Mensch? Laborratte!

Wenn man sich genauer anschaut, von welchem Menschenbild ein großer Softwarekonzern offensichtlich ausgeht, dann wird einem vieles klarer, was seltsame Funktionen in seinen bisher bekannten Produkten angeht.

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28 Kommentare zu “Mensch? Laborratte!”

  1. R.A.
    16.01.2008 | 12:50

    Unfaßbar.
    Und zwar in zweierlei Hinsicht.

    Zum Einen ist dieses Überwachungssystem natürlich hochgradig menschenverachtend.

    Und zum Zweiten ist es in der Tat typisch: Eine Riesenfunktionsvielfalt, aber für einen vernünftigen Zweck nicht zu gebrauchen.

    Es wird völlig unmöglich sein, aus all’ diesen Daten und Faktoren irgendwie rauszulesen, wer nun wirklich produktiv war und wer nicht.

  2. 16.01.2008 | 12:59

    Richtig. Deswegen habe ich mich auch entschieden, dem nicht einen alarmierenden, sondern nur einen verächtlichen Eintrag zu widmen.

  3. 16.01.2008 | 13:01

    Man braucht sich vor einem Angebot nicht zu fürchten, für das es keine Nachfrage gibt. Also mache ich mir eher über Leute sorgen, die das für ihre Mitarbeiter einkaufen. Seltsame Funktionen möchte ich ausschalten können, wenn nicht sind da ja noch die pragmatischen Menschenfreunde von Linux.

  4. 16.01.2008 | 13:05

    Komsich, dasselbe hatte ich mir auch gedacht. Steffen, was hast Du mit mir angestellt?

  5. 16.01.2008 | 13:18

    Ich verstehe nicht was euer Problem ist. Dieses System würde es ermöglichen Bezahlung und individuelle Produktivität enger zu verbinden. Schwätzer und Selbstdarsteller hätten keine Chance mehr, es würde endlich *wirklich* das Leistungsprinzip gelten. Und falls Entlassungen anstehen würden eben die am wenigsten leistungsfähigen ausgesondert. Mann, das ginge sogar vollautomatisch, ein Mausklick des Managers …

    Wer fürchtet den Wegfall des Nasenfaktors?

  6. R.A.
    16.01.2008 | 13:32

    @SteffenH:
    > Man braucht sich
    > vor einem Angebot
    > nicht zu fürchten
    Von Furcht war bisher eigentlich nicht die Rede.
    Wenn überhaupt, dann müßten sich erst einmal nur die MS-Angestellten fürchten - denn so ein Produkt kann überhaupt nur verkauft werden, wenn man es selber im Haus einsetzt.

  7. 16.01.2008 | 13:34

    @R.A.:

    Wenns den MS-Leuten zu viel wird, heuern sie eben bei Apple oder woanders an. MS wird schon merken, wenn es seine Kontrollwut gegen die Arbeitsmoral seiner Mitarbeiter ausspielt.

  8. R.A.
    16.01.2008 | 13:35

    @Klaus:
    > Dieses System
    > würde es
    > ermöglichen
    > Bezahlung und
    > individuelle
    > Produktivität
    > enger zu
    > verbinden.
    Hast Du dir die Beschreibung mal durchgelesen?
    Wo kommt denn da “Produktivität” vor?

    Gerade bei Programmierern sind die gemessenen Daten ziemlich irrelevant.
    Das sollte das Arbeitsergebnis zählen - egal wie lange welche Datei dazu geöffnet war.

    Wenn ein Chef so ein System einsetzt, dann beweist er nur, daß er keine Ahnung hat und nicht in der Lage ist, schlechte von guten Ergebnissen zu unterscheiden.

  9. 16.01.2008 | 13:47

    Genau. Es ist der sehr tayloristisch anmutende Versuch, Output durch das genau Vorschreiben von Input-Schritten zu determinieren. Diese Zeiten sollten in gut geführten Unternehmen eigentlich vorbei sein.

    Allerdings ist es in amerikanischen Unternehmen eine verbreitete Angewohnheit, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass gerade auf den unteren Ebenen der Ausbildungsgrad neuer Mitarbeiter recht niedrig ist.

  10. 16.01.2008 | 13:53

    Eigentlich eine reizvolle Idde, würde mich reizen dabei mit zu entwickeln.

    Im übrigen: Was soll die Aufregung? Das solche System entwickelt werden können ist so neu nicht.

    Und von wegen OSS und Linux: Wenn eine Firma so etwas herstellen will und das Ganze unter OSS stellt (und vielleicht noch auf Linux-Basis) - würde es dadurch besser?

