Bahnstreik: Die Quittung

Nach Lohnerhöhungen für Lokführer: Bahn erhöht Preise und streicht Stellen (Handelsblatt; Hervorhebung hinzugefügt)

Der Abschluss gehe weit über das wirtschaftlich vertretbare Maß hinaus und sei eine „Niederlage, nicht nur für die Bahn, sondern für den Standort Deutschland“, sagte Mehdorn. Den jährlichen Schaden bezifferte er auf 200 Mill. Euro, für die kommenden fünf Jahre ergebe sich eine „Belastung in Milliardenhöhe“, die es aufzufangen gelte.

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht das anders. Auf der Pro Bahn Homepage steht die Mitteilung:

Mehdorn will Preise erhöhen - PRO BAHN kritisiert

Hartmut Mehdorn hat angekündigt, dass zur Finanzierung der Lohnsteigerungen der Lokführer die Preise für Bahnfahrkarten erhöht werden müssten. PRO BAHN hat dies in einer ersten Stellungnahme kritisiert, und auf die hohen Gewinne der DB AG verwiesen. Lesen Sie mehr beim Manager-Magazin.

Na, dann machen wir das doch (Hervorhebung hinzugefügt):

(…)

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die Ankündigung von Fahrpreiserhöhungen scharf kritisiert. Pro-Bahn-Sprecher Hartmut Buyken sagte der Nachrichtenagentur DDP, Bahnchef Mehdorn versuche erneut mit irreführenden Rechnungen die Kunden “abzuzocken”. Zwar werde der Tarifabschluss zu Mehrkosten führen. Diese dürften aber angesichts der angestrebten Lohnerhöhungen und der Anzahl der Beschäftigten lediglich im zweistelligen Millionenbereich liegen.

“Außerdem hat die Bahn immer stolz auf ihre hohen Gewinne hingewiesen. Da gibt es ganz offensichtlich keinen triftigen Grund für erneute Tariferhöhungen”, sagte Buyken.

(…)

Mein Vorschlag: Mehdorn wird neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz; dann würde er mir nur als Katholik auf die Ketten gehen und nicht als Bahnkunde.

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40 Kommentare zu “Bahnstreik: Die Quittung”

  1. 15.01.2008 | 14:18

    Umsonst gibt es die Lohnerhöhungen bestimmt nicht, es sei denn man kann nachweisen, dass die höheren Löhne eine Erhöhung der Produktivität der Bahnmitarbeiter nachziehen. Es gibt ja Spielarten der Effizienzlohntheorien, die davon ausgehen Lohnsteigerungen würden die Mitarbeitermotivation so weit erhöhen, dass die erhöhten Lohkosten durch entsprechende Kostenersparnisse aufgefangen werden. Überzeugt bin ich davon nicht, denn irgendwie steckt darin ja die implizite Annahme, die Bahn würde mit ihrer Entlohnungsstrategie massiv Geld verschwenden. Was die konkreten Zahlen allerdings betrifft, würde ich auf beiden Seiten eher vorsichtig sein. Und wer etwas gegen steigende Bahnpreise hat, der sollte doch besser zur Konkurrenz wechseln. Das ist noch immer das überzeugendste und wirksamste Argument.

  2. 15.01.2008 | 14:23

    Ja, wo die Produktivitätszuwächse bei Lokführern herkommen sollten, das ist tatsächlich fraglich. Sie werden ja nicht aus purer Freude über den Lohnabschluß einen Wagen mehr an den Zug hängen.

    Außerdem ist der Verweis auf die hohen Bahngewinne etwas irreführend, glaube ich. In den letzten Jahren wurde sehr häufig darüber berichtet, daß die Bahngewinne nicht aus dem operativen Geschäft kämen, sondern im Hinblick auf den gewünschten Börsengang mit außerordentlichen Maßnahmen (Immobilienverkäufe etc.) aufgehübscht wurden. So groß ist der Verteilungsspielraum da also auch nicht, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

  3. 15.01.2008 | 14:28

    SteffenH, statler,

    Mehdorn spricht von 200 Mio, PRO BAHN von zweistelligen Mio-Beträgen. Ich habe ja in meiner Mathe-Abiklausur nur 8 Punkte eingeheimst, aber: 200 ist dreistellig, oder?

