Heraustreten zur Durchsuchung!

Die DDR wird bis heute von vielen Westdeutschen als absoluter Unrechtsstaat eingestuft. Einige Ostdeutsche widersprechen mit dem Hinweis, dass doch nicht alles schlecht war. Sprechen wir also über den Schutz der Privatsphäre in der DDR und im vereinigten Deutschland. Sprechen wir über meine Vergangenheit und unsere Zukunft.

In der DDR-Schule wurden wir schon in der ersten Klasse gezwungen, den Inhalt unseres Schulranzens vor allen anderen Schülern auszupacken und uns äußerlich abtasten zu lassen. Das wurde mit der Suche nach »Schund- und Schmutzliteratur« begründet. Man suchte bei diesen fast schon überfallartigen Visitationen nach beliebigen Druckerzeugnissen aus dem Westen, man fand auch gern westliche Plastiktüten oder Spiele. »Durchsuche einen, erziehe alle!« mag sich unsere Stasi-Schuldirektorin dabei gedacht haben. »Alles Bürgerliche ist Schund und Schmutz« sollte offiziell bei uns Schülern hängenbleiben. Erniedrigend war es allemal.

Noch schlimmer war es später bei der NVA. Dort musste die gesamte Kompanie heraustreten und dann wurden die Spinde ohne Beisein des Soldaten durchsucht. Bei den Durchsuchungen wurden oft private Briefe gelesen; privates Eigentum wurde beschädigt oder zerstört. Offiziell ging es natürlich um die Suche nach NATO-Agenten und um die innere Sicherheit der NVA.

Diese Eingriffe in meine Privatsphäre mochte ich damals (mit 19 Jahren) nicht unbedingt den hohen Offizieren zur Last legen. Sie haben sich vielleicht sogar darauf verlassen, dass nur nach Recht und Gesetz durchsucht wird. Nein, die größte Wut hatte ich auf die ausführenden »Uffze«[1], die meist noch nie im Leben ein Buch gelesen hatten und deshalb natürlich auch nicht damit umgehen konnten. Jedenfalls gab es in der NVA weniger Privatsphäre, als in diesen hübschen Brotbeutel[2] gepasst hätte. Aber zugunsten der inneren Sicherheit musste man eben darauf verzichten.

Den Prototyp des allzeit zur Durchsuchung bereiten »Werkzeugs der inneren Sicherheit« habe ich später im Film »Das Leben der Anderen« wiedergesehen: in der Rolle dieses elenden Spanners auf dem Dachboden, der nie so recht begriffen hat, wen und was er eigentlich überwachen soll. Eine abstoßende Gestalt.

Nach der Wiedervereinigung glaubte ich, dass solche Maßnahmen nur noch auf dem Müllhaufen der Geschichte Platz finden. Die geplanten Maßnahmen zur »Erhöhung der inneren Sicherheit« erinnern mich jetzt aber immer öfter an die Zustände in der DDR. Heute geht es nicht mehr um das Durchsuchen von Spinden, sondern um das Schnüffeln in privaten Computern. Heute sitzt kein Spanner mehr auf dem Dachboden, wie in »Das Leben der Anderen«. Aber vielleicht kramt irgendeine Person im Namen der inneren Sicherheit bald heimlich in privaten Fotos, E-Mails und Tagebüchern? Erinnern wir uns: jedes Mittel der Überwachung kann missbraucht werden und wird missbraucht werden.

Nun möchte man uns suggerieren, dass das doch alles nicht so schlimm werden wird. Auf der Webseite des BMI werden in Form einer FAQ einige Fragen und Antworten zur Online-Durchsuchung veröffentlicht[3]. Diese Fragen und Antworten sollte jeder unter die Lupe nehmen, dem Privatsphäre noch etwas wert ist. Ich will damit in dieser Woche beginnen und wer mitmachen will, ist gern eingeladen.

Eine FAQ besteht normalerweise aus Frage-Antwort-Paaren. In der ersten »Frage« des BMI sind aber nicht weniger als vier Einzelfragen zusammengefasst. Diese Form eignet sich vielleicht zum Nebelkerzenwerfen — aber zur Transparenz trägt sie sicher nicht bei.

