ÜBärtreiben wir da nicht etwas?

Was für ein Drama? Im Nürnberger Zoo hat eine Eisbärenmutter das gemacht, was ihre Artgenossinnen in freier Wildbahn regelmäßig anstellen. Sie hat wohl zwei kranke Jungtiere getötet und verspeist. Seit jedoch Knut zum beliebtesten Bundesbürger auserkoren wurde, wird das Verhalten der Bären nicht einfach hingenommen, sondern mit menschlichen Moralmassstäben gemessen und entsprechend kommentiert. Da betont etwa der Zoodirektor versichernd, «Wir gehen davon aus, dass Vilma ihre Jungen bis zuletzt vorbildlich versorgt hat». Andere gar kritisierten den Zoo, der Natur ihren Lauf und der Bärenmutter die Verantwortung über ihre Babys gelassen zu haben, statt sie wie Knut von der Mutter getrennt mit der Flasche aufzuziehen. In einem Land, in der inzwischen sogar über die Zucht von Zootieren moralisierend debattiert wird, muss man sich über die regulative Bevormundung von Menschen nicht wundern.

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16 Kommentare zu “ÜBärtreiben wir da nicht etwas?”

  1. 9.01.2008 | 1:18

    Es wird ja ein regelrechter Kult um die Eisbären getrieben. Und wenn die Bild-Zeitung dann noch von “Mini-Knuts” schreibt, frage ich mich, ob wir keine wichtigeren Probleme haben…

  2. 9.01.2008 | 1:26

    Vielleicht sollte man auch mal ein paar Robben ins Eisbären-Gehege lassen. Dann hört der Knutkult ganz schnell auf.

  3. FG
    9.01.2008 | 7:01

    Ich hatte an dieser Stelle eigentlich eine (möglicherweise interessante) Abhandlung über die Eigentürmerstruktur der beiden handelnden Tiergärten und daraus eventuell resultierenden Unterschieden im Umgang mit derartigen Events. Der private Berliner Zoo zieht eine (lukrative) Knut-Show ab, während man im stätischen Nürnberger Tiergarten der Natur (weitgehend) ihre Freiheit lässt, allerdings auf Steuerzahlerkosten.

  4. Die Stimme aus dem Off
    9.01.2008 | 9:09

    Vielleicht sollte man auch mal ein paar Robben ins Eisbären-Gehege lassen. Dann hört der Knutkult ganz schnell auf.

    You made my day! Ich dachte schon das Tier wäre zum Vegetarier erzogen worden. Jetzt müsste eigentlich das Nazo-Meter anspringen; Vegetarier und Autobahn gehen schließlich überhaupt nicht. Vielleicht ist das Tier deswegen von derart Umerziehungsmaßnahmen verschont geblieben. Als Raucher hätte es das Tier aber nicht so leicht. ;-)

  5. 9.01.2008 | 9:28

    statler,

    Vielleicht sollte man auch mal ein paar Robben ins Eisbären-Gehege lassen. Dann hört der Knutkult ganz schnell auf.

    Was können denn unschuldige Robben dafür? Ich denke, dass stattdessen Sigmar Gabriel seinem Patenkind Knut mal wieder einen Besuch abstatten sollte.

  6. 9.01.2008 | 9:40

    Aber nur, wenn Knut einen großen Schnaps spendiert bekommt nach diesem XXL-Burger.

  7. 9.01.2008 | 9:52

    Hehe. Wieder aktuell.
    Mann, bin ich gut.

  8. 9.01.2008 | 10:15

    Ich muss zugeben, dass ich über die Geschichte von der Eisbärin, die die aufkeimenden Merchandising-Hoffnungen fränkischer Zoodirektoren so brutal zerstört hat, doch etwas kichern musste.

    Allerdings: dass Raubtiere sowas nur bei einer Erkrankung der Jungtiere machen, wie der Zoodirektor sagt, ist natürlich nicht richtig. Sie machen das bekanntermaßen auch, wenn die Haltungsbedingungen sehr schlecht sind (z.B. zu wenig Platz, dadurch Verhaltensstörungen). Ich kenne das Eisbärengehege im Nürnberger Zoo nicht, aber es ist m.E. nicht ganz auszuschließen, dass die Schwierigkeiten mit der Aufzucht von jungen Eisbären, die ja in vielen Zoos auftreten, an nicht artgerechter Haltung liegen.

    Den Kommentar, dass in D “inzwischen *sogar* über die Zucht von Zootieren moralisierend debattiert wird”, finde ich deshalb auch etwas daneben. Soweit ich weiß, folgt aus dem Liberalismus doch nicht, dass Tiere moralisch nicht zu berücksichtigen sind und Tierschutz abgelehnt werden muss. Das ganze Argument ist schief. Regulative Eingriffe in das Leben von Menschen sind abzulehnen, weil Menschen (jedenfalls die meisten) selbstverantwortlich entscheiden können. Eisbären können das nicht. Und wenn jemand Tiere so hält, dass sie schwere Verhaltensstörungen aufweisen (wie gesagt, das ist jetzt Spekulation, vielleicht war es tatsächlich eine Krankheit der Jungtiere - wir wissen es nicht), ist das doch einer der ganz wenigen Fälle, wo es gerade *gerechtfertigt* ist, dass das Kollektiv eingreift. (von der theoretischen Konstruktion her vergleichbar mit der Misshandlung von menschlichen Schutzbefohlenen).
    Oder soll das der Markt regeln?

  9. 9.01.2008 | 10:23

    David,

    der Eintrag leidet aber unter einer Essbär-Störung (jedenfalls bei mir, jetzt). Und Pharmazeuten-Witze gehören wirklich verboten. Bratscher-Witze sind schon schlimm genug.