    Damit widersprechen sich die Aussagen von Mehdorn und PRO BAHN. Und nach meinen Erfahrungen mit Mehdorn, weiß ich, wem ich da mehr glaube.

  4. 15.01.2008 | 14:33

    @Marian:

    Warum solltest du PRO BAHN glauben? Das ist eine Lobbyorganisation, deren Endziel so etwas wie (ich übertreibe etwas) das kostenlose Bahnticket für ein lückenloses Bahnnetz ist.

  5. 15.01.2008 | 14:37

    SteffenH,

    ich habe nicht geschrieben, dass ich PRO BAHN glaube, sondern, dass ich, wenn ich die Wahl zwischen Mehdorn und PRO BAHN habe, dem letzteren Lobbyisten eher glaube als dem ersteren. Und warum? Na, z.B. deshalb:

    daß die Bahngewinne nicht aus dem operativen Geschäft kämen, sondern im Hinblick auf den gewünschten Börsengang mit außerordentlichen Maßnahmen (Immobilienverkäufe etc.) aufgehübscht wurden

  6. 15.01.2008 | 14:47

    Was doch wohl eher gegen das PRO BAHN-Argument spricht,oder?

  7. 15.01.2008 | 14:52

    Was doch wohl eher gegen das PRO BAHN-Argument spricht,oder?

    Nein. Warum? (kleiner Hinweis: PRO BAHN nennt zwei Argumente. Du beziehst Dich auf das zweite, welches mit “außerdem” eingeleitet wird. Auf das, welches mir wichtiger ist, bist Du bisher noch nicht eingegangen.)

  8. R.A.
    15.01.2008 | 15:11

    Entgegen landläufigen Vorurteilen ist es ja selten so, daß bei solchen Statements direkt gelogen wird (noch nicht einmal im Wahlkampf).
    Sondern korrekte Zahlen werden aus dem Kontext gerissen und suggestiv eingesetzt.

    Reden wir z. B. über die jährliche Mehrbelastung durch die Lohnerhöhung oder die Gesamtbelastung über die mehrjährige Laufzeit?

    Welche sonstigen Kosten rechnet Mehdorn ein, wenn er von “Schaden” spricht?

    Laut Spiegel hat der FDP-Verkehrsexperte Friedrich 50-65 Millionen Mehrkosten pro Jahr errechnet.

    Das entspricht den Pro-Bahn-Angaben - und über drei Jahre gerechnet haben wir dann die Mehdorn-Größenordnung.

  9. R.A.
    15.01.2008 | 15:16

    In diesem Zusammenhang ein anderes aktuelles Beispiel über den politischen Umgang mit Zahlen.

    Thema Hessenwahl und Kriminalität.

    Die SPD wirft Koch vor, er würde zwar große Sprüche machen, aber de facto hätte seine Regierung der Sicherheit geschadet, er hätte seit Amtsantritt über 1000 Polizistenstellen abgebaut.

    Die CDU heult auf und rechnet im Gegenteil vor, seit Koch würde es in Hessen 1000 Polizisten mehr geben.

    Beide Seiten bezichtigen sich gegenseitig der Lüge, der normale Wähler wendet sich mit Grausen ab, die Presse ist zu faul zu recherchieren.

    Offenbar (ganz verifizieren konnte ich das auch nicht) ist die ganze Geschichte ungefähr so: Bei Amtsantritt gab es 2000 Stellen im Polizeistellenplan, die schon lange unbesetzt waren.
    Und dann hat Koch eine Hälfte besetzt und die andere gestrichen.

    Und nicht viele Leute verstehen den Unterschied zwischen Stellenplan und konkret vorhandenem Personal.

  10. 15.01.2008 | 16:31

    Abgesehen davon: Letztendlich wird der Kosteneffekt vermutlich auch noch größer als der von Mehdorn errechnete. Nämlich dann, wenn die anderen Bahngewerkschaften dieses Ergebnis zum Anlass nehmen, selbst nochmal exorbitante Lohnerhöhungen durchzusetzen. Und daß es so kommen wird, ist eigentlich ziemlich sicher.