  11. 16.01.2008 | 14:11

    @VolkerD:

    Die Linux-Bemerkung hat eigentlich nicht direkt mit dem Beitrag zu tun, sondern ist nur so ein Nebenkriegsschauplatz auf dem Rayson und ich ab und zu kleine verbale Schaukämpfe austragen. ;-)

  12. 16.01.2008 | 14:17

    @ R.A.
    Das Wort ‘productivity’ kommt 11 mal im Patentantrag vor und der Patentantrag spricht von ‘users’, nicht von Programmierern. Die Zeiten wo nur Experten und Höchstqualifizierte hauptsächlich am Computer arbeiten sind ja nun schon lange vorbei.

  13. R.A.
    16.01.2008 | 14:26

    @SteffenH:
    > Wenns den
    > MS-Leuten
    > zu viel wird,
    > heuern sie eben
    > bei Apple oder
    > woanders an.
    Woanders vielleicht.
    Bei Apple oder anderen Firmen, die auf Qualität Wert legen, würde man vorsichtig mit der Einstellung von Leuten sein, die durch längere Arbeit für MS verdorben wurden.

  14. R.A.
    16.01.2008 | 14:29

    @Klaus:
    > Das Wort
    > ‘productivity’
    > kommt 11 mal im
    > Patentantrag vor
    Da sieht man doch mal wieder, wie geduldig Papier sein kann.
    Im übrigen sprach ich vom verlinkten Zeitungsbericht.

    > Die Zeiten wo
    > nur Experten und
    > Höchstqualifizierte
    > hauptsächlich am
    > Computer arbeiten
    > sind ja nun schon
    > lange vorbei.
    Das ist ja schon richtig - ändert aber nichts am Problem: Die im Artikel zitierten Meßdaten sind ziemlich unbrauchbar, um Produktivität, d.h. die Erzeugung qualifizierter Arbeitsergebnisse zu messen.

  15. 16.01.2008 | 14:39

    @R.A.
    >Woanders vielleicht.
    >Bei Apple oder anderen Firmen, die auf Qualität
    >Wert legen, würde man vorsichtig mit der
    >Einstellung von Leuten sein, die durch längere
    >Arbeit für MS verdorben wurden.

    Nichts für ungut, aber du hast einen (Holz-)Apfel vorm Kopf. Apple ist schon lange nicht mehr dass, was es mal war (aber mit einem Apfeljungen über sowas zu diskutieren ist verlorene Liebesmüh)

  16. 16.01.2008 | 14:53

    Bei Apple oder anderen Firmen, die auf Qualität Wert legen, würde man vorsichtig mit der Einstellung von Leuten sein, die durch längere Arbeit für MS verdorben wurden.

    Ich würde es nicht so deutlich sagen wie VolkerD, aber im Kern hat er Recht: Apple ist nicht besser oder schlechter als Microsoft, aber die Firma hat es von je her verstanden sich als “alternativ” und “freidenkerisch” zu vermarkten und eine Fanbase geschaffen, die Apple frewillig gegen alles verteidigt, was an Kritik kommen könnte. Kann man sich vorstellen was es für einen Protest gegeben hätte, wenn ein anderes Unternehmen die Bilder von Ghandi, MLK und Rosa Parks zu Werbezwecken verwendet hätte?

  17. 16.01.2008 | 14:56

    @ R.A.
    Maßgebend ist der Patentantrag und nicht die Heise-News oder der tendenziöse Times-Artikel, und Meßdaten finde ich in keinem Text.

    Wie ich bei meiner Arbeit bei Automobilzulieferern (via Zeitarbeit) mitbekam ist dort diese Überwachung des Einzelnen durchaus üblich, wenn auch leichter zu implementieren. Ich habe den Verdacht, dass der antibürokratische Franke an solchen Systemen arbeitet.

  18. 16.01.2008 | 15:36

    @Klaus

    Zunächst mal: Persönliche Verdächtigungen sind hier nicht gern gesehen.

    Und was die Überwachung angeht, ist immer die Frage, worin der Arbeitgeber die Gegenleistung des Arbeitnehmers sieht. In allen Unternehmen, in denen ich bisher gearbeitet habe, war die Stechuhr das Maximale, was an Überwachung vorhanden war. Und das nicht nur, weil ein (z.T. auch nicht vorhandener) Betriebsrat dagegen gewesen wäre, sondern weil den Verantwortlichen klar war, was sie sich damit einhandelten.

  19. 16.01.2008 | 16:41

    @ Rayson

    Herrje, ich unterstelle doch nichts Kriminelles, also bitte nicht mit Absicht missverstehen. Danke. Vielleicht plaudert der Angesprochene aus dem Nähkästchen - falls mein “Verdacht” überhaupt richtig ist.