Wird bei der geplanten Online-Durchsuchung der Datenschutz genügend berücksichtigt? und Wird meine Privatsphäre ausreichend geschützt? sind geschlossene Fragen, die man nur mit Ja oder Nein beantworten kann. Solche Fragen haben in einer FAQ eigentlich nichts zu suchen. Das BMI beantwortet sie natürlich auch nicht. Stattdessen beginnt die Antwort mit einem Wortschwall, der am Thema vorbeigeht. Die beiden Fragen Wie bleiben meine privaten Dokumente geschützt? und Wie bleiben gewerbliche und berufliche Unterlagen geschützt? werden nicht wirklich beantwortet.

Die ersten Fragen und Antworten sind also komplett durchgefallen. Schalten Sie bitte wieder ein, wenn es heißt: »Durchsucht die BMI-FAQ!«;-)


[1] »Uffz« war damals die wenig respektvolle Bezeichnung für »Unteroffizier der NVA«.
[2] Nein, in der DDR-Armee wurde nichts in Fraktur beschriftet.
[3] Hinweis: von Fefes Blog


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24 Kommentare zu “Heraustreten zur Durchsuchung!”

  1. 9.01.2008 | 11:20

    “Uffz” heißt das auch beim Bund.

  2. 9.01.2008 | 11:36

    Ich bin mir nicht sicher, ob die mitunter genüssliche Erniedrigung der DDR-Rekruten durch Uffze (der jeweils Diensthabende wurde von uns daher auch Blockwart genannt) wirklich etwas mit mangelnder Intelligenz oder gar fehlender Belesenheit zu tun hatte. Gruppenführer waren ja in der Regel sog. “Dreiender”, also Leute die sich meist aus Karrieregründen, also um Abitur- Studienplatz zu bekommen, für den dreijährigen Wehrdienst meldeten. Deren formale Ausbildung war also mitunter sogar überdurchschnittlich. Wirklich unterirdisch waren vor allem die Feldwebel, ok auch Uffze, die wegen Scheiterns in der Praxis für zehn Jahre auf Rekruten losgelassen wurden. Aber beide haben sich nicht viel genommen. Da muss also irgendwie ein tieferer Instinkt existieren, der unter Kasernenbedingungen, und das gilt für die DDR im Allgemeinen, Kontrolle und Willkür als lustvoll empfinden lässt.

  3. stefanolix
    9.01.2008 | 12:05

    @SteffenH: Es gab bei uns drei Jahre dienende Unteroffiziere mit Abitur, die mit den Schikanen nichts zu tun hatten (das waren meist Spezialisten). Ich meinte Feldwebel und Feldwebel-Anwärter, die erkennbar auf allen sonstigen Feldern des Lebens versagt hatten (vgl. auch den spannenden Stasi-Mann aus “Das Leben der Anderen”. Und da sich die Menschen seitdem nicht grundlegend geändert haben, dürfte es diesen Typ auch heute noch geben …

    Wir sind noch nicht wieder auf dem Niveau der DDR angelangt. Aber wenn wir jetzt nicht aufpassen, baut sich ein großes Missbrauchspotential auf.

    @Rayson: Das lernte ich erst später. Soweit ich weiß, ging (geht) es beim Bund etwas zivilisierter zu.

  4. R.A.
    9.01.2008 | 12:58

    Bei den meisten Armeen war und ist Privatsphäre bei den schlichten Soldaten kein Thema und die Willkür und Ungerechtigkeit durch miese Unteroffiziere ständiges Thema.

    Es ist eher die positive Ausnahme, wenn die Bundeswehr in einigen Punkten besser ist.

    Viel interessanter für die DDR-Praxis finde ich daher das Beispiel mit dem Schulranzen.

    Und dann der Kontrast zur Heuchelei der DDR-Fans der Linken, die heute ganz groß und empört tun, wenn es um die neuen Gesetzesvorlagen geht.

  5. 9.01.2008 | 13:29

    @stefanolix:

    Meine Bedingungen waren wohl etwas anders geartet, da ich meinen Wehrdienst nicht bei der NVA, sondern bei einem anderen “Sicherheitsorgan” gemacht habe. Hier gab es erstaunlicherweise fast ausschließlich Abiturienten, egal in welcher Laufbahn. Die Schikane existierte trotzdem und entwickelte in Form der EK-Bewegung teilweise eine nicht minder gruselige Eigendynamik innerhalb der Mannschaften.