  11. FTT
    15.01.2008 | 16:57

    @R.A.: Sehr treffene Analyse zum politischen Umgang mit Zahlen. Was allerdings die Journalisten angeht, neige ich zu der Überzeugung, dass es sich allzuoft nicht um Faulheit handelt. Vielmehr gibt es die Tendenz, sich nicht so sehr um sachliche Berichterstattung, sondern um die chiffrierte Übermittlung der eigenen Ansichten unter dem Deckmantel des Berufsethos der “journalistischen Objektivität” zu bemühen. In vielen Bereichen gehört das irgendwie zum Produkt “FAZ” oder “taz” dazu, wenn es auch bisweilen trotzdem stören mag. Schlimmer als sendungsbewusste Voreingenommenheit ist aber, dass nicht selten den Damen und Herren Journalisten offensichtlich Kompetenzen, Verständnis um Funktionszusammenänge, Hintergrundwissen und - Entschuldigung - Hirnmasse abgehen, die zur Beurteilung bestimmter Themen unabdingbar sind. Letzteres betrifft m.E. besonders auch ökonomische Zusammenhänge.

  12. R.A.
    15.01.2008 | 17:24

    @FTT:
    Sicher, viele Journalisten berichten in erster Linie das, was ihren eigenen politischen Ansichten entspricht.

    Damit ließe sich aber noch umgehen.
    Ich lese ohnehin diverse Medien, von unterschiedlichen Richtungen - da würde sich das ausgleichen.

    Aber daß man so oft wesentliche Infos überhaupt nicht bekommt, weil KEINER minimale Recherche betrieben hat (für die ich eigentlich in erster Linie mein Geld bezahle), dann ist das nur noch ärgerlich.

    Und nur wegen dieser Journalisten-Faulheit kommen die Politiker mit dem niedrigsten Niveau auch mit ihren Methoden durch.

  13. R.A.
    15.01.2008 | 17:38

    Noch ein Beispiel:
    Da kommen aktuell ja Meldungen, Deutschland (d.h. die kumulierten Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen) wäre wieder in den schwarzen Zahlen.
    Ist das eigentlich wirklich wahr - oder ist das wieder nur der übliche Propagandatrick, daß man die eingeplanten Neuschulden als Einnahmen rechnet und nur erreicht hat, nicht noch ungeplante Defizite zu haben?

  14. 15.01.2008 | 17:43

    Lieber R.A.,

    Welche sonstigen Kosten rechnet Mehdorn ein, wenn er von “Schaden” spricht?

    Ohne mich auf eine Mehdorn-Exegese einzulassen - nach meiner bescheidenen Meinung besteht der “Schaden” für die Bahn ja nicht nur in den Mehrkosten, die durch den jetzigen Abschluß entstehen.

    Sondern es liegt doch auf der Hand, daß die GDL eine Bresche geschlagen hat, durch die nun die anderen Gewerkschaften marschieren werden.

    Erpressungspotential haben sie ja alle, weil die Bahn nicht nur ohne Lokführer nicht fährt. Gute Gründe haben sie alle - der Weichensteller hat schließlich genauso viel “Verantwortung” wie der Mann im Cockpit.

    Nebenbei: Der Schaden wird meines Erachtens auch nicht auf die DB begrenzt sein. Erst die Ärzte und jetzt die Lokführer haben gezeigt, was man mit Erpressung erreichen kann. Das wird Schule machen.

    Wir steuern, was Erpressung durch Gewerkschaften angeht, meines Erachtens auf Verhältnisse zu, wie sie vor Thatcher in GB herrschten und wie sie immer noch in Frankreich bestehen.

    Herzlich, Zettel

  15. 15.01.2008 | 18:40
  16. 15.01.2008 | 20:13

    Mann R.A, ey!

    Da streite ich mich einmal mit Steffen - und Du mischst Dich als Schlichter ein, obwohl Dich keiner gerufen hat. Und dann auch noch mit überzeugender Begründung.

    Das mit den Zahlen war übrigens im NRW-Landtagswahlkampf genau das gleiche; damals ging es um die Lehrerstellen.