    Worauf es mir ankommt ist der Eindruck von mir, dass hier in den Köpfen ein Unterschied gemacht wird, welcher Arbeitnehmer überwacht werden darf und welcher nicht. Im ersteren Fall wird das geflissentlich übersehen, aber dass die Stechuhr die einzige Kontrolle ist, dürfte für die wenigsten Firmen noch Realität sein.

    Die Kontrolle über die Mitarbeiter ist ziemlich hoch in den Bereichen wo ich gearbeitet habe, und die Tendenz ist da den menschlichen Faktor weiter zu minimieren mit Hilfe der Informationstechnik. Es gibt keinen vernünftigen Grund diese Vorgehensweise auch auf Büroarbeitsplätze auszudehnen, das bleibt nicht auf Werkbank und Fließband beschränkt.

  20. 16.01.2008 | 16:51

    @Klaus

    Ob krimineller Verdacht oder nicht, ad personam ist Müll und wird zukünftig auch da landen. Wenn der Betroffene das gelöscht haben will, werde ich seinem Wunsch nachkommen.

    Es wird nicht “in den Köpfen hier” ein Unterschied gemacht, sondern der Unterschied ergibt sich aus der Anwendbarkeit. Je simpler die Arbeit, desto eher ist Überwachung möglich. Hängt die Arbeitsleistung aber davon ab, dass da Köpfe intelligent und kreativ wirken, wird man dem auch durch noch so viele externe Kontrollen nicht auf die Spur kommen. Im Gegenteil, man schadet sich als Unternehmen damit sehr wahrscheinlich selbst.

    Faustregel: Sinnvoll überwacht werden kann nur das, was auch einfach zu automatisieren wäre.

    Dass das Problem bei den Angeboten für Geringqualifizierte in deren künstlicher Verknappung liegt, die ein wirksamer Mindestlohn weiter verschärfen würde, brauche ich hier wohl nicht zu erzählen…

  21. R.A.
    16.01.2008 | 17:17

    @VolkerD:
    > Apple ist schon
    > lange nicht mehr
    > dass, was es mal
    > war …
    Richtig. Vor einigen Jahren waren sie in Schwierigkeiten, heute stehen sie wieder blendend da ;-)

    Wobei ich nun gar nicht wirklich in den üblichen Glaubenskrieg einsteigen wollte.
    Aber daß MS eine Firma ist, die mit der Produktqualität immer ihre Schwierigkeiten hatte, wird wohl keiner bestreiten können.

  22. Die Stimme aus dem Off
    16.01.2008 | 17:35

    Mir ist nicht ganz klar welche Technologien genau damit gemeint sind, ich habe aber schon einmal etwas aus dieser Richtung gehört:

    Ein Schulfreund meiner Frau ist Stimmführer der zweiten Geige in einem staatlichen Orchester. Bevor er diese Stelle bekam spielte eine Zeitlang in Musicals. Als er mir schilderte wie die Arbeitsbedingungen dort sind, wollte ich es nicht glauben. Die Instrumente der Musiker sind mit Computern verbunden, die die gespielten Töne und Melodien messen und vollautomatisch abgleichen. Beim dritten registrierten Fehler fliegt man hinaus.

    In den staatlichen Orchestern sind die Arbeitsbedingungen wohl entscheidend besser und so etwas gibt es dort nicht. Bei der Bewerbung muss man sich wohl dem gesamten Orchester stellen und vorspielen. Dann entscheidet das Orchester, wer den Job bekommt.

    Himmel und Hölle dicht bei einander.

  23. 16.01.2008 | 17:50

    Die Überschrift dieses Artikels lautet “Mensch? Laborratte!” und es wurde das Menschenbild von Microsoft in Frage gestellt. Das klang viel kategorischer als jetzt das Wort an der “Anwendbarkeit”. Soll ich daraus schließen, dass für dich Geringqualifizierte keine Menschen sind? (Für die Empfindlichen: das ist eine rhetorische Frage)

    Das mit der Anwendbarkeit ist ja schon richtig, aber nicht das Problem dieses Patentantrages. Da wird nirgends behauptet, dass dieses Assistenzsystem eines wäre um Kreative und Hochintelligente zu überwachen. Für die meisten Bildschirmarbeitsplätze muss man weder besonders intelligent noch besonders kreativ sein.

    Was da abgeht wurde mir erst gestern wieder klar. In einem Buch über Programmiersprachen las ich über deren Geschichte. Als Beispiel wurden “was-wäre-wenn-Kalkulationen genannt. Anfang der Sechziger brauchte es ein paar Spezialisten und Monate um sowas zu programmieren. Heute kann dies jeder Excelbenutzer in ein paar Stunden.