    Genau aus diesem Grund bin ich auch davon überzeugt, dass das Ende der DDR zwar ein Erfolg aber bestimmt kein Grund zum Aufatmen ist.

  6. DDH
    9.01.2008 | 19:41

    Nachdem der Niebel-Nebel resp. Pulverdampf der FDP-Schlacht sich verzogen hat, sehen wir bleich vor Entsetzen deutlich vor Augen: Ja, die Transmutation der BRD zur neuen DDR ist in vollem Gange!

  7. DDH
    9.01.2008 | 19:44

    Bei den meisten Armeen war und ist Privatsphäre bei den schlichten Soldaten kein Thema und die Willkür und Ungerechtigkeit durch miese Unteroffiziere ständiges Thema.

    @R.A.: Deswegen lehnt Rothbard in seiner “Ethik der Freiheit” und in “Eine neue Freiheit” ja auch das Prinzip Armee als solches ex tunc ab - und nicht bloß die Wehrpflichtarmee. Aber Rothbard sollte ich wohl auf einem Minimalstaatler-Blog besser nicht erwähnen, weil sonst wird mir der Ranzen durchsucht… ;)

  8. Die Stimme aus dem Off
    9.01.2008 | 20:00

    Ich schreibe es ungern in Gegenwart von Opfern eines Unrechtsregimes: Erniedrigung und Demütigung, Eingriffe in die Privatsphäre, Schikanen und andere schlechte Dinge gehören als notwendiges Erziehungsmittel in die militärische Ausbildung.

    Ohne diese Mittel kann man die Ordnung im Militär nicht gewährleisten, die Gefolgschaft der Soldaten nicht sicherstellen. Das ist natürlich grausam - insbesondere gegenüber Wehrdienstleistenden - aber notwendig.

    Heutzutage will man das nicht mehr wahrhaben, weil man von der Illusion des “Bürgers in Uniform” ausgeht. Zum Glück werden heutzutage mit diesen “Soldaten” auch keine Kriege mehr geführt. In diesem neuen Zeitalter ist der Bürgerkrieg das Mittel der Wahl der Konfliktbewältigung und bedingungslose Gefolgschaft und die Bereitschaft den eigenen Tod in Kauf zu nehmen nicht mehr erforderlich.

    Von diesen rückgratlosen Generälen der Gegenwart hat kein einziger den Mut das öffentlich zu äußern, insgeheim wären sie aber alle glücklich über gedrillte Soldaten vom Schlage eines römischen Legionärs. Das die Kampfkraft der deutschen Armeen nach dem zweiten Weltkrieg nicht größer geworden ist, haben zum Glück schon andere Leute festgestellt.

    Soldaten sind Menschen, die andere Menschen töten können sollen. Menschen, die Leid und Schmerz aushalten können müssen und in altruistischer Selbstaufopferung ihr Leben für die Erfüllung eines Befehls geben können müssen, dessen Sinn ihnen komplett entgehen kann oder ihnen gar vollständig unsinnig erscheint.

    Wie man das mit humanen Mitteln erreichen können will ist mir schleierhaft und meines Wissens nach wurde das auch noch nie erreicht.

  9. Lina
    9.01.2008 | 20:49

    @ DSadO

    “Erniedrigung und Demütigung, Eingriffe in die Privatsphäre, Schikanen und andere schlechte Dinge gehören als notwendiges Erziehungsmittel in die militärische Ausbildung.”

    Spricht auch vieles dagegen, finde ich, zum Beispiel Stanley Kubricks Film “Full metal Jacket” - oder doch dafür ;-), indem an dessen Ende ein ebensolcher Ausbilder erschossen wird…?

    Im Ernst: wer heute noch einen Menschen als Objekt und Waffe sehen will, ist nicht bei Trost, und das meine ich im Wortsinn (!) - und im Sinne von SteffenH, der Willkür und Kontrolle dem dazugehörigen Lustprinzip zuordnet. Mit der Spitzelei - damals und heute - verhält es sich nicht anders.

  10. 9.01.2008 | 20:55

    Wir sind noch nicht wieder auf dem Niveau der DDR angelangt.

    Stimmt, wir sind möglicherweise schon darunter (oder darüber? Was drückt nun die Negativität aus?).