    Und ich bashe Mehdorn, wann ich will! So! Aber interessant zu sehen, dass Steffen zu den gleichen Argumentationsmustern greift, die er sonst immer kritisiert.

  17. FG
    15.01.2008 | 20:39

    aber um auf R.A´s Frage zu kommen: es handelt sich um den Saldo der bereinigten Einnahmen und Ausgaben, wobei Bereinigung bei der Einnahmeseite insbesondere bedeutet, dass Krediteinnahmen und andere “besondere Finanzierungsvorgänge” bereinigt ist. Es geht also wiklich um die “richtigen” Einnahmen und Ausgaben. Nix Propaganda, harte Zahlen. Analog sind auf der Ausgabenseite natürlich auch Tilgungen nicht mitgerechnet. Am Ende sind + 70 Mio. rausgekommen, im Vergleich zu den - 37 Mrd vergangenes Jahr also bestenfalls eine schwarze Null.

  18. FG
    15.01.2008 | 20:41

    Noch ne Anmerkung: Die Recherche ist aber auch für den mäßig interessierten Internetnutzer nicht allzu kompliziert gewesen. Sind Blogger möglicherweise mitunter auch von der Journalistenkrankheit befallen, dass sie erstmal einen Verdacht loslassen, der ins Weltbild passt, ohne mal etwas zu suchen?

  19. 15.01.2008 | 21:04

    @statler

    Unmittelbar auf die Bahn bezogen scheint aus meiner Sicht die Gefahr von Nachforderungen nicht sehr groß zu sein. Die anderen Bahngewerkschaften scheinen sich auf die Taktik verlegt zu haben, dem GDA-Ergebnis ihre eigenen Ergebnisse aus den Verhandlungen über die Entgeltstruktur gegenüberzustellen.

  20. 15.01.2008 | 21:17

    @marian:

    Nach meiner Logik muss bekommt ein Lockführer seinen Lohn nach seiner produktivität abzüglich einer Risikoprämie für den Arbeitgeber, der den Lokführer ja egal wie viel er mit seiner Lok einfährt immer in der selben Höhe auf unbestimmte Zeit bezahlen muss. Da gibts nichts zu verteilen. Wenn der Staat jetzt von den Gewinnen einfach so etwas den Lokführern gibt, dann muss er es anderen Wegnehmen, so wie bei einem privaten Unternehmen die Aktionäre dran wären, die sich das nicht gefallen ließen und schnell aus dem Staub wären. Also kann man auch nicht davon ausgehen, dass die Gewinne irgendeine Dispositionsmasse ohne Konsequenzen sind.

    Welche Argumentationsmuster meinst du? Mein Hinweis auf die Ricardianische Äquivalenzthese? Mir ist es in der Tat eher nicht so wichtig wie der Staat seine Ausgaben finanziert, mich stören eher seine Ausgaben per se.

  21. 16.01.2008 | 0:45

    @Rayson:
    Warten wir mal ab, wie lange sie still halten. Jetzt ist ja klar, wie man es macht. Und auch Transnet weiß jetzt, daß die Bahn empfindlicher ist, als man das vor ein paar Monaten noch geglaubt hätte.

    Dazu kommt noch, daß der GDL-Vertrag anscheinend gerade mal eine Laufzeit von einem Jahr hat. 11% Gehaltserhöhung und nur ein Jahr Laufzeit? Wann gab es denn sowas zuletzt? Bin mal gespannt, ob ich nach den 2009er-Verhandlungen meine Bahncard noch für unter 500 Euro kriege.

  22. R.A.
    16.01.2008 | 11:23

    @FG:
    > Die Recherche ist
    > aber auch für den
    > mäßig
    > interessierten
    > Internetnutzer
    > nicht allzu
    > kompliziert
    > gewesen.
    Dann habe ich wohl Pech gehabt oder ungeschickt gesucht - das kann vorkommen.

    Wie wäre es dann aber mit einem Link zu diesen Ergebnissen?

    Der Bund meldet ja aktuell 14 Milliarden Miese, die Länder sind mehrheitlich auch im Defizit - kann es wirklich sein, daß die Kommunen mit ihrem kleinen Anteil am Gesamtvolumen so fette Überschüsse haben?

