Linksruck

Westerwelle hat ihn diagnostiziert, und ein Artikel in “Foreign Policy” meint zu wissen, warum es ihn gibt: Der Linksruck wurde anerzogen.

Da mir aufgrund der Konsequenzen persönlicher Entscheidungen mangelnder staatlicher Förderung keine empirischen Studien anhand des Lernmaterials eigener Kinder möglich sind, kann ich nur den Verdacht bzw. die Hoffnung äußern, dass die Lehrbuch-Auswahl des Autors eher einseitig als repräsentativ zu nennen ist.

Aber die generelle Einstellung der Bevölkerung, die gibt er wohl ganz zutreffend wieder.

(via Greg Mankiw)

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10 Kommentare zu “Linksruck”

  1. 8.01.2008 | 18:33

    Da ist was dran. Ich hatte in der 11ten Klasse eine ziemlich dumme Erdkundelehrerin, für die die Grüne Revolution Teufelszeug war. In einer Klausur zu Bolivien, das Soja exporierte, schrieb ich, dass an dem Export ohne weitere Information nichts auszusetzen sei, da man durch Devisen einnehme, die man für den Import anderer Lebensmittel verwenden könnte. Dahinter steht jetzt in Rot “Das ist doch Schwachsinn oder?” Unglaublich.

    Darüberhinaus weiss ich von Bekannten und Freunden wie es auf Gesamtschulen zugeht. Da soll dann in einer Matheaufgabe das Steuermodell von Kirchhoff kritisiert werden oder ähnliches.

  2. 8.01.2008 | 19:06

    Kann ich nur bestätigen. Vor allem das mit der fehlenden Vermittlung von “entrepeneurship”. Unternehmen kamen während meiner Schulzeit ausschließlich als multinationale Konzerne daher.

  3. googlehupf
    8.01.2008 | 19:44

    In den Unterrichtsmaterialien die ich im Wirtschaftsunterricht (11.-13. Klasse ) kredenzt bekam ging es nicht ganz so rabiat zu. Lehrer und Materialien versuchten einfach “alle Seiten” darzustellen und uns den Rest selbst denken zu lassen.
    Erstaunlich war nur der Raum der klassich keynesianischen (nicht neo) Positionen eingeräumt wurde. Hatte auch allerdings was mit der Historie zu tun.

    In höheren Klassen ist das eigentlich auch kein Problem solange mehrere Blickwinkel vorgestellt werden. Da sollte man ja auch langsam in der Lage sein ab und an seinen eigenen Schädel einzusetzen.

    Die im Text genannte Aufgabe für 4.Klässler, oder die Besprechung von Steuermodellen im Matheunterricht. Da fängt man schon an sich am Kopf zu kratzen.

    Es wäre echt interessant wie repräsentativ das ist.

  4. 8.01.2008 | 20:01

    Wird Wirtschaft bei uns nicht richtig gelehrt?…

    Zumindest wenn es nach Stefan Theil von Newsweek geht. Er fand einige faszinierende Passagen über Wirtschaft in deutschen und französischen Lehrbüchern, die ideologisch stark gefärbt sind.
    Während in Deutschland die Schüler vor allem …

  5. jopa
    8.01.2008 | 23:47

    Entspricht auch meiner Wahrnehmung. Zeitweise (~ 9.-10. Klasse) hatte ich einen Lehrer, der für die SPD in der Bürgerschaft saß und einen entsprechend ausgewogenen (Achtung, Ironie!) Unterricht gab. Ich erinnere mich auch noch sehr gut, daß selbst mir als damals noch sehr ahnungslosem Schüler die extreme Einseitigkeit der Materialien auffiel. Im Lehrbuch hieß es, daß das neu geschaffene Vermögen selbstverständlich durch den Staat verteilt werden müsse; liberale (= marktnahe) Positionen wurden wunderbar neutral als “Pferdeapfeltheorie” (im Sinne, es fiele zufällig etwas für die Armen ab) bezeichnet. Die extreme Einseitigkeit hat mich aber eher abgestoßen, daß einzige Ergebnis ist wahrscheinlich, daß ich mich in solchen Blogs wie diesem hier herumtreibe… ;-)

    PS: Der Typ war mir ohnehin unsympathisch, schlicht deshalb, weil er öffentlich ein großer Anhänger der Gesamtschule war, seine Töchter aber wohlweislich ein lokales Traditionsgymnasium besuchten…

  6. 9.01.2008 | 0:50

    Mannomann, das Ausmaß war mir nicht bewußt. Ich habe das Zeug meist nicht gelesen…

  7. 9.01.2008 | 9:24

    David,

    Mannomann, das Ausmaß war mir nicht bewußt. Ich habe das Zeug meist nicht gelesen…

    Wie hast Du Dich dann durchgeschlagen - vom Nachbarn abgeschrieben?

  8. Parker8
    9.01.2008 | 11:23

    Das Problem ist doch eher, dass Ökonomie fast gar nicht unterrichtet wird. Als Gymnasiast kommt man damit nicht notwendigerweise in Berührung.

    Dabei wären da ja durchaus die Tools vorhanden, um sowas wie Preisbildung auch mathematisch zu verstehen.

    Ist das in Amerika anders? Nö. Der Artikel in Foreign Policy verwechselt (Einwanderer-)Mentalität mit Bildung.

    Mit “Linksruck” hat es eo ipso auch nichts zu tun.

  9. 9.01.2008 | 11:31

    Ist das in Amerika anders? Nö. Der Artikel in Foreign Policy verwechselt (Einwanderer-)Mentalität mit Bildung.

    Zu den Dingen, die man an dem Artikel kritisieren könnte, gehört das wohl nicht. Siehe z.B. das hier:

    This is a world apart from what American high school students learn. In the United States, where fewer than half of high school students take an economics course, most classes are based on straightforward, classical economics. In Texas, the state-prescribed curriculum requires that the positive contribution of entrepreneurs to the local economy be taught. The state of New York, meanwhile, has coordinated its curriculum with entrepreneurship-promoting youth groups such as Junior Achievement, as well as with economists at the Federal Reserve. Do American schools encourage students to follow in the footsteps of Bill Gates or become ardent fans of globalization? Not really. But they certainly aren’t filling students with negative preconceptions and suspicions about businesses and the people who run them. Nor do they obsess about the negative side effects and dangers of economic activity the way French textbooks do.

  10. Parker8
    9.01.2008 | 14:40

    OK, der Wissensstand bei den High Schools ist wohl mittlerweile oberhalb der Erwartungen.

    Trotzdem sind - hinsichtlich des Artikels - für die Unterschiede in den Einstellungen zum Unternehmertum die verschiedenen Mentalitäten zwischen USA und Europa nicht zu unterschätzen. Ergebnisse aus GB wären hier vergleichsweise interessant.

    Übrigens ist VWL in deutschen Schulen für Wirtschaftsberufe ganz korrekt, soweit ich weiß. Natürlich ist das nicht auf elaboriertem Niveau.

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