Eine faszinierende Zahl: knapp 44 Millionen neue Blogger

In manchen Blogs (beispielsweise an der Blogbar) wird seit einigen Tagen das Editorial zur neuen c’t diskutiert. In der c’t heißt es:

Einer Schätzung zufolge eröffnen derzeit täglich 120 000 Weblogs ihr Tor zur Welt. Demnach machen sich pro Jahr knapp 44 Millionen neue Greenhorns auf, um in der Blogosphäre ihr Glück zu machen. Klar, dass nur ein verschwindend kleiner Bruchteil das Zeug dazu hat, vom Hyperlinkputzer zum Pageview-Millionär aufzusteigen. Die meisten stehen umsonst auf ihrem kleinen Podest im Web. Viele haben schon Glück, wenn sie auch nur einen Leser finden.

Auch wenn man in einem c’t-Editorial nicht unbedingt alles für bare Münze nehmen muss, frage ich mich:

  1. Hat das wirklich jemand geschätzt oder hochgerechnet?
  2. Werden Blogs wirklich nur zum Bloggen eröffnet?
  3. Darf jede Person wirklich nur ein Blog pro Jahr eröffnen?

Viele Nutzer eröffnen mehrere Blogs. Spammer eröffnen massenweise Blogs zum Zweck der »Suchmaschinenergebnisoptimierung«. Nicht wenige Blogs werden schon nach ein paar Tagen wieder vergessen. Es ist also horrender Blödsinn, aus bekannten Fakten und einer nicht belegten Schätzung die Zahl von knapp 44 Millionen Bloggern abzuleiten. Aber es kommt noch besser:

Brillenträger reden beim Thema Web 2.0 gern von Chancengleichheit und Basisdemokratie. Schöne Worte - schöner wäre nur noch, wenn sie irgendeinen Realitätsbezug hätten. Wie in der echten Welt können auch im Internet nur die Wenigsten vom Schreiben leben.

Hallo? Ist in der c’t-Redaktion noch jemand wach? Was hat es bitte mit Basisdemokratie und Chancengleichheit zu tun, ob jemand vom Schreiben leben kann? Der Autor schließt mit dem denkwürdigen Satz:

Web 2.0 wäre ja auch keine richtige Revolution, wenn sie ihre Kinder nicht fräße.

Vielleicht hätte er besser sein Editorial fressen sollen …

Ähnliche Beiträge


7 Kommentare zu “Eine faszinierende Zahl: knapp 44 Millionen neue Blogger”

  1. Buenavista
    11.01.2008 | 17:21

    und warum sollte man davon leben müssen, seine Meinung zu sagen?

  2. stefanolix
    11.01.2008 | 17:49

    Der Autor geht offensichtlich von mehreren fixen Ideen aus: dass jeder, der ein Blog ins Web stellt, davon seinen Lebensunterhalt verdienen will, dass seine Zahlen auf einer sicheren Basis stehen und dass er besser als ein Milchmädchen rechnen kann;-)

  3. Lina
    11.01.2008 | 18:48

    Noch bevor ich Deinen Eintrag fresse, stefanolix, weil er mir gefällt, verzehre ich mich nach der Lektüre all dieser Massen von Blogs von Leuten, die sich auf’s Podest stellen wollen, um ihre Meinung zu vertreten und weitestmöglich zu verbreiten ;-).

    Diese Armen sollten sich lieber in den nicht überfüllten Hyde-Park stellen, wo man ihnen auch zuhört. Wenn ich täglich drei bis fünf Blogs lese, somit schon ungefähr einem Dutzend Autoren gelauscht habe, dann muss ich mit Ray Charles sagen: It’s a crowd to me…

    Ich frage deshalb: an wen wenden sich all die hier nachgezählten
    Blogger: an Freunde, Nachbarn, den Kiez, die Stadt, das Land, die Welt - und vor allem: wofür? Für eine Basisdemokratie sind es zu viele, denn wer soll sie denn alle lesen und berücksichtigen?

    Kann sein, dass ich den Zweck der Übung noch nicht durchschaut habe, aber ich wundere mich angesichts der horrenden Zuwächse einfach darüber, wie viele die Welt mit ihrer eigenen Bedeutung schwängern wollen. Was sind das alles für Leute? Exhibitionisten mit persönlichem Sendungsauftrag zur Rettung ihrer kleinen Welt?

    Diesen Eindruck gewinne ich immer öfter - hier natürlich nicht:-)

  4. stefanolix
    11.01.2008 | 19:13

    Lina schrieb:

    Ich frage deshalb: an wen wenden sich all die hier nachgezählten Blogger?

    Wenn die Blogger nachgezählt wären, dann würde mich die Zahl auch erschrecken. Wahrscheinlich sind aber noch nicht einmal die Blogs richtig nachgezählt;-)

  5. 11.01.2008 | 20:41

    Der Autor geht offensichtlich von mehreren fixen Ideen aus: dass jeder, der ein Blog ins Web stellt, davon seinen Lebensunterhalt verdienen will

    Ja. Wurde auch schon im ersten Zitat ganz deutlich:

    Klar, dass nur ein verschwindend kleiner Bruchteil das Zeug dazu hat, vom Hyperlinkputzer zum Pageview-Millionär aufzusteigen. Die meisten stehen umsonst auf ihrem kleinen Podest im Web.

    “Umsonst”. Wenn das einzige Ziel beim Bloggen das Pageview-Vermögen wäre, dann gäbe es keine Blogs mehr.

  6. stefanolix
    12.01.2008 | 18:52

    Und als ob “Pageviews” überhaupt etwas mit Vermögen zu tun hätten …;-)

  7. 12.01.2008 | 18:58

    Aber, nebenher, mal allgemein zur c’t: Taugt die noch was? Habe sie schon ewig nicht mehr gelesen.

Bad Behavior has blocked 1614 access attempts in the last 7 days.