  23. R.A.
    16.01.2008 | 11:27

    @Marian:
    Ich als Schlichter?
    Aber bestimmt nicht.
    Und für das notwendige Mehdorn-Bashing gibt es doch auf jeden Fall viel bessere Themen.

  24. R.A.
    16.01.2008 | 11:30

    @SteffenH:
    > Zumal das ziemlich
    > bedeutungslos ist,
    > ob der Staat
    > schwarze Zahlen
    > schreibt oder
    > nicht
    Das sehe ich überhaupt nicht so.
    Es mag Ausnahmesituationen geben, wo der Staat ein gewisses großes Investitionsvorhaben über einen Kredit finanzieren muß (dessen Rückzahlung dann aber in den Folgehaushalten vorgesehen werden muß).

    Eine solche Ausnahme kann es bei Kommunen häufiger mal geben, auf Gesamtstaatsebene extrem selten (die Wiedervereinigung war für mich so eine Ausnahme).

    Im normalen Betrieb dagegen, so wie wir ihn derzeit haben, wo es nur um die Finanzierung der laufenden Aufgaben geht, ist eine Kreditaufnahme skandalös.
    Im Gegenteil müßte man in solchen Normalphasen Geld ansparen, falls mal wieder eine Großinvestition ansteht.

  25. FTT
    16.01.2008 | 12:01

    Der Bund meldet ja aktuell 14 Milliarden Miese, die Länder sind mehrheitlich auch im Defizit - kann es wirklich sein, daß die Kommunen mit ihrem kleinen Anteil am Gesamtvolumen so fette Überschüsse haben?

    Die Länder haben dieses Jahr wohl insgesamt schon einen fetten Überschuss gemacht, der sich im Westen meines Wissens v.a. auf BaWü und Bayern und alle Ostländer stützt. Die Sozialversicherungen haben dazu noch einen ordentlichen Überschuss gemacht.

  26. 16.01.2008 | 13:31

    @R.A.

    Dann hast du offenbar ein anderes Verständnis von Ökonomie als ich. Ob der Staat volkswirtschaftlichen Unsinn mit Steuern oder Krediten zahlt kann uns doch schnurz sein. Finanziert er seine Ausgaben mit Krediten sparen wir Steuern, können diese verzinst anlegen und unseren Nachkommen vererben. Im umgekehrten Fall zahlen wir Steuern und sparen unseren Kindern die Zinsen in der Zukunft.

  27. R.A.
    16.01.2008 | 14:03

    @FTT:
    Noch einmal die Frage: Wo finde ich diese Daten?

  28. R.A.
    16.01.2008 | 14:06

    @SteffenH:
    > Dann hast du
    > offenbar ein
    > anderes
    > Verständnis von
    > Ökonomie als ich.
    Das solltest Du hoffen ;-)
    Sonst wäre nämlich Dein ganzes Studium umsonst gewesen …

    > Ob der Staat
    > volkswirtschaftlichen
    > Unsinn mit
    > Steuern oder
    > Krediten zahlt
    > kann uns doch
    > schnurz sein.
    Was die (Un-)Sinnhaftigkeit betrifft - ja.

    Aber sonst nicht.

    Zum Einen wird erfahrungsgemäß deutlich mehr Unsinn getrieben, wenn man auf Kredite zurückgreifen kann.

    Zum Anderen nehmen mir Kredite die Flexibilität: Wenn man feststellt, daß diverse Ausgaben unsinnig sind, kann man sie streichen und die Steuern senken. Die Schulden bleiben aber.

  29. FG
    16.01.2008 | 14:25

    R.A.:
    Also ehrlich: einen halbwegs seriösen Zeitungsartikel zu dem Thema lesen, mal auf die Internetseite der Institution kucken, die dort genannt wird und zack.
    Die zitierte Zahlen stehen im Statement und im Begleitmaterial (S.20).
    Über die Entwicklung der Schuldenstände der Gebietskörperschaften wird es bei Zeiten hier jede menge Zahlen geben.

