16. Januar 2008
Über Subventionen für die Landwirtschaft
Als Ergänzung zum heutigen Eintrag von Steffen:
Ich bin ein Landei. Als ich geboren wurde, gab es bei uns im Dorf ungefähr 20 Bauernhöfe und kein Gewerbegebiet. Jetzt gibt es noch einen einzigen Bauern und drei Gewerbegebiete. Mir wären zwei Gewerbegebiete und zehn Bauern lieber, aber das Leben ist kein Wunschkonzert - es sei denn, man ist Bundeslandwirtschaftsminister:
Horst Seehofer im Interview: “Wir dürfen Nahrungsmittel nicht in hohem Maße importieren”, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die beiden Mantras von Onkel Hotte sind:
1.) Wenn wir den Landwirten schon durch unseren Dirigismus das Leben schwer machen, dann müssen wir ihnen wenigstens einkommenssichernden Vertrauensschutz gewähren.
und
2.) Ich will nicht, dass unsere Abhängigkeit vom Ausland bei Nahrungsmitteln ein ähnliches Maß erreicht wie bei der Energie.
Mantra # 1 führt dazu, dass Subventionen und Beihilfen auch dann noch gezahlt werden, wenn sich alle Beteiligten darüber einig sind, dass das Unsinn ist bzw. wenn selbst ein Blinder mit Krückstock diesen Unsinn erkennen kann.
Mantra # 2 führt zu Protektionismus und Welthandelshemmnissen, die dann letztlich im Falle der “Entwicklungsländer” wieder mit Subventionen in Form von “Entwicklungshilfe” kompensiert werden.
Wenn ich mir das Interview so durchlese, bin ich geneigt, dem Seehofer recht zu geben: Wenn schon Wahnsinn, dann auch konsequent. Andererseits: Warum ausgerechnet Horst Seehofer und ausgerechnet die EU, die in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich der Landwirtschaftspolitik ihr Versagen nun wirklich hinreichend unter Beweise gestellt hat, dafür qualifiziert sein sollen, die richtigen strukturpolitischen Maßnahmen zu treffen, ist mir nach wie vor schleierhaft.
Gestern lief im Deutschlandfunk ein Feature über eine Landwirtsfamilie (Achtzehn Jahre nur malocht. Der Kampf eines Bio-Milchbauern um 40 Cent. Von Thomas Hartwig, Deutschlandfunk). Nun kann man es in Deutschland fast ausschließen, mal ein Berufs-Porträt zu erleben, wo Vertreter dieses Berufes sagen, dass sie ihren Beruf lieben, dass sie ihn gerne ausüben und dass sie sich nicht auf die Rente freuen.
Bei Porträts über Landwirte kommt das erst recht nicht vor - und m.E. haben Landwirte nun wirklich Grund zur Klage; ihr Einkommen mag (nur) stagnieren, aber fragt nicht nach dem Stundenlohn. Und Urlaub kann man ganz vergessen. Was mir aber gerade in letzter Zeit auffällt (wirklich rein subjektiv), wenn Landwirte zu Wort kommen, das ist der Umstand, dass nicht mehr in erster Linie über “die Politik” oder “die EU” geschimpft wird, sondern öfter Sätze fallen wie “Ich wäre gerne mein eigener Herr” oder “Ich würde gerne die Entscheidung darüber, was ich anbaue, selber treffen.”
Das wäre für Liberale die ideale Zielgruppe.
Verfasst von Marian Wirth um 20:09 Uhr in der Kategorie Umweltpolitik, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)