Auf dem Weg in die Simonie?

Natürlich kann man sich in Deutschland politische Ämter nicht kaufen, wie es etwa in der Kirche über lange Jahrhunderte hinweg üblich war. Jedenfalls nicht direkt, sondern nur über Makler, etwa die Hamburger CDU, die jetzt gute Listenplätze und die Aufstellung als Direktkandidat in konservativen Wahlbezirken von der vorherigen Zahlung einer gewissen Summe abhängig macht. Der Unterschied zwischen einem direkten Ämterkauf und dieser seltsamen Konstruktion ist also vor allem der, dass der Simonit auch Pech haben kann, wenn sich die Wähler entschließen, dem Makler etwas weniger Beute aus dem “Wahlkampf” zuzusprechen, als dieser und der Möchtegern-Simonit erhofft haben. Der Makler aber gewinnt immer, denn das Geld wird selbstverständlich nicht zurückerstattet - was es noch wahrscheinlicher macht, dass sich nur noch die Wohlhabenden für die Listenplätze der Hamburger CDU interessieren. Wer nicht viel Geld hat, der wird sein weniges Erspartes wohl nicht für ein solches Glücksspiel riskieren.

Aber man darf der CDU hier keine allzu großen Vorwürfe machen - andere Parteien betreiben den Ämterkauf lediglich etwas sozial ausgewogener, wie die “Grüne Freiheit” zurecht anmerkt. Bei den Grünen nämlich kann die Simonsgebühr nämlich nachträglich abgestottert werden, aus der Beute, die die erkämpften Pfründe hergeben - und es gibt sogar noch eine Geld-Zurück-Garantie, wenn die versprochenen Ämter vom Makler nicht geliefert werden!

Die Wikipedia hat wohl recht, wenn sie behauptet:

In seiner modernen Variante wird Simonie nie ganz verschwinden. Die mittelalterliche Simonie ist allerdings nicht mehr vorstellbar und verboten.

Der Unterschied scheint vor allem zu sein, dass sie jetzt nicht mehr von der Kirche betrieben wird, sondern von den Organisationen, die sich den Staat zur Beute gemacht haben - den Maklern der Macht, vulgo Parteien.

Ähnliche Beiträge


6 Kommentare zu “Auf dem Weg in die Simonie?”

  1. 31.12.2007 | 19:26

    Spenden, die ein Mandatsträger oder durch sein Parteibuch zu einem Posten gekommener an seine Partei abdrücken sollte/muss, sind allerdings etwas unsicherer. Denn wenn man nicht mag, dann war es das. Für beide Seiten.

    Daher ist die Variante - wie Kauf ohne Handyvertrag entspricht - natürlich sicherer.

  2. 1.01.2008 | 3:39

    Tjaaa… aber Trick 17 ist ja, dass man erst nach 8 Jahren (also mindestens einer Wiederwahl, für die man wieder den Makler braucht) die wirklichen Gewinne aus dem Pfrund einsacken kann: nämlich die lebenslange Pension im Alter! Also: Wer würde da nicht bezahlen?

  3. 1.01.2008 | 11:00

    Eigentlich muss man nur eine Legislatur durchhalten. Denn nach dem Kandiatenaufstellparteitag kann einem keiner mehr was.

  4. R.A.
    1.01.2008 | 13:18

    Die Hamburger CDU hat sich ganz schön blöde angestellt mit ihrer Vorkasse. Das wird jetzt nämlich juristisch wirklich interessant - die sonst übliche Fiktion der “freiwilligen” Spende, mit der bei allen Parteien das Parteiengesetz umgangen wird, läßt sich hier kaum noch halten.

  5. 1.01.2008 | 19:23

    @Marc:
    Also muss man zumindest einmal das Amt bezahlen. Beim zweiten Mal kann man dann den Makler besch…

    Okay. ;)

  6. 1.01.2008 | 20:39

    Das schreit doch geradezu nach einer Überprüfung der nächsten Bürgerschaftswahl vor dem Verfassungsgericht?

Bad Behavior has blocked 1170 access attempts in the last 7 days.