  30. R.A.
    16.01.2008 | 15:07

    @FG:
    Gerade das ist ja das Problem: Die “halbwegs seriösen Zeitungen” drucken doch nur unrecherchiert nach, was ihnen geliefert wird. Und meine Frage bezog sich eben genau auf Möglichkeiten, diese Meldungen auch mal zu überprüfen.

    Vielen Dank jedenfalls für den Link - auf Seite 20 einer Begleitdoku zu einer PK zu einem völlig anderem Thema hätte ich es nicht gefunden.

    Jetzt kann ich versuchen, der Wahrheit etwas näher zu kommen.
    Z. B. zu klären, warum Statistisches Bundesamt und Bundesfinanzministerium so unterschiedliche Angaben zum Finanzsaldo des Bundes machen (14 vs. 21 Milliarden).

  31. FG
    16.01.2008 | 15:14

    @R.A
    Viel Erfolg dabei. Ein Tipp für den Einstieg: die PK gestern sprach vom Finanzierungssaldo nach der VGR-Abgrenzung (insofern also eindeutig etwas zum Thema), Steinbrück spricht von der Nettoneuverschuldung. Zwei ähnliche aber eben doch nicht gleiche Schuhe. Als Einstieg in die Methodik mag das hier weiterhelfen.

  32. 16.01.2008 | 17:30

    FG,

    Sind Blogger möglicherweise mitunter auch von der Journalistenkrankheit befallen, dass sie erstmal einen Verdacht loslassen, der ins Weltbild passt, ohne mal etwas zu suchen?

    Ja, bestimmt. Aber was mich betrifft, so sind die Unterschiede folgende:

    a.) Ich betreibe das nicht als Beruf, sondern als Hobby

    b.) Ich betreibe das nicht entgeltlich, sondern unentgeltlich

    c.) Ich habe zwar einen gewissen Anspruch an mich selbst, aber auch an die Kommentatoren. Wenn ich meinem Anspruch nicht gerecht werde, dann finde ich das nicht so schlimm, weil ich niemandem irgendetwas verbindlich zugesagt habe - und weil ich in der Regel Kommentatoren die Möglichkeit gebe, mich zu korrigieren.

    d.) Ich gebe nicht vor, objektiv zu sein und für irgendwen die Grundversorgung mit Information übernehmen zu wollen; die Verantwortung, die ich als Journalist zu tragen hätte, wäre mir ehrlich gesagt zu groß und zu schlecht bezahlt

  33. 16.01.2008 | 17:35

    Steffen,

    mit Argumentationsmuster meinte ich das hier:

    Warum solltest du PRO BAHN glauben? Das ist eine Lobbyorganisation

    Dass eine Organisation Lobbyismus betreibt, reicht für mich allein noch nicht aus, um Zahlen, die sie in den Raum stellt, zu ignorieren.

    Du hast doch Ähnliches oft genug bei “Kopf voran” erlebt, wenn Du Argumente pro Atomkraft gebracht hast (oder Argumente, die man jedenfalls so auslegen konnte); dann lautete der Vorwurf an Dich regelmäßig a.) dass Du selbst ein Knecht der Atom-Lobby seist oder b.) dass die Quelle Deiner Argumente Atom-Lobbyist sei und man deshalb diese Argumente ignoriere dürfe, ja eigentlich ignorieren müsse.

  34. 16.01.2008 | 17:45

    R.A.,

    das mit dem “Bashing” nehme ich wieder zurück; eigentlich bashe ich Mehdorn nicht, sondern äußere einfach nur die Vermutung, dass er den Tarif-Abschluss zu Preissteigerungen mißbrauchen wird, die die Kostensteigerungen für diesen Abschluss überkompensieren werden.

    Nach allem, was ich hier und beim A-Team über die mutmaßlichen Folgen des Bahn-Streiks vor dem Tarif-Abschluss gelesen habe, kann ich nicht nachvollziehen, warum Herr Mehdorn diesen Tarif-Abschluss eingegangen ist. Und ich kann mich auch nicht erinnern, ob und wenn ja, wann es das letzte Mal vorgekommen ist, dass sich eine Tarifpartei quasi am Tag nach der Einigung hinstellt und sagt: “Dieser Tarif-Abschluss war nicht vertretbar und fügt mir schweren Schaden zu”

    Deshalb die Frage an alle, die Ihr Euch ja unbestritten besser in dem Thema auskennt als ich: Warum hat Mehdorn diesem Ergebnis zugestimmt?