    Dieser Staat muss Dich nicht ins Gefägnis stecken, um Dich wirkungsvoll zu bekämpfen. Er muss Dich nicht foltern. Er zerstört unsere Freiheitsrecht nicht offen, er schläfert uns ein. Und wenn wir dann ruhig schlafen, bekommen wir das Kissen ins Gesicht gedrückt. Mann, wir leben schon längst in einem repressiv-neosozialistischen Staat. Die Form ist eine andere. Die offiziellen Phrasen mögen sich unterscheiden und die Uniformität des Äußeren ist zu Gunsten sozialpädagogisch unterstützer Uniformität in Seele und Geist zurückgetreten …

    Aber wenn wir jetzt nicht aufpassen, baut sich ein großes Missbrauchspotential auf.

    Also, da braucht sich nichts mehr aufbauen, dat iss schon ferddich.

  11. 9.01.2008 | 21:59

    Die offiziellen Phrasen mögen sich unterscheiden und die Uniformität des Äußeren ist zu Gunsten sozialpädagogisch unterstützer Uniformität in Seele und Geist zurückgetreten …

    Stimmt nicht. Ich bin ein Individuum

  12. 9.01.2008 | 22:01

    @Stimme

    Erniedrigung und Demütigung, Eingriffe in die Privatsphäre, Schikanen und andere schlechte Dinge gehören als notwendiges Erziehungsmittel in die militärische Ausbildung. (…) Das ist natürlich grausam - insbesondere gegenüber Wehrdienstleistenden - aber notwendig.

    … schreibt eine/r, die vielleicht vieles hat, aber sicher keine Ahnung von einer im Prinzip ‘rechtsstaatlichen’ Armee wie es die Bundeswehr ist.

    “Militärische Ordnung” ist in der Tat an eine bestimmte Art der “Menschenführung”, mehr noch: an bestimmte rechtliche Rahmenbedingungen (in diesem Fall: einschränkende gegenüber Zivilisten) geknüpft. Der Vorwurf möglicher Illegitimität ist viel eher an die Wehr”PFLICHT” zu richten als pauschal an “das” Militär.

    Bei der Bundeswehr sind alle Einschränkungen ‘normaler’ Bürgerrechte kodifiziert im Grundgesetz, im Wehrrecht, in Wehrdisziplinarordnung und dem Soldatenrecht. Das Wehrbeschwerderecht regelt sehr umfangreich, wann und wie ein Soldat, der sich ungerechtfertig oder gar unrechtmäßig behandelt fühlt, sich beschweren kann - bis hin zur Eingabe einer Beschwerde an den Wehrbeauftragten der Bundeswehr im Bundestag. Alle Beschwerden (auch mündliche, die gegenüber dem zuständigen Disziplinarvorgesetzten [zuerst der Kompaniechef] zu Protokoll gegeben werden) müssen bearbeitet werden.

    Echte Schikane, ungesetzliche Eingriffe in die Privatsphäre und dergleichen habe ich nicht nur nicht erlebt in 13 Jahren Dienstzeit, sondern auch selbst nicht ausgeführt, und auch nicht geduldet.

    Stimme meint: Ohne diese Mittel kann man die Ordnung im Militär nicht gewährleisten, die Gefolgschaft der Soldaten nicht sicherstellen.

    Das ist grotesker Unsinn. Ich habe in meiner Zeit im Truppendienst und in Lehrgängen insgesamt ca. 1000 Soldaten beinahe aller Dienstgradgruppen geführt. Ich hatte “Ordnung” und “Gefolgschaft” im Sinne des Auftrags, wie es so schön heißt.

    Gruß BW, Major a.D.

    PS: Sollte eine Richtigstellung sein, denn er tut einer Bundeswehr und denen, die sich für den Dienst in ihr entschlossen haben, grob Unrecht; mein Beitrag ist dennoch keineswegs als Militärapologetik zu verstehen. Ich würde unter gegebenen Umständen jede ’stehende Armee’ schlicht abschaffen - aber aus anderen Gründen als aus denen möglicher Schinderei Zwangsuntergebener. Letzteres ist nur eine zu verurteilende Begleiterscheinung psychosozialer Natur, die eintreten, sobald die Umstände “stimmen”.