  10. 9.01.2008 | 10:42

    @Marian: Ich bekomme den Essbären ohne Probleme.

    @cohu: Da ist was dran. Allerdings weiß ich nicht, wie man einen Eisbären in Deutschland überhaupt artgerecht halten sollte. Gut, daß es dafür nicht unbedingt Eis brauchen muß, ist mir schon klar. Aber was die genauen Bedingungen wären, das nicht. Es dürfte aber ja auch kein Zufall sein, daß Knut die große Ausnahme war.

    Insofern: Läßt sich aus dem Argument etwas folgern, ohne daß die Zoohaltung von Eisbären letztlich komplett abgelehnt werden muß?

  11. 9.01.2008 | 10:49

    @cohu:

    Es geht mir hier nicht um Liberalismus und Tierschutz. Mein Liberalismus kennt keine für alle gültigen Moralmaßstäbe, auch nicht im Tierschutz. Ich kenne meine eigenen, die glücklicherweise von einigen anderen geteilt werden. Ich spielte hier eher auf die anmaßende Vermenschlichung der Diskussion an und hab darin eine Parallele zu der Tendenz gesehen, die sich als überbordende moralische Entrüstung über das Verhalten anderer manifestiert, egal ob der Beobachter in der Lage ist Denken und Situation seines Gegenüber angemessen einschätzen zu können.

    @FG:

    Man kann sich darauf verlassen, dass der Nürnberger Zoo, trotz seiner öffentlich rechtlichen Eigentumsverhältnisse, ein PR-Rummel um seine Polarteddys gemacht hätte.

  12. 9.01.2008 | 12:48

    @SteffenH:
    Ich finde es wirklich keine “anmaßende Vermenschlichung”, wenn man sich über Kannibalismus erschrickt. Es ist doch sicher kein nur bei Menschen auftretendes Interesse, nicht nach ein paar Tagen von der eigenen Mutter zerbissen zu werden?
    “Überbordende Vermenschlichung” wäre für mich, wenn man ein Wahlrecht für Eisbären fordern würde (evt. mehrere Stimmen für besonders drollige Eisbären? ;-))Artgerechte Haltungsbedingungen zu fordern, bei denen sich die Viecher zumindest nicht gegenseitig massakrieren, ist hingegen einfach ethischer Minimalstandard.

    Folgern muss man aus aus dem Vorkommnis natürlich nicht gleich, dass alle Eisbärenhaltung abzuschaffen ist. Mir persönlich würden schon Haltungsbedingungen genügen, die nicht zu schweren Verhaltensstörungen führen - ob und wie das zu erreichen ist, weiß ich nicht. Ein Tierethologe könnte da sicher weiterhelfen.

  13. 9.01.2008 | 13:21

    @cohu:

    Wieso bist du dir bei deiner Einschätzung zu den Haltungsbedingungen so sicher? Zoodirektor Enke dazu:

    “Wir waren skeptisch, ob es gut geht, weil wir erstgebärende Eisbären haben, und bei Erstgebärenden sind die Aufzuchtraten - auch bei Wildtieren - relativ schlecht. Dass die Vilma jetzt fünf Wochen lang ihre Jungen vorbildlich versorgt hat, hat uns darin bestärkt, dass sie prinzipiell die Anlagen hat, eine sehr gute Mutter zu sein. In dem Fall wäre es ein Frevel gewesen, einzugreifen und ihr die Jungen wegzunehmen.”

    “Wir hatten alle Anzeichen dafür, dass beide Eisbärenmütter auf unterschiedliche Weise ihre Kinder optimal versorgt haben. Wenn wir sie ihnen trotzdem entrissen hätten, dann hätten wir die Mütter damit im schlimmsten Fall traumatisiert. Und das hätte geheißen, dass sie die nächsten Kinder erst recht nicht richtig aufziehen, weil sie denken: Moment, wenn ich Junge habe, dann werde ich bestraft, dann werden die mir weggerissen.”

    Auch die weiteren Kommentare sind interessant.

  14. 9.01.2008 | 14:02

    Ich bin mir in der Einschätzung eben nicht sicher, deshalb schrieb ich doch, man müsse einen Experten fragen. Dass das vielleicht nicht nur der am tadellosen Ruf des Zoos interessierte Zoodirektor sein sollte, dürfte einleuchten. Auch weiter oben machte ich explizit, dass es sich bei der Annahme, dass der Nürnberger Vorfall durch Haltungsbedingungen ausgelöst sein könnte, um “Spekulation” meinerseits handelt, da ich die Bedingungen nicht kenne (und abgesehen davon auch keine Ahnung von Eisbären und ihren Gepflogenheiten habe).

    Meine weiteren Bemerkungen beruhten auf der (explizit spekulativen) Prämisse, dass Verhaltensstörung durch nicht artgerechte Haltung in diesem Fall eben *auch* eine mögliche Ursache wäre. Das wurde in Deinem Artikel nicht so ganz klar, da impliziert wurde, Kannibalismus sei bei Eisbären eben was ganz natürliches.

  15. DDH
    9.01.2008 | 17:31

    In Bayern leben Bären gefährlich.

  16. 9.01.2008 | 22:03

    Pandas haben es übrigens auch nicht leicht:

    LU LU paces up and down in a small concrete enclosure, showing no interest in a video he can see just outside his pen. He may have been excited by the panda pornography the first time he watched it, but he certainly isn’t now. It probably doesn’t help that the soundtrack is malfunctioning. Pandas like the noise and smell of sex much more than the images.

    (The sex life of the panda: Black and white and red all over. A boom in panda production is good for both bears and business. The Economist, Dec 19th 2007)

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