  24. 16.01.2008 | 18:14

    @Klaus

    1. Die Diskussion war inzwischen etwas weiter. Nach nicht nur meiner Meinung hat das MS-System keine große Chance auf Umsetzung. Die Diskussion darüber, warum das so ist, obwohl in anderen Bereichen doch überwacht wird, steht neben derjenigen, wieviel Überwachung man eigentlich noch mit der Menschenwürde vereinbaren kann.

    2. Ich sehe schon noch ein paar Unterschiede darin, ob z.B. irgendwo Kameras aufgestellt sind, oder ob, wie im Text beschrieben, “Puls, EMG, Hautwiderstand, Hirnwellen, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Bewegung, Gesichtsbewegungen, Gesichtsausdruck und Blutdruck” gemessen werden.

  25. Die Stimme aus dem Off
    16.01.2008 | 18:21

    Nur wie bitte wollen die das machen? Es dürfte rechtlich unmöglich sein Arbeitnehmer zu zwingen sich an ein EKG zu hängen oder eine Hirnstrommessung vornehmen zu lassen (letztere ist eh irrelevant und im Grunde nur noch bei einigen wenigen Formen der Epilepsie sinnvoll).

    Ich verstehe nicht, wie die das umsetzen wollen.

  26. 16.01.2008 | 19:30

    >Richtig. Vor einigen Jahren waren sie in
    >Schwierigkeiten, heute stehen sie wieder blendend
    >da
    –> Stimmt, das Marketing von Apple ist “blendend” im wahrsten Sinne des Wortes ;)

    >Aber daß MS eine Firma ist, die mit der
    >Produktqualität immer ihre Schwierigkeiten hatte,
    >wird wohl keiner bestreiten können.
    –> Es ist eben ein Unterschied für flexible Hardware zu entwickeln oder Geräte und Programme aus einem Guß herzustellen - in diesem Sinne bestreite ich nicht, dass MS dann und wann Schwierigkeiten hatte und hat (das Umfeld ist allerdings auch komplexer als bei Apple)

  27. 16.01.2008 | 21:50

    @ Rayson

    Ihr argumentiert ökonomisch, indem ihr behauptet eine solche Überwachung sei kontraproduktiv für die Produktivität der Mitarbeiter, und mischt etwas Menschenwürde drunter. Ich behaupte, dass man sich für eines entscheiden muss, Menschenwürde oder Ökonomie, oder zumindest muss man sagen wieviel Würde wir für wieviel Produktivitätszuwachs einzutauschen bereit sind.

    Wer den Patentantrag gelesen hat weiß, dass das Erfassen physiologischer Werte nur ein Punkt unter 20 ist. Und Patentanträge haben es nun mal an sich weit gefasst zu sein. Eine konkrete Implementierung könnte ohne sie auskommen. Selbst wenn man nicht ohne die Erfassung und Auswertung dieser Daten auskommen möchte, wird dadurch die Überwachung nicht notwendigerweise ausgedehnt, sondern vom Menschen zum Computer transferiert, und damit objektiviert. Aus dem Patentantrag:

    Traditionally, communications between humans and machines have been relatively inefficient. Human-to-human communication typically involves spoken language combined with hand and facial gestures or expressions, with the humans understanding the context of the communication. Human-machine communication is typically much more constrained, with devices like keyboards and mice for input, and symbolic or iconic images on a display for output, and with the machine understanding very little of the context. For example, although communication mechanisms (e.g., speech recognition systems) continue to develop, these systems do not automatically adapt to the activity of a user. As well, traditional systems do not consider contextual factors (e.g., user state, application state, environment conditions) to improve communications and interactivity between humans and machines.

  28. 16.01.2008 | 22:10

    @Klaus

    Danke für den pluralis majestatis, aber die einfache Anrede hätte es auch getan.

    Wenn hier einer etwas vermischt, dann bist du es. Zwischen der moralischen Einschätzung und der Frage, ob sich moralisch unerwünschte Praktiken in Märkten durchsetzen können, gibt es einen erheblichen Unterschied. Du setzt die Absicht gleich mit ihrer Verwirklichung, und das ist der Ausgangsfehler.

    Es gibt leider eine fließende Grenze zwischen dem Anspruch eines Vertragspartners, die Erfüllung des Vertrags durch den Anderen kontrollieren zu können, und Praktiken, die man als für diesem Zweck exzessiv ansehen würden. Ich kann nicht viel sagen zu der Grauzone in der Mitte, aber ich habe - m.E. berechtigte - Zweifel daran, ob sich die Extrema durchsetzen würden.

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