möglichkeit diese Waffen zu schützen.

    Man kann Atomwaffen übrigens sprengen ohne die Atomexplosion auszulösen. Das geht sogar mit heftigen konventionellen Explosionen, wie z.B. bei einem Cruise-Missile-Einschlag.

    Pakistan ist ein super Sprungbrett für den kommenden Bürgerkrieg auf der arabischen Halbinsel, eine Bedrohung von uns (oder sogar dem Nachbarn Indien) geht meiner Meinung nach von diesem Land nun wirklich nicht aus. Pakistan hatte noch nie die Möglichkeiten Indien wirklich standhalten zu können und wird sie auch nie haben.

    Guten Rutsch,

    DSadO

Bad Behavior has blocked 1122 access attempts in the last 7 days.