  35. R.A.
    16.01.2008 | 17:49

    @FG:
    Danke für diesen Hinweis!
    Ich kenne mich ganz gut aus bei kommunalen Haushalten und bei Firmenbilanzen - aber bei den Bundesfinanzen gibt es noch einige Fallstricke, die man verstehen muß, bevor man die Aussagen der Regierung interpretieren kann.

  36. R.A.
    16.01.2008 | 17:53

    @Marian:
    Also ich finde Mehdorn-Bashing sehr in Ordnung - der Kerl wird unsere Bahninfrastruktur noch weiter mit seinen Murks-Konzepten ruinieren.
    (Ich bin übrigens Pro-Bahn-Mitglied ;-)

    Was sein jetziges Verhalten betrifft: Ich vermute da abgesprochene Taktik.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, gilt der Tarifvertrag ja für drei Jahre - da sind dann 11% erträglich.

    Also muß er gequält aufheulen, damit sein Gegenpart das seinen Mitgliedern als Erfolg verkaufen kann und die ihre völlig überspannten Erwartungen aufgeben.

    Und als Nebeneffekt kann er die nächsten Sparmaßnahmen / die nächsten Tariferhöhungen rechtfertigen.

    Generell kann man ja diese Tarifverhandlung nicht mit einer bei normalen Firmen vergleichen - die Monopolstellung und der Staatseinfluß schaffen ganz andere Spielregeln.

  37. Parker8
    17.01.2008 | 14:31

    Ob der Staat volkswirtschaftlichen Unsinn mit Steuern oder Krediten zahlt kann uns doch schnurz sein. Finanziert er seine Ausgaben mit Krediten sparen wir Steuern, können diese verzinst anlegen und unseren Nachkommen vererben.

    The Ricardian Equivalence, Barro version. Natürlich höchst umstritten, unter anderem weil dabei die Konsumneigung im Alter unterschätzt wird.

  38. 17.01.2008 | 16:59

    @parker8:

    Umstritten, aber nicht widerlegt. Zumal diese Argumentation nicht vom eigentlichen Übel, der Höhe der Staatsausgaben ablenkt.

  39. 17.01.2008 | 17:23
  40. 18.01.2008 | 17:00

    [...] Vereinfacht gesagt, heißt Globalisierung, überall dasselbe anzubieten. Soziale Verantwortung als Gegenpol des Shareholder-Value wäre nicht schlecht. Manager tragen Verantwortung für das Gemeinwohl. Im Fall von Nokia bedeutet dies unter anderem, dass sie zum Umweltschutz beitragen, angemessene Löhne und Gehälter zahlen, Gewinne erwirtschaften und Arbeitsplätze sichern. Die Nokia-Mitarbeiter verstehen die Welt nicht mehr. Jahrelang haben sie gute Erfahrungen mit den Finnen gemacht. Die Hierarchien waren flach, die Freiheiten groß, die Türen standen offen - und zu besonderen Gelegenheiten gab es schon mal Kaffee und Kuchen. So macht auch Hartmut Mehdorn seinen Job. Der hemdsärmelige Bahn-Chef ist einst von der Regierung geholt worden, um eine hochdefizitäre und verschlafene Bahnbehörde umzukrempeln, dass daraus ein modernes und profitables Wirtschaftsunternehmen wird, das an die Börse gebracht werden kann. Wenn die Kosten wie jetzt wegen hoher Lohnabschlüsse aus dem Plankorridor laufen, dann wird es für den Manager Mehdorn eben notwendig, verschärft zu rationalisieren oder die Preise zu erhöhen – und das sagt er auch laut. Ellenbogenmentalität? Das aktuelle Theaterspiel, in dem der Sanierer Mehdorn unter Anleitung des Verkehrsministers den sozialen Frieden retten soll, ist auf Dauer keinem der Beteiligtem zuzumuten. [...]

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