  13. stefanolix
    9.01.2008 | 22:20

    Lieber DSadO,

    ich schreibe es ungern in Gegenwart des Vertreters einer so fein ausformulierten Theorie: Dass Erniedrigung, Demütigung, Eingriffe in die Privatsphäre, Schikanen und andere schlechte Dinge als notwendiges Erziehungsmittel in die militärische Ausbildung gehören, ist höherer Blödsinn. Bitte lies meinen Kommentar trotzdem bis zum Ende;-)

    Selbstverständlich gehören zur Ausbildung in einer Armee eine Menge Dinge, die wehtun können. Es ist nicht jedermanns Sache, in der Frühe 3.000 Meter zu laufen, mittags über eine Sturmbahn zu gehen oder abends Wache zu schieben. All das sind Eingriffe in die Privatsphäre junger Menschen. Die würden morgens viel lieber mit ihrer Freundin schmusen, mittags an den Baggersee und abends in die Disco gehen.

    Ich war 19, ich war jung und naiv: mir haben die 3.000 Meter nichts ausgemacht (so wie mir heute die siebenfache Strecke nichts ausmacht). Die Sturmbahn war eine schöne Herausforderung und beim Wachestehen habe ich mir Gedichte ausgedacht.

    Erniedrigend ist es, wenn sich »prasseldumme Uffze« die Gedichte zu Gemüte führen, die auf hellblauem Briefpapier stehen und für Deine Freundin bestimmt sind. Und wenn Du nichts gegen sie tun kannst, weil Du sonst auf unbestimmte Zeit in irgendeinen NVA-Knast kommst.

    Ich habe kein Problem mit Führung und ich habe speziell kein Problem mit militärischer Führung, weil eine Armee ohne Führung nicht funktioniert. Ich erlaube mir aber die Differenzierung, dass für meine militärische Fitness zwar Führung und Training, aber nicht Erniedrigung und Demütigung notwendig sind.

    Lina hat mit feiner Ironie auf den richtigen Film hingewiesen. Als ich Deinen Beitrag im RSS-Feed las, dachte ich sofort an den selben Film. Bodo hat ein paar wichtige Takte dazu gesagt, wie das aus der Sicht des Führenden aussieht. Danke;-)

    Worauf ich mit meinem Beitrag eigentlich hinauswollte: Die Maßnahmen zur immer stärkeren Überwachung werden zwangsläufig auch zu solcher Erniedrigung von »Verdächtigen« führen wie in der DDR-Schule und in der NVA. Es gibt doch inzwischen Fälle, in denen völlig irrwitzige Annahmen zu Haft, Durchsuchung und Überwachung geführt haben. Das sind noch nicht mal Soldaten, von denen man einen gewissen Verzicht verlangen kann. Das sind Bürger. Das sind Menschen. Und gegen diese meine Befürchtung hilft keine strohdumme FAQ des BMI.

  14. 9.01.2008 | 22:20

    Stimmt nicht. Ich bin ein Individuum…

    Stimmt, “wir sind alle Individuuen.” ;-)

  15. stefanolix
    9.01.2008 | 22:25

    So, bevor wir hier in die Blödelei über einen Sandalenfilm einsteigen, würde ich gern noch folgendes in den Raum stellen: wer von Euch hat denn Lust, eine andere Frage der BMI-FAQ zu behandeln oder wer hat zu einer der Fragen eine spezielle Frage? Es juckt mich schon in den Fingern, dieses Machwerk noch mehr zu zerpflücken. Aber wenn kein Interesse besteht(?)…

  16. Die Stimme aus dem Off
    9.01.2008 | 22:26

    @ Lina: Wenn diese Form der Meuterei die gewöhnliche Reaktion der gequälten Soldaten wäre, dann hätte es nie einen Krieg mangels Soldaten gegeben. Die meisten drehen aber eben nicht auf diese Art durch.

    Psychisch labile Soldaten - die derart durchdrehen könnten - auszumustern und nicht zum Wehrdienst zuzulassen, ist übrigens auch so eine neumodische Art eine Armee zu führen. Es ist sozusagen ein Ausdruck des “Bürgers in Uniform” - Gedankens.
    In früheren Zeiten hätte man solche Leute nicht damit durchkommen lassen nicht dienen zu müssen, sondern hätte sie gleich in Strafkompanien gesteckt, in denen sie vergleichsweise schnell gefallen wären. Auf diese Art wären ihre Chancen einen Feldwebel oder Unteroffizier zu töten äußerst gering gewesen. (In Strafkompanien haben die Soldaten oftmals keine Waffen sondern werden für besonders unangenehme Aufgaben wie z.B. dem Minenräumen eingesetzt.)

