Über Subventionen für die Landwirtschaft

Als Ergänzung zum heutigen Eintrag von Steffen:

Ich bin ein Landei. Als ich geboren wurde, gab es bei uns im Dorf ungefähr 20 Bauernhöfe und kein Gewerbegebiet. Jetzt gibt es noch einen einzigen Bauern und drei Gewerbegebiete. Mir wären zwei Gewerbegebiete und zehn Bauern lieber, aber das Leben ist kein Wunschkonzert - es sei denn, man ist Bundeslandwirtschaftsminister:

Horst Seehofer im Interview: “Wir dürfen Nahrungsmittel nicht in hohem Maße importieren”, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die beiden Mantras von Onkel Hotte sind:

1.) Wenn wir den Landwirten schon durch unseren Dirigismus das Leben schwer machen, dann müssen wir ihnen wenigstens einkommenssichernden Vertrauensschutz gewähren.

und

2.) Ich will nicht, dass unsere Abhängigkeit vom Ausland bei Nahrungsmitteln ein ähnliches Maß erreicht wie bei der Energie.

Mantra # 1 führt dazu, dass Subventionen und Beihilfen auch dann noch gezahlt werden, wenn sich alle Beteiligten darüber einig sind, dass das Unsinn ist bzw. wenn selbst ein Blinder mit Krückstock diesen Unsinn erkennen kann.

Mantra # 2 führt zu Protektionismus und Welthandelshemmnissen, die dann letztlich im Falle der “Entwicklungsländer” wieder mit Subventionen in Form von “Entwicklungshilfe” kompensiert werden.

Wenn ich mir das Interview so durchlese, bin ich geneigt, dem Seehofer recht zu geben: Wenn schon Wahnsinn, dann auch konsequent. Andererseits: Warum ausgerechnet Horst Seehofer und ausgerechnet die EU, die in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich der Landwirtschaftspolitik ihr Versagen nun wirklich hinreichend unter Beweise gestellt hat, dafür qualifiziert sein sollen, die richtigen strukturpolitischen Maßnahmen zu treffen, ist mir nach wie vor schleierhaft.

Gestern lief im Deutschlandfunk ein Feature über eine Landwirtsfamilie (Achtzehn Jahre nur malocht. Der Kampf eines Bio-Milchbauern um 40 Cent. Von Thomas Hartwig, Deutschlandfunk). Nun kann man es in Deutschland fast ausschließen, mal ein Berufs-Porträt zu erleben, wo Vertreter dieses Berufes sagen, dass sie ihren Beruf lieben, dass sie ihn gerne ausüben und dass sie sich nicht auf die Rente freuen.

Bei Porträts über Landwirte kommt das erst recht nicht vor - und m.E. haben Landwirte nun wirklich Grund zur Klage; ihr Einkommen mag (nur) stagnieren, aber fragt nicht nach dem Stundenlohn. Und Urlaub kann man ganz vergessen. Was mir aber gerade in letzter Zeit auffällt (wirklich rein subjektiv), wenn Landwirte zu Wort kommen, das ist der Umstand, dass nicht mehr in erster Linie über “die Politik” oder “die EU” geschimpft wird, sondern öfter Sätze fallen wie “Ich wäre gerne mein eigener Herr” oder “Ich würde gerne die Entscheidung darüber, was ich anbaue, selber treffen.”

Das wäre für Liberale die ideale Zielgruppe.

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2 Kommentare zu “Über Subventionen für die Landwirtschaft”

  1. 16.01.2008 | 20:25

    Guter, Text, einen bedeutenden Einwand habe ich aber:

    Sie haben geschrieben: “ihr Einkommen mag stagnieren”. Und dieser Satz trifft derzeit nicht zu. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind in den letzten Monaten so ehr gestiegen (teils durch planwirtschaftliche Experimente im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe, teils durch höhere Nachfrage, teils durch Angebotsverknappungen infolge von schlechten Ernten), dass die Bauern in Deutschland steigende Erträge erwirtschaften. Dies hat u.a. dazu geführt, dass die Deregulierung im Zuckermarkt (einer der höchstregulierten Agrarmärkte überhaupt) zu keinen nennenswerten Protest bei den Zuckerbauern geführt hat, da sie auf andere Landwirtschaftliche Produkte ohne Einkommensverluste umsteigen konnten.

    Also sollte man meiner Meinung nach gerade jetzt reformieren - einen besseren Zeitpunkt dürfte man nicht finden.

  2. 16.01.2008 | 20:52

    Mal ganz abgesehen davon, dass ich die Klagen vieler meiner ehemaligen Kollegen durchaus nachvollziehen kann, man muss die Kirche aber doch im Dorf lassen

    “Ich wäre gerne mein eigener Herr” oder “Ich würde gerne die Entscheidung darüber, was ich anbaue, selber treffen.”

    Das ist doch nun wirklich absoluter Unfug, er kann doch anbauen was er will, niemand zwingt ihn die Subventionen in Anspruch zunehmen. Nur wenn er sie haben möchte, dann gelten halt bestimmte Regeln und diese besagen, dass er z.B. 3 Kulturen in seiner Fruchtfolge haben muss, mindestens 15% eine Jede (bin nicht ganz sicher) und eine davon darf maximal 60% der Fläche ausmachen. Also warum verzichtet er nicht auf die Prämien und schon ist er sein eigener Herr.

    Wenn ich allerdings davon ausgehe, dass solche Äußerungen wohl eher von Spitzensubventionsempfängern stammen, so ist es schon schwer auf 50.000, 100.000 oder auch schon mal auf mehr als eine Million aus der Staatskasse zu verzichten.

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