31. Dezember 2007
Auf dem Weg in die Simonie?
Natürlich kann man sich in Deutschland politische Ämter nicht kaufen, wie es etwa in der Kirche über lange Jahrhunderte hinweg üblich war. Jedenfalls nicht direkt, sondern nur über Makler, etwa die Hamburger CDU, die jetzt gute Listenplätze und die Aufstellung als Direktkandidat in konservativen Wahlbezirken von der vorherigen Zahlung einer gewissen Summe abhängig macht. Der Unterschied zwischen einem direkten Ämterkauf und dieser seltsamen Konstruktion ist also vor allem der, dass der Simonit auch Pech haben kann, wenn sich die Wähler entschließen, dem Makler etwas weniger Beute aus dem “Wahlkampf” zuzusprechen, als dieser und der Möchtegern-Simonit erhofft haben. Der Makler aber gewinnt immer, denn das Geld wird selbstverständlich nicht zurückerstattet - was es noch wahrscheinlicher macht, dass sich nur noch die Wohlhabenden für die Listenplätze der Hamburger CDU interessieren. Wer nicht viel Geld hat, der wird sein weniges Erspartes wohl nicht für ein solches Glücksspiel riskieren.
Aber man darf der CDU hier keine allzu großen Vorwürfe machen - andere Parteien betreiben den Ämterkauf lediglich etwas sozial ausgewogener, wie die “Grüne Freiheit” zurecht anmerkt. Bei den Grünen nämlich kann die Simonsgebühr nämlich nachträglich abgestottert werden, aus der Beute, die die erkämpften Pfründe hergeben - und es gibt sogar noch eine Geld-Zurück-Garantie, wenn die versprochenen Ämter vom Makler nicht geliefert werden!
Die Wikipedia hat wohl recht, wenn sie behauptet:
In seiner modernen Variante wird Simonie nie ganz verschwinden. Die mittelalterliche Simonie ist allerdings nicht mehr vorstellbar und verboten.
Der Unterschied scheint vor allem zu sein, dass sie jetzt nicht mehr von der Kirche betrieben wird, sondern von den Organisationen, die sich den Staat zur Beute gemacht haben - den Maklern der Macht, vulgo Parteien.
Verfasst von Karsten um 17:09 Uhr in der Kategorie Politik, Rochus (Trackback)