    Ich will hier wirklich keine harte Hand fordern, möchte aber darauf hinweisen das man sich genau überlegen sollte was man eigentlich will. Wenn man eine Armee haben will, dann sollte man eben auch eine Armee aufstellen und sich genau darüber im Klaren sein, was das bedeutet.

  17. Die Stimme aus dem Off
    9.01.2008 | 22:32

    @ Stefanolix: So weit weg war das gar nicht. In unserer sog. Zivilgesellschaft erleben wir gerade einen Übergang vom strafrechtlichen Repressions- zum polizeirechtlichen Präventionsstaat. Das ist das Ergebnis einer pseudo-liberalen pseudo-Bürgerrechtsentwicklung.

    Strafrechtliche Konsequenzen werden weitestgehend vermieden, weil das Strafrecht endgültige Vergleichbarkeit ermöglicht. Die Politiker sind aber daran interessiert ihr Versagen zu verschleiern und setzen daher lieber auf präventive Maßnahmen. Das hat den Vorteil, dass man ja nie abschließend beurteilen kann was alles genau verhindert wurde durch diese Maßnahmen.

    Wir erleben also die Abkehr von der repressiven Härte zur präventiven Härte. Was soll man also noch zu dieser FAQ schreiben?

  18. stefanolix
    9.01.2008 | 22:37

    Man kann diese FAQ zum Beispiel fachlich auseinandernehmen. Man kann zeigen, dass einige Annahmen und Behauptungen überhaupt nicht haltbar sind. Man kann darüber hinaus darauf hinweisen, welche Folgen EDV-Projekte des Staates regelmäßig nach sich ziehen und man kann letztlich ableiten, welche Folgen ein kaputter »Bundestrojaner« in freier Wildbahn haben könnte.

  19. Die Stimme aus dem Off
    9.01.2008 | 22:45

    Ok: http://news.independent.co.uk/uk/legal/article316391.ece

    Es ist z.B. ein Risiko den Staat eine Durchsuchung ohne das Beisein von Zeugen vornehmen zu lassen, weil man dem Opfer der Durchsuchung ja auch Beweise unterjubeln könnte. Vor allem dann, wenn man ein Interesse daran haben könnte dem Menschen etwas unterzujubeln.

  20. 9.01.2008 | 22:59

    @stefanolix:

    Darf ich nächtliches Vor-die-Brust-halten von Panzerkettengliedern und Entengang durch tiefe Pfützen als selbsterlebte Schikanen ergänzen. Oder kannst du dich noch an die wißgefütterte Kragenbinde erinnern, die wohl nur zur Schikane erfunden wurde, weil sie für den Spieß nier weiß genug sein konnte. Damals hat man mir auch zu verstehen gegeben, dass das dazugehört. Die Frühsportdistanz laufe ich heute auch mal 15, wobei ich dabei im Gegensatz zu damals auf einen wachen Kreislauf achte.

    Beim FAQ-Projekt bin ich dabei, soweit mir als Laie in diesem bereich sporadisch etwas auffällt.

  21. 9.01.2008 | 23:04

    [...] Das Bundesministerium des Inneren hat also, wie von stefanolix berichtet, seine Nebel-Maschine angeworfen und “Fragen und Antworten zum Thema Online-Durchsuchungen” ins Netz gestellt. [...]

  22. Lina
    10.01.2008 | 7:37

    @ DSadO

    “Psychisch labile Soldaten - die derart durchdrehen könnten - auszumustern und nicht zum Wehrdienst zuzulassen, ist übrigens auch so eine neumodische Art eine Armee zu führen.”

    Eine “neumodische Art”? Ach, DSadO. Ist doch in Deinem Sinne der “notwendigen” Degradierung des Menschen zum Objekt nur konsequent: defekte Waffen setzt man auch nicht ein…

    Ich kann Dir ebensowenig folgen wie der sachkundige Herr Major a.D.; verlassen wir also den Nebenschauplatz und folgen der Ordnung halber der Datenautobahn ;-)…

  23. 10.01.2008 | 8:29

    @Lina
    Aber “Herr Major a.D.” - das hat was, nichwaa? ;-)

  24. Lina
    10.01.2008 | 9:36

    @ Bodo Wünsch

    Ja, aber für mich vor allem das “a. D.”, wissense ;-)?

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